Monatsarchiv: August 2008

Wortkreationen

Die gestrige Fernsehdiskussion war unspektakulär. Der Wolf (Haider) hat Kreide gefressen und war relativ ruhig. Molterer hat so einen starren Blick, dass ich mich davor richtig fürchte. Sollte mich wer fragen, hier saßen die beiden künftigen Koalitionspartner beisammen.

Hat irgendjemand aus der gestrigen Konfrontation Nutzen gezogen und klare, handfeste Aussagen gehört?

Nun kommen wir zur Nachbesprechung, die in der anschließenden ZIB geführt wurde, die wirklich sehr empfehlenswert ist. Fixstarter ist (neben einem wirklich cleveren Politologen) Frau Dr. Sophie Karmasin, Motivforscherin und Mitarbeiterin des mütterlichen Marktforschungsinstituts. Sie hat bereits ihre sehr eloquente Mutter abgelöst und versucht sich in psychologischen Betrachtungen der Politdiskussionen. Sie sollte Politikerin werden, denn sie wiederholt sich gerne, dürfte die Aussagen der Politiker nicht sonderlich verstehen, da sie immer wieder kritisiert, es werde mit so viel Zahlen geworfen. Nur einmal hat Haider ein Kärntner Sparmodell hochgerechnet, das man einfach nur zur Kenntnis nehmen musste, weil so viel an Informationen/Zahlen fehlte, man konnte es gar nicht hochrechnen. So auf die Art: Hier steht ein Zwetschkenbaum und am Ende des Jahres tragen die Nussbäume daneben viele Früchte und das ist eine direkte Ersparnis für die Bevölkerung. Aha!

Um auf Frau Sophie Karmasin zurückzukommen, sie unterhielt mich mit ihren überaus kreativen Wortgebilden. Das letzte Mal war es, bezogen auf die Rechenexempel von van der Bellen und Faymann, das Wort

“detailistisch” – ist das nicht schön? Es klingt wie eine gefakte Designerhandtasche.

Ich wollte darüber großzügig hinweggehen, aber gestern hat sie wieder so eine schöne Wortkreation geschaffen und mit so großer Freude mehrmals wiederholt, da muss ich einfach weitermachen.

“angriffig” – War Haider weich, oder rauh im Griff – Kroko-, oder Kängurulederhandtaschl?

Ich freu mich schon auf das nächste Mal, was sie sich einfallen lässt. Auf jeden Fall ist es sehr unterhaltig, wenn man aufmerksamistisch ihren Ausführungen folgt.

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Essbarer Baumstamm

Mhhhmmmm, heute bin ich zeitig dran. Im Ofen bäckt gerade Bananenbrot und ich denke aber an AUER Baumstämme, wenn ich Dandus Lebensmittelumfrage beantworten muss. Wie ich diese Stöckchen …. nicht ausstehen kann …. liebe!

1. Welche drei Nahrungsmittel sind für dich unverzichtbar?

- Schwarzbrot, eines mit einer knusprigen Kruste. Ich liebe zwar auch Weißbrot, das ganz hervorragend in Frankreich gebacken wird, aber ohne Schwarzbrot könnte ich nicht sein.
– Gemüse in jeglicher Form, am liebsten aber knackig gebraten und mit ein paar Kräutern, einem Klecks Butter und ein bisschen Olivenöl durchgeschwenkt.
– Fisch, wäre er hier günstiger und leichter zu bekommen, ich würde viel mehr davon essen. Am liebsten mag ich Fische mit einem festeren Fleisch, Angler, Kabeljau, Goldbrasse, etc. aber auch die Herumfitzlerei mit Muscheln mag ich sehr gerne, besonders wenn sie in einer guten, kräftigen Sauce schwimmen, oder würzig überbacken wurden, wie zum Beispiel Jacobsmuscheln.

2. Welche drei Nahrungsmittel magst du überhaupt nicht?

- Austern esse ich schon, aber nicht mit sonderlich großem Appetit. In Amerika werden sie mit einer Ketchup-Kren-Sauce gereicht, das verfälscht den Geschmack total, aber jedermann kann sie essen. Auf Sylt habe ich herrliche überbackene Austern (in Pernodsauce, Kräuter, …) gegessen und auch in Naturform, sie kommen meinem Geschmack schon eher nahe, aber ich würde nicht extra deswegen eine Reise in Kauf nehmen.
– Fenchel, das ist ein Gemüse, das mir gar nicht zusagt.
– Selleriestange auch nicht. Ok, ich esse sie mit einem Blauschimmeldip, aber einfach so reinbeißen wäre nicht meins.

3. Gibt es ein Nahrungsmittel, das du gerne mal probieren möchtest? Wenn ja, welches?

- Heuschrecken, obwohl mir beim Gedanken daran ekelt. Ich kann mir aber vorstellen, diese Tiere sind recht knusprig.

4. Was ist dein Lieblingsgetränk?

- Espresso, ich bin ein Kaffeejunkie. Wenn ich an meine gesunde Seite denke, dann Wiener Leitungswasser, eine Minute rinnen lassen und in ein Glas Wasser füllen, warten bis es sich beschlägt und dann trinken. Herrlich, es gibt nichts besseres!

5. Welche Süßigkeit isst du am liebsten?

- Topfiges in jeder Variation!

6. An wen gibst du das Stöckchen weiter?

- Wer Lust und Liebe hat, darf es aufklauben und im Cyberspace brennen lassen.

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So schnell geht das!

Ich habe gerade irrtümlich alle Feeds als gelesen markiert und gelöscht. Holladerido, holladero, wos sogst denn do?
Wie schnell man Ordnung machen kann und mein Schreibtisch blinzelt einmal ganz frei in die Gegend herum.
Was für ein Tag!

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Pekingente

Apropos, Olympia ist zu Ende.
So spektakulär im Vorfeld darüber berichtet wurde, man hoppatatschig, gefälschte singende und in ethnischer Tracht auftretenden Mädchen aufdecken wollte, so sang- und klanglos ging es vorbei.
Haben alle, die sich vornahmen keinen Olympiabericht zu schauen, auch nicht geschaut?
Haben sich die Österreicher über die deutsche Kanu??? (wie sagt man zu einer Kanupaddlerin? Kanudatin, Kajakerin, oder einfach nur Wildwasserpaddlerin? Kanuten haben nichts zu tuten, wenn sie nämlich im Kajak sitzen :-D) gefreut und die Deutschen über den stärksten österreichischen Mann?

Also irgendwie hat die Globalisierung bei den Spielen auch nicht Halt gemacht. Mir hat wenigstens mein Olympia Ratatouille geschmeckt und das war die Hauptsach.
Und was ist mit Tibet, wo Russland jetzt in Georgien sitzt?

Weiterarbeiten!
Es grüßt die Ente

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Zwetschkenfleck

Der Fleck ist im Wienerischen mit mehrfacher Bedeutung und zwar zusätzlich zum Hochdeutschen
Fleck = Batzn (beim Essen anbatzn), gibt es noch die Bezeichnung für
einen “Fetzn”, Fleck, Pinsch = negative Schulnote, nicht genügend
Fleck geben = beim Kartenspiel Kontra geben, zum Beispiel beim Bauernschnapsen, wenn einer glaubt sich mit einem Dreistichschnapser wichtig machen zu müssen. :-)
an Fleck = große Geldnote, früher 1000 Schillingschein
da Fleck = Geldbörse
in Verbindung mit Obst = Germteigkuchen

Mit diesem kleinen Exkurs greife ich natürlich gerne wieder zu typisch österreichischer Küche. Von meiner Freundin den Zwetschkenbaum ein wenig geplündert (sie hat dieses Jahr viele Zwetschken und auch Nüsse), ist die Herstellung für mich diesmal sehr günstig ausgefallen.

Zutaten:
(1 dag = 10 g)
25 dag glattes Mehl
2 dag Germ
4 dag Staubzucker
4 dag flüssige, abgekühlte Butter
1/8 l zimmerwarme Milch
2 Dotter
1 Ei
Prise Salz, Zitronenschale, Zimt, Kristallzucker
1 EL Vanillezucker
ca. 1 – 1,5 kg Zwetschken

Für den Germteig ist zu beachten, dass alle Zutaten unbedingt zimmerwarm sein müssen, sonst geht die Germ nicht (außer beim kalten Germteig, den man zum Beispiel für die Herstellung von Preßburger Nuß- oder Mohnbeugel benötigt).

Zuerst ein Dampfl bereiten. Ich weiß nicht, woher ich das habe, vermutlich von zu Hause überliefert, aber ich mache das Dampfl immer anders, als es in Kochbüchern beschrieben wird und es funktioniert auch. Ich brösel den Germ in ein Häferl und streue darüber ein wenig Kristallzucker, dann rühre ich diese Mischung so lange, bis sie flüssig wird, gebe ein wenig lauwarme Milch dazu und streue darüber Mehl. Dann das Dampfl zudecken und an einen warmen Ort stellen. Ganz gut funktioniert das im Dampfgarer bei 40° und 60% Luftfeuchte, deshalb muss man das Dampfl bei diesem Gerät auch nicht zudecken, weil es durch die Feuchtigkeitszufuhr nicht austrocknet.
Wenn das Dampfl ordentlich gegangen ist, dann alle Zutaten zugeben und mit dem Knethaken der Küchenmaschine zu einem glatten Teig verarbeiten. Den Teig wie oben beschrieben gehen lassen und dann wieder kneten, zwei Mal wiederholen, dann wird der Teig besonders feinporig.
In der Zwischenzeit die Zwetschken waschen, teilen, entkernen und in Viertel schneiden. Gemeinsam mit Kristallzucker und Zimt in einer Schüssel verrühren.
Den fertigen Teig auf Backtrennpapier in Größe eines Kuchenblechs auswalken und dicht mit Zwetschken belegen. So eine Ordnung in der Küche habe ich nur, wenn ich Zwetschkenfleck mache, da liegen die Obststücke wie Soldaten in Reih und Glied und muksen nicht. Nochmals rasten und gehen lassen, dann mit Kristallzucker bestreuen und im Ofen bei 160° C ca. 30 Minuten backen.

Wenn der Zwetschkenfleck fertig ist, dann bestreiche ich die Früchte mit warmgemachter Marillenmarmelade, die vorher noch mit Slibowitz ein wenig Geist bekommt. Leider war der “Zwetschkane” schon ausgetrunken, daher musste ein Schuss Armagnac herhalten, der sich auch ausnehmend gut auf dem Gebäck ausmachte.
Wer will, kann den ausgekühlten Kuchen noch mit Staubzucker bestreuen, oder lässt ihn einfach im Glanz so erstrahlen, wie man ihn schuf.

Dieses Rezept ist für den Event “Pflaumen & Co” bestimmt.

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“If you know who’s singing, you’re a true expert!”

Es wird die österr. Presse voll mit irgendwelchen Nachrufen sein und ich finde es einerseits unpassend und andererseits doch notwendig, daher auch hier.
Hansi Lang ist gestern im Alter von 53 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Ihn bezeichnet man als Poplegende, Lieder wie Josefine oder Ich spiele Leben haben wir im Ohr, weniger seine soulige und jazzige Seite, nur als MySpace Link Me and Mrs. Jones, übrigens soll jetzt im Herbst Slow Club II herauskommen und dann noch eine Aufnahmel mit Harri Stoika (genial!).

Ein sehr schöner Nachruf ist auf fm4 zu lesen, es ist dies die Zusammenfassung von einer Sendung, die heute auch im LiveStream auf fm4 von 19.oo – 22.oo h nochmals gesendet wird, oder als mp3 heruntergeladen werden kann. Sollte man sich anhören!

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Zweiter Turm für den Stephansdom

Wer den Titel liest, meint es handle sich um einen Aprilscherz im August und Recht hat er, denn ich fühlte mich genau so. Im zweiten Moment erinnere ich mich an das Lied “Sie habn a Haus baut, sie habn uns a Haus herbaut.”

Nur diese Idee, den Nordturm aufzustocken ist tatsächlich spruchreif und so geheim, dass darüber der ORF berichtete. Der Wiener Stephansdom ist seit jeher nur mit einem Turm in unserem grafischen, touristischen (Mannerschnitten-)Gedächtnis verankert und dieser eine zeigt, so wie Dompfarrer Anton Faber meint, wie ein Zeigefinger direkt in den Himmel, wo wir (geläuterte) Sünder alle hinkommen.

Wer sich nicht so sehr mit der Geschichte und den Wiener Sagen des Doms beschäftigt hat, dem fehlt der zweite Turm wohl gar nicht, oder hat sich einer jemals darüber Gedanken gemacht? Vielmehr ist es so, dass der Nordturm nie fertig gestellt wurde. Wirtschaftliche Krisen um 1500, die drohende Gefahr der Türken und auch das Geschwätz der Wiener Bürger, der Dombaumeister Puchsbaum hätte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, ließen den Bau nicht weiterkommen und man hörte einfach bei 68 Meter auf.

Nun hat sich ein ganz weltlicher Teufel Gönner gefunden, der im Verborgenen bleiben will und das Geld für die Aufstockung des Nordturmes spendieren möchte. Im Architekturzentrum am Schillerplatz läuft ein Wettbewerb unter den Studenten und es entstehen ganz witzige Vorschläge. So gibt es unter anderem den Vorschlag, den Turm gemäß der Wiener Sage (siehe oben Link Puchsbaum) in Richtung Erdmitte wachsen lassen. Diese Idee ist natürlich mein Favorit!

Andere wollen wieder eine 1:1 Kopie des Südturmes dort entstehen sehen. Der launige Berliner Architekt Kühn meint, Wien als Tor zum Osten sollte als Gegenpol zum Christentum ein ebenso großes Minarett aufstellen. Das finde ich ja recht alternativ lustig (in fremden Ländern, kann man solche Ideen wohl gerne plazieren) und wäre sicher ein super Wahlkampfthema. Die Bezirksvorsteherin des ersten Wiener Bezirkes, Frau Dr. Stenzl ruft laut, echauffiert und empört: “Nur über meine Leiche” – hehehe …. – “Das ist doch eine reine Selbstverwirklichung der Architekten – der Stephansdom bleibt als Wiener Wahrzeichen, wie er ist, sonst wird die ganze City zur Protestzone gemacht”. Hört, hört …
Tatsächlich haben wir uns alle an die Asymmetrie gewöhnt und darauf aufmerksam gemacht, bemerkt man tatsächlich, dass kaum ein Dom dieser Größe nur einen Turm aufweist. Vielleicht sind zwei Türme auch typisch für die gotische Bauweise, das weiß ich jetzt ehrlich gesagt nicht. Übrigens wer es nicht gewusst hat, der Südturm ist ein Trum (Wienerisch für großes Stück und kein Schreibfehler) mit 137 m und war nach seiner Fertigstellung 1433 über lange Zeit hinweg das höchste Gebäude der Welt. Der Nordturm ist 68m hoch, früher mit einer (schiefen) Kirchturmspitze, dann mit einer Kuppel versehen und tatsächlich unauffällig klein. Klein aber fein beherbergt er die Pummerin, die große Glocke, die das Neue Jahr in der Silvesternacht einläutet.

Angeregt durch den Bericht, stolperte ich bei meinem letzten Citybesuch gen Dom und wollte den Turm besteigen. Den Südturm kann man über Stiegen erklimmen. Es müssen so an die 370 sein, genau weiß ich das nicht, dazu fehlte mir die Luft, um mir das zu merken. Den weniger hohen Nordturm erreicht man mittels Aufzug, dort war ich schon ewig nicht mehr. Von meinem luftigen Ausflug in die Türmerstube des Südturms habe ich ein paar Bilder mitgebracht und entscheidet selbst, welche Turmvariante für euch interessant wäre.

Viele Links in dem Beitrag, klickt die eigentlich auch wer an? ;-)

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Abgeschaut und nachgemacht, Pastasotto

Manche Dinge behält man im Kopf und weiß nicht mehr (Reizüberflutung) woher sie genau stammen.
Die Zubereitung eines Pastasottos war mir gänzlich unbekannt und musste ausprobiert werden.

Schnell einfach und unkompliziert ist die Kocherei, woher ich die Idee nahm, dafür arpa sehriye, die türkischen Nudeln in Reisform zu verwenden, kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Es könnte bei Bolli, bei lamiacucina, oder bei Dolce gewesen sein. Wenn jemand weiß, wo ich den Kommentar hinterließ “gute Idee”, der möge sich bitte melden, er wird postwendend verlinkt.

Nun zu meinem unkomplizierten, unkapriziösen Pastasotto.

1 mittelgroße Zwiebel würfeln und in Öl anbraten
1 Knoblauchzehe kleingewürfelt dazu
1 Tasse arpa sehriye dazugeben und kurz anschwitzen
dann nach und nach mit passierten, mit Suppe verdünnten Tomatenpürree (ca. 3/4 l) aufgießen und rühren.
Nach ca. 10 Minuten halbierte Cocktailtomaten dazugeben, mit Oregano, Basilikum, Salz und Pfeffer abschmecken und weitere 8-10 Minuten schmoren lassen.
Die Garzeit habe ich nun ergänzt, weil anscheinend die Gesamtzeit missverstanden wurde. Ich stehe weder mit Stoppuhr in der Küche, noch halte ich mich streng nach vorgegebenen Zeiten. Man muss, so wie beim Risotto immer einmal kosten, ob man die Nudeln so mag. Manche mögen sie auch quatschig, die anderen bissfester, daher schreibe ich auch keine fixen Zeiten hin. Auch sind die Grundprodukte gerade in verschiedenen Ländern eben total verschieden. Auf jeden Fall ist ein pastasotto schneller fertig als ein Risotto.

Wenn das Pasta(ri)sotto bissfest gekocht ist, auf einem Teller anrichten, mit Olivenöl beträufeln und gehobelten Parmesan bestreuen.

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Hans Wurst im skandinavischen Kartoffelsalat

Mich amüsiert immer wieder welches Gsturi um den Erdäpfelsalat gemacht werden kann. Jeder hat sein über mehrere Generationen überliefertes Geheimrezept und meint eben nur dieses hätte den gloreichen Siegeszug über ganz Europa, was sage ich, die Welt gemacht.

Nein, mein Erdäpfelsalatgeheimnis werde ich für mich behalten, dafür verrate ich die aufwendige Rezeptur eines recht erfrischenden Sommerkartoffelsalates, die aus einem amerikanischen Kochbuch stammt und seinen Ursprung in Skandinavien sucht (über mehr geografische Ecken geht es wohl nicht mehr?). In diesem Buch steht übrigens auch, die Dille wurde zuerst in England 1600 n.Chr entdeckt, wikipedia erzählt, die Ägypter hätten das Kräutl schon 1500 v.Chr. in Verwendung. Eigentlich egal, wenn man als Frau bei der Hochzeit folgendes beachtet:

Man solle sich als Braut etwas Dill und Senfkörner (Prinzessin auf der Erbse?) in die Brautschuhe legen und während der Trauung leise vor sich hin flüstern „Ich habe Senf und Dill, mein Mann muss tun, was ich will“, dann hat man die ganze Ehe die Schuhe an, sprich das Sagen. Also wer noch die Chance hat, es sich zu verbessern, soll seine Brautschuhe mindestens 1-2 Schuhgrößen größer kaufen und ordentlich von dem Zeugs hineinstopfen.

Und weil der Rest des Gerichtes vor dem Hauptgericht fertig wurde, musste ein Frankfurter (Würstel) herhalten, das leider, so geht es einer Wurst die mit Dillschuhen aufwächst, ein wenig zu braun im Rohr vergessen wurde. Würde ich die braune Wurst politisch unkorrekt (warum ist dieses Wort eigentlich so schlimm?) so taufen, käme ein Aufschrei, daher heißt sie einfach Hans Wurst – weil eh schon alles wurst ist.

Hans Wurst im skandinavischen Kartoffelsalat

1/2 kg Erdäpfel (ich weine der Sorte Sieglinde nach, was soll man tun? Daher bitte festkochende Sorte kaufen)
1/4 l Sauerrahm
1 mittelgroße rote Zwiebel
1 Handvoll Dillspitzen
Salz. Pfeffer

Die Erdäpfel roh schälen und in gleichmäßige Würfel schneiden und im Salzwasser ca. 10 min. bissfest kochen. In der Zwischenzeit den Rahm in einer Schüssel mit Salz und Pfeffer cremig rühren. Dann die fertigen Kartoffelwürfel abseihen und noch heiß in den Rahm leeren und gleich vermischen. Dann die fein würfelig geschnittenen Zwiebel dazu geben, sowie die gehackte Dille. Nochmals gut durchmischen und wenn möglich 4 Stunden gut durchziehen lassen. Vor dem Servieren nochmals mischen und eventuell etwas Sauerrahm hinzugeben, wenn der Salat zu trocken ist.

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Lesestoff einer realitätsnahen Fantasie

Gestern wieder eine nette Sendung im ORF erwischt. Man muss einfach nur den ganzen Serienschmonz durchdrücken und sich irgendwo in der Zwischenzeit eine x-fache Wiederholung eines Uraltstreifens ansehen und nebenbei Zeitung lesen, bis man dann zu den guten Sendungen kommt, die man mit Aufmerksamkeit ansieht.

Unter anderem gab es gestern eine Buchempfehlung zu André Hellers neuem Buch “Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein”. Eine autobiographische Fantasieerzählung, denn die Rahmenhandlung hat mit Hellers Leben einiges gemein, die Details ob sie der Wahrheit entsprechen lässt er für den Leser offen.
Ganz interessant seine Aussage, die ich vom Inhalt auch so lebe und sehe: Es wird einem irgendwann einmal ein Kübel Kindheit aufgesetzt und alle Kindheit rinnt und tropft über den Körper und ist für manche schier unerschöpflich. Für jene, die ihr UnGlück ihrer Kindheit zuschreiben, ich wurde nicht geliebt, geschlagen, ins Internat abgeschoben, bla bla bla lassen den Kübel einfach am Kopf und laufen blind durch die Gegend.
Andere können sich früher oder später gar nicht von ihrer Kindheit lösen – von dieser Betrachtungsweise, um wieder Kind zu werden. Jeder von uns hatte und hat die Möglichkeit aus dieser Vergangenheit herauszusteigen, wenn wir auch selbstkritisch zu uns selbst sein können. Dinge betrachten, die nicht so gut liefen, uns vermutlich seelisch sehr nahe gingen, aber genau diese Erlebnisse Auslöser waren und sind, aus dem damaligen Kind ein neues zu machen.

Das Buch gibt es beim großen Buchversand auch als Hörbuch. Ich bin nicht der Freund von Hörbüchern, aber Heller muss man einfach mit Heller hören, das ist einfach ein Erlebnis. Ich liebe seinen Sprechgesang, die Akzentuierung einzelner Wörter, Silben und wie er durch den Einsatz von fortepiano einem einzelnen Wort Gewicht gibt, um es im selben Moment wieder für das nächste unwichtig zu machen.

(Ich mach ungern Werbung, aber die Empfehlung auf jener Seite für “Heurige und gestrige Lieder” Heller und Qualtinger, ist wirklich genial!)

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