Tagesarchiv: Mai 21, 2008

Tagebuch und Teddybär

Bei Bulgariana gelesen und auf die Idee (potzblitzauch, was bin ich gescheit) gekommen, über meine Tagebücher zu schreiben.

So viel: Ich hatte zwei Tagebücher. Das erste, weil man als Mädchen damals einfach Tagebuch geschrieben hat und ich es entweder zum Geburtstag, oder zu Ostern bekommen habe. Das weiß ich nicht so genau, denn alle paar Jahre habe ich nämlich am Ostersonntag Geburtstag.
Das zweite Tagebuch habe ich mir glaube ich selbst gekauft, weil ich im ersten so hässlich geschrieben habe (wie spießig).

Auf jeden Fall kann ich mich wie heute erinnern, ich saß vor dem depperten Büchl und hab einmal den noch viel depperten Schlüssel gesucht, weil man Tagebücher doch absperrt. Da aber fast alle Schlüssel von diversen Kasetten, Sparbüchsen und anderen Schlössern alle den gleichen Schlüssel besaßen, fand ich dann irgendeinen Schlüssel der endlich sperrte. Das kam mir damals gar nicht suspekt vor, sondern ich merke gerade, wie sehr man als Kind getäuscht wurde, in der Meinung man hat den einzigen Schlüssel für sein Geheimnis.
Der Leser erkennt gleich: Ich trug den Schlüssel nie an meinem Herzen und außerdem habe ich nicht jeden Tag hineingeschrieben, sondern nachgeschrieben und so getan, als würde ich jeden Tag hineinschreiben. *tilt*

Gut, das Tagebuch war offen und ich begann zu überlegen, mit welchem Stift ich schreiben sollte, weil man ja in ein Tagebuch schön schreibt (wie spießig). War diese Entscheidung getroffen, saß ich einmal vor dem weißen Papier und dachte mir, was schreibt man nur spannendes in ein Tagebuch, damit es sich auch lohnt, es abzuschließen.

Es gab nichts spannendes. Die Lehrer waren jeden Tag deppert (gestern erst sagte ein Freund zu mir, mir scheint du bist ein Lehrerhasser. I wo sagte ich, ich mag sie nur nicht.) und mit Freundinnen war ich ab und an wegen nichts und niemanden im Clinch. Ich war von 13 Schuljahren, 9 Jahre in reinen Mädchenschulen, das war als wäre ich im Kloster aufgewachsen. Null los gewesen!

Eine Sache beschäftigte mich im Tagebuch sehr und zwar, dass alle Freundinnen um mich schon die Periode bekamen und ich noch nicht. Ich kann mich erinnern, das bereitete mir ziemliche Sorgen und nun habe ich die Sorge, dass ich diese Sache der Mutter Natur endlich losbekommen will und deshalb blogge ich das jetzt hier. Ok, das war es auch schon. Als ich meinen ersten Freund hatte, war keine Zeit mehr zum Tagebuchschreiben, vermutlich haben da dann die anderen damit begonnen, ich weiß es nicht. Somit finde ich Tagebücher mehr als blöd und lästig, sie stehlen einem, wie bloggen die Zeit.

Mit 18 oder so, bekam ich einen Rappel und trennte mich von Kindheitserinnerungen. Ich verschenkte meinen Kinderwagen, mein heißgeliebtes Schlummerle (um das tut es mir leid), meine Bücher, wie Bärli Hupf, die Omama im Apfelbaum, die Stanisläuse etc (ich könnte heulen) und auch von meinen Tagebüchern. Zwei nicht vollgeschriebene Bücher hatte ich in der Hand und stand vorm Kolloniakübel. Da stand ich, der Kübel offen und ich weiß noch genau, ich hielt die Bücher über dem offenen Kübel und dachte ganz intensiv nach, ob mir das einmal leid tun würde, wenn ich die Tagebücher jetzt wegwerfe. Und so haderte ich mit mir und ließ sie doch hineinfallen. Leid tut es mir nur über die oben erwähnten Dinge, die ich wirklich vermisse.

Das ist übrigens Guitschi, mein einziges Relikt aus der Kinderzeit.

Er sieht etwas ramponiert aus, ist aber auch so alt wie ich. Komplett glatzig, so wie bald alle Männer meines Alters aussehen werden und halbnackt.
Die hellblaue Wollhose hat meine Mutter gehäkelt. Guitschi hätte einen kompletten Ausgehanzug in dieser schicken Farbe bekommen sollen, aber zu mehr reichte es nicht. Das zweite Hosenbein hat übrigens eine Freundin meiner Mutter gehäkelt, weil ich über Monate darauf warten musste.
Das Fell verlor Guitschi unter anderem auch, weil ich nur so einschlief, indem ich das Ohr meines Bären an meine Lippen legte. Und als das eine Ohr kein Fell mehr hatte, war es das andere und so wurde der Bär rundherum glatzert.
Ja, so ist das mit mir. ;-)

Was haben eigentlich Buben in der Zeit gemacht, oder machen es noch immer, wenn Mädchen ihre Zeit mit Tagebuchschreiben verplempern?

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Kreisender Verkehr

Heute bin ich mit meiner Mutter im Auto gedüst und haben erstaunlich viele Kreisverkehr passiert. Ich glaube, man kann keine 500 Meter Auto fahren, ohne einen Kreisverkehr zu benützen. Und so entstand eine kleine Diskussion im Auto, deren Lösung ich bis jetzt noch immer nicht habe.
Meine lieben Autofahrer und jene, die es noch werden wollen, oder lieber nicht, sagt mir wie das früher war.

Bin ich mit meiner Mutter mit dem Auto unterwegs, dann fahre grundsätzlich ich. Einerseits weiß ich, meine Mutter fährt nicht mehr so gerne und andererseits habe ich einfach keine Nerven mehr, mit ihr mitzufahren. Damit will ich nicht sagen, sie wäre eine schlechte Autofahrerin, aber sagen wir so, sie ist etwas unkonventionell unterwegs. Vermutlich ist das auch eine Frage des Alters und ich sollte mich auch schön langsam um einen Pferdewagen umsehen.

Auf jeden Fall kamen wir zu einem Kreisverkehr und ich habe wieder einmal eine Schimpfkanonade gegen Unbekannt losgelassen, weil selten bis gar nicht ein Blinkzeichen beim Ausfahren gegeben wird.
Das ist mehr als lästig. So trägt doch der Kreisverkehr dazu bei, den Verkehr einer normalen Kreuzung etwas geordneter abzuwickeln, wenn man sich aber an so einfache Dinge, wie Blinkzeichen nicht hält, weiß der Einfahrende nie, kann er nun fahren oder nicht. Mich bringt es nicht so aus der Ruhe, weil ich geb einfach Gas und bin schon im Kringel drinnen. Wenn aber vor mir ein(e) Zauderer steht, dann kann das schon ein wenig dauern, je nach Verkehrsaufkommen. Das bringt mich jedes Mal auf die Palme und ich wäre in dem Moment gerne Kreisverkehrspolizistin (welches Wort, welche Funktion, was für eine -verantwortungsvolle- Aufgabe …). Dabei bin ich nicht der geborene Ordnungsmensch, aber ich fahre gerne flott Auto und stehe ungern im Auto. (Wer nicht, aber ich sag es halt.)

Nachdem ich mich abgeregt hatte, in den Kreisverkehr einfuhr und wieder mit Blinkzeichen (! ganz wichtig :-) !) ausgefahren bin, diskutierten wir über Regeln und Vergangenheit von Kreisverkehren. (spannend, oder?) Zu meiner Führerschein- und Fahrschulzeit war der Gaußplatz bei Fahrschülern unheimlich gefürchtet. Weil dieser Kreisverkehr die Besonderheit hatte, dass die Straßenbahn das Dradiwaberl kreuzt und dadurch die Vorrangregeln eines Kreisverkehrs ad absurdum führt. Straßenbahnen haben ja so gut wie immer Vorrang, außer … das weiß ich jetzt nicht mehr, irgendwas mit Remise und von rechts kommend. Außerdem wurrlte es damals von Fahrschulautos, weil eben alle den einzigen in Wien befindlichen Kreisverkehr üben mussten. (? Praterstern war auch schon immer Kreisverkehr glaube ich, aber nicht so gefinkelt.) Das waren dann die Momente wo ich mit Schweißhänden das Lenkrad hielt, sobald wir in die Klosterneuburger Straße eingebogen sind und ich fix und fertig erleichtert den Verkehr über die Obere Augartenstraße verlassen konnte und zwar fehlerlos.

Aus dem heutigen Gespräch mit meiner Mutter gibt es noch offene Fragen, die ich noch nicht mit Google recherchierte, aber vielleicht kann sich jemand erinnern.

- Grundlegende Frage: Hat sich die Vorrangregel beim Kreisverkehr in den letzten Jahren, bzw. Jahrzehnten, ich bin ja schon eine alte Haut, geändert?
- Grundlegende Antwort: Die Gesetzeslage bestimmt, bei der Einfahrt in den Kreisverkehr ist Vorrang zu geben (auf Wienerisch heißt das man “hat Nachrang”). Das im Kreisverkehr fahrende Fahrzeug hat Vorrang und muss bei der Ausfahrt Blinkzeichen geben.

Nun steht mit meiner Mutter noch immer zur Diskussion, früher hatten die einfahrenden Fahrzeuge alle Vorrang und im Kreisverkehr befindliche “Nachrang”, daher musste man damals kein Blinkzeichen geben, wenn man ausgefahren ist?
(Ich sag übrigens nein, die Vorrangregeln haben sich im Kreisverkehr nicht geändert, sonst wüsste ich nämlich die neuen Regeln gar nicht. ;-)) Leider habe ich auch mein altes Fahrschulbuch nicht mehr und keinen Zugriff auf einen Fahrlehrer.

Also wer kann sich erinnern? Haben vor 30 oder 40 Jahre andere Regeln für Kreisverkehre gegolten, als heute?
Was ist euer liebster Kreisverkehr? Da wo man mit einem flotten 70er in die Kurven eineschlenzen kann, oder dort wo man ewig steht und nicht reinkommt, weil …. genau Blinkzeichen vergessen werden. ;-)

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