Monatsarchiv: Dezember 2011

Weihnachten erledigt

Ich möchte euch nicht sagen, wie viele Weihnachten ich nun schon gefeiert habe – aber es waren viele! Und so verschieden andere Wochentage ablaufen, läuft Weihnachten immer gleich ab. Stresskomponente ist doch unterschiedlich.

Zu Weihnachten habe ich ein ambivalentes Verhältnis: Ich bin der klassische Traditionsmensch. Es wäre für mich unmöglich, dieses Fest zwischen Palmen im Sonnenschein zu verbringen, obwohl ich es liebe zu reisen. Zu Weihnachten bleib ich zu Hause. Geflügelter Satz: Wenn ich einmal alt bin (hehe), dann feier ich das Fest auf einer einsamen Insel. Wenn ich mit nicht beeile, bin ich uralt und war noch nie auf einer einsamen Insel!

Weihnachten kann nicht sein ohne Traditionsessen: Fischbeuschelsuppe und gebackener Karpfen, Erdäpfelvogerlsalat und zum Abgewöhnen eine Keksvariation. Natürlich gehe ich auch auf Sonderwünsche ein: Rindssuppe mit Leberknödel, oder Frittaten und Kabeljau. Was soll ich mich beklagen, der Schwiegervater meiner Freundin isst nur Wiener Schnitzel. Sie muss zu jedem Festtag zwei Gerichte kochen. Was für eine arme Haut!

Davor gebe ich mir den Stress in den Einkaufsstraßen und -centern. Frage mich jedes Mal auf’s Neue, warum der Mensch so blöd ist und sich auf diesen einen Tag so fixiert, ihn nach gewissen Vorstellungen zu erfeiern. Spreche ein Dankgebet, wenn nach Geschäftsschluss am Heiligen Abend die Bilanz für den Handel wieder positiv war. Es könnte sonst vielleicht wieder Triple A am Spiel stehen. Schüttle den Kopf bei der Aussage, wenn es zu Weihnachten nicht schneit, dann kommt angeblich keine Stimmung auf. Es ist so wurscht, ob es draußen schneit, wenn ich mir in der Küche die Beine in den Bauch stehe. Ich brauche elendsviel Zeit, bis alle Vorbereitungen getroffen wurden und schlüpfe 20 Minuten bevor die Gäste kommen, noch schnell ins Festtagsgewand, obwohl ich Lust auf weiche Patschen und Hausanzug hätte. Egal, ob es draußen stürmt und schneit, ich quetsche meine Füße in hohe Festtagsschucherln und fühle mich wie Aschenputtel (rucke di gu Blut ist im Schuh).

Ich treffe keine Vereinbarungen, sich diesmal nichts zu schenken, weil ich gerne schenke! Außerdem sind die Leute frustriert, wenn sie nichts bekommen und brechen sehr oft diesen Pakt. Also mit mir nicht.

Weihnachten ist das Fest des Friedens und doch kommt es sehr oft zu unvorhergesehenen Pannen: Der Christbaum brennt – dieser Kelch ging bisher an uns vorüber, obwohl Sohnemann dieses Jahr vergaß eine Kerze auszublasen. Mein Mann hatte dieses wie jedes Jahr Schlussdienst am Christbaum und das wackere Kerzenlichtlein gelöscht. Wieder nichts mit Feuersbrunst! Als ich meinen Mann kennenlernte und mit ihm die ersten Weihnachten feierte, bestand er darauf, neben dem Christbaum einen Kübel mit Wasser hinzustellen, weil das bei ihm so üblich sei. Nein, das kam für mich nicht in Frage, denn wenn wir abbrennen, dann mit Würde und ohne Wasserkübel. Losung: Wir sind hoch versichert, da brauch ma keinen Löschkübel.

Es gibt Streit – ja danke, hatten wir auch immer wieder. So alle 3-4 Jahre wurden angestaute Familienprobleme gewälzt, die man sich schon immer einmal sagen wollte. Grundgütiger! Dafür ist der Heilige Abend bestens geeignet: Alle sitzen komprimiert beinand an einem Tisch, können schwer davonrennen, weil der ausgezogene Tisch die Fluchtwege reduziert (siehe Brandschutz, hoch versichert). Die Weingläser werden geleert und man wird immer tapferer das endlich zu sagen, was man bisher runtergeschluckt hat. Das ist Weihnachten! Die verletzten Seelen müssen dann bis Ostern wieder repariert sein, damit man zu diesem Fest auch wieder gemeinsam den Osterschinken verputzen kann. Schaffen wir immer!

Weihnachten ist auch, Geschenke umzutauschen. Ich kaufe normaler Weise sehr bedacht und aufmerksam ein. Die Umtauschrate ist bei mir gering geraten. Außer bei den Geschenken für meine Mutter, sie hat immer etwas auszusetzen. Der Clou dabei ist, sie wartet bis Februar um mir zu sagen, ihr gefällt das Weihnachtsgeschenk nicht, das ich ihr gekauft habe. Da geht mir dann jedes Mal das G’impfte auf. Dieses Mal hat meine Mutter einen Gutschein bekommen, obwohl ich Gutscheine nicht ausstehen kann. Aber Umtausch ist bei Gutscheingeschenken sinnlos, es kommt immer wieder das gleiche dabei raus. Ein Ei habe ich mir bei der Tennisausstattung für meine Vater gelegt. Die Hose in XXL und das T-Shirt in M gekauft. Beides hing auf L Haken. Tja, häst halt besser gschaut!

Weihnachten mit Liebeskummer der Tochter, ist der Supergau! Warum gerade zu Weihnachten – fragt sie. Weil Weihnachten ein Tag wie jeder andere ist, morgen tut’s auch nicht weniger weh. So weine ich mit ihr Tränen, die ich eigentlich für Stille Nacht vor’m Christbaum aufgespart habe. Es ist aber genug Rührung da, ich kann da auch noch weinen.

Und heute ist Christtag! Das ist mein liebster Weihnachstag. Wir essen die Reste vom Fisch, schmeckt auch kalt gut. Reißen alle 30 Minuten die Fenster auf, weil die ganze Wohnung nach Fischfett riecht und sind glücklich, alles gut überstanden zu haben. Zweitschönster Tag ist übrigens Neujahr. Da sitz ich im Pyjama vor dem Fernsehen und twitter lästernd über das Ballett des Neujahrskonzertes. Ja, wir Wiener tanzen zu Konzerten und Kongressen.

Ich liebe Weihnachten und doch bin ich im Grunde genommen ein eingefleischter Grinch!

Frohe Weihnachten!

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