Keine Angst, die Taschentücher können weggepackt bleiben. Ich möchte die wirklich gute Idee von Bulgariana aufgreifen, sich an Dinge zu erinnern, die es in der Kindheit gegeben hat und nun nur mehr bei ebay zu ersteigern, oder im Altwarenhandel zu finden sind.
Spontan ist mir dazu unser
eingefallen. Natürlich war es auch ein Telefon mit Wählscheibe. Die ich später, um die Nägel zu schonen, nur mehr mit der Rückseite eines Bleistifts betätigt habe. Das war aber das geringste Problem! In Wien teilten sich früher 4 Haushalte einen Anschluss, man nannte das Vierteltelefon. Es besaß natürlich jeder ein eigenes Telefon, genutzt konnte die Leitung aber nur von einem werden. Und da konnten einem ein Vieltelefonierer schon einen ordentlichen Strich durch die Rechnung machen, denn dann war der eigene Anschluss besetzt. Das bedeutete, es konnte kein Anruf hereinkommen und auch keiner ausgehen. Es gab Tricks, wie man den anderen aus der Leitung schmeißen konnte: Abheben und ein paar Mal kurz mit der Wählscheibe anwählen – nur einen Tick – und dann war die Leitung frei. Keine Ahnung wie das funktionierte, aber dann konnte man wieder anrufen.
Telefonieren war damals ein Luxus und hat man nicht so exzessiv eingesetzt wie jetzt. Vereinbarungen wurden in der Schule getroffen, wo man sich am Nachmittag zum Völkerballspielen trifft, Hausübungen hat man nicht vergessen und somit musste man auch nicht nachtelefonieren was auf war.
Etwas später kam dann das ganze Telefon auf. Wer über so einen Anschluss verfügte, konnte sich das zum einen leisten und hatte außerdem nur zwei Ziffern im letzten Ziffernblock der Nummer. Vierteltelefone hatten drei Ziffern.
Die Telefone waren entweder hässlich elfenbeinweiß oder schwarz. Später dann als die Tastentelefone aufkamen, gab es diese in furchtbar hässlichen Farben: gelb, orange, grün, braun, schwarz sowieso und ob da nicht dunkelrot auch dabei war.
Tja Telefonie …
Musik – Mein erstes
war so eine Handgurke und ich glaube damals gab es noch kein UKW, man konnte nur krachend MW hören. Und nur dann, wenn man die Antenne möglichst lang auszog. Das ging aber schlecht, wenn man heimlich unter der Bettdecke “Österreich Rallye” hörte. Urlangweilig, aber so spannend, weil verboten.
Musik wurde natürlich mit dem
aufgenommen. Ich hatte so ein altes schweres Ding von Philipps zum 12. oder 13. Geburtstag bekommen. Das weiß ich jetzt gar nicht mehr so genau und müsste ich mit den Liedern vergleichen, wann die in Österreich modern waren, die ich aufgenommen hatte. Aufgezeichnet habe ich mit einem Mikrofon und bin ganze Fernsehsendungen lang vor Raumschiff Enterprise gesessen, um diese aufzunehmen. Ist jemand während der Aufnahme reingekommen, hat noch irgendetwas total Unnötiges gefragt, hätte ich ihn am liebsten abkrageln wollen, denn dann war die Aufnahme nicht “perfekt”.
Das Gerät meiner Freundin, war mein Objekt der Begierde. Damals wurden die Apparate noch mit Batterie betrieben und es passierte, dass sie plötzlich während einer langersehnten Aufnahme den Geist aufgaben. Was auch vorkam, dass das Gerät bei schwacher Batterieleistung das Band einschlürfte und sich über die Transportrollen wickelte. Dann hat man vorsichtig entwirrt, glattgestrichen, mit Kuli aufgewickelt und bemerkt – das Band war hin. Das erwähnte Gerät meiner Freundin, war von der Firma ITT-Schaub Lorenz und hatte ein Batteriekontrolllämpchen, das orange leuchtete. War die Batterie am hinüberwerden, dann wurde das Lämpchen immer dünkler. Ein Wahnsinnsgerät war das, hab ich aber nie bekommen, weil zu teuer.
Gab es damals schon Ö3? Ich denke schon, denn wo hätte ich sonst meine Lieder aufgenommen? Ebenso gewartet bis die Nachrichten aus waren, lange Ansage welches Lied. Währenddessen hielt ich schon die Finger auf den Record- und Playknöpfen, um sie dann gemeinsam hinunterzudrücken. Nach einiger Zeit bin ich draufgekommen, dafür eignet sich der Pauseknopf besser, sich optimal vorzubereiten. Und wenn dann der Radiosprecher noch ins Ende des Liedes hineingeredet hat, war die ganze Aufnahme zum Schmeißen. Das war so ein Lied, beim Refrain habe ich immer am Schluß “Coconut” gesungen – keine Ahnung was es wirklich heißt.
Das war auch dabei und ich kann es übrigens noch immer gern hören.
(1970 waren die aber bei uns sicher noch nicht en vogue …. bis diese Dinge erst einmal über die Alpen kamen dauerte es. Wen es genauer interessiert, was 72 in Österreichs Charts war, schaut da nach.) Ich habe nachgerechnet! Ich war elf, als ich den Kasettenrecorder bekam.
Na ja und da war dann noch der alte
in mittelblau natürlich, wo es keine Tankanzeige gab und ein Hebel zu bedienen war, der den Reservetank für weiter Kilometer bis zur nächsten Tankstelle öffnete. Der Motor war hinten, was sich bei Schneelage als sehr gut erwies. Ist der Wagen dann doch nicht die steile Straße raufgekommen, haben wir uns hinten auf die Stoßstange gestellt. Antennen waren manuell herauszuziehen, wie bei meiner alten Handgurke.
Jeden Mittwoch Kasperl im
sonst kein Nachmittagsfernsehen. Erster Fernseher noch Schwarz-Weiß. Bildstörungen dauerten damals noch 10-20 Minuten. Sehr unangenehm bei der Löwinger Bühne, die ich am Samstag Abend manchmal ansehen durfte. Manchmal kam es vor, dass ich so lange auf das wiederkehrende Bild wartete und dann doch ins Bett musste. Farkas “Schaun Sie sich das an”, leider nie die Witze verstanden. Antenne in Form von einer Libelle hielt die Familie auf Trab: A bisserl nach links, na net so viel, no a bissl, jetzt wars gut, na ganz schlecht, so bleib stehen, geh gib mir das Stockerl her, welches, das Schamerl, oder den Hocker, wurscht irgendeins, sonst schlaft ma die Hand ein. Mittwochs war glaube ich auch Zeichnen-malen-formen mit dem schwulen blonden Onkel, der immer seine Lieblinge hatte. Einmal habe ich bei einem Wettbewerb mitgemacht und nicht gewonnen. Sehr enttäuscht nie mehr bei Zeichenwettbewerben mitgemacht. Alternierend war der Schwule mit dem alten Onkel, der immer für die Modelleisenbahnanlage kleine Wartehäuschen bastelte. Die Kinder durften nur Sägen holen, Klebstoff halten, oder fest anpressen, wenn etwas geklebt wurde. Sonst hat der alte Onkel alles alleine gemacht. Mein Gott und wir sind alle dabei normal geblieben. Jetzt bekommt man die Krise, wenn sich Kinder nicht frei entwickeln können.
Lassen wir es einmal für heute. Vielleicht regt das eure Phantasie an, was es damals gab und heute nicht mehr. Offene Straßenbahnen, Schaffner, Zuckerl nach Deka oder Stück, Linienspiegel, Durchschlagpapier, dunkelblaues Einpackpapier für Schulhefte und Bücher, Schlecketiketten für dieselben, Tintenkiller zum Abschlecken, …
Nachtrag: Texte mittels ständigem Rück- und Abspielens von Liedern mitgeschrieben. Immer, immer wieder gehört und dann ganz stolz den Text besessen.
Nachnachtrag: Für die Übertragung der Mondlandung haben wir uns den Wecker gestellt. Und jetzt wollen sie uns die ganze Sache mies machen und behaupten, das wurde in einem Studio gedreht. Nie und nimmer, denn ich war ja dabei.