Man bemerkte es bereits, ich komme kaum zum Bloggen, was mir ehrlich gestanden sehr leid tut. Nebst meiner Ausbildung, die ich gerade abgeschlossen habe und nächste Woche schon wieder eine ähnlich zeitintensive Neue wieder beginnen werde, habe ich noch kleine Nebenbeschäftigungen, die unheimlich viel Zeit kosten. Zwischendurch probiert die Ente, ob sie auch noch wegfliegen kann.
Nach sehr, sehr langer Überredungskunst besuchte ich nun endlich einmal Alibaba ohne 40 Räuber. Ich habe mir einmal vorgenommen, die komplette Welt zu bereisen. Wünschen darf man sich das ja, auch wenn es ökologisch nicht sehr vertretbar ist. Viele, viele entfernte und auch nahe Länder stehen ganz oben auf meiner Prioritätenliste und ebensoviele muss ich nochmals sehen, weil’s dort so schön ist.
Ziemlich weit hinten, eigentlich an letzter Stelle stand Dubai. Und deswegen habe ich mich immer erfolgreich davor drücken können, dieses Land zu bereisen. Vergangenheit, denn jetzt ist es abgehakt, weil gesehen.
Meine Gefühle sind gemischt. Nicht alles wirkte so auf mich, wie ich es mir durch Erzählungen vorgestellt habe. Wem Manhatten gefällt, nur ein bisserl heißer, dem gefällt Dubai auch.
Beschreibe Dubai:
Kräne, Hochhäuser, Shopping Malls, Verkehrsstaus, arabisches Essen, Shishas, Geld, Geld, Geld, Russen, keine Kulturveranstaltungen, Luftfeuchtigkeit, keine Polizei, keine Kriminalität …
Warum ich es nie sehen wollte, ist schnell erzählt. Ich mag keine künstlich aufgebauten Städte, mit keinerlei Geschichte und Charme. Meine Städte müssen verplant, winkelig und heimelig sein, Daher mag ich auch Las Vegas, Singapur und Dubai nicht. Wenn man bedenkt, dass der älteste Stadtkern letztgenannter Stadt 40 Jahre alt ist, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie es dort aussieht.
Ein Drittel aller Kräne, die es auf der Welt gibt, stehen in Dubai. Daher ist die Stadt für mich am schönsten in der Nacht, denn da sieht man die Kräne nicht und die Hochhäuser blitzen wie Sterne am Himmel.
.
Autos
Ich habe noch nie so viele Ferraris, Hummers, Porsches, etc auf der Straße fahren gesehen, wie dort. Es ist unglaublich, wie viel Geld dort auf der Straße fährt bzw. im Stau steht. In der Nacht, wenn die Straßen frei sind, dann geben sich die „locals“ ein Heizerl. Die steigen in die Pedalerie und verbrauchen so viel Sprit, wie wir in Wochen energiesparenden Fahrens verbrauchen. 1 Gallone (= 3,8 Liter) Benzin kostet ca. 1 Euro – who cares?
Öffis
Ein paar wenige fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und sitzen in klimatisierten Wartehäuschen (die übrigens eine österr. Firma geliefert hat). Am 9.9.2009 um 9 Uhr soll die Metro eröffnet werden. Da man den indischen Gastarbeitern vermutlich nicht zutraut einen Zug zu bedienen, wird die Metro vollautomatisch von Computern gefahren. Frequenz 2-3 Minuten. Fassungsvermögen 450 Passagiere. Erwartete Verkehrsberuhigung: 17%. Fahrtkosten stehen noch nicht fest, sie wissen nur, die Monorail auf die Palme mit 25 Dhs ist zu teuer, damit fährt keiner.
..
.
„shop till you drop“
Die Lieblingsbetätigung eines Arabers ist shoppen. Dafür haben sie sich ein eigenes Fest geschaffen, das Dubai Festival for shopping. Da kommen sie von nah und fern um einzukaufen. Die größte Shopping Mall ist „The Mall of the Emirates“ mit allen Geschäften die es auf der ganzen Welt gibt (bis auf einen Abercrombie & Fitch – leider ….) und da kommt man sich mit seinem schmalen Börserl wie ein armes Würsterl vor. Damit man sich ungefähr vorstellen kann, wie groß die Mall ist, es wurden für die Kunden 8.500 Parkplätze geschaffen, die am Wochenende knall voll sind. Es gibt noch viele andere Malls, falls einem fad wird, kann man auch einen Ortswechsel machen. Ins Theater, ins Museum, in ein Konzert kann man meines Wissens nicht gehen. Ich glaube, so etwas gibt es in Dubai nicht.
Draußen 51°C, drinnen -2 Grad
Angeschlossen an die Shopping Mall gibt es eine Schihalle. Zwei Sessellifte österr. Bauart bringen die Leute auf die Piste, wo die Schifahrer und Boarder dann im halsbrecherischen Pflugschuss alle Langsamen umsäbeln. Was auch witzig ist, die Sportler tragen einheitliche Schianzüge, weil die nämlich auch vorort ausgeborgt werden können. Ich habe mir sagen lassen, die Leute werden von Kopf bis Fuß gescannt und damit vermessen und bekommen den passenden Anzug. Wieso gibt es so etwas noch nicht bei H&M?
.
.
.
Russen
Die Russen haben nicht nur Ischgl und Kitzbühel entdeckt, sondern sie belagern bereits Dubai und regieren die Hotels in ihrer einzigarten unangenehmen Art: Miete dich in einem Hotelzimmer ein und dir gehört das ganze Hotel.
Russische (gewerbliche) Frauen leiden unter unheimlicher Stoffnot. Die operierten Brüste hüpfen so gut wie aus den engen, tief ausgeschnittenen Shirts und die kurzen Röcke bedecken knapp, was da unten eben zu bedecken gilt. Europäische Geschäftsleute vermissen europäische Kultur und lechzen nach knapp beschürzten Russinnen.
Einheimische Frauen
Sie tragen schwarze lange Gewänder um unauffällig und für andere Männer nicht anziehend zu sein, fallen aber doch durch sehr intensiv geschminkte und sehr schöne große Augen auf. Die Gewänder sind sehr schlicht und werden aber durch hervorblitzende Rolex aufgemotzt, sowie durch große Luis Vuitton Taschen.
Sie verhalten sich zu den weiblichen Touristen tolerant. Auch wenn sie in kompletter Montur ins Meer gehen müssen, wo unsereins eben Bikini oder Badeanzug trägt. Hocken dann mit dem nassen Gwandl unterm Schirm und unsereins hat ein schlechtes Gewissen mit den paar Stofffetzen doch zu schwitzen. Ich begreife nicht, warum sich Frauen das antun.
Einheimische Frauen halten sich immer im Hintergrund. Man darf keinesfalls hinstürmen und ihnen auf europäische Art und Weise die Hand drücken. Männer begrüßen sich, indem sie die Nasen aneinanderreiben. Schnupfen kennen die vermutlich keinen.
Shisha
Hat die Ente auch versucht und ist kläglich gescheitert. Schmeckt mir auch nicht, die Poflerei ist mir auch zu umständlich. Mir ist das Klumpert dauernd ausgegangen, dann habe ich versehentlich inhaliert und es hat mir fast das Beuschl dabei zerrissen. Also nix für schwachbrüstige Enten und schmecken tuts auch nicht.
Essen
Ich könnte mich eingraben in arabisches Essen. Diese Millionen Vorspeisen, diese herrlichen Fruit Juices (Ente liebt Lemon Mint Juice), das Brot – einfach köstlich! Auch der heimische Fisch ist herrlich, hat ein festes Fleisch und ist dennoch unheimlich saftig. Wenn man mit seinem Essen zufrieden ist, es gut schmeckt und das kundtun möchte, dann sagt man „Schaha“ – nur in Lautschrift, ich weiß nicht, wie man es schreibt.
..
.
Wirschaft
Über die spricht man nicht, die hat man. Dass Dubai auch von der Finanzkrise betroffen ist, wird zwar nicht hinausposaunt, aber man weiß es. Viele Bauvorhaben wurden einmal ein wenig verschoben. Die Hälfte von neu geschaffenen Wohn- und Büroflächen steht leer.
.
.
.
.
.
.
.
.
Zurück in Entenhausen
Man glaubt gar nicht, wie sehr man sich an Grünflächen erfreuen kann. Trotzdem man in Dubai unter unheimlichen Aufwand in trockener Erde herumkrampelt, neu setzt und ununterbrochen bewässert, ist und bleibt es Wüste. Einen Umweltgedanken haben sie in diesem Landstrich natürlich nicht – was sollen ihnen auch Wälder eingehen, wo sie gar keine haben.
Ein paar Fotos hab ich noch, die werde ich mit oder ohne Worte später veröffentlichen.