Monatsarchiv: Mai 2012

Die Ente war fasten

Ist schon fast wieder ein Monat her, seitdem ich mich ins Allgäu zum Fasten begeben habe.

Die Anfahrt war gar nicht so beschwerlich, wie sie mir einige prophezeiten. 15 Minuten vor der Ankunft überlegte ich schon umzudrehen: Anfang Mai, wir hatten in Wien bereits die Tage davor 30 Grad, fahre ich auf einer Passstraße (1000m) und sehe links und rechts Schneefelder. Nicht kleine Fleckerln, nein große Flecken gut einen halben Meter hoch. Den Vogel abgeschossen haben zwei Schitourengeher, die ihre Schi um 15.30 Uhr ins Auto gepackt haben, während ich staunend vorbeifuhr. Darauf war ich gedanklich und ausrüstungsmäßig gar nicht eingerichtet. Eine leichte Wanderjacke, eine dünne Hose und zur Reserve 2 langärmelige T-Shirts sollten nur für den Notfall reichen.

Das Wetter war aber nur am ersten Fasttag kalt und grauslich. Am zweiten Tag schien die Sonne und die großen Schneehaufen auf den Wanderwegen wurden doch kleiner. (Ende der Woche waren sie in schattigen Lagen noch immer gut einen halben Meter hoch.)

Eigentlich wollte ich ein Fastentagebuch schreiben, weil ich mir dachte, es wird mir so dreckig gehen und ich muss meinen Frust loswerden. War nicht so, gar kein Hunger, nur in den ersten Tagen wohlige Müdigkeit, die aber auch durch das Fallenlassen entstanden ist.

Geschrieben habe ich doch – mich in Kalligraphie geübt. Auch so etwas, wozu man sonst nie Zeit hat. Die Füllfeder, das Papier und die Vorlagebögen hatte ich schon einige Zeit bei mir unbenützt liegen.

Geplant war für mich, während dieser Woche wenig zu reden. War gar nicht so, denn am Tisch wurde viel getratscht und gelacht. Unglaublich wie viel wir über Essen und Zubereitungsarten gesprochen haben. Alte Fastenhasen meinten, das ist durchaus normal die Zeit des Fastens mit Gesprächen über Essen zu verbringen. Ein Freund hat während seiner Fastenwoche unheimlich gute Beisltipps bekommen, die er in der Zeit danach alle aufsuchte. Also stehe ich mit dieser Erfahrung nicht alleine da: Wer fastet spricht mit einer Hingabe über Essen.

Ein Fastentagebuch wäre für die Zeit danach angebracht. Wenn man gut gemeinten Ratschlägen Stand halten muss , man soll doch dies und jenes kosten und probieren. Ich kämpfe mit mir und mehr mit den anderen, einfach noch ein bisschen weiterzumachen.

Und das wirklich Schöne am Fasten, ist die Ruhe, sich fallen lassen und auf sich konzentrieren. Wer das hat, kommt mit ganz wenig aus.

Eine schöne Erfahrung, die ich nicht missen möchte und nach Wiederholung schreit!

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