Tagesarchiv: Februar 17, 2009

Was twittert so schön von nah und fern …

Wer was auf sich hält, vögelt bei Twitter und singt dazu.

chicken7Selbstverliebte Gedankenrülpser werden da wie dort losgelassen. Man “folgt” jemanden und wird von anderen “verfolgt”. Kann sich kaum mehr ungeniert am Hintern kratzen, um nicht ungefragt eine ebensolche Inimität serviert zu bekommen. “Hilfe, wo ist meine Kontaktlinse”, “Ich hatte gerade einen Festplattencrash” – und womit zwitscherst du gerade? Vielleicht mit dem Kammpel? “Was machst du?” “Blöd aus der Wäsch schauen” … der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Niemand übt sich in Bescheidenheit, wenn er dem Trend folgt, weil es vermutlich ohne nicht mehr geht. Jeder, wie er will.
Obama soll auch dabei sein.
Soll ich mich als Schwarzenegger anmelden – who cares? Mist zu spät, da war schon einer vor mir da.
Armin Wolf ist ein sehr selbstverliebter Nachrichtensprecher, der bei uns auf “Anchorman” macht. Er lässt einfach keine Sekunde aus, um ja im Mittelpunkt zu stehen. Irgendwann wird ihn vor Stress einmal der Schlag treffen. Hoffentlich checkt er es vorher, es wäre seiner Schönheit abträglich. Übrigens glaube ich, er färbt sich seine Glatze. Schaut er bei einem Interview der ZIB zum eingeblendeten Gesprächspartner, dann kann man von hinten seine braune Glatze sehen. Schon bemerkt? Die Haut seiner Glatze, die normalerweise jungfräulich rosarot glänzt, ist braun und matt, wie seine Haare. Gibt es eigentlich eine Glatzenfarbe und in welchen Nuancen?

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Alle sieben Wellen

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Gut gegen Nordwind und Alle sieben Wellen ist die schönste Liebesgeschichte seit der Love Story. Ein Buch, das ich so etwa mit 14 Jahren las und dabei Rotz und Wasser heulte. Zugegebener Maßen, das von Glattauer gewählte Thema ist nicht unbedingt frisch (You’ve Got Mail), aber doch hat er es auf eine ganz andere Weise umgesetzt, dass sich daraus eine wundervolle Erzählung machen ließ. Ja, es sind sogar zwei Bände geworden und das Schöne daran ist, der zweite Band fällt um kein bisschen ab und behält seine prickelnde Spannung! Lesefaule können auch erst bei der Fortsetzung einsteigen, denn der Autor bindet geschickt ein, was im ersten Band passierte, ohne zu langweilen. Es würde aber dem Leser etwas entgehen, wenn er ihn nicht genießen würde.

“Wie es mit uns weitergehen soll, Leo? – Weiter wie bisher. Wohin? – Nirgendwohin. Einfach nur weiter. Du lebst dein Leben. Ich lebe mein Leben. Und den Rest leben wir gemeinsam.”

Gut, so einfach ist es nicht, wie es sich am Buchumschlag ließt. Auch wenn jetzt viele nicken, genau das wäre das Idealrezept für eine Liebesbeziehung, die per Email passiert. Alle haben wir geliebt, lieben, mit Höhen und Tiefen, mit Freudentränen und heftigen Streitgesprächen – wir verstehen Emmi und doch verstehen wir sie nicht. Wäre Leo der Paradewunschschwiegersohn, oder handelt man sich mit ihm nur Probleme ein?
Dieses “ich will, ich will dich nicht”, zuwarten, fordern, über Jahre hinweg und in welcher Form es geschieht, geht ein wenig am Realismus vorbei, denn ganz so glatt und harmonisch lebt es sich nicht, besonders unter widrigen Umständen. Aber wir wollen ja keinen Spiegel vorgehalten bekommen, sondern in eine Geschichte eintauchen, die uns lachen und auch weinen lässt. Bis zum Schluss hält der Autor die Spannung und man weiß eigentlich nicht, ob sich die beiden finden oder nicht. Wir fiebern mit, geben Emmi oder Leo gedanklich gute Ratschläge, was er sagen soll, wann er sein Email nach gewisser Absenz absenden soll, um mit taktischem Gefühl zu agieren. Hat Emmi frauentechnisch gut reagiert? Umgarnt sie ihn geschickt wie einen Kettenhund?

Beide Bücher sind in einem leichten, grazilen Stil geschrieben. Glattauer hat eine schöne, normale Sprache, nicht hochtrabend aber mit Raffinessen. Er jongliert mit seinen Worten und malt Bilder, die wie Wölkchen über dem Lesehimmel schweben. Die Geschichte ist, wollen wir ganz pragmatisch sein, ein wenig unrealistisch, dass alles so ablaufen kann. Trotzdem fühlt man sich während und nach beiden Büchern nicht betrogen. Es könnte so sein, so wie es ist!

Glattauer hat bei mir einen schweren Stand und zwar nicht von literarischer Seite her, sondern eher was seinen Namen anbelangt. Ich würde ihn so gerne Glatterauer nennen, weiß nicht wieso, zügle mich und immer wieder rutscht der Name falsch heraus. Ich denke, er wird damit leben müssen und es wird seinem Erfolg keinen Abbruch tun.
Glaubt man ihm, er hätte sich tatsächlich noch nie per Email verliebt? Kann so ein intensiver Inhalt nur im Kopf entstehen? Und hat er sich denn gut in Emmi hineingelebt? Das alles wäre für mich diskussionswürdig.
Vielleicht hat man bei einer seiner Lesungen die Möglichkeit, dies anzusprechen.

Viel Spaß beim Lesen!
Noch was von ihm: Rainer Maria, die verliebte Nacktschnecke (Dabei trifft mich gerade der Umschlag: Emmi heißt Rothner und im Nacktschneckenbuch hat eine gewisse Roither die Illustrationen gemacht. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.)

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