Tagesarchiv: Mai 7, 2008

Bummsfidel, Markt und Sonnenschein

Heute war bei mir Markttag. Ich schlenderte am Rückweg nach Hause über den Markt, der nicht sonderlich groß ist, aber doch das notwendigste anbietet.

Die Gemüsehändler sind nur mehr Türken, die in der Früh die Ware vom Großgrünmarkt holen, den Stand aufbauen und ihn abends wieder abbauen. Kein Österreicher tut sich das mehr an. Dann gibt es noch zwei Blumenstände, einer davon ist der Stand eines fixen Geschäftes in der gleichen Gasse. Dann noch eine überaus gut sortierte Käsebar, untergebracht in einem kleinen Anhänger oder Wohnwagen, also diese fahrenden Marktwagen, keine Ahnung wie sie heißen. Nur vom Käse habe ich diesmal nichts mitgenommen. Was ich bemerkte, dass sie dort die Zotterschokoladen um 1,40 billiger verkaufen, als beim Meinl am Graben (Halsabschneider der Mohr).
So kaufte ich bunt gemischt bei allen Ständen ein wenig ein.
Meine wöchentlichen Schnittblumen sind diesmal Pfingstrosen. Ich liebe diese Blumen und man zahlt dafür ein Wahnsinnsgeld. Da hätte ich vermutlich eher auf die Wochenenderweiterung des Bauernmarktes warten sollen.
Um die Apfellandschaft ist es im Moment auch arm bestellt. Es gibt Gala Äpfel mit allen erdenklichen Namen und sie schmecken alle gleich, wie seinerzeit die Golden Delicious, die Gott sei Dank kaum mehr angeboten werden (so wird in 5 Jahren der Gala auch weg vom Fenster sein). Österreichs Apfelsortenlandschaft ist so reichhaltig, wieso wir die Einheitsapfelsorte ständig kaufen müssen, ist mir ein Rästel.

Ein Stand hatte Cox Orange, geschnappt, gekauft, sind sie für den Obstkorb bestimmt. Früher konnte man übrigens bei den Gärten des Stifts Klosterneuburg (bei Langenzersdorf, Seeschlacht) steigenweise wohlschmeckende Äpfel kaufen. Leider wurde die Apfelplantage verpachtet und man kann selbst im Klosterladen des Stifts keine mehr kaufen. Dafür Apfelsaft, aber den will ich nicht, wenn ich in die Frucht reinbeißen will.
Dann noch ein Stöckerl mit Petersil, das später noch in ein neues Töpfchen gesetzt wird, auf das es wachse und fleißig mehr Blätter bildet, als ich verkochen kann.
Der andere GEmüsestand, da herrschte eine Ruhe und Langsamkeit, denn man bemerkte mich die erste Zeit gar nicht. Welche Wohltat, so konnte ich mich in Ruhe umsehen. Dann endlich, drehte sich der beleibte Standler in meine Richtung. Wie man von so viel Obst so einen Bauch bekommen kann? Muss wohl vom Essen sein, denn Alkohol dürfen Türken glaube ich keinen trinken.
In der Hand hielt er eine perfekt gereifte grüne Avocado und holte mit dem Messer ein Stückchen heraus, das er mir bereitwillig zum Kosten anbot. Zu klein wäre es gewesen, meinte der Gemüsestandler, obwohl ich mein Lob ob des Reifezustands ausgiebigst losließ. Also noch ein Stückchen der nussigen Frucht und dann auf meine Ware gezeigt. Kleine, runde Zucchini, eine kleine schlanke Melanzani und dann, nachdem ich ihm sagte, was ich kochen wolle, noch drei Fleischtomaten. Bei einer war er nicht zufrieden, schnitt einen Teil weg und gab sie mir gratis dazu, ebenso wie den mittelscharfen Pfefferoni.
Er solle alles in das Sackerl reingeben. Musterte es und sagte: “Nix gutes Sackl, zu dünn, reißt, bessere sind grüne.” Mir egal, denn nun hatte ich ein blaues, ein gelbes und schlussendlich auch ein grünes Sackerl in der Hand. Abschluss war dann der türkische Supermarkt meines Vertrauens, der sich kürzlich vis-à-vis meiner Behausung ansiedelte. Nun wurde er getestet, ob ich da Lammfaschiertes bekommen kann. Keine Ahnung, warum die wenigsten türkischen Supermärkte faschiertes Lammfleisch anbieten. Er überlegte kurz, nahm einen Lammschlögel, banlte ihn aus und ließ ihn durch die Faschiermaschine. Durch die Gänge marschiert ging noch ein Sackl Kreuzkümmel mit, eine Packung dreieckige Yufka, zwei Packungen Schafskäs und ein Grillkäse, der so ähnlich wie Haloumi schmecken muss. An der Kassa wollte ich wissen, ob ich denn das türkische Bier “Efes” bekommen könne. Als hätte ich der türkischen Kassierin einen unsittlichen Antrag gemacht, hat sie laut “nein” gesagt. Und wo ich es kaufen könne? Das weiß sie nicht. Komisch, Efes ist eine riesige Brauerei in der Türkei, keiner darf es trinken und trotzdem geht die Brauerei nicht zu Grund.

Traritrara hier habe ich die Einkäufe ausgebreitet, komme ich zum Schluss, am Markt einkaufen ist alles andere als billig.
Dafür habe ich ein winziges Lokal entdeckt, das bei meinem letzten Besuch noch nicht offen hatte. Es heißt Auszeit und bietet Frühstück an. Vielleicht gönne ich mir nächstens eines in der Sonne und im Marktgeschehen.

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