- aber bringt sie’s wirklich?
Gestern war es wieder soweit. Da man Pakete leider noch immer nicht per e-mail oder Fax versenden kann, war wieder ein Gang zum Postamt notwendig. Eines muss ich schon sagen, ich brauche in jede Richtung keine 10 Minuten zu Fuß zu einem Postamt, also beide liegen durchaus nah beinander. Meistens nehme ich das, wo ich bergab hingehen kann. Da befindet sich auch ein Pseudo Einkaufszentrum und man kann sich an allerlei nutzlosem Zeug erfreuen. In die andere Richtung gibt es auch eine Post, die ist so wunderschön retro, obwohl sie die Bezirkshauptpost ist. Aber da war ich ja nicht, deswegen kann ich darüber dieses Mal nicht schreiben. Es wird sich wieder ein Packerl ergeben.
Also rolle ich mit meinem faustgroßen Paket in Richtung Post. Die Sendung geht nach Irland, eine Dankeschön-Sendung für einen Gefallen, der mir erwiesen wurde. Vorher recherchierte ich, ob es für diese Adresse tatsächlich keine Postleitzahl gibt. Finde in diesem Ort ein Hotel und auch das hat keinen zip code. Eigenartig, denke ich mir und meine, ich frage bei der Post nach – mit wenig Hoffnung, die richtige Antwort zu bekommen.
Ich nähere mich dem Postamt. Draußen bewirbt man nicht die Dienste der Briefzustellung, aber Angebote für ein neues Handy. Dieses Postamt ist relativ neu, keine Türschnalle, denn die Tür geht von selbst auf. Man muss zuerst durch einen längeren Gang hindurch gehen, wo eigentlich nichts steht. Irgendwie erinnert das noch an die Maul- und Klauenseuche, als man durch Schleusen gehen musste.
Dieses Postamt, also „meine“ Post veränderte sich im Laufe der Zeit. Sie ist ein sogenanntes Durchhaus. Man kann auch vom Einkaufszentrum durchgehen und wird direkt vor der Polizei in die nächste Gasse ausgespuckt. Manchmal verwende ich diesen Weg, um einen Abschneider zu machen. Ich hoffe, das verfälscht nicht die Statistiken für die Frequenz dieses Amtes. Kurz vor dem Ausgang, oder Eingang, je nachdem aus welcher Richtung man kommt, gab es früher zwei Paketschalter, wo man nie Angestellte vorfand. Wer ruhig und geduldig auf die Mitarbeiter wartete, hatte schon verloren. Daher war es für mich üblich, kaum von der Seite Polizei hereinkommend „Paketaufgabe bitte“ zu rufen. „Bitteeeeee“ muss man so lange ziehen, das kenn ich noch aus Straßenbahnzeiten, als der Schaffner „Jemand zugestiegeeeeeen“ rief und das verschaffte Gehör. Man trippelte also weiter und stand dann vor den leeren Schaltern. Plötzlich entdeckte das geschulte Auge ein Haarschippel, das aus dem Lagerraum lugte. Ein wenig den Kunden warten lassen, man hupft doch nicht gleich, nur weil jemand ein Paket aufgibt. Auf jeden Fall durfte man dort als Kunde mit relativ geringem Zeitaufwand sein Paket aufgeben. Jetzt sind die beiden Schalter verbrettert und bieten den werten Angestellten einen vergrößerten Ruheraum für medidative Langeweile. Man geht also – wieder von der anderen Seite kommend – durch den schon erwähnten Quarantäneschlauch, wie eben auch von der Maschekseite. Dann betritt man den Schalterraum. Linker Hand die Post als Bank. Hier sitzt immer einer und starrt in seinen Bildschirm. Kunden gibt es kaum welche, obwohl es früher vor der BAWAG der letzte Schrei war, sich ein Konto bei der Post zu nehmen. Wenn man meint, der Schalter-Bankbeamte darf auch Pakete, oder Briefe postfertig machen, oder Aus- und Einzahlungen vornehmen, der hat ich getäuscht. Er ist Bankbeamter und verkauft vielleicht Bausparverträge (Reizwort für Ente!). Die nächsten beiden Schalter schauen bewohnt aus, sind aber immer leer. Der eine ist glaube ich für Reserve und beim anderen durfte man früher nur eingeschriebene Briefsendungen aufgeben und abholen. Alles hatte seine Ordnung und wer sich falsch angestellt hat, weil er einen normalen Brief aufgeben wollte, musste den Schalter wechseln.
Ein paar Schritte weiter und man steht im Herz des Postamtes. Das Herz zeichnet sich durch ca. 25- 30 wartende, vor Unruhe pulsierenden Kunden aus. Vier Schalter, zwei besetzt. Die Kunden stoßen sich, sie reiben sich aneinander und kommentieren, warum da nichts weitergeht. Bei all dem Geschehen habe ich schon immer bewundert, wie gut Postbeamte abschalten können und ihr Ding durchziehen. Es könnte sich die Sprinkleranlage einschalten und der Postler macht weiter, möge da kommen und gehen wer will. Vorschrift ist Vorschrift. Kommen und gehen tut ständig wer. Zwei arbeiten hinter dem Schalter und drei rennen unentwegt im Hintergrund als Statisten hin- und her. Eigenartiger Weise faxen alle irgendetwas. Ob das die ersten Probedurchläufe für Faxpakete sind? Wir fassen zusammen: Das Postamt besteht aus einem Bankbeamten, zwei Schalterbeamten und drei Faxversendern. Einer davon heißt Manfred und ist der Chef des Postamts, wie ich im Lauf der Wartezeit erfahren habe. Noch eine halbe Stunde länger gewartet und wir hätten Bruderschaft getrunken.
Das Herz des Postamtes zeichnet sich nicht nur durch Unmengen von Wartenden auf, sondern auch durch allerlei aus Pappkarton zusammengefalteten Verkaufsständen, die gefährlich wackeln, wenn man sie berührt. Nicht nur, dass die Kundenzone zwischen Schalterbeamten und Kunden nur mehr eine handbreit groß ist, weil linker Hand ca. 5-6 verschiedene Rubbellossorten verkauft werden und rechter Hand einge Volksmusiksampler, oder CDs mit Love Moments. Neuerdings fiel mir ein gebundenes Büchlein von 10 Minuten Kurzparkscheinen auf. Angepriesen wurde, man könne die Scheine wiederverwenden. Das interessiert die Ente, holt sich das kleine Ringbuch aus dem Ständer, sucht nach Innovation, während die CDs reihenweise wie beim Dominoday umfallen und die handbreite Durchreiche damit komplett verbaut ist. Blätterte durch die Kurzparkscheine, die alle nicht ausgefüllt waren. Denke ich mir: Und warum kann ich sie wiederverwenden? Und weil der Postkunde geduldig warten muss, lese ich mir zwischen den Werbeeinschaltungen durch, wie man diese Scheine verwendet. Man sollte sie nämlich als Hausaufgabe im 10 Minuten-Takt ausfüllen und dann kann man immer wieder hin- und herblättern und mit der richtigen Uhrzeit in die Windschutzscheibe legen. Früher einmal, als man noch mit Hut Auto gefahren ist, hatte man eine Kurzparkscheibe, die ohne Kugelschreibersuche hervorragend funktionierte, aber jetzt darf man diese nur mehr im ganz tiefen, ländlichen Bereich anwenden. Ein Dorf, das etwas auf sich hält, beschäftigt Kurzparker mit Schein und Stift. Aber wir waren ja bei der Post und beim Paket nach Irland.
Ich stehe in der Schlange, zu nahe an anderen hustenden schnupfenden Menchen. Im Alter wird man ein wenig neurotisch. Links neben mir betrachte ich das Angebot im wankenden Ständer. Die Verkaufsständer sind deshalb so unstabil, damit die Meute nicht rabiat wird und sich vielleicht in einen Raufhandel verwickeln lässt. Wer will den umgefallenen Krempel dann auch noch mit blutender Nase aufräumen? Bunt gemischt gibt es Permanentmarker in silber und gold, S-Haken für den Christbaum (Oh du fröhliche), Wäscheklammern mit Herzerln und Marienkäfer, Kühlschrankmagnete, die auf verbauten Kühlschränken nicht halten, Schlüsselanhänger und so eben weiter …. Rechts drängt sich ein Mann an mir vorbei. Ich kenne ihn, er bietet im Sommer Tennisstunden an und im Winter treibt er sich mit mir in der Post herum. Er kennt mich vermutlich nicht, weil ich ihn auch nur vom Sehen her kenne. Also grüßt man ihn nicht, sondern schaut nur zu, wie er, weil er sich vordrängt gerade gelyncht wird. Klatscht die rechte Hand auf die schmale Durchreiche und fragt: „Haben’s Finanzamtzahlscheine?“. Finanzamtzahlscheine bei der Post?, denk ich mir. Noch nie davon gehört! Was können die sonst noch, als einmal im Monat die Steuer einzuzahlen? „Greifen’s mir nicht daher, das mag ich nicht!“, fuchtelt die Gute und will den Tennislehrer verscheuchen. Er ist lieb und gibt tatsächlich die Hand weg. „Ich will mir nur einen Finanzamtzahlschein holen, den ich in der Zwischenzeit ausfüllen kann.“ Das ist zwar für den Kunden effizient, aber was bringt das den Angestellten? „Jetzt warten’S einmal und bringen’S nicht alles durcheinander.“ Klopft den Poststempel mit aller Energie auf einen Brief, damit der Nächstgereihte aufwacht. „So, jetzt schauen wir.“ , kommentiert sie ihr Tun, damit der Kunde auch wirklich glaubt, sie bemüht sich und sucht in den vielen Zahlscheinen. Wofür die alle, fragt sich die Ente, die alles mit Telebanking macht. „Da sind einmal keine“ – das hatte der Tennisarm auch schon herausgefunden. Sie geht zum Kasten, macht ihn auf – leere Regalbretter! So etwas von einem leeren Kasten habe ich auch noch nicht in einem Amt gesehen und spricht zu sich und zum Kollegen „Heast, wo san denn diese Zahlscheine?“. Der Kollege, der einen halben Meter neben ihr stand und vermutlich alles von vorhin mithörte, fragte artig: „Wölchane?“ „Na die für’s Finanzamt.“ „Haben wir bestellt.“ „Hat er bestellt“, ruft die Schalterbedienstete zum Tennislehrer. „Und wann kommen sie?“, fragt der Tennislehrer. Die Schalterbedienstete fragt ihren Kollegen „Wann kommen die?“ „Was i net, ist scho a Monat her, müssten jeden Tag da sein.“ Sie zum Tennislehrer „Die haben wir schon vor einem Monat bestellt und eigentlich müssten sie schon da sein.“ „Soll ich in einem Monat wiederkommen?“, fragt der Tennislehrer. Nein, denke ich mir, da sind sie schon wieder aus. Schluss mit schweifenden Gedanken, jetzt volle Konzentration, denn ich bin in der Zwischenzeit vorgerückt und lege mein Paket in die Durchreiche. „Kann das sein, dass es in Irland keine Postleitzahlen gibt?“ Ich werde verständnislos angesehen und erzähle dabei die Geschichte mit dem Hotel und meiner Internet-Recherche. Werde noch verständnisloser angesehen, weil ich der Post mit den depperten Emails das ganze G’schäft wegnehme. „Na, dann wird es schon so sein. Ich weiß es nicht“. Wir wickeln unser Transportgeschäft ab. Es gibt zwei Aufgabevarianten: Eine zu 8 Euro und eine günstiger. Ich zahle für ein faustgroßes mittelschweres Paket ohne Postleitzahl nach Irland 5 Euro 40 cent und habe ein mulmiges Gefühl, ob es die Ausgabe überhaupt wert ist. Wenn ich nämlich noch ca. 15 Euro drauflege, dann habe ich 2 Stunden Unterhaltung in einem Kabaret.
So war’s und zog von hinnen nach dannen. Nächstes Mal gehe ich ins Retropostamt, das ist auch besonders!
Die österreichische Post liegt im Argen. Es wird überlegt, aus Sparmaßnahmen Mitarbeiter zu kündigen und demzufolge Postämter zu schließen. Die Aufgabe der Postämter könnten kleine Nahversorger übernehmen. Dies will die Post aber nicht, weil ab 2011 das Postmonopol aufhört. Zur Zeit verfügt die Post über das Monopol der Standardbriefsendungen zu 55 cent. Alle anderen Sendungen dürfen bereits von anderen Dienstleistern erledigt werden.