Das Wort mit fünf Buchstaben!

Bei meinem vorigen Eintrag kündigte ich an, eine Prüfung zu haben. Um es vorweg zu nehmen, es ging mir gut und ich habe ein gutes Gefühl. Was wiederum ein schlechtes Gefühl in mir auslöst, weil gute Gefühle immer schlechte Noten eingebracht haben.

Was ich gelernt habe: In Frankreich sagt man, nein denkt man “shit” auf Französisch, damit es Glück bringt. Die Französin, die ich ab und zu treffe, hat mir nämlich gesagt, man darf das 5-Buchstaben-Wort nicht aussprechen, weil es dann wieder Unglück bringt. Aber wie bloggt man Dinge, die man sich denkt? Daher wurde es in der magischen dreifachen Abfolge als Kommentar gepostet. Vielen Dank an alle, die an mich gedacht haben.

Nach so vielen Jahren wieder Prüfungsstress zu haben, ist ein richtiger “Flash back” – sagt man das so? In der Nacht Schummelzettel geschrieben. In der Früh geschnitten, geklebt,  gefaltet – Leporello – und  Themen markiert. Wieso macht man das? Weil man sich den Prüfungsstoff dann ohne Schummler merkt. Aber die Sicherheit in der man sich wiegt ist so ähnlich, als ginge man mit Holzschlapfen über ein Nagelbrett.

Gut geschlafen, denn ein ruhiges Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Ich schlafe aber immer wie ein Pferd!

In der Früh Kaffee gekocht, Schummler hergenommen und nochmals durchgelesen. Der Vorteil zu meiner Schulzeit ist, man kann Schummler am PC verfassen und damit in jedwede Größe bringen. Früher, kurz danach, als man Schummelzettel noch in Granitsteine meißelte, musst man derartig fitzeln, um den ganzen Stoff auf ein Papierfetzerl in Briefmarkengröße unterzubringen. Ich muss damals noch schön geschrieben haben, denk ich.

Noch kurz gegoogelt, bei Fachbegriffen, die Unklarheit verursachten. Die Frau war überhaupt die personifizierte  Katastrophe und schaffte nur Unklarheiten, dort wo man dachte sich ausgekannt zu haben.

Dann losgestiefelt. Die mp3 Dateien haben sich nicht als klug erwiesen, weil ich zwischendurch so viel Musik spielen ließ und damit zu lange brauchte, bis alles abgespielt war. Da hätte ich die Prüfung erst kurz vor Weihnachten abschließen können. So habe ich in meinem Schummler, Schriftgröße 8pt gelesen – erstmals Dankbarkeit für die Altersweitsichtigkeit gehabt – und wäre fast vom Trottoir gefallen. Stellt euch vor, ich hätte mir den Fuß gebrochen! Die Wiederholung der Prüfung hätte 40 Euro gekostet – Wucher! Dank m***e ist mir nichts passiert.

Wir spulen kurz das Geschehen vor: Ich komme in den Prüfungsraum – sehr klein, amikal, wir sitzen nebeneinander. Sehr gut, da kann man gut einsagen. Vorne steht ein blassblondes Mädl, das wie Espenlaub zittert. Die einmal anblasen und sie fällt vor Angst um.

Dann aber! Kommt ein Dragonerweib herein. Sie schwingt böse Reden, bekommt zwischendurch diese schmalen Lippen und den scharfen Blick, da komm ich mir vor, wie im Frauengefängnis. Unter uns gesagt, wirkte die gute Dame so, als würde sie freiberuflich auf strenge Kammer machen. Da ich aber auf so etwas nicht stehe, macht sie wenig Eindruck auf mich. “Am Tisch dürfen sein: Kugelschreiber, Getränk und Essen – alles andere ist wegzuräumen.” Gut, dann schieb ich meine Schummler unter mein Nusskipferl – es ist großzügig lang gebogen – und grinse sie folgsam an. “Wer mit Bleistift schreibt”, donnert sie über die Reihen, “schreibt oberhalb der Arbeit nach Paragraph so und so, halten wir den Kursveranstalter schadlos, dass an der Arbeit radiert und umgebessert wurde.” Tippe mir im Gedanken auf die Stirn und erzähle meiner Nachbarin einen Witz. Plötzlich bekomme ich Schwitzhände. Mein Nesthäkchen, das ich unter die Fittiche genommen habe, hat auch nasse Handflächen, ist also keine Frage des Alters. “Sie bekommen drei Zettel, worauf Sie ihren Namen schreiben. Alle drei Zettel werden abgegeben, egal ob leer oder nicht.” Dabei habe ich mir überlegt einen zu nehmen, einzuscannen und darauf meine Schummler zu schreiben. m***e! “Wenn ich jetzt die Angabe austeile, lassen Sie sie umgedreht und drehen das Blatt erst um, wenn ich den Arbeitsbeginn auf die Tafel schreibe. Sie haben insgesamt 1 Stunde Zeit.” – Keine Uhr im Raum, prima. Handy mit Uhrzeit könnte man nur im Rotwein versenken, weil das darf man nicht am Tisch liegen haben. Aber ich trinke heute ausnahmsweise nur Wasser.

10.15 Uhr! Ganze fünfzehn Minuten donnerte ihre Stimme über uns herein und sie schenkte uns keine Minute, weil es ist exakt Viertel Elf, wie meine Nachbarin bestätigte. Zwei Reihen vor mir wollte jemand gerade erklären, dass jede Uhr anders geht und wird sogleich von der strengen Mutter zusammengeputzt: “Viel Erfolg und jetzt Ruhe bitte! Bei der dritten Ermahnung wird die Arbeit weggenommen und nicht beurteilt.” So schaut’s aus!

45 Minuten habe ich wie ein Knecht geschrieben. Habe versucht Bauchzureden, als mich meine beiden Nachbarinnen nach etwas fragten und musste bis zum Schluss als Einsag-Backup sitzen bleiben. “Nicht gehen”, zischte T. neben mir.

So ist das, wenn man glaubt eine Reise in die Jugend machen zu wollen. In zwei Wochen ist wieder ein Prüfungstermin! Ich erinnere euch daran, wegen der Hasenpfoten und der guten Worte, die ihr mir nachwerft.

10 Kommentare

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10 Antworten zu “Das Wort mit fünf Buchstaben!

  1. M***e eine Domina als Lehrerin, wies kann ich nie …

  2. @rufus: Nein, die hat die Prüfung abgenommen. Ich habe die Frau vorher noch nie gesehen, deswegen war ich auch so beeindruckt.

  3. um himmels willen, wo machst du denn deine prüfungen? und wozu? und ist nach der nächsten dann schluss oder geht das noch weiter?

  4. Huch klingt das gruslig! Ist das eine Ausbildung zur Leiterin eines Mädcheninternats? ;-) ;-)

  5. Großes M und kleine erde…
    War das denn eine Französisch-Prüfung?

  6. Prüfungsstressfreiheit: der Vorteil des Alters.

  7. @katha: Ich mache Kurs und Prüfungen im WIFI. Wozu? Weil ich mich in diese Richtung fortbilden möchte. Ich überlege sogar noch mehr – mal schauen, ob Möglichkeit dazu besteht und insbesondere, ob das in der Form auch am Markt gebraucht wird. ;-)

    @Petra: Nein, es ist eine hundsnormale Ausbildung für Public Relations und man hat uns diese Frau geschickt, damit sie auf uns aufpasst. ;-)

    @Wolfram: Leider nicht in diesem Leben. Ich stehe mit Französisch absolut auf Kriegsfuß. Das was ich lerne, bleibt mir nicht im Kopf und die Sprache zu sprechen ist so ähnlich, wie wenn ich über glühende Kohlen laufen müsste. Ich verstehe so mehr oder weniger, was gesagt wird, sofern es im Kindergartenniveau bleibt.

    Qweltbeobachterin: Danke! :-) Hast du dich gefühlt, als wärst du daneben gesessen?

    @Lreporter: Woher weißt du WIFI? Jetzt bin ich aber platt. Dipl.blog bin ich schon, ich will jetzt PR sein!

    @lamiacucina: Es gibt viele Vorteile des Alters, die ich immer mehr zu schätzen weiß und die von Falten und anderen Unannehmlichkeiten ablenken, die sich im und am Körper zeigen. :-D

  8. @lilly – werde die, die du bist [seneca] -> WIFI weiß ich, weil bin ich österreicher, wie du weißt :-)

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