Risotto mit Löwenzahn (catalogna)

Nachdem mich gestern eine ausgewachsene Löwenzahnstaude beim Gemüsehändler angelacht hatte, ich sie erstand, musste sie schlussendlich auch verarbeitet werden. Eigenartiger Weise findet man kaum Rezeptmaterial für dieses Gemüse. Ja, die kleinen, jungen Löwenzahnblätter, die man im Frühjahr findet und zu ”Röhrlsalat” verarbeitet, das Rezept kannte ich auch.
Um zu wissen, wie das Gemüse auch schmeckte wurde es verkostet und zwar sowohl roh als auch blanchiert. Als ich die leichten Bitterstoffe erschmeckte, war mir klar, die Verarbeitung muss so ähnlich, wie mit Radicchio erfolgen. Da ich auch unbändige Lust auf Risotto hatte und noch Risottoreis “Arborio” zu Hause war, ging es schon los. Den unteren Teil mit den Stängeln habe ich in ca. 1 cm dicke Stücke geschnitten und in lauwarmen Wasser eingeweicht. Der obere Blattanteil wurde fein nudelig geschnitten und in kaltem Wasser eingeweicht.

Soll ich noch etwas zu Risottoreis schreiben, das ist die Frage? Nun, dass man dafür keinen gewöhnlichen Langkornreis verwendet, dürfte wohl hinlänglich bekannt sein. Welche Reissorte man im Bereich des Mittelkorns verwendet ist eine ähnliche Wissenschaft, wie das Risottokochen an sich.
Die Verwendung der Reissorten entscheiden dann das Endergebnis. Wer gerne ein etwas kompakteres Risotto möchte, sollte zu den Sorten Arborio und Baldo greifen. Cremiges (schlatziges) Risotto gelingt am besten mit den Sorten Vialone Nano oder Carnaroli. Einmal hintereinander ausprobieren und dann für sich entscheiden.
Das Reiskorn eines fertigen Risottos sollte nicht ganz weich sein, sondern ein wenig Biss haben. Wie fest der Biss ausfallen soll, ist je nach Geschmack, wie sehr al dente man zum Beispiel auch Nudeln kocht.
Auf der Packung meiner Reissorte steht als Kochzeit 14-16 Minuten, die ich nie einhalte. Einerseits mag ich das Risotto nicht mit allzu viel Biss und dann bis ich einmal die richtige Temperatur der Herdplatte erwischt habe, dauert das seine Zeit. Ich veranschlage dafür immer gute 20 Minuten.

Nun zum Risotto: Ich schneide eine mittelgroße Zwiebel würfelig und röste sie in ca. 5 dag Butter gut an, dann füge ich die abgetropften und durch die Salatschleuder gemangelten Löwenzahnstiele dazu, röste weiter und füge den Reis dazu. So lange rühren, bis der Reis glasig wird. Es gibt viele die sagen, sie erkennen nicht, wann der Reis glasig wird, das geht relativ schnell, nämlich sobald der Reis mit der Butter oder dem Öl in Kontakt kommt. Und dann schütten wir schon den ersten Schwung vorbereitete klare Gemüsesuppe mit eingeweichten Safranfäden dazu und rühren, rühren, rühren. Beim Risotto muss man leider ständig dabei stehen und rühren, denn es ist kein Gericht, das leise vor sich hinbrodelt und man die Zeitung dabei lesen kann. Ganz gut überbrückt man die Zeit, wenn man nebenher ein Glas mit gutem Weißwein stehen hat. Auch ein Vino Frizzante eignet sich ganz herrlich für beschwingtes Reisringelspiel. So blubbert das Risotto leise vor sich hin, ich nippe am Glas und wenn ich großzügig bin, dann opfere ich auch einen Schuss für das Reisgericht. Sobald die Flüssigkeit verdampft ist, wieder nachschütten und weiterrühren. Besonders gut rührt es sich, wenn Vivaldi den Takt vorgibt. Ab einer viertel Stunde beginne ich dann zu kosten und stelle immer wieder fest, ein Risotto unter 20 Minuten schmeckt nicht. Zwei Minuten bevor das Risotto fertig ist, die nudelig geschnittenen Blätter untermischen, ganz zum Schluss dann noch einmal die kalte Butter untermischen, einen Schuss Suppe, auf Teller anrichten und grob gehobelten Grana darüberstreuen.

Buon appetito!

Risotto mit dento di leone (Löwenzahn)
20 dag (1 dag = 10g) Risottoreis
10 dag Butter
1 mittelgroße Zwiebel würfelig geschnitten
1 Knoblauchzehe (wer mag)
ein paar Safranfäden (wer mag)
gut 1 Liter klare Gemüsesuppe mit ein paar Safranfäden
wer nicht geizig ist: 1 Glas trockenen Weißwein
Grana im Ganzen
Musikalische schwungvolle Untermalung: Vivaldi

Gerlinde hat mich aufmerksam gemacht, doch auch kurz zu schreiben, wie das Risotto schmeckte. Der Löwenzahn schmeckt roh arg bitter, aber gewässert und gebraten sehr angenehm würzig, ähnlich einem Radicchio.  Weiters hat sie mir durch die Blume gesagt, bei ihr zu Hause wurden nur die feinen Blätter und Blüten verarbeitet, den Rest bekamen die Schweindln. Na dann oink! :-)) Dafür hat sie einen ganz witzigen Blogeintrag zum Spargelverbot verfasst und Bulgariana fühlte sich dadurch zu einem grünen Spargelrisotto inspiriert und hat sicherheitshalber alle verräterischen Spargelspitzen aus dem Foto entfernt. Wer weiß, was den Leuten einfällt und sie verbieten ihren Blog wegen amouröser Avancen. 😉

Nachdem ich von lamiacucina die italienische Bezeichnung für diese Gemüse erhielt, kann ich noch kurz etwas dazu schreiben.

Catalogna ist eine italienische Pflanze und gehört zur Sorte der Zichoriengemüse. Das Gemüse hat einen leicht bitteren Geschmack wie Chiccorée und sollte vor der Zubereitung in reichlich Wasser gewässert werden, um die Bitterstoffe auszuschwemmen.
Die grünen Blätter kann man roh zu sich nehmen, oder kurz braten. Hingegen die starken Stängel sollte man mit Olivenöl, Pepperoncini, Zitronensaft eine zeitlang dünsten.
In meinem umfassenden italienischen Kochbuch habe ich nun mit der richtigen Bezeichnung ein überbackenes Gericht „catalogne racante“ gefunden, das sehr simpel und auch köstlich aussieht. Wäre vielleicht eine Beilage zu gegrilltem Fleisch!
Gesundheit: Das Gemüse gilt als Magenkitzler! Eine liebe Bezeichnung finde ich, wo ich sonst nur den Ausdruck „Liebe geht durch den Magen“ kenne. Es reinigt den Organismus, unterstützt die Verdauung und hat zudem auch eine entwässernde Eigenschaft!.

10 Kommentare

Eingeordnet unter küchenente

10 Antworten zu “Risotto mit Löwenzahn (catalogna)

  1. Traumhaft! Ich habe heute Spargelrisotto gemacht und die Zeit mit 1 Glas Prosecco überbrückt (mache ich eigentlich immer :-))

  2. ja, wieso machen wir nicht ein Kochmusikbuch. das wäre doch ein Geschäft.

  3. Und – wie schmeckt das Risotto?

  4. @Bulgariana: Diese Überbrückungen mag ich am Kochen auch so gerne. Prost!

    @ weltbeobachterin: Das wäre natürlich auch ein Geschäft. Aber mit dir mache ich zuerst eines mit oberösterreichischer Küche und du singst mühlviertlerisch gstrampft dazu. :-))

    @Gerlinde: Genau, das habe ich vergessen und werde ich im Text noch ergänzen. Der Löwenzahn schmeckt leicht bitter, ähnlich wie Radicchio. Mir hat es geschmeckt!

  5. Perfekt. Wars der ganz grosse Löwenzahn ? In Italien heisst der catalogna. Damit kochen die Italiener gerne. u.a. Risotto.

  6. @lamiacucina: Komischer Weise meint man von mir immer wieder, ich wäre Italienerin (und zwar auch in Italien). Durch meinen Glücksgriff zum Risotto fühle ich mich nun auch wie eine halbe Italienerin.
    Wie war dein Frankfurter Gelage?

  7. das machen die schwarzen Ohren. Frankfurt war schön und herzlich. Nächstes Jahr wieder.

  8. @lamiacucina: Da sieht man, du kennst von Enten nur die Brust, um sie zu braten. Die vermeintlichen Ohren sind Hörner und sind für meine Person ganz speziell und sagen eigentlich alles aus.

  9. könnten auch Fühlhörner sein.

  10. :)) Ok, danke! Jetzt komm ich gut weg. Fühlhörner sind gut, dabei bleibe ich.

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