Monatsarchiv: Juni 2011

Ja, ja der Wein is guat

Ja, ja, der Wein is guat,
I brauch kan neichn Huat,
I setz den oidn auf,
Bevor i Wasser sauf!

Stein des Anstoßes ist ein web2.0socialmediamarketingbiowebweindingsbumms in einer Scheune in nirgendwo. Sollen sie fahren wohin sie wollen, solange es auch bio ist und bleibt. Nein ehrlich, bio ist schon gut, auch wenn es verwurschtet und vertwittert wird. Ist eh blunzn, weil den Wein kann ich hier nicht kosten und die getwitterten Kommentare von dort kann ich nur hinnehmen, weil mir der Zusammenhang fehlt. Warum diese Events trotzdem stattfinden? Man erhofft sich, es wird darüber geschrieben, sofern es schmeckt. #Latexkäse #Testimonial

So antwortete ich auf einen Tweet meiner lieben esskulturellen Twitter und Jourdoux Freundin katha, die ganz im Eifer und voller Freude vom Vortrag eines Bioweinbauern berichtete. Inhaltlich kann ich aus oben erwähntem Grund nichts dazu beitragen, daher fragte ich ganz beiläufig:

” Wie Bio ist Bio im Weinbau?” #Kupfer

 Alle Antworten sind linkerhand zu lesen.

Man merkt am Response, die eifrig rosaroten Bäckchen von katha, bekamen dunkelrote Flecken des Ärgers, weil die guteente so renitent ist. ;-)

Dazu ein wenig Hintergrund, warum Kupfer bei Bio Thema bleiben muss, obwohl es nicht gerne erwähnt wird. Die Bioweinbauern fühlen sich  anscheinend ans Bein gepinkelt, vielmehr sollte der Biobauer viel lauter schreien, als eine Twitterente wie ich.

Kupfer (wie auch Schwefel) wird im biologischen Weinbau als Spritz- und Düngemittel eingesetzt, um gegen Pilzbefall (Mehltau) zu schützen. Mehltau tritt besonders häufig bei feuchten klimatischen Verhältnissen auf.  Der Einsatz von Kupfer ist  beim Bioanbau auf 3 kg pro Hektar reglementiert, bei herkömmlicher Landwirtschaft auf 6 kg pro Hektar. In früheren Jahren wurde durch den Einsatz der “Bordeauxbrühe” ein Vielfaches dieses Schwermetalles eingesetzt, das im Boden nicht abgebaut wird (Höchstwerte bis zu 1000mg/kg pro Hektar, eine Maximalmenge von 100mg/kg pro Hektar wird dringend empfohlen, Quelle boku).

Kupfer ist generell für Körper und auch für den Boden in geringem Maße lebensnotwendig. Es ist allerdings neben Quecksilber als Bestandteil einer Amalgamfüllung wiederum verpönt, was deutlich macht, es kommt auf die Menge an. Wie schon erwähnt, wird es im Boden nicht abgebaut, sondern reichert sich  an und schädigt in Folge die darin vorhandenen Mikroorganismen. Der Einsatz von Kupfer sollte schon vor Jahren verboten werden (Entscheidung 1992 durch die EU, verstrichene Frist 2002, neu 2016), man gewährte allerdings aus Mangel an Alternativen weiteren Aufschub.

Momentan gibt es keine zielführenden Forschungsergebnisse, die einen Ausstieg von Kupfer erlauben. Umsomehr müssen Bio(wein, hopfen, kartoffel, apfel)bauern daher Kupfer zum Thema machen. Es soll sich keiner gereizt fühlen, wenn ich Kupfer und Bio erwähne. Wird der Einsatz von Kupfer verboten, wird der Bioanbau für einige Produkte erschwert.

Wein ist ein gutes Geschäft, mit dem Biomascherl hat es einen guten Marketingbooster. Es stellt sich daher die Frage, wie verantwortungsbewusst gehen Weinbauern mit Kupfer um? Was passiert mit einem Bioweingarten, wenn die Höchstgrenze von 100mg/kg Trockenerde erreicht wurde? Was macht der Biobauer, wenn es 2016 keinen weiteren Aufschub gibt?

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