Kochen können – oder kochen wollen

Eine Diskussion zwischen zwei Alphatierchen. ;-)

katha meint, ich sag’ einmal ganz allgemein “wir”, die Gesellschaft kann nicht mehr kochen.

Meine Wenigkeit meint, unsere Gesellschaft will nicht mehr kochen.

Wir werden unsere Meinungen vermutlich nicht durch Statistiken belegen können und somit stelle ich das laut Anregung von Michael zur Diskussion und bin schon sehr gespannt, welchen Standpunkt ihr vertretet und durch welche These eure Meinung untermauert wird. Vielleicht wird diese Diskussion polemisch. Jeder hat seine Erfahrung im Bekannten- und Freundeskreis und wird dadurch in seiner Meinung bestärkt. Es gibt aber auch äußere Hinweise, wie das größer werdende Angebot von Convenience Food in den Regalreihen unserer Supermärkte.

Anstieg Convenience Food – Dank der Schweizer habe ich eine Statistik gefunden, die einen gewissen Anhaltspunkt zur Diskussion gibt. Die Statistik liest sich so, dass Dosenfutter weniger geworden ist. Verständlich, ich mochte noch nie Erbsen aus der Dose. Schon alleine die Farbe stört mein ästhetisches Empfinden. Auch die Fruchtkonserven sind weniger geworden. Wen wundert’s? Pfirsiche gibt es das ganz Jahr über, sogar ohne Pelz als Nektarinen. “Sonstige” Ware hat einen beträchtlich großen Anteil und man hat sich noch nicht die Mühe gemacht, diese Kategorie zu unterteilen. In diese Abteilung fallen alle Fertiggerichte, Kartoffelkonserven, etc. – also Lebensmittel, die gekauft werden, um ein schnelles Essen auf den Tisch zu bringen.

Als ich zu kochen begonnen habe, waren Bilder in Kochbüchern unwichtig oder teilweise furchtbar aufgenommen. Mein erstes Kochbuch hatte überhaupt keine Bilder. Die Beschreibung eines Rezeptes hatte den Umfang von etwa 10 Zeilen und liest sich ungefähr so:  ‘Dotter mit Zucker schaumig rühren, die übrigen Zutaten zugeben. Schnee schlagen und abwechselnd mit dem Mehl unterheben. Den Herd auf Stufe 4 vorheizen und 40 Minuten backen.’ Wenn man Satz für Satz vorgegangen ist, dann war das Mehl schon im Teig und fest wie altes Plastilin. Dass Schnee nix wird, wenn da ein bissl Dotter drinnen ist, hat einen lange gewundert, oder man hat nachgefragt. Der Schnee im Teig ist zusammengefallen, weil nämlich das Rohr noch nicht vorgeheizt war, etc.  Fachwissen holte man sich aus dem Anhang, oder von seiner Mutter oder Großmutter. “Bei mir ist letzens der Mürbteig nichts geworden, warum? Aha, bröselig = brandig, Zutaten müssen kälter sein, nicht zu lange kneten” – all das habe ich durch Nachfragen erfahren. Mein Können hat sich durch Wissensweitergabe erheblich erweitert.

Mein Wollen, wurde mir durch Erzählungen über gute Köchinnen in unserer Familie weitergegeben. Ich hatte aber leider nie die Gelegenheit mit Omi oder Mutti mitzukochen. Omi ist früh gestorben und mit Mutti hat es sich durch besondere Umstände nie ergeben. Wie man Fischbeuschelsuppe oder Kalbsbeuscherl zubereitet, habe ich teilweise per Telefon erklärt bekommen. Es gab keinen Inhouse-Kochkurs.

Es gibt Tage, wenn ich erledigt nach Hause komme, dann will ich nicht kochen. Da bleibt dann die Küche kalt. Manchmal greife ich auch dankbar auf ein fertiges Pesto oder Sugo aus dem Regal. Oder dann gibt es die flotten Hascheenudeln, die ich aus meiner Kindheit kenne und die ruckizucki fertig sind. Ich kaufe manchmal gefrorenen Fisch und ärgere mich, weil der Fisch so fischelt und eigentlich sauteuer war. Beim Vogerlsalat im Sackerl greife ich auch gerne zu, weil es diesen Salat früher nur zu Weihnachten gegeben hat und ich ihn liebe. Vogerlsalat wird nicht offen verkauft, detto Rucola. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn im Sackerl eigentlich Spinat und nicht Salat zu finden ist.  Ich kaufe manchmal Fruchtjoghurt, weil es als schnelles Dessert oder Frühstück gut passt.Ich ärgere mich, weil die Supermärkte auch daran schuld sind, uns verblöden zu lassen. Wir kaufen Schweinefleisch für Reisfleisch und keine Schulter, wir kaufen Gulaschfleisch und keinen Wadschinken, wir kaufen Schweinsschnitzelfleisch und kein Fleisch vom Schlögel, etc. Wir können die Fleischteile nicht mehr benennen. Uns können Supermärkte jeden Schmarren andrehen, weil wir Fleisch nach dem Gericht suchen. Unsere Billafiliale hatte bis vor kurzem einen !gelernten! Fleischhauer angestellt, dort konnte ich meine Fleischteile so bestellen, wie ich sie brauchte. Wisst ihr eigentlich, dass es kaum mehr Fleischhauer gibt? Dass es kaum mehr Fleischhauer gibt, die eine ganze Sau zerlegen können, weil sie die Fleischteile schon pariert bekommen. Warum will denn keiner mehr das können?

Wir haben sehr oft Gäste und die sind auch gewohnt, von mir bekocht zu werden. So verbringe ich oft viele Stunden in der Küche mit kochen, wo andere Frauen bei der French Maniküre sind. Manchmal zipft mich das Kochen an, oder ich bin einfach so kaputt – siehe oben. Mein Kochwille hat sich aber durch einen Wohnungsumbau noch mehr gesteigert. Die Kochinsel ist in der Mitte des Raumes, gleich anschließend ein Barbereich mit Hocker, wo, wer will, mir in die Töpfe schauen kann und mir nicht so langweilig ist. Da wird schon einmal gefragt, was ich da mache und warum und wir haben Tipps ausgetauscht.

Damit wir die Jugend auch gleich durch haben: Ich habe zwei Kinder, mein Sohn liebt es zu kochen und fragt sehr oft, wie er was zubereitet. Er bekocht auch seine Freundin sehr gerne, die gar nicht kochen will/kann. Es interessiert sie auch gar nicht wie man kocht. Der Wille meiner Tochter ist noch nicht so ausgeprägt. Was sie probiert, wenn sie will, kann sie auch. Wenn ich selbst nicht verfügbar bin, gebe ich ihr den Tipp, welche Rezepte selbsterklärend sind und davon gibt es sehr viele! Es gibt Kochblogger, die jeden Handgriff mit Fotos dokumentieren, oder Listen (;-) legendär die Liste des Nonkneadbread von katha) führen. Was soll da bitteschön schief gehen? Nur Toilettegänge sind nicht berücksichtigt, sonst jeder Handgriff und Zeitablauf!

Klappe, Diskussionsstart!

Was übrigens auch zur Esskultur gehört, sind Benimmregeln bei Tisch! Schon mal beobachtet, wie manche Menschen Besteck halten und das Essen am Teller mit dem Fremdkörper Messer oder Gabel zerteilen?

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40 Kommentare

Eingeordnet unter befindlichkeiten, küchenente

40 Antworten zu “Kochen können – oder kochen wollen

  1. Danke. So hab ich mir das vorgestellt. Wenn die Ente (mit wenig Zeit) postet, dann ist das wie wenn die ARD eine neue Folge von “Entweder Broder” sendet – auf jeden Fall ist für Gesprächstoff gesorgt.

  2. traue keiner statistik,… du zitierst eine statistik, die aber eben nur den leicht überschaubaren convenience-bereich erfasst (sterilisierte produkte in dosen und gläsern bzw. kartoffelprodukte). das schreiben die auch selbst:

    “Die Statistiken decken nicht die gesamten, sondern nur einen Teil der Verkäufe unserer Mitgliedfirmen ab. Insbesondere für den stark diversifizierten Convenience-Bereich ausserhalb der klassischen “Konserven” (Dosen, Gläser, Beutel) sowie für alle Tiefkühl- und Kühlprodukte sind keine Zahlen verfügbar.”

    der bereich der “frischen convenience” und tk ist mit sicherheit enorm gestiegen, dafür brauche ich keine statistik, sondern nur einen blick in die supermarktregale (und in die branchenfachmedien) werfen.

    mein zentraler punkt ist, dass die möglichkeiten, rat und wissen (ob vor ort oder per telefon) aus dem eigenen umfeld rasch und unkompliziert einzuholen, geringer geworden sind, weil das kochvermögen und die kochfrequenz abnehmen (weil die convencience zunimmt – oder umgekehrt?) und weil folglich in vielen familien keine “kochinstanz” (ob weiblich oder männlich) mehr als quelle zur verfügung steht. nein, blogs sind dafür (noch) kein ersatz, weil sie dafür viel zu wenig verbreitung haben und das frage-antwort-spiel auch nicht ersetzen können. wir sprechen von massenphänomenen, verallgemeinerungen, gesellschaftlichen tendenzen. ich bin überzeugt davon, dass kochwissen nicht nur verloren geht, sondern z. t. schon verlorgen gegangen ist. und ich betrachte es als teil meines jobs, gegen diesen (ess)kulturellen verlust anzuschreiben und anzureden und anzukochen, wo immer es nur geht.

  3. btw: du hast groupies, ente, das finde ich aufregend ;-)

  4. @Michael: So, jetzt kenne ich Entweder Broder leider nicht und hoffe, ich komme bei dem Vergleich nicht so schlecht weg. ;-)

    @katha: Moment, wenn du eine Statistik Austria zitierst, dann ist dein Zitat nicht gefälscht? ;-) Echt wenig Zeit heute. Eine Suchanfrage und da muss halbwegs ein Informationswert dabei sein. Ich kenne die Schweizer Quelle nicht. Habe keine entsprechende Statistik für Ö gefunden. Ich habe bei der Recherche geschludert. Aber wie du richtig sagst, wir müssen uns nur die elendslangen Regalreihen anschauen,da brauchen wir keine Zahlen. Und es wird das Angebot immer mehr! Das ist die Cashcow der Nahrungsmittelproduktion! Es gibt sogar Essig/Öl Salatmarinade fix und fertig zu kaufen – wie blöd sind bitte die Leute, die das kaufen? Meinst du, die können keine Marinade machen, oder wollen sie sich nicht die Zeit nehmen? Du katha, einerseits bist du mir meine groupies neidig und andererseits antwortest zu wenig in die Tiefe gehend, was das WOLLEN und KÖNNEN anbelangt. ;-)
    Dass es immer weniger Kochinstanzen gibt, das bestreite ich gar nicht. Wir sind uns ja einig, wie wenig zu Hause gekocht wird. Wir wollen aber der Sache auf den Grund gehen, WARUM! Lassen wir dafür die Argumentation Zeitfaktor bitte fallen, weil wir alle wenig Zeit haben.
    Natürlich geht uns Kochwissen verloren!
    Ja, es sind gesellschaftliche Tendenzen, die Veränderungen hervorrufen. Wie Ellja so treffend bei dir kommentiert hat, wer ist der Verursacher für diesen Trend?
    Liebe katha, du weißt auch, wie sehr ich dein Tun und Schaffen schätze. Deine Akribie, deine Sammelwut, deinen Enthusiasmus, deine Freude an Listen werden einmal in die Geschichte eingehen. Ich bin einer deiner Groupies. ;-) Es ist aber ganz wichtig, dass du dir deinen Status erhältst, eine Instanz in diesem Bereich zu sein und du dich nicht vermarkten lässt. Da passt dann wieder der Einwurf von Ellja, merken wir eigentlich noch, dass wir manipuliert werden? Und das ist wieder meine Verbindung zu meinem vorigen Post, wenn Kochblogger blind in die Marketingmaschinerie der Koch/Buch/etc/industrie laufen, sind sie vielleicht meinungsbildend, aber keineswegs vertrauenswürdig.

  5. viele leute können nicht kochen, weil sie nicht kochen wollen. wer kochen will, lernt es auch. heute gibt es mehr vermittlungsinstanzen als früher. da gab es nur die weitergabe innerhalb der familie und ein paar kochbücher. heute stehen von jamie oliver bis zur volkshochschule oder dem sternekoch alle parat und bieten kurse, sendungen, kochbücher an. es gibt keine ausrede, dass man kochen nicht lernen könnte, wenn man wollte.

  6. danke, groupie ;-) die latente unterstellung mit der manipuliererei gefällt mir nicht, aber das müssen wir alphatierchen wohl auge in auge ausdischkeriern. natürlich hast du mit dem nicht kochen wollen auch recht. aber warum will jemand nicht? weil er/sie vielleicht auch überfordert ist, weil er/sie es eben nicht kann! ich glaube, dass zuerst das nicht können ist, und deshalb auch zustimmung, ente und eline, jede/r die/der wollte, könnte es lernen. das braucht aber einsicht: dass es da etwas zu können gibt. dass dieses können erlernbar ist. und dass man dafür – im gegensatz zu früher – termine ausmachen und geld ausgeben muss. weil es eben nicht mehr selbstverständlich ist. jedes kind kann ein smartphone bedienen – aber einen strudelteig ausziehen? und beim kind kann ich wohl nicht von nicht wollen sprechen, sondern es ist kaum mehr jemand da, der/die es dem kind zeigen kann. und so bekommt es das kind nicht mehr selbstverständlich mit. (und nein, das läuft nicht auf eine emanzipationsdebatte hinaus, im gegenteil, her mit den männern, die sich beim kochen nicht aus der verantwortung stehlen) natürlich kennen wir alle die positiven beispiele. aber ich bleibe dabei, es ging bei der diskussion um das gesellschaftliche phänomen, nicht um die ausnahmen. die frage ist, ob wir die motive derer, die nicht kochen (ob nicht wollen oder nicht können), herausfinden, in den kreisen, in denen wir uns bewegen. und was man dann als nächstes tun könnte/müsste, um denen vielleicht doch lust darauf zu machen.

  7. Ich freue mich über deine Antwort, weil sie das bestätigt, was ich auch meine. Wobei man schon dazu sagen muss, deine Kochkunst ist schon höhere Schule und man kann dich nicht als Einsteigermodell für erste Kochversuche heranziehen.
    Wer es übrigens nicht weiß, Eline ist eine Kochinstanz erster Güte!

  8. Ich glaub ich muss mal eine Lanze für Katha brechen. Wenn man will, kann man schon, aber es ist nicht mehr so leicht zu wollen, wenn es nicht vorgelebt wird. Und Kochshows und Jamie Oliver sind nachweislich keine Alternative. Ich weiss nicht was da abgeht, aber ich glaube, dass wird mehr so rezepiert wie ein Konzertbesuch – der verleitet auch nicht unbedingt zum Musizieren.

  9. wie wärs mit: unsere gesellschaft hat keine zeit mehr zum kochen?
    die individuen werden schliesslich dauergehetzt und getrieben
    und schliesslich bleiben sie im burnout liegen…
    wann soll da noch zeit fürs kochen übrig sein, außer für die professionellen köche? und die, die das als hobby betreiben…

  10. Die Antwort ist eigentlich recht einfach: Wir können nicht mehr kochen, weil wir es nicht mehr wollen. Der hauptvorgeschobene Grund ist Zeitmangel, kann aber auch nicht alles erklären. Viele wollen sich die Zeit zum Kochen nicht nehmen, hetzen durchs Leben und verpassen die gesamte Sinnlichkeit des Kochens und des Essens. Ein entschleunigtes Leben ist hier eindeutig zu bevorzugen.
    Auch schlimm: Das Convenience aufwärmen wird von vielen auch schon als Kochen bezeichnet, dagegen sollte man vorgehen.

  11. Vieles ist hier schon gesagt worden, da kann ich mich nur dranhängen. Ich denke man kann nicht mehr kochen weil man es nicht mehr will. Klar, was man nicht mag das lernt man erst gar nicht.
    Und es liegt sicher daran daß es nicht mehr vorgelebt wird; als ich klein war habe ich schon fasziniert zugeschaut was meine Mama oder Oma da immer in der Küche veranstaltet hat, wie da (noch) gewerkelt wurde, wie gut es roch, wie gut immer alles geschmeckt hat. Ich habe damals schon geholfen, und wollte das alles auch irgendwann können. Als ich anfing selber zu kochen standen mir meine Instanzen immer zur Seite, besonders meine Oma. Ob Brotsuppe, Buchteln, Schmalz oder Schweinebraten, meine Mama und ich haben alles von der Oma gelernt.

    Irgendwo habe ich mal gelesen wie stark der Mehlverbrauch eingebrochen ist, seit diese alte Generation anfing wegzusterben. Ich weiß nicht mehr genau, jedenfalls enorm! Klar, die Nachkriegsgeneration ist dann schon auf die Convenience-Welle aufgesprungen oder hat sich ihren Kuchen gekauft statt selber gebacken. Aber irgendwas läuft doch falsch wenn es schon FIX für Pfannkuchen und Kaiserschmarrn gibt? Mehl, Eier und Milch zusammenrühren kann doch nicht so schwer sein? Abgesehen davon, für knapp 2 Euro mache ich selber ungefähr zehnmal so viel Palatschinken wie aus dem Fertigprodukt rausgehen.

    Und weil wir dabei sind, viele Leute haben ja nicht mal mehr gewisse Grundnahrungsmittel ständig im Haus. Schon darin zeigt sich ein Unwillen zum Kochen!

  12. anterl,
    ich bin keine kochinstanz, ich kann aber gut kochen, sowohl aufwendig als auch quick & gar nicht dirty. manche kinder kochen gerne mit mir, erwachsene lehrlinge habe ich auch ein paar, das macht spass.
    vielleicht sollten wir mal die gruppe von menschen, die aus welchen gruenden auch immer, nicht gerne essen und schon gar nicht geniesserisch essen. ich kenne einige, habe sogar freunde unter ihnen – sportler z. b. oder sehr kreative menschen die oft tagelang nix gscheits essen. die merken das gar nicht. ab und zu fuellen sie die speicher wieder auf, fertig. ich kann das nichtt verstehen, aber akzeptiere das desinteresse.der diaetwahn entfremdet unglaublich viele vom natuerlichen genuss, das ist auch ein grund fuer kochunwillen. vor 20 jahren wurde ich uebrigens von meinen strengen feministischen schwestern misstrauisch beaeugt, weil ich immer gern gekocht habe, auch fuer sie nach wilden demos. jetzt ist kochen ja wenigstens in, aber das wird nicht lange anhalten.
    ich glaube schon, dass wir blogger was bewirken koennen, aber ueberschaetzen will ich den einfluss nicht.

  13. Soviel Stoff zur Nacht, so gut geschrieben, da stören nichtmal Statistiken. Bei diesen [euren, Ente u Katha] Themen, überkommt mich augenblicklich was Impressarisches. Die Inszenierung zweier brillanter Federn, am Herd – das hätt Kraft für ein Stück Theatergeschichte vom Kaiserteil.
    Und übrigens: Fertigmarinade kauf ich gelegentlich auch, verfeinere sie dann zwar, schlechtes Gewissen hab ich deswegen aber nicht. :-)

  14. Die Diskussion regt mich sowas von irrsinnig auf. Und ich glaub auch zu wissen warum, weil hier auf unterschiedlichen Ebenen diskutiert wird. Mir wird das schon fast wieder zuviel, aber da mich das Thema einfach so bewegt, auch wieder nicht.
    Und obwohl jeder dauernd betont, er will überhaupt nicht den moralischen Finger erheben, hab ich aber trotzdem das Gefühl, dass das die ganze Zeit aber passiert. Seh ich das richtig: Leute, die kochen wollen – GUT, Leute, die zwar arme hascherl sind, weil sie es nicht können, aber eigentlich nicht wollen – GUT. Und die, die es vielleicht sogar könnten, aber partout nicht wollen, oder noch schlimmer, die es weder können noch wollen – GANZ SCHLECHT. Und mit letzteren hat man sowieso ein irrsinniges Problem, weil die kann man einfach nicht verstehen. …. puhhhh….
    Dauernd lese ich in den Kommentaren auch irgendwelche Statistiken und Zahlen.
    Entschuldigung, wer glaubt bitte an den Wahrheitsgehalt einer Statistik? Auf welcher Grundlage basieren diese Statistiken alle denn?

    Ich denk an meine Oma. Die eine ausgezeichnete Köchin war. Und an meine Mama, die zwar gerne gegessen hat, aber gar nicht kochen konnte. Und ich stell mir vor, wie die beiden an dieser Diskussion teilnehmen. Und ich würd mich vor ihnen schämen.

    Ich achte die Akribie und den missionarischen WIllen von Katha. Ich bewundere die Kompromisslosigkeit und die Passion von Eline. Und ich freue mich sehr, beide bald zu treffen. Aber wirklich zu Herzen geht mir die ENTE, denn für mich haftet dieser ganzen Koch-und-Food-Diskussion einfach immer sowas elitäres und abgehobenes an. Da wird mir viel zu viel hochgekünstelt. Wenn ich so ein armes Hascherl wäre, das nicht kochen kann, dann würde ich gleich das Weite suchen, wenn ich die ganze Diskussion mitverfolgen müsste, weil da würd ich mich ja nur schlecht fühlen und keinen Anstoß finden, es doch zu versuchen. Noch dazu, wenn ich gleich auch auf den Markt fahren muss und zum Bio-Schlachter und mich bekreuzigen muss, wenn ich einen Supermarkt betrete…. Ich möchte die Kirche im Dorf lassen.
    Und wenn ich mir vorstelle, dass meine Oma, die keine selbsternannte Kochwütige war, die keine Kochbücher
    veröffentlicht hat und nie für einen Sternekoch gekocht hat und sowieso nie damit in ein Fernsehkastel damit gegangen wäre und die auch nie einen anderen Menschen dafür verurteilt hätte, wie er lebt und was und wie er kocht, geschweige denn isst, hier all diese Diskussion mitbekommen hätte. Sie hätte ihre Schürze umbebunden, hätte den Kopf geschüttelt und wäre in der Speis verschwunden. OHne Worte.

    Ich dagegen bin schon sehr interessiert an einer angeregten Diskussion. ABer ich habe Befürchtungen, dass wir hier auf so einer abgehobenen Ebene dauernd uns Gescheitheiten an den Kopf schreiben, dass wir eigentlich genau das GEgenteil davon bewirken, was wir wollen. Nämlich, dass jene, für die wir die Statistiken bemühen, also die FastFoodEsser und die Nicht-kochen-woller und die ChefMenü-Einkäufer usw… dass wir die hier alle höchstens abschrecken.

  15. Ja, und wenn ich mich erst ein bisschen abgekühlt habe, kann ich es auch in kurzen Sätzen sagen ;-) :

    Machen wir anderen einfach Gusto mit unserer Einstellung, nicht indem wir sie gescheit belehren, sondern indem wir sie unwiederstehlich gut bekochen!

  16. Ellja,
    wenn du mich ganz konkret wo mit erhobenem Zeigefinger erwischst, bitte sag es mir, dann ziehe ich ihn sofort ein, denn ich hasse ihn!
    Ich glaub, du hast ein bisschen selektiv gelesen, denn nur so konntest du zu deinem durchaus erfrischenden, polemischen Ausbruch kommen. Ich sag weiter oben z.B. (leider mit einem Auslassungsfeher): “vielleicht sollten wir mal die gruppe von menschen, die aus welchen gruenden auch immer, nicht gerne essen und schon gar nicht geniesserisch essen, einbeziehen. …..” und meinte und sagte das auch in Folge, dass ich das völlig in Ordnung finde und niemanden missionieren will. Die lesen übrigens eh keinen unserer Blogs! Wenn aber Poster behaupten, dass ohne Supermärkte Österreich nicht versorgt werden kann, dass sich natürliche Ernährung nur die Wohlhabenden leisten können, dann argumentiere ich dagegen, weil ich das für sachlich falsch halte. Und Statistiken sind nicht grundsätzlich daneben, sie können durchaus aussagekräftig sein, wenn man sie richtig interpretiert.

  17. Eline, nein nein, ich mein überhaupt niemanden im besonderen. Ich hab nur eine Essenz der ganzen Diskussion für mich aufgeschnappt, und ja natürlich ist dies sicher auch selektiv, halt ein Stimmungsbild auf das man selber reflektiert. Aber was dann die Ente dazu schreibt, war mir so eine Wohltat, weil einfach so auf dem Boden. Ich möchte einerseits natürlich etwas zu einem besseren Bewusstsein beitragen, aber andererseits widerstrebt es mir, da einen richtiggehenden Kult daraus zu machen. Darum ist mir das Tun auch immer lieber, als dauern darüber zu reden (obwohl ja beides möglich ist ;-)… und die unterschiedlichen Diskussionsebenen (Emotionale Ebene, Sachebene) machen das oft ein bisschen kompliziert.

  18. Vielleicht kann man das Kochen-Wollen über den Geldbeutel kitzeln. Die Süddeutsche fordert heute in der Rubrik Geld “Selber Kochen!” und rechnet (gestützt auf die Hamburger Verbraucherzentrale) aus, dass man mit Fertigprodukten “aufs Jahr gesehen … einen Tausender los (ist) – konservativ geschätzt.
    Ich mag zwar die Methode nicht, aber wenn es helfen würde, wärs mir recht. Eigentlich bin ich nämlich Egoist und will nur meine Einkaufssituation verbessern und das geht nur, wenn viele Menschen gute Produkte nachfragen.

  19. wir sehen das ganz genau gleich, ellja, nämlich lust machen aufs essen – und aufs kochen. nichts anderes habe ich im letzten satz meines letzten kommentars da oben geschrieben, und als langjährige esskultur-leserin weißt du auch, dass das die oberste prämisse meiner arbeit ist (wenn sie nur als akribie und mission ankommt, mache ich was falsch). das schließt aber eine theoretische (oder meta-)diskussion ganz gewiss nicht aus. so oft wird so vieles klarer, wenn mans ausspricht, die gedanken sortiert, die ansichten anderer dazu hört/liest und mit dem neuen wissen die eigenen ansichten überdenkt und evtl. neu ausrichtet. tun ohne denken ist ein bissl blinder aktionismus. auch schön und impulsiv, aber beim einen ohne dem anderen würde mir ganz einfach die hälfte fehlen.

  20. ps: ich sehe das mit den einkaufsquellen übrigens ein wenig entspannter, pragmatischer und nicht so kämpferisch wie eline. das hat mit meinem job zu tun, aber nicht nur, denn gleichzeitig bin ich die tochter einer drogistin mit einem unabhängigen fachgeschäft, das – wie alle – unter der dominanz der “großen” zu leiden hat und sich eine nische suchen musste. ich würde aber nie von jemandem verlangen, bloß direkt ab hof/ab manufaktur einzukaufen – das schreckt nämlich ganz gewiss ab. liebe schlage ich die besten alternativen vor, die vorerst leicht zu bekommen sind. wer auf den geschmack der “echten” lebensmittel kommt, sucht irgendwann automatisch nach der besten qualität – und die ist in vielen fällen dann halt nicht mehr im supermarkt zu finden – bestes beispiel sind die sonnenschweine, womit wir wieder beim ausgangspunkt der diskussionen bei mir, hier im ententeich, bei eline, bei arthurs tochter u. a. wären.

  21. ich habe unter meinen Freunden und Bekannten sehr viele, die sich einfach nicht die Zeit nehmen wollen, um zu kochen. Die ungläubig den Kopf schütteln, wenn sie hören, dass ich fast jeden Tag nach der Arbeit koche. Und gerne koche (Das hat bei mir sicher auch damit zu tun, dass mein Mann mit Begeisterung mitmacht – und auch nach dem Essen in der Küche mithilft). Dafür läuft aber bei uns zum Beispiel so gut wie nie der Fernseher (bzw. sehr selektiv). Ich glaube auch, dass die meisten, die nicht kochen, zwar könnten, aber nicht wollen, weil anderes für sie wichtiger ist (Sport nach der Arbeit oder dann eben faul sein und fernsehen). Es ist doch viel einfacher, auf dem Nachhauseweg ein Fertig- oder Halbfertigprodukt zu kaufen – so schlecht sind die doch gar nicht (höre ich immer wieder).

    Und ich bewundere Elines Konsequenz, mit der sie sich ein Netz von kleinen Produzenten aufgebaut hat. Dahin möchte ich auch kommen, manchmal kommt mir allerdings die Müdigkeit und die Bequemlichkeit nach einem Arbeitstag dazwischen und ich lande im Supermarkt – ohne schlechtes Gewissen. Das passiert allerdings immer seltener, vor allem auch deswegen, weil ich das Glück habe, ganz in der Nähe eines Grünmarktes zu arbeiten, wo ich alles bekomme, sogar offenen Rucola und Vogerlsalat ;-))

  22. katha, ich glaub da hast du etwas ganz wichtiges gesagt: Wenn man einmal begonnen hat, richtig gutes fleisch, obst, gemüse etc. einzukaufen, dann kann man fast nicht mehr zurück. Es fällt dann einfach viel schwerer, sich noch mit etwas minderem zufrieden zu geben. Immer öfter verzichte ich auf geplante Speisen, wenn ich die guten Sachen dafür nicht bekommen kann, oder umgekehrt, wenn mir wo was dreinrennt, dann plane ich oft und gerne einfach um.

  23. Pingback: Kochen müssen | Tischgespräche

  24. Es fängt doch eigentlich mit den ganz kleinen Dingen an. Denen, die sogar ich kann. Und dann findet man hie und da eine Idee, setzt sie um, oder kocht auch strikt nach einem geschriebenen Rezept. (Ich habe übrigens das Rezeptbuch meiner Urgroßmutter; meine Zeit, was da an Butter verbraucht wurde, das geht auf keine Cholesterinwerte!)
    Aber das braucht ein wenig Zeit. Und so hat man irgendwann angefangen, den Bäckern das Brotbacken anzuvertrauen, und auch die Wecken und Buchteln. Und dem Onkel Maggi (dessen Name sich in Frankreich 100% nach Magie anhört) die Würze. Und so weiter, und so fort.
    Die Arbeitszeit pro Arbeitnehmer und Woche hat sich zwar in hundert Jahren halbiert, aber dafür die Zahl der berufstätigen Menschen quasi verdoppelt, weil vor 100 Jahren kaum Doppelverdiener-Haushalte existierten. Jedenfalls nicht in dem Sinn, denn die Hausfrauen waren ja nicht untätig. Und grad auf dem Land hatten sie mit dem Garten und dem Hühnerhof durchaus eine eigene Quelle des Einkommens in natura.
    Bloß, wer 35 Stunden plus zweimal 90 Minuten täglich Stau außer Haus ist, hat abends oft keine Lust mehr, sich noch ans Kochen zu begeben. Man ist müde, die Mikrowelle und Onkel Oetker sind da – also Fertigessen.
    Und man wird nie erfahren, warum Anders keinen gekochten Fisch mag. :D

  25. Ich mache es kurz und bündig – ich kann nicht kochen, aber essen tue ich schon gerne … ;)

  26. Es gibt ein Teil, dazu gehören foodblogger und auch ich, für die kochen ein großer Teil des Lebens einnimmt und die das kochen können – und andere interessierts nicht, haben keine Lust, keine Zeit zum kochen oder fürchten sich vor den Herd.
    Die Sache mit den besten Lebensmitteln hat einen Haken
    Wenn man aber nur mehr nach der Creme ala Creme der Lebensmittel eifert wird man auch nicht so glücklich. Was, wenn es gerade diese Sorte nicht gibt? Man muss Kompromisse eingehen – Es ist nicht alles sofort und jederzeit verfügbar. Einerseits regional und saisonal – sondern auch wie es sonst verfügbar ist. Ich ess aus Prinzip kein Spargel und keine Erdbeeren zu Weihnachten – genauso wie ich keine Zimtsterne mit ins Freibad nehme. Und beim Bäcker nehme ich auch das Brot was da ist und lauf nicht zur nächsten Filiale. Abwechslung tut gut- ich probier gern verschiedenes aus. Ich selber muss es immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass ich, wenn ich Milch will in Wien schlichtwegs die nicht gibt, die mir am besten schmeckt. Oder weiß wer wo es in Wien reine unverfälschte Rohmilch gibt? Mittlerweile trinke ich – wenn ich die von zu Hause nicht habe, die Packlmilch (und da auch nur welche die meinen Kriterien entsprechen) – aber man gewöhnt sich auch daran.
    da geb ich Ellja ganz recht, dass dieses Thema so ernst genommen wird – das sich die ganze Leichtigkeit – die gute Küche ausmacht sich zurückzieht. Am besten animiert man Leute dazu, in dem man einfach voller Freude kocht. Für mich ist kochen und essen eine Form der Geselligkeit – als Single kochen und eine Mahlzeit ist verdammt schwer – da isst man auch mehr und wird schwerer. Gestern hatte ich Besuch – da ging das kochen leicht von der Hand. Ich machte Curry und allein schon das mörsern war eine Freude und ich aß eine normale Menge. Alleine – muss man sich mehr überwinden – da kann man zwar mehr nach seinen Gusto kochen, aber es ist so ein einsamer Vorgang. Da mach ich auch lieber was schnelles und was weniger Mühe ist. Viele Singles landen dann eben bei Fertiggerichten – behaupt ich mal.

  27. @mono: Keine Zeit lasse ich nicht gelten! Es wird so derartig viel Zeit versch…en, dass genug Zeit übrig bliebe, um zum Beispiel zu kochen. Wer nicht im Stress ist, arbeitet zu wenig, daher steht Stress gerne an der Tagesordnung und gehört zum guten Ton. Auch wenn Zeit mit iphone, ipad oder laptop am Sofa im Social Network verplempert wird. Man kann sich für Dinge Zeit nehmen, nur, da ist schon das Wollen ausschlaggebend.

    @George: Ich lebe kochen vor, nur bei einem weckt es Interesse und beim anderen nicht so sehr. Aber ich bin mir sicher, irgendwann springt sie auch auf den Zug auf. :))
    Trotzdem der Konsument gerne billige Lebensmittel kauft (A bei euch, H bei uns) und Kostenbewusstsein und Leistbarkeit als Argument für den Einkauf hernimmt, wird trotzdem zu sehr teuren Fertigmischungen und -produkten gegriffen. Daran erkennt man, wie inkonsequent gejammert wird.
    @eline: ich kenne hauptsächlich Frauen, die über Tage kaum etwas essen, um schlank zu bleiben. Der Diätwahn ist sicherlich ein sehr wichtiger Aspekt, den wir noch nicht in unsere Gedanken einbezogen haben. Interessant finde ich auch deine Erfahrung mit den feministischen Schwestern, die klar macht: Frauen, die kochen sind Weibchen und passen nicht in die neue Welt des Binnen-I.
    @lokalreporter: Du brauchst ja kein schlechtes Gewissen dabei haben, wenn du eine Fertigmarinade über deinen Salat kippst. Nur weißt du eigentlich, was in der Fertigmarinade alles drinnen ist? Das ist der springende Punkt für unser Argumentation, warum wir kochen wollen können sollten.
    Darf ich dich dazu überreden, wie man zeitsparend immer eine Marinade zur Hand hat? Ein altes Gurkenglas oder ähnlich mit 2 TL Senf, 4 EL Olivenöl, 2 EL Essig, 1 EL Wasser, 1/2 TL Salz befüllen, zuschrauben, kräftig schütteln, fertig. Kannst du auch ein paar Tage aufheben und auf Vorrat mit einem Vielfachen der Rezeptur produzieren.
    @Ellja: Wieder ein Beweis aus deiner Verwandtschaft, dass Vorleben keine Kochleidenschaft hervorrufen muss.
    Ellja, ich denke wir müssen die Antiköche vorsichtig an den Herd heranführen. Ihnen beweisen, wie einfach manche Gerichte köstlich zubereitet werden können und im Gegensatz dazu, wie wenig ursprünglicher Geschmack und Aroma in Fertiggerichten zu finden ist. Qualtitative, saisonale Lebensmittel sind der springende Punkt für das Gelingen eines Gerichtes. Learning by doing!
    Es wäre wichtig zu zeigen, wie einfach es sein kann, mit einer Handvoll frischer Zutaten ein pipifeines Essen auf den Tisch zu bringen. Und du hast vollkommen Recht, dass man mit dem Hype der Kochblogs und abgehobenen Zubereitungsformen, damit eher abschreckend als animierend agiert. KISS-Formel beim Kochen anwenden!
    Apropos Fernsehkastl: Hat die Oma nie beim Misak oder Faseth zug’schaut? Das war viellicht Leidenschaft am Herd!
    @katha: Leider hat der Konsument mittlerweile eine Schwellenangst, beim Produzenten selbst einzukaufen. Die Sonnenschweine – ganz ehrlich, das ist harte Arbeit, ein gutes Stück Fleisch zu ergattern. Ich habe es bis heute noch nicht geschafft! Und ich fahre von mir zu Hause nicht auf den Karmelitermarkt um a Würstl, oder a Bratl, das schaffe ich wirklich vom Zeitmanagement nicht! Es geht auch ein bisschen daran vorbei, kreuz und quer durch Wien fahren zu müssen, um erstklassige Ware zu bekommen. Ich hoffe, in 20 Jahren gibt es das wieder an jedem Eck …. oder über einen eigenen Genussvertriebsweg, der in jedes Eck von Wien kommt!
    @Wolfram: Ich vertrete die Ansicht, wir haben alle wenig Zeit und trotzdem mag ich kein Essen aus dem Fertigsackerl kochen. Ist denn nicht ein gemeinsames Abendessen der Zeitpunkt, wo man genießt, sich auch etwas Gutes tut und die Gemeinsamkeit bewusst lebt? Ich wage zu behaupten wir sind alle als Genussmenschen geboren (Baby an der Brust der Mutter) und sollten uns diesen Anspruch bewahren. (grinse du jetzt nur).
    @rufus: Endlich jemand, der von sich behauptet nicht kochen zu können. Steirerman, wieso kannst du denn nicht kochen????

  28. @Weltbeobachterin: Erstklassige Lebensmittel sind frisch, ausgereift und schmackhaft! Das fängt schon beim Erdäpfel an!
    Rohmilch – du hast das Glück mit Rohmilch aufgewachsen zu sein. Ich kenne nur Packlmilch. Als Kind habe ich kuhwarme Milch probiert und die hat mir gar nicht geschmeckt. Ich kannte diesen Geschmack als Stadtkind gar nicht.
    Die Singles greifen sicherlich gerne zu Fertiggerichten. Sie sind für eine Person abgepackt, ab in die Mikrowelle und hinein in den Schlund. Wenn du ein Schweinskotelett im Supermarkt kaufen willst, ist es zu 3 Stück verpackt. Willst du 4 Stück musst du 6 Stück kaufen, willst du 1 Stück musst du 3 Stück kaufen. Ok, den Rest kann man einfrieren, das bedeutet aber wieder Aufwand und einen großen TK-Schrank.

  29. @Dirk: Du hast es sicherlich auf den Punkt gebracht! Wir sind in allem zu schnell unterwegs. Es treibt uns etwas, nur wissen wir eigentlich nicht was, es heißt Stress, hat kein Gesicht und ist abgezehrt, grantig und lustlos.

  30. @ente: nicht gelernt und ehrlich gesagt auch keine Lust dazu (1-2h am Herd, damit dann alles in 10 Minuten verputzt ist – nein). Außerdem kocht sFrauli ganz wuuuuuunderbaaaaar (wie der Herr aus Mörbisch zu sagen pflegen würde ;) ).

  31. Mal eine ketzerische Anmerkung zwischendurch: Vielleicht nehmen wir das alles viel zu wichtig. Früher gabs auch mal Spieleabende in der Familie und Hausmusik und … alles vom Zeitgeist verweht. Nur weil jemand sein Essen fotografiert, ist er ja noch kein Vorbild für die, die nach uns kommen.
    @DirkNB: Ich finde auch, dass der Begriff “Kochen” geschützt werden müsste. Ich würde mich in so einer Nische auch recht wohl fühlen – wenn ich noch ein paar Produkte einkaufen könnte – die braucht man halt.

  32. genau das ist das problem, michael, dass essen nicht wichtig genommen wird. essen ist viel wichtiger, als es heute den anschein hat, fürs eigene wohlergehen (kein hunger ist nur die basis), aber eben auch für das gesellschaftliche gefüge, das, wie die kulturlandschaft aussieht, wie man mit tieren umgeht und so weiter.
    ente, deine idee mit dem genussvertrieb für jedes wiener winkerl wird keine 20 jahre brauchen, wetten? wäre ich ein bisserl besser in logistik und solchen dingen (oder businessplänen oder überhaupt wie man ideen zu geld macht), hätte ich schon längst sowas gegründet.

  33. Jaaa, ich möchte auch so gerne ein kleines, feines Geschäfterl bei mir ums Eck, wo ich kaum Auswahl habe, aber die nicht brauche, weil das einzig gute, das ich will, schon da ist oder bestellt wird. ich bin in großen Supermärkten eigentlich immer nur eins: total überfordert. Mir macht das schauen und rausfinden da gar keinen Spaß mehr. Und ich behaupte: 80 % davon braucht kein mensch wirklich. Ein Kreisslerladen, ein Tratscherl, ein Korb voller guter Sachen, hach, das wärs halt! Und das ist nicht nur reine Nostalgie, ich habs als Kind wenigstens noch erlebt. Wer bitte macht so ein Gschäftl in Linz auf?

  34. An Ellja: das war das Geschäft vom Herr Narzt. Ich weiß nicht, ob du dich noch an dieses Geschäft erinnern kannst (oder ob du zu jung bist) in der Rainerstraße. Der Herr Narzt (der ausgesehen hat, als ob er alles im Geschäft schon selbst verkostet hätte), hatte die feinsten Lebensmittel in der Stadt (Die feinsten Schnäpse auch, sagt der Mitkoch). Seit seinem Tod und der Schließung des Geschäfts gibts in Linz leider gar nix mehr gleichwertiges. Wenn man alle Läden am Südbahnhof zusammen nimmt, kommen sie annähernd an die Bandbreite vom Herrn Narzt.

  35. Ich hab mir gerade den dritten Teil des Sternefresser-Interviews mit Johann Lafer angesehen, wo er darlegt, was die Leute seiner Meinung nach essen wollen und wie sich Geschmacksempfindungen entwickeln. Er redet natürlich von potentiellen Gästen seines Restaurants, ist aber nicht so weit von der Diskussion hier entfernt.

  36. Ja, Küchenschabe, ich weiß den Narzt noch. Aber der Narzt war hemmschwellig, er war halt Feinkost. Mir schwebt da mehr ein Gemischtwarenladen vor, wo alle Lust haben einzukaufen, auch die mit dem kleinen Geldbeutel. Wo die Ware zwar 1a ist, aber keine Hemmschwelle darstellt, jeden Tag da einzukaufen.

  37. Ellja,
    wir haben sowas in Urfahr: den Huemer-Greissler. Am Südbahnhof hat er eher Feinkost, in Urfahr, neben 2 Altersheimen, gibt es sogar Mauracherbrot scheibenweise. Und wir haben “Inges Bio-Cafe” (schrecklicher Name), das ist ein Bio-Greissler. Man braucht nur viel Geduld, wenn ein gewisser Typ von “Naturköstlern” einkauft. Und dann habe ich natürlich noch den Dealer Klaus, der hat neben seinen Spezialitäten auch alle Lebensmittel für den Alltag.
    Supermärkte mit ihrer Riesenauswahl machen mich depressiv.

    Küchenschabe,
    der Narzt war ein Besessener, er hat immer viel mehr ge- als verkauft. Konserven habe ich dort manchmal eingekauft, aber die Frischware war meist nicht wirklich frisch.

  38. Liebe Ente,
    Warum kann ich deinen Blog nicht abonieren, mit RSS oder so, oder vielleicht auf Facebook liken? Das ist schade. Vielleicht stell ich mich aber auch nur blöd an? Was sagst du?

  39. entegut

    @therufus: Mir fehlt bei dir ein bisschen an Wertschätzung für das Kochen (stundenlange Arbeit, in 10 Min verputzen). Es täte gut, wenn du einmal s’Frauli entlasten würdest. Auf kurz oder lang, wird sie irgendwann einmal in den Streik gehen, wenn sie so einen Macho zu Hause sitzen hat. ;-)

    @Michael: Wie schon bei rufus erwähnt, fehlt es an Wertschätzung für das täglich Brot. Wir sollten einfach am Teppich bleiben: jeder kann kochen, auch rufus. Und Manager brauchen jetzt nicht glauben, wenn sie Kochkurse besuchen, dass sie das jetzt auch besser beherrschen als die “normale” Frau.
    Danke für das Lafer Interview. :) Ja, er ist schon in der Richtung unterwegs, wie ich es mir vorstelle.

    @Ellja: Da müssten wir erst die Großen boykottieren, damit die kleinen Greißler auch ein Gschäft machen können. Oder sie finden ihre ganz spezielle Nische und die Supermarktketten, lassen den kleinen Geschäften auch ein Terrain zum Überleben!
    Von dem ganz kleinen Greißler träume ich auch und einer Ecke, wo es ein frischgekochtes Mittagsmenü gibt, damit ich endlich im Büro etwas Ordentliches essen kann!!!!

    @Küchenschabe: Was du vom Narzt erzählst, sollte es in jedem Bezirk geben! Schön!

    @Frau ZiiI: Stimmt, mein RSS Feed ist irgendwie in Verschütt gegangen. ich muss gleich schauen, wo ich das aktivieren kann (wenn ich Zeit habe … :( ) Bei Facebook bin ich nicht, du kannst mich einfach nur “liken”, wenn du hier schreibst, oder bei DoRisR mittwitterst. ;-)

  40. Benimmregeln bei Tisch – oh ja. Gibt es auch dazu einen Beitrag?

    Ich sehe es in der eigenen Familie. Abhängig von der Herkunft (auch kontinentspezifisch betrachtet) gibt es da himmelweite Unterschiede. Ich sehe, was da in Afrika gang und gäbe ist. Und dort nicht einmal auffällt.
    Dazu gehört beispielsweise die Angewohnheit, den linken Arm quer vor sich auf den Tisch zu legen. Mit der rechten Hand wird dann gegessen – Besteck ist bei den einheimischen Mahlzeiten eher weniger notwendig, man isst mit den Fingern, der rechte Unterarm oder Ellbogen verliert seltenst den Kontakt zur Tischkante. Es gibt allerdings auch gewisse Reihenfolgen: erst das Gemüse und die Sättigungsbeilage, dann das Fleisch. Inklusive dem Knacken der Knochen. Hühnchen wird mit Knorpel verspeist, das Mark ausgesaugt. Dann, wenn das Essen vorbei ist, wird das Getränk (meist ein großes Glas Wasser) in einem Zug geleert. Es ist schwer, den Kindern die “westliche” Art des Essens beizubringen, wenn die Mutter sich nicht belehren lassen will und Tanten oder Großeltern auch den afrikanischen Stil vorleben. Aber langsam greift die Erziehung.

    Und zum Hauptthema: auch hier gilt, dass man die schnelle Küche bevorzugt. Kochen kann jede(r), allein die Mahlzeiten sind stark gewöhnungsbedürftig. “Fish Stew” beinhaltet, neben einer Tomaten-Chili-Grundlage, einen Katzenwels, der, ohne dass die vitaminreichen Innereien etwa “verlorengingen”, einfach in vier gleichgroße Stücke geteilt wird und dann mitgekocht. Und schnelle Küche bedeutet halt auch gerne frittierte Kochbanane mit Reis oder ebenso frittierten Kartoffeln.

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