Monatsarchiv: November 2011

Butterkipferl im Test

Längere Pause im Jour doux Zirkus, doch diesmal die heiß ersehnten Frühstückskipferln im Test.

Geschichte, woher kommt das Kipferl? Hier nachzulesen. Laut Lebensmittelcodex müssen Butterkipferl aus Butter gemacht werden. Sehr viele Kipferln werden aus Margarine oder Ziehfett hergestellt, daher habe wir sehr nachdrücklich um die Butter gefragt. Französische Croissants werden zum Beispiel aus Margarine hergestellt, außer das französische Kipferl hat den Zusatz “au beurre”, nachzulesen auch da.

Wie testen wir? – Blind – Also schon mit offenen Augen, aber wir kennen den Produzenten nicht, weil den Kipferln Nummern zugewiesen werden.
Wo kaufen wir ein? – so wie du und ich, in der Konditorei, beim Bäcker. Ich versuche immer einen Kleinbäcker aus meiner Umgebung einzuspielen, weil ich eben wegen einem Kipferl nicht kilometerweit fahren will und hoffe, der schneidet vielleicht gut ab.
Wie wählen wir die Produkte aus? – zuerst gibt es ein Brainstorming und wir tauschen uns per mail (auch wenn das schon out ist) aus. Aus dieser Liste wird angerufen und nach unseren Kriterien befragt. – „Ist ihr Produkt hausgemacht?“ – „Bereiten Sie die Kipferl mit Butter zu?“ – „Sind Sie sich sicher, dass die Zubereitung mit Butter und nicht mit Margarine erfolgt?“
Wie erfolgt die Verkostung? – Diesmal im kleinen Kreis, an einem gemütlichen Ort, Titi war wieder unsere Gastgeberin. Jeder kostet für sich und sagt einmal gar nichts, um den anderen nicht zu beeinflussen. Wobei wir bereits so geschult sind und unseren Geschmack selbstbewußt kundtun, auch wenn er nicht in das Schema des anderen paßt. Ein gutes Kipferl schmeckt auch ohne Marmelade oder Butter. Manche waren so neutral, die sicherlich mit Butter oder Marmelade gut schmecken, aber ohne leider nicht.
Wie erfolgt die Punktevergabe? – Nach drei Kriterien:

  • Aussehen (Größe, Form, Bräunung, Glanz, Porung, Fett am Papier) 0 – 3 Punkte
  • Konsistenz (Porung nach drücken, wie viele Lagen, Textur (außen knusprig, innen weich, saftig) 0 – 7 Punkte
  • Geruch und Geschmack (Jeder bekommt eine Kipferlhälfte und riecht einmal daran. Man glaubt gar nicht, wie viele Unterschiede es gibt und dass man diese auch nach 15 Kipferln noch riechen kann. Dann kommt der herzhafte Biss in die Kipferlmitte. Anschließend wird noch einmal ins Zipferl gebissen, weil das ja ein anderes Erlebnis, als die Mitte ist – zumindest für deBosco und mich, die anderen hatten für Zipferln nichts übrig. Unverständlich!!!) 0 – 10 Punkte

Damit ergibt sich eine Höchstbewertung von 20 Punkten. Bei mir erreichte ein Kipferl diese Wertung, wurde aber nicht erster Platz. ;-) Zwischendurch habe ich auch immer wieder die Gesamtpunktezahl mit anderen getesteten Kipferln verglichen, ob die Bewertung von mir auch richtig ist. Das war möglich, da wir unsere angebissenen Kipferln für einen späteren Kontrollbiss wieder zurückgelegt hatten.
Meine Gefühle vor dem Test:

  • Brainstorming – wir müssen die Kipferlanzahl reduzieren, das pack ich sonst nicht.
  • Anrufen beim Bäcker oder Konditor – Angst davor, deppert angeredet zu werden, nur weil man fragt, woraus die Kipferln gemacht werden. Ich hatte leider schon einmal schlechte Erfahrung damit gemacht, daher sitzt die Panik etwas in mir.
  • Einkaufen – 2 Stunden kreuz- und querfahren, obwohl regional eingegrenzt wurde, da denk ich mir jedes Mal: das war für mich das letzte Mal für (depperte) Kipferln. Diese Gedanken werden aber nach erfolgtem Testergebnis sofort wieder revidiert.
  • Auspacken der erjagten Ware – Erster Anfall von Übelkeit. Wie werden wir das wieder schaffen?
  • Kosten – Njamm herrlich, bääh, selten so etwas Grausliches gegessen. Wie kann man als Produzent so etwas guten Gewissens verkaufen und, wer kauft diesen Mist eigentlich?
  • Auswerten – aaah und ooooh, wenn vielgepriesene Produzenten so durchfallen.
  • Nach dem Test – Übelkeit, ich bringe keinen Bissen mehr herunter. Für mich ist das jedes Mal der absolute Overkill.

Unsere Testkandidaten waren:
aida, anker, auer brot, demel , felzl, gerstner, gragger (bio), gregors konditorei, grimm, heiner, joseph brot (bio), kaas am markt (kolm), klement, kornradl (Bio, Dinkel), künstler, landtmann, le bol, mann, mauracherhof (bio), mühlenbrot, oberlaa, orlando di castello, rudolf ölz, schrammel, schrott (innungsmeister der wiener Bäcker), ströck;
Nicht dabei waren Felber (wurde vergessen zu besorgen), Sluka (hat Nusskipferl eingepackt)
Unsere Tester waren: katha_esskultur (die Chefin), Titilaflora, deBosco (Titis Gespons), Felix (Titis kritischer Nachwuchs), queenofsoup und meine Wenigkeit

Und nun zum Ergebnis:


 1. Platz – Orlando di Castello, produziert vom französischen Chef Patissier Pierre Reboul aus dem Café Central.  (mein 2. Platz)
2. Platz – Le Bol, das kleine feine Bistro & Patisserie am Neuen Markt (mein 1. Platz, siehe Bild oben)
3. Platz – Demel, kennt jeder.  (bei mir 6. Platz)
Die letzten 2 Plätze: Mühlenbrot, Landtmann (unisono!)
Außer Konkurenz, aus Dinkel gemacht, aber mit Butter zubereitet, trotzdem kein Butterkipferl (zu kuchig), wie wir es uns vorstellen, sind die Bioproduzenten: Mauracherhof, Schrott (ein Dinkel, ein normales) und Kornradl (das Kornradlkipferl war leider weder schön noch gut – eine herbe Entäuschung!)

Kipfl vom Innungsmeister Schrott: 11. Platz (da geht noch was ;-) , oder?)

(Leider kann ich die Fotos nicht gerade stellen, wordpress Mediathek spinnt. Daher bitte Kopf drehen.)

Nachtrag: Wieso bitte schmecken manche Kipferl so nach Backpulver? Beim jour-doux für Pinzen ist mir das aufgefallen. Keiner schmeckt das so, wie Titi und ich – also ich bilde mir das somit nicht ein! Ich hatte einmal nachgelesen, dass man gerne Backpulver zu einem Germteig mischt. Falls sich hierher ein Bäcker verirrt, würde ich mich über aufklärende Worte sehr freuen!

Alle unsere jour-doux sind hier nachzulesen, oder man klickt einfach den Tag an (für Auskenner).

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