So a Gsturi

Heute hatte ich es eilig und der links von mir aus dem Haustor gehende Nachbar, der rechts von mir neben dem Haus einst ein Gemüsegeschäft hatte, dem begegne ich in letzter Zeit leider nur in Eile.

Leider, weil es immer sehr amüsant und kurzweilig mit ihm ist. Einerseits höre ich den neuesten Tratsch aus der Gegend und dann wohnt er schon hier in der Gegend und in dem links von mir Haus, als ich noch Hemd und Hose in einem getragen hatte. Da erzählt er mir so manche interessanten G’schichtln und wenn er leise wird und vorher um sich herumschaut, dann weiß ich, das ist nur für mich bestimmt. Seine Aussagen sind nicht immer ganz politisch korrekt, er schneidet sie aber immer nur an und zieht nicht böswillig über die anderen her. Das macht das Gespräch locker und nicht verkrampft.

Auf jeden Fall, hätte ich Herrn S. heute früh fast über den Haufen gerannt.
„Wo san ma denn so schnö unterwegs, junge Frau?“ fragt er mich und manchmal, wenn ich mich um die Zeit selbst im Spiegel erkenne, dann sagt er sogar „schöne“ Frau. Das freut frau einfach, auch wenn das der 11er Schmäh vom Herrn S. ist. Was mir an S. so gefällt, er spricht ein gepflegtes Wienerisch und das genieße ich sehr.
Er brauche noch Semmelbröckerl, weil die Gattin hat ihn geschickt. Alleine diese Kombi, da hüpft mein Herz. Wer sagt noch „Bröckerl“ statt „Würfel“? Dass ihn die „Gattin“ schickt und nicht seine „Frau“ find ich auch gut.
So kurven wir gemeinsam um die Ecke zum Supermarkt „Z“.
„I was goa net, wo’s de gibt.“, sagt er.
„Ich würde einmal sagen, beim Brot“, antwortete ich darauf. Wenn auch die Dauerwurst oft dort liegt, wo logischer Weise Tampons im Regal stehen sollten und dies halbjährlich in einer Rotation gewechselt wird, damit der Kunde immer schwitzend durch die Gänge rennt und sich furchtbar aufregt, die Semmelbröckerl bleiben immer dort, da kann kommen was will. Wenigstens auf ein paar Dinge kann man sich verlassen: Semmelwürfel bei Brot. Aber wo ist das Brot? :-))

Ich steh schon bei der Kassa, kommt Herr S. schulterzuckend auf mich zu. „In dera Greißlerei hobn’s kane Semmewiafaln“, sagt er.
„Gibt’s doch net, fragen’S doch lieber nach.“
„I geh denn oiden Greiler frogn“ und meint damit den Marktleiter. 😀
„Mochn’S jo ka Gsturi“, sagte ich nur kurz.
„Was, Sie sagen noch G’sturi. Des hob i scho lang nimmer g’hört. Wer sogt’n no G’sturi in Wien, wo nur Hoibtürkn ummanandrennen.“
Ja, wer sagt noch Gsturi? Ich, und das immer wieder. Wenn er wüsste, dass mein Vater Pole ist …
Ich sollte mir mehr Zeit für Herrn S. nehmen!

5 Kommentare

Eingeordnet unter ente on tour, stadtgeschichten

5 Antworten zu “So a Gsturi

  1. Was Gsturi bedeutet, musste ich nachschlagen – owa jetzt waß is 🙂

  2. also ich sag Knödelbrot dazu

  3. Ich auch, aber mit selber geschnittenen Semmerl schmecken mir die Knödel viel besser.

  4. @Gerlinde: Du bist ja Halbsteirerin, daher musst du Gsturi nicht wissen. Ollas Zuagraste do. 😀
    @weltbeobachterin: Manche Bezeichungen sind anscheinend regionsspezifisch, wobei ich Knödel“brot“ irreleitend finde, weil man eher, wie Gerline erwähnte, altbachene Semmeln dafür verarbeitet.

  5. Migrantin aus der Steiermark 🙂
    Ich dürfte aber einen überdimensonalen tschechischen Genanteil als Erbe meiner Vorfahren aus dem Böhmerwalad in mir tragen, weil ich mich hier in Wien gar so wohl fühle.

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