Archiv der Kategorie: stadtgeschichten

Falls wer fragen sollte, ob wir Schnee haben

Ja, wir haben und nicht zu knapp.

Winter und Schnee gehören zusammen, daher hört man mich selten jammern. Was aber mir doch sehr fehlt, ist das Licht, die Sonne.

Jetzt noch ein paar Schneebilder vom Samstag in Wien, vom Wochenbeginn in Kärnten und von der Rückfahrt über den Packsattel, wo es in der Nacht von Montag auf Dienstag 75 cm geschneit hat.

Heute schaut es in Wien schon wieder anders aus: Gatsch, Matsch, Wasser, eigenartiger Weise wenig Streusplit.

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Strudel mit dem Apfelstrudeltest

apfelstrudelfreudendesaster

Was ein Strudel ist, ist ein Wiener?

Ich sag’ einmal wie ich es kenne und gelernt habe, wie ein echter Apfelstrudel gemacht wird, wobei mir neu war, dass es einen “Wiener” Apfelstrudel gibt.

Strudelteig zubereiten (Rezept im www suchen) und rasten lassen.

In der Zwischenzeit Strudeläpfel schälen, und blättrig (ganz wichtig!) schneiden. Welche Äpfel werdet ihr euch fragen! Auf jeden Fall Äpfel mit Geschmack! Der klassische Strudelapfel ist ein Boskop, er hat die notwendige Balance zwischen Säure und Süße. Man hört, es können aber auch andere Äpfel zum Einsatz kommen, aber sicherlich nicht solche, die es im Supermarktregal gibt. Also ein Biss in den Apfel vor der Verarbeitung ist sicherlich notwendig, um ein gutes Strudelerebnis zu erzielen. Ich würde einen Cox Orange vorziehen, wird aber in der Strudelliteratur kaum erwähnt. Der Topaz wird gelobt, aber auch der Gravensteiner. Ein Golden Delicious, aber nur wenn er aus dem eignen Garten kommt. Die Massenware taugt eher als Schweinefutter.

Ich beträufle die Äpfel auch gerne mit Zitronensaft. Das gibt noch den zusätzlichen Kick an Säure und die Äpfel werden nicht gleich unansehnlich braun.

In der Zwischenzeit lässt man Brösel mit großzügig Butter schön goldbraun rösten. Fein knusprig werden sie, wenn man 1-2 Eßlöffel Kristallzucker dazugibt.

Dann richtet man sich noch den Zimt und Rosinen her, sowie zerlassene Butter mit einem Pinsel.

Der Strudelteig wird ausgezogen und zwar so dünn, dass man eine Zeitung darunter lesen könnte. Die Hochzeits, Verlobungs- und Ewigdeinbrüller zieht man vorher ab, denn sonst würden die Kaliber Löcher in den Teig reißen. Der ausgezogene Strudelteig kommt auf einem befeuchteten Strudeltuch zu liegen. Die Strudelteigkanten abschneiden und damit wartet der Teig auf die Fülle und die Verstrudelung.

Vorerst mit flüssiger Butter bestreichen. Dann die gerösteten Brösel zu 2/3 auf den Strudelteig streuen, die geschnittenen Äpfel ebenso verteilen, etwas Zimt, Rosinen und Kristallzucker. Dann wird der Strudelteig am unteren Ende (dort wo der Bauch der Köchin/des Kochs gerade hinzeigt einschlagen. Dann fasst man das Strudeltuch links und rechts unten, zieht hoch und gibt dem Strudel den nötigen drive, damit er sich einrollt. Links und rechts das Strudelende wie ein Sackerl zusammendrücken und den Teig abreißen. Auf ein befettetes Blech legen und nochmals ordentlich mit Butter bestreichen und ab ins Rohr.

Wer mag, kann noch zusätzlich gehackte Walnüsse (und Rahm – macht den Strudelgeschmack rund. Ich backe nur unrunde Strudel!) zugeben.

Also an der Zubereitung gibt es nichts zu rütteln. Ein einfaches Rezept, das ein möglichst homogenes Produkt liefern sollte. Lediglich der Apfel, kann dem Gelingen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung machen. Aber den sollte jeder Strudelbäck vorher kosten und abwägen, ob die Frucht strudelwert ist.

Bei unserem letzten Jourdoux wurden Strudel gekostet und bewertet. katha (esskultur) hat zwischendurch berichtet, dass ein Wiener Biobäck es gar nicht mag, wenn er einer Verkostung unterzogen wird und davor eigentlich nichts weiß. — … – Ein sehr namhaftes Restaurationsunternehmen wollte die Blogadressen, wo das Ergebnis der Verkostung veröffentlicht wird. Also wir sind bereits eine ernstzunehmende Institution und man legt Wert auf unsere Bewertung. Welcher Privatmensch kostet auch 22 verschiedene Apfelstrudel und unterzieht sie einem erbarmungslosen Testverfahren?

Unser Test:

- Ein Kreis von ca. 6 unbestechlichen Personen mit normalen Geschmacksnerven und gutem Urteilsvermögen.

- Eine Auswahl von Mehlspeisen die durchaus einen guten Querschnitt über die Wiener Angebotsvielfalt darstellt.

- Testprodukte, die wir aus der eigenen Tasche bezahlen.

- Strudel, die abgewogen, fotografiert und in einem Testbogen nach Aussehen (3 Pkt), Konsistenz (7Pkt), Geruch/Geschmack (10 Pkt) bewertet werden.

- Testpersonen, die sich nicht beeinflussen lassen. Wenn eine schreit, der Teig schmeckt nach Waschmittel, dann kann es auch vorkommen, dass der/die andere das nicht herausschmeckt.

- Warum fehlt der eine oder andere Produzent? Weil er bei den vorangehenden Tests derartig schlecht abschnitt, dass es uns nicht Wert ist, das Produkt nochmals einem Test zu unterziehen.

- Folgende Unternehmen wurden dem Härtetest unterzogen:
Café Aida, Café Central, k.u. Hofkonditor Demel, Café Diglas, Bäckerei Felber, Konditorei Fercher, Bäckerei Geier, Konditorei Gregor, Bäckerei Grimm, Konditorei Heiner, Biobäcker Joseph Brot, Café Korb, Café Landtmann, Meinl am Graben, Konditorei Oberlaa, Bäckerei Ölz, Café Sacher, Konditorei Sluka, Meierei Steirereck, Bäckerei Ströck, Konditorei Ullmann, Konditorei Wannenmacher;

Bei der Verkostung war ich etwas indisponiert und daher recht ungnädig in der Beurteilung. Ich rieche am Strudel, ich koste den Strudelteig, ich steche mir aus der Fülle ein Stück und koste. Wenn das Produkt irgendeinen Nebengeschmack oder gar keinen Geschmack aufweist, bin ich grantig. Frau ist eine gute Futterverwerterin und jeder Biss schlägt an. Daher soll/muss jeder Bissen hervorragend schmecken! Geht’s euch auch so?

Was kam uns während der Verkostung unter?
Halbe Walnusshälften (bin ich ein Eichhörnchen?), Rauchgeschmack (100 Marlboro ö.ä.), Waschmittel, Zimt- oder Bröseloverkill, zu süß, Teig gatschig, Äpfel nicht durchgegart, Apfelbutzen und -kerne, altes Fett (Margarine?).

Zwei Produkte die exakt gleich aussehen und auch sehr, sehr ähnlich schmecken, mysteriös! – Platz 1 und 3
Zwei Strudel, die ich mit Putz und Stingel gegessen habe: Platz 2 – (mein persönlicher 1. Platz) und Platz 4 (mein persönlicher 2. Platz).

Das Ergebnis von 6 Verkosterinnen lautet wie folgt:
1. Platz: Konditorei Fercher 111/120
2. Platz: k.u.k Konditorei Demel 105/120
3. Platz: Meierei im Steirereck 99/120
4. Platz: Konditorei Oberlaa 82/120
5. Platz: Konditorei Ullmann 56/120

Ab dem 4. Platz ging es mit der Punktezahl rasant nach unten. Somit gibt es 4 klare Favoriten im Apfelstrudelgeschehen.

Es grünt die orange Ente apfelig!

PS: Klick bei eingeordnet unter “Jourdoux” und finde alle Tests, wo ich dabei war.

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Nacht in Wien

Am Samstag war eine wundervolle Nacht mit einer wundervollen Sache: Der Nacht der Museen.

Ich war von 19.oo bis 24.oo per pedes unterwegs. Dabei habe ich 6 Ausstellungen besucht und hätte noch mehr gesehen, nur haben die Füße nicht mehr mitgespielt. Besonders begeistert war ich von der Hans Makart Ausstellung im Unteren Belvedere. Im Raum mit den “Fünf Sinnen” verweilte ich einige Zeit, um die wunderschönen Bilder zu betrachten. Wer in Wien ist, sollte unbedingt ins Untere Belvedere gehen!
Im designforum, quartier 21, wurde innovatives und mit dem Staatspreis ausgezeichnetes Produkt- und Raumdesign gezeigt. Die Küche in Leichtbeton, stelle ich mir sehr interessant vor, bin neugierig ob sie sich durchsetzen wird. Die Aromapots von RIESS waren auch dabei. Sehr originell eine schwimmende Sauna, sofern man einen hauseigenen Teich besitzt. Ganz praktisch war die beinahe eben einsteigbare Dusch/Badewannenkombination, zu der es leider kein Bild gibt.
Das MOYA Museum of Young Art war im wunderschönen Wiener Palais Schönborn zu Gast, das öffentlich so nicht zugänglich ist.

Nicht nur, dass ich ewig lange und weit gehatscht bin, habe ich auch meine Kamera mit dabei gehabt. Dafür gibt’s ein paar Stimmungsbilder. Gute Nacht!

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Ein Herz für Maroniherzen!


Letzten Sonntag war es wieder soweit. Eine kesse Runde, die stetig wächst, hat sich zum Ziel gesetzt, des Österreichers Mehlspeisen und Süßigkeiten auf Herz und Nieren zu testen.
Letztes Mal waren es die zuckersüßen Punschkrapferl. Dieses Mal standen Maroniherzen in zwei Reihen, die unserem kritischen Gaumen standhalten mussten.
Wie ich schon erwähnte, wurde die Runde größer. Es sind fast alles Twittertanten, bis auf Elisabeth, die uns glaube ich nur müde belächelt. Sie war mit Mann und Kind da. Der Sohnemann ist ein überaus charmanter, aufgeschlossener junger Mann, der einmal in 10-12 Jahren Frauenherzen höher schlagen lässt. Hinzugekommen ist noch @queenofsoup, @weltbeobachterin und die alte Truppe @kathaesskultur und @titlaflora, unsere liebe Gastgeberin.

Wie stellen wir so einen Test an?
Zuerst wird einmal katha zuliebe eine Liste angefertigt, die sie wiederum mit lauter Freude vervollständigt und perfektioniert. Ich sehe sie förmlich vor mir, wenn sie mit glänzenden Augen ein Listerl in die Hand bekommt. So kamen von 25 Erzeugern Maroniherzen zusammen, wo zwei davon eindeutig einem Erzeuger (Eibensteiner) zuordnen ließen.
Was wird uns erwarten?
Davor informierte der orf.at, dass ein Großteil der im Handel kommenden Edelkastanien bereits verdorben sind. Das fängt ja gut an.

Aber, Maroni können wenn sie frisch sind auch gesund sein. Die Esskastanien sind fettarm und reich an Kohlehydraten. Außerdem sind sie ein gutes Nervenfutter, da sie reichlich Vitamin B beinhalten. 10 dag Kastanien haben 196 Kalorien, sorgen aber auch für schnelle Sättigung.
Also dann auf geht’s!

Für den Einkauf gab es folgende Richtlinien:
Den Kauf möglichst spät ansetzen, eventuell sich die Herzen vorreservieren lassen und am Samstag besorgen, damit sie möglichst frisch sind. Maroniherzen sind nämlich nur eingeschränkt haltbar und zwar drei Tage. Die Frage, von wann die Maroniherzen sind, kann man sich so gut wie sparen, weil jeder seine Ware anpreist, als hätte er sie erst in den Nachtstunden erzeugt.
Stammen die Maroniherzen aus eigener Erzeugung? Wenn nein, wo wurden sie zugekauft?
Der Preis – wir notierten diesmal den Preis pro Stück, weil wir auch wieder das Gewicht ermittelten – variierte sehr! 20g zu 1,40, bis 40g zu 3,90.

Die 25 Konditoreien, Zuckerlgeschäfte oder Chocolatiers waren folgende: Sluka, Fruth, Welser, Hussel, Woloszyn, Heindl, Klement, Gerstner, Lindtner, Blocher, Nöbauer, Café Central, Eibensteiner, Dürnberger, Süßes Eck, Heiner, Frömmel, Altmann & Kühne, Oberlaaer, City Confiserie, Demel, Schokokönig, Aida, Fercher, Pischinger;

Nach den ersten fünf Herzen war ich ein wenig frustriert. Es waren nicht wirklich gute Produkte dabei. Lediglich ein einziges Maroniherz war darunter, das ein wenig besser schmeckte, aber doch nur die Note 2-3 erhielt. War es wirklich schon das beste Stück, das Wien zu bieten hat?

Was ein gutes Maroniherz ausmacht!
Da die Herzen mit verhältnismäßig viel Schokolade überzogen werden, bestimmt die Schokolade sehr den Geschmack des Produktes. Eigentlich wesentlich mehr, als bei den Punschkrapferln, die auch mit beträchtlich viel rosaroter Glasur überzogen waren. Der Schokoladeüberzug soll dünn, knackig sein, aber beim Biss nicht gleich vom eigentlichen Herz springen. Von der Schokolade erwarten wir uns Bitterschokolade. Ein Anbieter, der spätere Gewinner hat auch eine Variante mit Milchschokolade angeboten, die auch hervorragend schmeckte. Somit haben wir unser Anforderungsprofil ab der Mitte wieder revidiert, es geht auch Milchschoko. Die Maronimasse, soll maronig schmecken, nicht zu süß und saftig sein, keinesfalls pelzig (wenn zu viel Hautanteile der Maroni mitverarbeitet werden). Der Alkoholgehalt soll dezent zurückhaltend sein und nur eine Geschmacksnuance zum Maronigeschmack bieten. Und dann die Form, schön einer Maroni nachempfunden. Wir waren alle von den Herzen entzückt, die ein schönes Schokospitzerl hatten. Diese glänzten leider nur von außen und innen waren sie nur mittelmäßig.

Und dann ging es los. Bei der Begutachtung der Herzen hatten wir schon Vermutungen, wer die Maroniherzen als seine eigenen ausgibt, sie aber brav beim Eibensteiner kauft (Dürnberger, Süßes Eck). Es gibt wunderschön geformte Herzen und dann wieder welche, die vielleicht Kinderhände geformt haben. Dazu muss noch gesagt werden, wir verkosteten komplett unbeeinflusst, da den Produkten Zahlen zugeordnet wurden und man bei der Fülle der Herzen gleich vergessen hat, welches von wem sein könnte.

25 Maroniherzen später:
Tätäää, we proudly present the Maroniherz-winner:

Schoko Laden Werkstatt
1. Platz Schoko Laden Werkstatt Woloszyn
Die Form der Herzen ist ein wenig puristisch gehalten, dafür sind Inhalt und Hülle um so besser! Schöner Glanz der Schokolade, dünner Überzug, knackt (Milchschoko nicht), schmeckt schön maronig, riecht gut. Wirklich mit Abstand die besten Maroniherzen Wiens. Preis 1,50 (bitte nicht teurer werden!), 30-35 g
2. Platz Conditorei Sluka Schöne Maroniform, aber flach, Schoko knackt, oben dunkle Schokolade, Boden Milchschokolade, sehr cremig, guter Maronigeschmack, angenehm rummig, Preis 2,20, 30 g
3. Platz Café Central Große Maroni, sehr schöne Form, Baucherl wurde von beiden Seiten gedrückt und hat damit eine praktische Griffmulde. Schöner Schokoglanz, cremige Konsistenz, angenehme süße, schön rummig. Preis 1,90, 45 g

Von den 25 getesteten Herzen waren auch 9 Anbieter dabei, die mit durchgefallen bewertet wurden. katha hat uns empfohlen nicht öffentlich zu schreiben, dass etwas faul, schimmlig, sauer, pelzig, mehlig, scharf, modrig oder gar nach Schnitzel schmeckt. Somit möchte ich sagen, dass mir die neun Sorten überhaupt nicht geschmeckt haben. Wen’s interessiert, dem schreibe ich die Produzenten gerne auf, die meiner Empfindung nach keine gute Ware verkaufen.
Der Rest der Herzen befand sich im unspektakuläres Mittelfeld.

Fazit: Die Wiener Maroniherzenhersteller müssen sich noch ein bissl anstrengen. Trotzdem sind die drei Gewinner mit Abstand die besten Maronis von Wien.

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Rosarote Gaumenfreuden – Test der Punschkrapfen

Willkommen zum (ersten?) Punschkrapferltest!

Zum ersten Mal durfte ich bei einer hochoffiziellen Verkostung dabei sein und meinen Senf dazugeben. Verkostet wurde eine österreichische Mehlspeis: Das Punschkrapferl!
Diese rosaroten Gupferln, Quader oder Zylinder sind außerhalb der österreichischen Grenzen noch nicht so bekannt, dabei sind die süßen Dinger ein herrlicher Kuchenrestlverwerter. Klassisch ist das Punschkrapferl in Schichten aufgebaut: Doppeldecker aus dünner Biskuitschicht, innen eine Fülle aus Biskuitresten, Orangeat, getränkt mit Punsch, außen drüber eine dünne Schicht aus rosa Punschglasur.

Kuchenrestlverwerter ist auch schon das Stichwort. Man schmeckt heraus, welche Kuchen für die Fülle verwendet wurden und wie alt sie sind. Nicht hinein gehören Nuss-, Schoko- oder Kakaokuchen, schon gar nicht alte Krapfen oder alte Kuchenreste. Das wirkt sich auf den Gesamteindruck negativ aus. Genauso, wie wenn Kümmelweckerl zu Brösel gemacht werden, da kann man das ganze Schnitzel schmeißen, weil die Panier penetrant schmeckt.

Getestet wurden 11 verschiedene Krapferln in ebensovielen Größen, Varianten und Farbnuancen. Wobei man dazu sagen muss, man findet in Wien nicht so leicht Punschkrapferln. Diese Mehlspeis entspricht nicht mehr dem uniformen Geschmack des Konsumenten. Daher umso interessanter, das wirklich beste Punschkrapferl aus dem kleinen rosaroten Haufen zu finden.

Location stellte titilaflora zur Verfügung.
Struktur zur Verkostung katha von esskultur.
Die Endbenotung erfolgte als Durchschnitt des Gesamteindrucks in Schulnoten, vier kritischer überdurchschnittlicher Gaumen.
Bewertet wurde “blind”, nach den Kriterien: Größe, Farbe, Optik, Konsistenz, Glasur, Fülle, Geruch, Geschmack, Süße, um abschließend einen Gesamteindruck zu finden.

1. Fercher
Rokokokrapferl, wunderschönes Hellrosa, eckig, sehr hübsch, mit dem Krapferl würd ich gerne ausgehen, so schön ist es herausgeputzt. Trockene dünne Glasur, in der Fülle erkennbare Biskuitstückchen und Orangeat, hell, schmeckt leicht alkoholisch, orangig, einfach perfekt, deshalb wurde es einhellig mit Abstand als No.1 gekürt!

2. Haag (1030 Wien)
Eckig, schön, rosarot, schöner Glanz der Glasur, fruchtig, erinnert an Biskuitroulade mit Marillenmarmelade, wenig alkoholisch. Feiner Geschmack.

3. Aida (ex aequo mit Klement)
Klassisches Punschkrapferl, schönes Rosa, exakt geschichtet, saftig, schmeckt kuchig, orangig und besser als es aussieht. Gute Glasur.

3. Klement (ex aequo mit Aida)
Cinderellakrapferl, Quietschrosa, bunkert, Glasur glänzt und pickt, Fülle dunkel, bissl alkoholisch, harmonischer und angenehmer Geschmack. Ein gutes Krapferl.

5. Heiner
6. Sluka
7. Demel
8. Gerstner
9. Fruth & Nöbauer

11. Ölz
Das grauslichste Gebäck, das ich in letzter Zeit gegessen habe. Sieht ekelhaft aus und schmeckt auch so.

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I hab’ zwa harbe Rappen …

schnipp-schnapp
mEINE fESTPLATTE KRÄCHZT; ICH MUSS ERST DEN iNHALT SICHERN; BEVOR ICH DAMIT ARBEITE: DAMIT GIBT ES AUCH NOCH KEINE BILDER:
SCHNIPP-SCHNAPP
Mein dicker Daumen hatte sich auf der Feststelltaste breit gemacht.
schnipp-schnapp
Meine zwei Kolleginnen sind Drachen, was Drachen nur alles im Arbeitsleben hergeben. Ich habe leider noch keine geeignete Form gefunden, wie ich das weiter durchhalte. Humor zieht bei den beiden nicht – sie verstehen keinen Humor! Muss immer meine Witze erklären und selbst dann verstehen sie sie nicht. Das nennt man dann Rohrkrepierer. Brauchen einen männlichen Kollegen (kein Krepierl), aber es bleibt ihnen keiner.
schnipp-schnapp
Ein Blogfreund mit Begleitung war da. :-) Schön war’s!
schnipp-schnapp
Es sollte regnen, aber es regnet nicht.
Es sollte heiß sein, aber es ist nicht heiß.
schnipp-schnapp
Spargel, herrlich in allen Varianten
schnipp-schnapp
In Twitter wollte wer wissen, wie man ein Omelett macht. Hat angeblich kein Rezept dafür gefunden. Braucht man eins?
schnipp-schnapp
Meine Paradeispflanzln kommen schon langsam. Aber was mach ich mit so viel Paradeiser?
schnipp-schnapp
Was sind meine Brillen dreckig. Sehe kaum bis zum Bildschirm.
schnipp-schnapp
Schnipp-Schnapp sagt das Programm, das SMS verschickt und eine Sicherheitskopie per mail mit Schnipp-Schnapp vor’m Text und danach verschickt.
schnipp-schnapp

Aus der Vorstadt:
Kurz vor 9 Uhr hält der Fiaker beim Brandweiner an (eigentlich in zweiter Spur). Der Wirt eilt herbei und serviert einen Weißen Spritzer im Henglglas direkt zum Kutschbock. Der Fiaker dankt, nimmt einen ordentlichen Schluck und überreicht im Gegenzug einen Flachmann. Das ist das tägliche Menü für den Fuhrwerker. Der Fiaker säuft wie ein Ross, übergibt das leere Glas und bekommt dafür seinen vollen Flachmann, den er in der linken Sakkotasche verstaut. Es macht an Schnalzer, die Pferde gehen los und biegen von selbst die nächste Gasse links ein. Ziel: Innere Stadt.

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it’s making me crazy

Was für Tage, was für Wochen.
Selten, dass mich etwas beinahe aus der Bahn wirft. Ich bin ein absolutes Arbeitsvieh und halte wirklich viel aus. Doch die letzten Tage und Wochen haben mich an die Grenze meiner Kraft und Leistungsfähigkeit gebracht.

So segelte ich hart am Wind und wollte noch nicht reffen.
Die Wogen sind noch lange nicht geglättet. Noch immer wartet da und dort eine Überraschung, die mich auflauern könnte aber noch nicht überfallen hat. Überraschung im sarkastischen Sinn.

Mittlerweile trete ich langsamer. Eine ganz wilde Verkühlung gibt mir kaum Luft zum Schnaufen und damit ist meinem impulsiven Wesen ein ordentlicher Dämpfer verpasst worden.

Da sind auch noch Altlasten auf Seele und Herz, die mich immer wieder aus der Mitte ziehen, obwohl ich schon im Gleichgewicht war. Und dann Ereignisse in der Familie, die so pötzlich kommen, aber durchaus passieren können. Habe alles noch ein wenig hin- und zurechtgebogen. Das Rad eiert noch, könnte aber bald wieder rund laufen. Unsere deutschen Spaßkollegen sagen “Was mut dat mut”. Eben! :-) Es mutet mir halt im Moment nur zu viel zu.

Genug gesudert, etwas Neues aus der Wiener Vorstadt:

Schon wieder hat ein Tschecherl in der Gassn zug’sperrt.
Was ist ein Tschecherl oder ein Tschocherl?
Eine kleine Bummsen!
Also Tschecherl kommt vermutlich von tschechern (übermäßig trinken), weil die Kunden dort alle Tschecheranten sind.
Woher der Ausdruck “Bummsen” stammt, kann ich im Moment nicht nachvollziehen.
Aber!
Dort wo früher ein Transportservice war, ist jetzt ein erotischer Massagesalon. Und ich durfte beim Einrichten zusehen. Alle Wände rundherum knallig kirschrot. Hoffentlich wird da die Kundschaft nicht rabiat.

Wir lesen uns wieder!

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Friedhof St. Marx im Winter

Auf meiner Suche nach meinem Geschenk habe ich 1 1/2 wundervolle Stunden in kompletter Stille verbracht. Nur den knirschenden Schnee gehört, meine Zehen kaum mehr gespürt und bin neue Wege gegangen, was man bei der Schneedecke gut erkennen kann.

Hier ruhen Seine Excellenz Johann Limbeck Freiherr von Lilienau Comandeur des öster. kaiserl. Leopold-Ordens, wirklicher geheimer Rath und Vice Kanzler der k.k. vereinigten Hofkanzlei etc. etc. etc.
[...]
Beweint von ihren Angehörigen, geliebt von Allen, die sie kannten, schieden sie zu früh aus diesem Leben, indem sie so stetig und segenreich gewirkt haben.
Friede Ihrer Asche! [sic]

Über 120 Fotos sind es diesmal geworden. Ich will gar nicht wissen, wie viel in Summe ich bereits dort fotografiert habe. Und jedes Mal entdecke ich neue schöne Dinge, die ich festhalten möchte. Nicht alle, nur eine Auswahl zeige ich hier und tauche damit immer wieder in die Biedermaierzeit ein.

Anton Diabelli
Franz Niemeczek, erster Mozartbiograph

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Brandweiner mit Geschenk

Was für ein glücklicher Zufall!
Ich lese bei Joulupukki schon längere Zeit mit. Mir gefallen ihre schönen Wiener (Ein)Blicke. Normaler Weise nörgelt der Wiener über seine Heimatstadt, aber bei ihr erkenne ich nur ein belustigtes Augenzwinkern. Ich finde es schönvon meiner Heimat, einen anderen Blickwinkel serviert zu bekommen, oder an etwas erinnert zu werden, was schon fast vergessen.

Und so lockt mich J. an einen meiner Lieblingsorte: Sie versteckt ein Geschenk an Unbekannt.
Was für eine tolle Idee! Zuerst war ich zögerlich, ich wollte mich doch nicht vordrängen. Habe einen Tag vergehen lassen und mich dann heute, bei blitzblauem Himmel auf den Weg gemacht. Bitterkalt war es, doch der Himmel war größtenteils klar und ab und zu hat auch die Sonne gescheint. Also ein hervorragender Termin, um auf Schatzsuche zu gehen.
Am Ort des Geschehens war der Schnee noch ganz sauber. Einige haben ihre Runden bereits gedreht, das erkennt man am dünnen Trampelpfad entlang der Mauer (Ja, J. ich habe deinen Hinweis schon erkannt, nur bin ich in die falsche Richtung gegangen! Was aber nichts ausmacht, weil ich noch nie konsequent entlang der Friedhofsmauer spaziert bin).

Ich weiß nicht, wie viele Bilder ich schon zu den verschiedensten Jahreszeiten am Friedhof St. Marx gemacht habe. Und so passiert es unweigerlich, dass ich von meinem Weg, entlang der Mauer zu gehen, immer wieder abkomme, durch den knirschenen Schnee stapfe und etwas neu entdecke.

Zu viel der Worte! Und jetzt: Wie ich den Schatz gefunden habe.


St. Marx im Winter
Nochmal Winter

Ich überlege mir auch einen Schatz zu verstecken. Mal schauen, ob ich das genau so gut hinbekomme. ;-)

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Steinhofgründe – Otto Wagner Kirche

Wien ist wieder einmal verschneit. Also hinaus in die Natur und einen Spaziergang machen. Mehr oder weniger um’s Eck sind die Steinhofgründe, ein Naherholungsgebiet für Ottakringer und Hernalser Fußvolk.

Man hofft alleine unterwegs zu sein und trifft dabei auf vorbeiziehende Karawanen am verschneiten Weg. Das löst ein wenig Ernüchterung aus. Doch ganz schnell wird es stiller. Zuerst biegen sie links weg, um sich im Schutzhaus zu laben, oder nach rechts um mit der Rodel (wie a Dodl) den nächstgelegenen Hügel runterzuflitzen. Auf ja und nein ist man dann doch alleine und genießt die Stille (wenn ich nicht singen würde – s.o.).

Und dann ein Highlight: Mitten im Wald taucht die “Kirche Am Steinhof” auf. Die von Otto Wagner geplante Kirche ist unter einigen Bezeichnungen bekannt: ursprünglich “Anstaltskirche des Hl. Leopold”, weil sie als Herzstück der Krankenanstalt galt, läuft sie jetzt unter den Bezeichnungen “Kirche Am Steinhof”, oder “Otto Wagner Kirche”. Damit verbindet man den Namen der Kirche, sofort mit dem Planer des bedeutendsten Sakralbau des Jugendstils mit Otto Wagner.
Von 1904 bis 1907 haben täglich 5.500 Arbeiter am Bau der damals modernste psychiatrische Klinik Europas gearbeitet. Um die Baumaterialien (unter anderem italienischer weißer Marmor für die Kirche) am Lemoniberg zu führen, wurde eigens vom Bahnhof Ottakring eine Eisenbahnlinie gebaut, die nach der Fertigstellung der Anstalt stillgelegt und abgetragen wurde.
Die Pläne der Kirche wurden von der Wiener Bevölkerung dermaßen abgelehnt und man meinte, die “verrückte” Kirche passe vortrefflich in das Areal der Irrenanstalt. Die Irrenanstalt, damals als “Weiße Stadt” bezeichnet, war die modernste psychiatrische Klinik Europas. Sie bestand aus einer Heilanstalt, Pflegeanstalt und für das zahlungskräftige Publikum aus einem Sanatorium. Heute heißt das Gelände mit den historischen Bauten Krankenanstalt Baumgartner Höhe, worin auch die Gedenkstätte der NS Verbrechen der Medizin “Spiegelgrund” (Seite leider offline) und ein Jugendstiltheater (dzt.geschlossen!) untergebracht sind.

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