Ich sehe beim Menschen zuerst auf seine Schuhe

Am Sonntag habe ich die Sendung „Frühstück bei mir“ gehört. Eine Sendung in Ö3, die ich wirklich gerne verfolge. Interessante Menschen der Öffentlichkeit, die von Claudia Stöckl eingeladen werden und einerseits durch das Konzept des Programmes, als auch durch den Interviewstil einiges von sich udn ihrer Persönlichkeit preisgeben, das im Alltag gerne verschüttet wird.
Es gab schon viele interessante Gespräche, denen ich gespannt zuhören konnte.

Letzten Sonntag war Brigitte Ederer eingeladen. Eine Politikerin, die mir schon früher durch ihre angenehme, sympathische und gewinnende Art auffiel. Das Interview bestätigte und unterstreichte nochmals ihr Wesen. Kaum zu glauben, wie menschlich sie geblieben ist, denn sie muss als Siemens Chefin auch eine harte Business-Frau darstellen.
Einige Sätze möchte ich herausgreifen, die nicht auswendig gelernt wirkten, sondern sich anhörten, als kamen sie aus dem Herzen.

„Glück ist, was man ist.“

„Früher habe ich mich geschämt zu fragen, jetzt nicht mehr. Und wenn sich die Frage noch so dumm anhört, ich stelle sie. Lass mir erklären, was ich nicht verstehe und komme zu dem Schluss, wer etwas nicht gut erklären kann, der hat es vielleicht selbst nicht verstanden.“

„Ich ernähre mich sehr ungesund. Ich liebe Schnitzel, ich liebe das Schweizerhaus.“

„Das macht man so, frag nicht.“.
Eine Antwort, die ich teilweise auch von meiner Mutter so kenne. Auch Brigitte Ederer wurde von ihrer Mutter alleine erzogen, ihren Vater kannte sie nicht, er fehlte auch nach ihrer Aussage nicht als Identifikationsfigur in der Familie, weil dies durch die Mutter voll abgedeckt wurde. „Grüße ältere Menschen, gib ihnen die Hand, mach ihnen Platz – wenn ich (Ederer) fragte wieso, antwortete mir meine Mutter: Das macht man einfach so, frag nicht.“
Und es sind Grundwerte des Zusammenlebens, so meine ich, die leider zunehmend verloren gegangen sind. Manche Dinge, kann man hinterfragen, es muss dafür aber keine schlüssige Antwort geben. Oder es gibt sie, das Alter zu schätzen und zu ehren, aber das versteht man nicht, wenn man 10 ist.

„Ich wollte die Welt verändern, das ist mir leider bis jetzt noch nicht gelungen, aber ich werde nicht aufgeben und weiter daran arbeiten.“

„Kein Termin in meinem Leben war vollends nutzlos.“
(Das ist eine Aussage, die ich leider nicht unterschreiben kann. Ich werde zunehmends ungeduldiger, wenn ich in einem Zusammentreffen keinen Sinn und Gewinn sehe.)

„Was ich mir wünsche: Eine weise, alte Frau zu werden.“


– Was lag ihrem Erfolg zugrunde? „Zuhören zu können und zu kommunizieren.“


– Ihr letzter Satz im Leben: „Das war ein super Leben!“

Sehr stimmiges und wohltuendes Gespräch, das ich mitverfolgen konnte. Wer will, kann hier den podcast anhören.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

3 Antworten zu “Ich sehe beim Menschen zuerst auf seine Schuhe

  1. Frühstück bei mir, hör ich selten original an, und wens mich interessiert, dann ist mir der Podcast ist mir immer lieber. Lieb, dass du ihn reingestellt hast.

    ja, das klingt überhaupt nicht abgehoben

  2. „Kein Termin in meinem Leben..“ das verstehe ich, geht mir auch so, zumal die Zeit, die einem bleibt, immer weniger und deshalb kostbarer wird. Abbruch spätestens dann, wenn der Gesprächspartner auch keinen Nutzen daraus zu ziehen scheint.

  3. Frau Ederer meint aber (ich bewundere ihre Geduld, ihr Arbeitstag dauert immerhin von 8.30 bis auf jeden Fall 21.30 und manchmal sogar 23.oo Uhr), sie finden keinen Termin sinnlos. Vielleicht sortiert sie allerdings die sinnlosen Termine schon vorher aus.
    Es gibt ja viele Betriebe und auch Mitarbeiter, die sich durch laufende Termine, langatmige Besprechungen und Sitzungen als besonders wichtig hervortun wollen und das wirkliche „Tagesgeschäft“, das auch Geld bringt, bleibt liegen.
    Ich sag dann immer: Sind wir jetzt fertig und können wir jetzt dann endlich etwas arbeiten gehen? 😀

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