Kopfbedeckung ja – nein, Perücke ja – nein, das hat uns alle miteinander beschäftigt und holte die Experten in meinen Blog.
Heute besuchte ich mit einer Freundin die Synagoge, richtig Stadttempel in der Seitenstättengasse in Wien. Der Bereich um die Synagoge unter den Wienern das Bermudadreieck genannt, zeichnet sich durch ziemliche Polizeipräsenz aus. Die intensive Polizeiüberwachung und auch die Sicherheitskontrolle zur Synagoge sind seit dem Anschlag 1981 besonders intensiv gehalten.
Die Führungen in der Synagoge werden leider nicht oft abgehalten, oder ich habe sie bis jetzt immer versäumt. Ich war zwar schon einmal während meiner Schulzeit drinnen, aber konnte mich nicht mehr so genau erinnern. Bei der telefonischen Anmeldung musste Name und Adresse angegeben werden. Am Tag selbst hatte man sich nur durch einen amtlichen Lichtbildausweis zu legitimieren. Da musste mein Führerschein herhalten, mit einem Foto, das mich mit jungen 19 Jahren zeigt. Mich wundert immer wieder, wie das Foto nach wie vor akzeptiert wird. Es hat in keinster Weise mehr Ähnlichkeit mit mir. Allerdings die Brillen auf dem Foto (riiiiiiiesige Wagenräder) sind mittlerweile wieder modern. Die weiter Kontrolle erfolgte wie beim check in im Flughafen. Ob ich eine Waffe mitführe und natürlich musste ich antworten: “Meine Waffe ist meine verbale Schlagkräftigkeit”. In dem Moment wusste der junge Bursch nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Tja, wenn Oma einmal ein Scherzchen macht, kann man ihr zuliebe ruhig lachen. höhööö!
Drinnen im Stadttempel wurden wir von Herrn Kurt Rosenkranz begrüßt, der der Gründer des veranstaltenden Vereins “Jüdisches Institut für Erwachsenenbildung” ist. Nur kurz zu dem Verein, der nicht für Juden gegründet wurde, sondern die Begegnung von “Goi” (Nichtjuden) mit Juden fördern soll. Übrigens kann man dort auch jiddisch lernen. Herr Rosenkranz jugendliche 82 Jahre, die man ihm wirklich nicht ansieht – masel – erzählt über die Geschte des Stadttempels in Wien, die ich hier nicht wiedergeben möchte, weil man sie nachlesen kann.
Anschließend wurden Fragen gestellt und ich weiß nun endlich, warum Juden Steine auf Gräber legen. Das kommt nämlich von der Wüste Sinai, die Moses fünf Mal “umrundete”. Der Wüstenboden ist hart wie Stein. Verstarb ein Mensch, musste er mit Steinen bedeckt werden. Und als Erinnerung an die Wüste Sinai werden auf jüdische Gräber Steine gelegt. Auch gewusst?
Ach ja, die Sache mit der Kopfbedeckung ist die: Orthodoxe Jüdinnen tragen tatsächlich eine Perücke. Sie müssen nämlich am Tag der Heirat die Haare kurz schneiden. Da man sich als jüdische Frau einmal für einen Mann entscheidet, soll man für andere “fremde” Männer nicht mehr attraktiv sein. Damit nehme ich an, wenn in der Hitze des Gefechtes die Perücke schief liegt, soll der Mann vor Schreck davonlaufen. Die Perückensache ist nur für sehr strenggläubige orthodoxe Juden üblich. Übrigens müssen jüdische Frauen als Jungfrauen in die Ehe gehen, das ist einer der wenigen Scheidungsgründe, wenn sich das im Nachhinein herausstellen sollte, dass es vor der Ehe schon mal etwas gegeben hat. Die Idee des jüdischen Glaubens gefällt mir sehr, aber diese Sache finde ich ziemlich antiquiert und unterscheidet sich nicht vom katholischen Glauben. Wie sich Juden zu Homosexualität äußern, wollte ich noch fragen, aber dann dachte ich mir, ich will mir den Glauben behalten, dass diese Glaubensrichtung eine tolerante Haltung zum Menschen hat.