Monatsarchiv: Oktober 2009

Knochenmann

Gestern im Patschenkino gesehen und für genial empfunden!
In letzter Zeit habe ich richtig Glück mit den Filmen, die ich mir ansehe. Ich werde nämlich sehr ungehalten, wenn ich mir flache, langweilige Filme ansehen muss.

Der Knochenmann hat Spaß gemacht!
Super Kameraführung – Hinaus aus Wien nach (n)irgendwo. Beim Löschenkohl, vermutlich einziges Gasthaus der Umgebung. Die Bilder vermitteln Spießigkeit pur. Das Grenzgebiet verleitet zur Prostitution und ein alternder Wirt verfällt dieser Versuchung.

Super Sprachwitz – wir sprechen österreichisch! Bis auf den Wirt, Darsteller Josef Bierbichler, wo das Bayrische nicht in die Gegend gehört, die Rolle ihm aber maßgeschneidert auf den Leib passt.

Schwarzer Humor pur! Und zwar gerade dort, wo es recht grauslich zugeht. Da halte ich mir gerne die Augen zu. Und dann hört man zu einer Szene, die man gar nicht sehen mag, den kaltschnäuzigen Witz dazu. Da wird ein im Handschuhfach gelagerter, abgetrennter Finger aus einem Mini Cabrio geworfen, weil Brenner (Josef Hader) sich für einen Finger entscheiden muss. Den eigenen oder den fremden aus dem Gulli gefischten. Vorher hat man noch überlegt, den Finger im Schrebergarten bei den fünf toten Katzen einer guten Freundin zu beerdigen. Zu viel Aufwand, weg damit!
Der Finger – Brenner’s eigener – hätte eigentlich in Mistelbach (Krankenhaus) angenäht werden müssen. Da aber dort nur Fleischhacker (ugs. für brutale Chirurgen, der Finger wurde von einem Fleischhacker abgetrennt) arbeiten, fährt man im Winter, im Mini mit kaputtem, offenen Verdeck ins vertrauenswürdige Unfallkrankenhaus Meidling und verpasst auf der Tangente die richtige Abfahrt.

Sehr herbe Gefühlswelt. Da spielt schon Liebe mit, aber keinesfalls romantisch und unsagbar witzig! Ich sag nur Horvath, der Künstler mit dem Leasingfahrzeug, weswegen die Wiener die heilige Ruhe im Löschenkohl störten. Man mag Wiener außerhalb Wiens nämlich nicht, kann aber super mit dieser Hassliebe spielen (Originaltrailer!!).

Warum es auf der Homepage ein Backhendlrezept gibt? Weil die Schwiegertochter tagein tagaus mit einem großen Fleischmesser, Hendl zerteilt und lieblos daraus die besten Backhendln (mit Haut bäääh) der Gegend macht. Der oben erwähnte Finger vom Brenner hat sich übrigens in der Panierlade gefunden.

Warum Knochenmann? Weil der Wirt die Knochen, alle Knochen!, zu Knochenmehl verarbeitet und in die Hendlfarm bringt -> ökologischer Kreislauf. Das macht er vornehmlich in der Nacht. Die Vibrationen der Maschine ziehen sich bis in den letzten Winkel jedes Gästezimmers und verursachen dadurch Schlaflosigkeit bei den Gästen.

Der Wirt kocht aber auch gutes Gulasch für das Faschingsfest. Brenner meint, das Fleisch ist so zart, seines wird immer so “zach”. Das erinnert dann ein wenig an Rocky Horror Picture Show und Eddie. Ein Gulasch so wie hier, da weiß der Koch auch nicht, welches Fleisch er aus dem Tiefkühler nimmt. :-D

Was ich vergessen habe: Es verschwinden und sterben Leute, die dann doch leben, aber die Geschichte in Gang bringen, weil man die Mitwisser aus dem Weg schafffen will. Und was dabei gut ist, die die wirklich sterben sind alles sehr, sehr böse Menschen. :-) Eine saubere Geschichte!

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Aufgeschnappt

Aufgeschnappt, angesprochen oder ungewollt/gewollt mitgehört:

  • Schöne Frauen sind unsichtbar. Wir sind derart von ihrem Äußeren geblendet, dass wir ihre innere Schönheit nicht sehen können. Elegy Wahnsinnsfilm mit Ben Kingsley und der Cruz.
    Passt irgendwie dazu.
  • Alt werden ist nichts für Weicheier. ebendort
  • Morgen gehe ich zum Zahnarzt.

    Ich habe endlich einen schwulen Zahnarzt gefunden. Zuckerboy im Jeansgeschäft

  • Wollen Sie Handlesen? “Zigeunerin” vor der Ringstraßen Galerie mit Eiskonfekt in den Händen
  • Haben Sie ein Problem? Frage an mich, über eine Sache, wo ich wirklich KEIN Problem habe.
  • Können Sie mich bitte von der Gatschwelle befreien? Friseur schaut mir mit kreisrunden Augen ins Gesicht: Wollen Sie eine Dauerglättung?
  • Guter Tag! Heute wurde mir in der Straßenbahn kein Sitzplatz angeboten.

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Kernöl-Schmölzi

Als Kind hat mir kaum etwas geschmeckt. Meine Mutter war verzweifelt.
Was aber immer von mir verputzt wurde, war ein Eierspeisbrot.

Heute eine steirische Enten-Variante:

1 kl Happel Zwiebel, fein würfelig geschnitten
3 Eier, leicht verquirlt
Butterschmalz
Kernöl
frisch gemahlener Pfeffer, Fleur de Sel
1 Scheibe dunkles Bauernbrot

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Kritisches Publikum, das das fehlende Fleisch in diesem Gericht vermisst! Daher nur bedingtes Interesse am Geschehen.

Butterschmalz in einer Pfanne schmelzen, die Zwiebel glasig dünsten.
Dann zur Seite schieben und das Brot von beiden Seiten kurz anrösten.
In der Zwischenzeit die Eier mit einer Gabel ein wenig verschlagen.
Das Brot auf den Teller legen und warm halten.
Zwiebel in der Pfanne verteilen, Eier darüberleeren und ein wenig stocken lassen.

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Dann das Kürbiskernöl darauf verteilen. Ich mache das absichtlich nachdem die Eier in der Pfanne sind, da das Öl hitzeempfindlich ist. Warum die Eierspeis bei uns nicht Rührei heißt?
Weil die Eier vom Pfannenrand ein wenig zusammengeschoben werden, damit das noch flüssige Ei wieder in die Pfanne rinnt. Stocken lassen. Frischen Pfeffer darübermahlen, Fleur de Sel und wer hat (ich nicht), ein paar Schnittlauchröllchen.

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Das Schmölzi ist fertig, wenn die Eierspeis noch ein wenig schwabbelt und nicht ausdürrt ist. Als Leporello (im Zickzack) gefaltet aus der Pfanne auf das Brot gleiten lassen.

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dignity und die Befreiung vom Korsett

Spam mails dienen manchmal als Sprachkurs.
So ist mir “dignity” nicht so geläufig. Und hätte ich das Wort im Zusammenhang verstanden, wäre ich auch nicht rot geworden.
Würde, heißt das Wort auf Deutsch. Aber auch Erhabenheit.
Im Betreff steht an mich: Enlarge your male dignity.

Als Spätzünder habe ich mir gestern den Film über Coco Chanel angesehen. Dass sie für mich eine interessante Frau ist, stand nie außer Zweifel. Im Film sieht man noch besser, wie sehr sie die Mode revolutioniert hat, sich nicht anpasste und ihren Weg gegangen ist. Sowohl in Sachen Design, als auch in der Liebe.

Es fiel während des Films ein Satz, der mich nicht loslässt:

Frauen, die zu sehr lieben, werden unterwürfig wie Hunde.

Sehr interessanter Aspekt, den man in gewisser Weise im Hinterstübchen mit sich trägt. Wenn das dann aber ausgesprochen wird, beginnt man erst darüber nachzudenken. Rollt eigene Erfahrungen auf und prüft die Aussage auf deren Richtigkeit und Wertigkeit.

Und dann habe ich in der Früh die Würde im Maileingang.

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Heute unrund ~

Ein Blogeintrag, der nach Twitter riecht.

Wo kann man Enten bittschön wuchten lassen?

… und dann noch ein Satz im Rotweinglas … ~heute ist die Ente unrund wie ein Albatros oder ein dodo~ dodowalking

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Linz09

Die Ente war ja mit der Bahn in Linz, wie sie hier berichtete, um die Kulturhauptstadt zu besichtigen.

Früher einmal gab es einen running gag: “Warum nur reimt sich Linz auf Provinz”. Und tatsächlich: Linz war ein graues Mäuschen. Nicht nur von der Luft her, sondern auch von der ganzen Gegend, die irgendwie schmierig wirkte.

Jetzt hat Linz als Kulturhauptstadt gezeigt, das ist ganz anders. Mittlerweile tuschelt man noch hinter vorgehaltener Hand, Linz wäre ein Geheimtipp. Wie lange noch?
Die temporären Bauten werden sukzessive abgebaut und bekommen teilweise eine neue Bestimmung. Schade eigentlich, denn es war sehr schön die Stadt auch von einer anderen Perspektive zu sehen. Nur, blieben die Bauten, dann wäre der Blick auf die Stadt wieder normal.

Remineszenz:

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Die Dialektstraßenbahn habe ich genial gefunden. Wäre auch etwas für Wien!

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Dass Rilke in Linz eine zeitlang verweilte, war mir neu. Und die schöne “Blaue Donau”, mit einem Anflug von Blau.

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Was da in dem schönen Haus untergebracht ist, weiß ich jetzt nicht mehr. Bücherei? Es ist der powertower!

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Höhenrausch! Super Idee, die Stadt aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können.

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Das Linzer Riesenrad gibt es noch bis Ende Oktober, dann wird es abgebaut.

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Klangregen! Hier steht man Schlange, damit man bei Sonnenschein im Regen steht und Musik hört, die über die Wassertropfen übertragen werden.

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Ahoi Herbert hat mich nicht so vom Hocker gerissen, dafür die Architektur des Lentos Museums. Die Ente hat ein Entengeschenk von weltbeobachterin bekommen. Danke!

Ellja gibt für Linz folgende Tipps:

Meine Tipps für Deinen nächsten Linz-Besuch, was futtern und so anbelangt: NIU (kennst eh schon), Bombay Palace (kennst vielleicht auch schon), Lentos-Cafe (draußen wie drinnen, Frühstücken traumhaft), Cafe Meier (auch immer noch bewährt, Ingwer-Heißgetränk super Tipp), Gelbes Krokodil (Klassiker mit guter Küche, gleich beim OK-Platz, Moviemento-Kino)

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Heheee

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Das Web man liebt es, oder hasst es ..

und diskutiert gerne darüber!

Die Moderatorin fragt mich, ob ich an Web 2.0 teilnähme und wie es mein Leben beträfe. Ich verneine wahrheitsgemäß Teil eins der Frage, lasse meine Vorbereitung in der Tasche stecken und schildere Eindrücke aus der Redaktion: Menschen, die während der Redaktionssitzung aufs Handy schielen, weil sie Facebook-Einträge oder Tweets lesen. Menschen, die im Minutentakt das Netz hysterisch nach Nennungen ihrer Person oder des eigenen Mediums durchsuchen. Suchtverhalten. Narzissmus. Menschen, die, elektronisch stimuliert, ihrer Rüpelhaftigkeit freien Lauf lassen. Das Netz sei auch eine Aufforderung zur Zeitverschwendung, sagte ich, deswegen kein Blog und – bitter für Twitter – kein Tweet von mir. Vorläufig.

(Quelle Falter, Ausschnitt aus diesem Artikel )

Eine hitzige Debatte, die sich derzeit auf Twitter und auf Blogs abspielt. Die Ente ist dabei, logo!
G. fordert andere auf, sich da und dort zu diesem Artikel zu äußern. Und hier gibt es eine Zusammenfassung, wie alles begann. Aber Achtung, da werden Trackbacks und Verlinkungen nachrecherchiert (eitel, oder was?)
B. gibt auch seinen Senf dazu. Und so geht es wie ein Lauffeuer durch’s Netz, in der Hoffnung, T!h!urnher ist vielleicht doch so neugierig und liest nach.
Was mir im Prinzip wurscht ist.

Und bei alldem macht es den Eindruck, sie müssen sich rechtfertigen, warum sie so viele Stunden im Web verbringen.
Das erinnert mich an eine Fortbildung, wo ein namhafter online Redakteur es als persönlichen Angriff empfand, weil ich zugegebener Maßen kritisierte, dass social-bookmarking von Journalisten betrieben, ein Kochen im eigenen Saft wäre. Jössas, da hätte der Angegriffe fast Entenbraten aus mir gemacht.
“Wieso soll ich lange suchen und recherchieren, wenn es Menschen gibt, die sich da viel besser auskennen?”, versuchte er sich zu rechtfertigen. Ich hab dann nicht mehr weiter argumentiert, weil dieser Mann eigentlich ein g’standener Journalist ist und selbst wissen müsste, wie er für seine Artikel zu recherchieren hat.

Abgesehen davon, ist das Netz und alle Informationen und sozialen Vernetzungen nicht das Gelbe vom Ei. Ich habe mich schon mehrmals über die Ignoranz nicht beantworteter Kommentare geärgert. T!h!urnher nennt diese Leute ganz richtig “Ich AGs”, wobei es diese auch im “real-life” (auch so eine grausliche Bezeichnung des Nicht-Netzlebens) gibt und nicht ausschließlich in der internetten Welt gibt.

Und so bin ich, die die paar Kontakte der vernetzten Welt mit Freude pflegt auch ein wenig störrisch und engstirnig: Ich verweigere Facebook! Also ich habe schon einen Account (nur vier Freunde, schnief), den ich aber nur deshalb nütze, damit ich die Fotos einer Freundin sehe, die sehr weit der Heimat weilt. Sie stopft ihre Erfahrungen eben in den Facebook Ordner und verschickt sie nicht per Mail. Ok, wir können interaktiv plauschen, auch mit anderen, die hier im verstaubten Ö weilen, was per mail nur mit “allen antworten” geht, aber dieses Feature facebooklern nicht bekannt ist. ;-) Ich verweigere auch XING – weil sich da sabbernde Hunde virtuell aneinanderketten und so tun, als wären sie befreundet. Man lädt sich gegenseitig ein und freut sich über die steigende Zahl der Kontakte in Summe, aber nicht an Qualität.

Ob das Web die Zeitungen ersetzen wird, ist seit längster Zeit ein großes Thema. Ich sage nein, aber es muss die Aufmachung der Zeitungen verändert werden. Zumindest für die breite Masse, die eben viel im Netz hockt. Ihnen sind die Printmedien zu statisch, zu langweilig, zu wenig bunt. Man kann mit einer Zeitschrift zwar Gelsen erschlagen, was mit einem Laptop nicht so einfach ist, aber man kann leider nicht draufklicken. Auch kann das Web nicht das haptische Erlebnis einer Zeitung ersetzen. Ich kann mich erinnern, als der Standard aufgelegt wurde, hatte man nach Durchsicht aller Seiten, rabenschwarze Finger. Wie damals, als der Buchdruck seine ersten Schritte machte, den Standard gibt es seit 1988. Das war natürlich ärgerlich, denn las man in der Straßenbahn den Standard und ging dann schnurstracks zu einem Termin, hatte man Finger wie ein Kohlenhändler.
Apropos Straßenbahn!
Auch erinnere ich mich gerne an Diskussionen von früher, warum Z oder X gerne die Krone lesen (Österr. Kleinformat). Als Argumentation kam immer, weil die Zeitschrift so klein ist. Dass Amerikaner und Briten die viel großflächigeren Formate mit einem geschickten Faltsystem auch in der U-Bahn lesen, will keiner hören. Aber es ist ja egal. Außerdem lesen jetzt fast alle “Heute” in der U-Bahn. Hab ich einmal eine Statistik gemacht, wie viele Leute in einem Wagon sitzen und davon Heute lesen . Ich glaub, es waren so an die 70%, der Rest hat sich über Kopfhörer die Ohren zudröhnen lassen.

Jeder darf das was er will an Medien konsumieren, was er für sich und seinen Informationshunger für richtig und wichtig hält. Sich ständig rechtfertigen zu müssen, warum die Gratiszeitung “Heute” so gerne gelesen wird, ist ebenso nervig, wie wenn einer hochnäsig sagt: Die Presse ist das einzig wahre. Über das Fernsehprogramm gibt es eine ähnlich gelagerte Diskussion. Die dümmsten Serien haben die höchsten Einschaltquoten und dann nörgelt man, warum der ORF so ein schlechtes Programm hat. Weil man sich nach der Decke streckt und kein Mensch dauernd BBC Berichte schauen will. Ist doch logisch, oder?

Somit soll sich jeder auch da und dort im Netz bewegen. Entweder mit richtigem Namen (notariell beglaubigt) oder mit Synonym unterwegs sein. Ob ich hier als Ente das aufschreibe, was ich mir denke, oder unter einem Synonym= Fake saublöde Krone-Leserbriefe per Post verschicke macht doch keinen Unterschied.

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Recommandiert bitte!

Alle heiligen Zeiten einmal, gebe ich einen Brief eingeschrieben auf. Meistens wenn man dem Empfänger drohen will: Nimm diesen eingeschriebenen Fedehandschuh, oder ich geh zum Konsumentenschutz!

Und wenn die Ente ganz selten zur Post stiefelt und diesen Brief dann aufgibt, provoziert liebäugelt sie mit alten Wiener Ausdrücken. Dann knall ich in diesen seltenen Fällen nach freundlichem Gruße den abzusendenden Brief aufs Pult, sage lapidar “recommandiert” und halte Augenkontakt. (Versteht er’s oder versteht er’s nicht.)
Die Post ist geschult und weiß, mit schrulligen Alten umzugehen.
“Wo haben Sie bittschön die Einschreiber-Zetteln?”, frag’ ich. Vor ein paar Monaten habe ich mit einem Postler eifrig diskutiert, wie sinnlos diese extra Zetteln sind, man kann das doch datenverarbeiten. Entweder hat hinter mir ein Denker der Post gelauscht, oder der Mitarbeiter, hat dies als Idee des Monats verkauft. Auf jeden Fall:
“Die gibts nicht mehr!”
Heureka und “Nein”, schrei ich halblaut heraus, “diese umständlichen Zetteln wurden endlich abgeschafft, ich fass es nicht. Was für eine Erleichterung!”
“Dafür müssen wir jetzt mehr arbeiten”, meint der Postler und ich verbeiße mir einen Lachkrampf.
“Na, eine Postleitzahl müssen sie vermutlich eingeben”, antworte ich süffisant und werde aber in den nächsten Minuten (!) eines besseren belehrt.
Und schon beginnt das Prozedere.
“Eingschrieben” heißt, wie wild am Touchscreen hinzutappsen. Das schaut immer so aus, als würden diese Bildschirme keine Butterbrotfinger wollen. Da tappst der Postler mit so einer Wucht auf den Bildschirm, dass dieser bedrohlich gegen die Kundschaft wackelt. Aber nicht umfällt! Sonst müsste nämlich die Kundschaft einen recommandierten Brief an die Post schicken, was freilich spaßig wäre, aber schon fast ins Groteske ginge.
“Halt” sage ich und krame umständlich in meiner Geldbörse.
“Ich hab da nämlich eine Briefmarke, die ich nicht und nicht anbringe.” Gemeint ist, ich schreibe nur mehr Email. :)
Klatsche eine 1,25 Euro Briefmarke auf den Tisch und denke mir, der Rest ist Trinkgeld.
Von Nichten und Tanten!
Ein eingeschriebener Brief kostet mittlerweile eine Lawine: Sage und schreibe zwei Euro fünfundsechzig.
Da haut’ s die Kundschaft fasst am Scheißer, weil das knapp am Briefinhalt = Klagswert liegt.
Großer Seufzer von Seiten der Post!
Jetzt muss die Post rechnen!
Holt einen Taschenrechner raus und ermittelt die Differenz.
1.40 sag ich leise, obwohl ich in der Volksschule nie Rechenkaiser war (was hab ich mich da immer gegiftet!)
“Richtig!” (Nach erfolgter Korrektur des Textes überlege ich gerade, ob ich 1,40 gesagt habe, oder hat mir der Postler falsch rausgegeben hat? Ich denke gerade intensiv nach, dass hier ein Fehler vorliegen muss. Hab ich 1,40, 1,60 oder gar 1,85 gezahlt – Mist nicht aufgepasst.)
Und jetzt geht es weiter!
Der Bildschirm wackelt wieder bedrohlich.
In der Zwischenzeit rattern zweierlei Drucker in intimer Hüfthöhe.
Der Postler holt einen Kleber “Klatsch” – das ist die Ersatzdifferenzbriefmarke, die genau so viel kostet, als hätt ich eine Bilderbriefmarke gekauft = klassische Briefmarke. Frechheit! Geprellt! Ich will gemalte Briefmarken auf meiner Post.
Es rattert weiter.
Ein mittelgroßer gelboranger Sticker mit einem R veranschaulicht sehschwachen Postbediensteten, es handelt sich hier um eine eingeschriebene Briefsendung. Damit der Brief nicht die Stecknadel im Heuhaufen wird, auf Papier in Leuchtfarbe gedruckt. Ganz witziges Styling irgendwie. Flashig aber farblich passend zur Briefmarke!
Es rattert weiter.
Mittlerweile ist es schon eng auf dem Kuvert (siehe Skizze).
Der Postler holt einen schönen langen Streifen aus dem Intimbereich und misst, wo der auf dem kleinen Kuvert noch hinpasst.
Die Ente hat nämlich noch ein vergammeltes C6 Kuvert in ihrer Schublade gefunden, weil sie eben nur mehr mailt.
Ein Fleckerl hat der Postbedienstete noch gefunden.
Erfolgsmoment!
Das Kuvert schaut mittlerweile aus, wie unterhalb skizziert und hat durch die vielen Zusatzkleber vermutlich um die Hälfte mehr Gewicht, als die ursprüngliche Briefsendung ausgemacht hätte. Erinnert ein wenig an ein Stickeralbum einer 13-Jährigen. Die Pferdepickerln fehlen nur noch.
Leider kann man eingeschriebene, frankierte Briefe nicht mehr zu Hause scannen, daher die Zeichnung.

post

Schaun wir uns die Briefcollage gemeinsam an – der Postler und ich.
“Wieso sind denn da zwei Reco-Pickerln?” Ich mag es gerne wenn man auch im “real life” interaktiv web2.0 agiert.
“Ja,” sagt der Postler, “weil das eine Pickerl kann der Computer nicht lesen und deswegen braucht mein ein zweites.”
“Aha!” Sag ich immer, wenn ich etwas nicht verstehe.
“Warum druckt man das Pickerl nicht so aus, damit der Computer es lesen kann?” denke und frage ich zeitgleich. ;-)
“Weil der Computer das (zeigt auf das Große, ich dachte, er kann das Gelbe nicht lesen) nicht lesen kann.”
Ok, ich erkenne, es hat wenig Sinn mit der Post zu diskutieren.
Bezahle meinen Differenzbetrag und hoffe auf rasche Zustellung.
In dem Schreiben ist eine Frist mit nächstem Dienstag gesetzt.
Ich weiß, das kann knapp werden, aber ich will es wissen.

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Wie verfasse ich ein Bewerbungsschreiben?

Wer schon einmal einen Bewerbungsmarathon hinter sich gebracht hat, weil er gerne das machen möchte, was er gelernt hat, der kann vermutlich ein mehrstrophiges Lied anstimmen.

Es ist wie eine bewegte See.
Einmal schwimmt man ganz oben und meint, die können mich mal.
Und dann saust man mit seinem Schwimmbrett ins tiefe Wellental und versteht so überhaupt nicht, warum man das ganze Theater eigentlich mitmachen muss t. Aber man hält sich insofern in der bewegten See so gut, dass man nicht dabei dersauft.

Ich möchte jetzt gerne einmal meinen Frust ablassen. Und jeder, der ähnliche Erfahrungen hat, ist eingeladen hier seinen Ärger kund zu tun. Ich hoffe, es liest auch hier irgendein verknöcherter Typ aus einer HR Abteilung, der sich gewisser Regeln bedient, die er sich sowieso nicht selbst ausgedacht hat, aber trotzdem etwas verlangt, weil man das einfach so macht. Brett vor’m Kopf*
Gemeint sind damit die Regeln für Bewerbungen.
Apropos: Früher, ich kann mich kaum mehr erinnern, hat man sich bei Personalabteilungen beworben, jetzt heißen diese Abteilungen “Human Ressources”. Wer “HR” liest, soll nicht glauben das ist die Abkürzung für Hofrat, Herr, High Resolution, oder die Landeskennung für Kroatien – nein – es ist die Abkürzung für menschliche Arbeitshilfsmittel – eine betriebswirtschaftliche Bezeichnung für Menschen als Arbeitskapital (siehe Pkt 9 – Bezahlung).

1. Das Bewerbungsschreiben
vulgo Motivationsschreiben!
Der erste Satz sollte den Leser sofort ins Thema ziehen. “Stellen Sie einen persönlichen Bezug dar und vermitteln Sie, warum sie in diesem Unternehmen arbeiten wollen.”
Was für ein Schwachsinn!
“SgH Personaler, Ihre Schmiermittelteile haben mich schon mein ganzes Leben fasziniert. Und einmal, als ich im Baumarkt war, da hab ich den Abteilungsleiter zur Sau gemacht, weil keine guten Schmiermittel von Ihrer Firma im Regal waren. Deswegen möchte ich mich gerne als Ihr Regalbetreuer für Supermarktketten bei Ihnen bewerben. Ich musste nämlich am eigenen Leib schmerzlich erfahren, wie grauslich das ist, wenn man etwas kaufen will und das Regal ist leer. Nehmen Sie mich und ihr Umsatz wird sich binnen kürzester Zeit vervierfachen - so hoff ich.

Hat jemand eigentlich schon probiert eine Bewerbung so zu beginnen:
“SgF Personalerin, das Schlimmste was einem Menschen passieren kann, ist ein Motivationsschreiben zu verfassen. Ich bin grundsätzlich ein sehr aufrichtiger und ehrlicher Mensch. Ich habe mein Lebtag noch nie so gelogen und aufgeschnitten, wie in diesem Motivationsschreiben, wo ich versuche ihnen Grün für Orange vorzumachen und Ihnen das Blaue vom Himmel erzähle, bis dass es regnen tut!”

2. Verstehe ich überhaupt nicht, warum man seiner Bewerbung ein Bild beifügen soll. Ich kann will ja nicht als eindürrtes Laufsteg Girl bei Lagerfeld arbeiten. Ich finde diese Vorgehensweise diskrimierend!

3. Foto
Auf dem Foto und beim Bewerbungsgespräch soll man so ausschauen, wie man sein Lebtag nie ausschaut. Bluserl, wenn möglich weiß. Knöpferl grad so schön zu, sodass man nicht zu offenherzig dasteht, oder auch zu zugeknöpft wirkt. Weil dann denken sich nämlich die Personaler ihren Teil. (Altes HR-Blusenknopforakel)

4. Lebenslauf
heißt jetzt CV. Und im Laufe des Lebens schreibt man mehr als 2CV – das ist meine Assoziation zu CV – Auto mit Revolverschaltung. *puff*

Früher musste der Lebenslauf per Hand geschrieben werden. Dann gab es eine Revolution, als die Personalabteilung draufkam, man kann sich Lebensläufe schreiben lassen. Graphologen entdeckte keine versteckten Talente, sondern suchten nach bösen, grauslichen Eigenschaften: Menschen, die Klorolle nicht wechseln wollen, die Bleistifte nicht herborgen, oder ein Chaos am Schreibtisch haben.

Auffe oder obe ist die Frage:
Bottom up
oder
Bottom down
Je nachdem es besser ausschaut. Siehe Foto.
Wenn man so ein paar Jährchen am Buckel hat und man sich an die Volksschulzeit besser erinnert, als was gestern passiert ist, dann würde ich meinen Lebenslauf eben da ansetzen, wo es spannend wurde im Leben. Aber nein, man will den ganzen Schmus lesen, will schauen, ob eh kein Tag dazwischen fehlt, wo man hacknstaat war. Was überhaupt NICHTS über den Arbeitseifer aussagt, möcht ich nur erwähnt wissen.

Es heißt “Berufliche Laufbahn” – ja das Leben rinnt einem zwischen den Fingern durch, daher ist Laufbahn recht gut, sofern sie noch keine Aschenlaufbahn ist. Ja, ich bin sarkastisch!

Es heißt nicht Ausbildung, sondern Weiterbildung oder Fortbildung. Dazu habe ich keine Erklärung.

Es heißt nicht, man hat Kinder bekommen und hat sie so gut es eben ging gefüttert, gewickelt, gewaschen und ihnen den Hintern versohlt, sondern man möchte “Familienmanagement” lesen. Da gibt’s dann ein paar provokante Fragen, z.B. “Was verstehen Sie unter Familienmanagement?”. In solchen Situationen möcht ich auf den Tisch steigen und demjenigen die Bewerbungsmappe auf den Kopf knallen! Nein, man hält seine Hände brav am Tisch und antwortet kurz und bündig: Das ist die Arbeit, die Männer nicht machen wollen. Ja, ich bin bösartig. Ich weiß, die Welt ist voll von Männern, die gerne in Karenz gehen wollen, aber leider geht das so schwer …. daher nützt man die leichtere Variante.

5. Bewerbungsmappe
Weil wir gerade dabei sind.
Ich weiß nicht, welchem findigen Kerl/in eingefallen ist, sämtliches Papierzeugs wie Bewerbungsschreiben, CV und Zeugnisse in Bewerbungsmappen legen zu müssen. Tiefe Ehrfurcht! Das war vielleicht eine Geschäftsidee!

Was sind Bewerbungsmappen? Mehrflügelige Schnellhefter, hohe Grammatur, die nach unerfreulichen Bewerbungsgesprächen in die Rundablage kommen. Das heißt dann “Dürfen wir Sie in Evidenz halten?”

Bewerbungsmappen müssen in Deutschland zurückgeschickt werden. Was auch Schwachsinn ist, denn man sieht diesen Mappen nämlich an, wenn sie um den halben Globus transportiert wurden. Das heißt, man kann das Kuvert aus dem Postkasten nehmen und vor lauter Ärger gleich in tausend Fetzen reißen, warum sie einen nochmals mit der Mappe belästigen!

In Österreich werden Bewerbungsmappen in der Regel nicht zurückgeschickt. Weil bei uns die Post so langsam ist und 100 Postler aus dem Karrierekompetenzzentrum (arbeitslose unkündbare Postler spielen dort Sudoko) mittlerweile zur Polizei gegangen sind. Man sollte gesetzlich verankern, dass Bewerbungsmappen grundsätzlich zurückgeschickt werden müssen. Sudoko ist ohnehin importiertes Zeug – weg damit! Und die 100 Posten kann man anderswertig vergeben.

Was machen die Personaler bittschön mit den hunderten Mappen, die angeblich pro ausgeschriebener Stelle am Schreibtisch der Personalabteilung landen? Hoffentlich verheizen! Nur nicht ins Altpapier, dann müsste ich so eine Bewerbungsmappe irgendwann einmal als Post-it wiederverwertet wo verwenden. Dieser Gedanke wäre unträglich für mich.

5. Bewerbung per Email verschicken.
Sehr sympatisch aus erwähntem Grund! Nur, wenn man dafür einen Email-Account eines Gratisanbieters verwendet, dann landet man blitzeschnell im Spamordner.

6. XING
Ist für mich wertlos, aber doch wieder sehr praktisch. Wenn man das Schreiben persönlich adressieren muss und nicht genau weiß, ist das ein Weibl oder ein Mandl, dann gibt XING Auskunft und beugt vor Peinlichkeiten vor. Ich mein, bei Detlef muss ich nicht nachschauen, aber bei Nicola wird es schon spannend.

7. Auf Antwort wartend
Es ist wie beim Fischen.
Man sitzt vorher stundenlang und wutzelt Brotkugerln. Reiht die Kugerln auf, steckt sie auf den Haken und lässt Schnur samt Haken ins Wasser hängen.
Entweder beißt der Fisch sofort an, oder man wartet 1-2 Wochen und der Fisch frisst das Brotkugerl vom Haken. Dann ist man leer ausgegangen.

8. Telefonnummer nicht vergessen und
Mailboxansage überprüfen
Hier sollte man während der Stellensuche nicht kreativ sein. Stockkonservativ sagt man das, was eh jeder weiß, wenn keiner abhebt, dass derjenige gerade nicht erreichbar ist und man möge doch bitte … bla bla bla.

9. Bewerbungsgespräch
Ein Fisch war so gierig und hat das Brotkugerl mitsamt dem Haken verschluckt. Hähäääää selber schuld!
Und dann kommt das Anglerlatein!
Man zieht sich etwas an, wie heutzutag Leut nicht einmal mehr in die Oper damit gehen. Wiedererkennungseffekt: Das Bluserl vom erwähnten Foto (siehe oben), nicht zu weit offen, aber auch nicht zu zugeknöpft. Man muss sich Antworten zu Fragen ausdenken, die stereotyp bei allen Bewerbungsgesprächen gefragt werden, daher muss man gar nicht mehr viel denken, sondern einfach nur auswendig lernen. Manche fragen noch nach Hobbies. Da soll man seine Strickliesl eingepackt lassen. Na gut, dann lassen wir uns etwas einfallen, damit wir sportlich, weltoffen und belesen dastehen.
Die Frage, wie viel man gerne verdienen möchte. Meine Lieblingsantwort: So vü wie geht!
Was für eine dumme Frage! Noch immer werden Frauen bei der Bezahlung nicht gleichbehandelt! Ich will so viel verdienen, wie mein männlicher Kollege, sollte die richtige Antwort heißen. Sollte ….

Ach ja!
Die Bewerbung muss von anderen hervorstechen.
Hat eigentlich schon jemand eine Flaschenpost verschickt? Das fällt mir gerade spontan ein.
An der Brieftaube arbeite ich noch, damit sie auch ein Liedchen singt “Kommt ein Vogerl geflogen, setzt sich nieder auf mein Fuß, hat ein Brieferl im Schnabel, ….”

flaschenpost

Sämtliche Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind rein zufällig und nicht erwünscht.

P.S: Zu HR kommt noch GBG – Gleichbehandlungsgesetz, das sind jene, die nicht das “In” schreiben wollen, aber alle ein junges dynamisches Team für einen mittelalterlichen Chef wollen. :-)

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