Wie ich scherzeshalber gerne zu meinem Hausarzt sage. Er ist ein ausgezeichneter Diagnostiker, sehr erfahren und hat eine ruppige aber trotzdem herzliche Art mit seinen Kunden umzugehen. Er ist ein Arzt der Armen, wie er sagt und hackelt bis zum Umfallen, weil von nichts kommt nichts. Deshalb ist in seinem Wartebereich immer halb Wien zu finden. Alles kunterbunt gemischt – wirklich arm – arbeitslos – Dauerkrankenständler – guter Mittelstand – und vielleicht reich, aber mit gefixelter Vuitton-Tasche.
Nach gut einer dreiviertel Stunde Wartezeit werde ich endlich vom Wartebereich in den Ordinationsbereich gerufen. Wir grüßen uns (natürlich), kleiner Small-Talk und kommen dann zum Geschäftlichen. Er schaut auf den Bildschirm des Pcs, wo vermutlich alle meine Wehwehchen aufgelistet sind. (Er war schon immer gegen einen PC in der Ordi und hat sich lange dagegen gewehrt. Er steht aber mit beiden Beinen im Leben, das erkennt man daran, dass er keinen Rosenquarz neben dem bildschirm platziert. Mittlerweile weiß er das Gerät zu schätzen – glaube ich, er würde es nie zugeben), schaut auf und sagt zu mir.
“Wieso soll ich dir den Blutdruck messen?” Das weiß er, weil das hat die Ordinationsgehilfin bei der Anmeldung eingetippt. PC sei Dank.
“Weil mein Blutdruck hoch ist.”
“Bist du jetzt auch schon wie die ganzen (!!) alten Weiber (!!), die zu mir kommen (spricht mit hoher Stimme) “Geh’n'S Herr Doktor messen’S ma den Bluaddruck.” Jetzt hab ich mir extra so ein sauteures automatisches Ding gekauft. 720 Euro kostet der Dreck”, legt mir dabei die Manschette um und drückt auf einen Knopf, um das Ding in Gang zu setzen.
“So einfach geht das. Da braucht man ja keinen Arzt mehr.”, mein ich und richte mich gemütlich ein.
“Nicht bewegen, sonst funktioniert das nicht.”, sagt er so quasi als Daseinsberechtigung. Ich erstarre folgsam im gleichen Moment. (Automatisch habe ich dabei die Luft angehalten, ob das das Messergebnis maßgeblich beeinflusst?)
Der Bader stapft im Raum herum, während sich die Manschette um meinen Oberarm aufbläst und knattert dabei wie ein alter Mercedes Diesel. Das Gerät lässt wieder Luft aus – ich kenn das von zu Hause – und bläst sich wieder auf und sperrt mir dabei das Blut ab. Ich schau auf meine linken fünf, mittlerweile dunkelroten Würstel und habe Angst, eine Amputation steht bald ins Haus, wenn das Ding nicht bald locker lässt.
Der Bader schaut mich mit kreisrunden Augen an, nimmt mir die Manschette ab und sagt: “Heast, du hast vielleicht an hohen Blutdruck.”
“Na was glaubst du, wieso ich da bin. Vielleich weil ich a Ansprache brauch?”
So werde ich belehrt, ich darf nicht salzhältig essen (ich würze aber generell sehr sparsam), soll Ausdauersport machen (nur weil er mit seinem kaputten Kreuz wie ein Wahnsinniger durch den Wienerwald rennt, glaub ich nicht, dass das gesund sein kann.) und zwei Wochen lang regelmäßig zu Hause den Blutdruck messen. Bekomme eine Broschüre mit und zwei Kartln, wo ich alles genau notieren soll.
Heute hab ich schon einmal vergessen zu messen. Der Mensch muss erst einmal denken, bevor er weiß was er tun muss.
Am Abend darf ich nicht vergessen.
Und ich weiß schon jetzt, ich hab einen Blutdruck wie ein Heißluftballon, weil ich immer so nervös werde, wenn ich Blutdruck messen soll. *weired*