Nicht schweigen

Jetzt sind wir alle entsetzt, zu Recht.

Der Fall, der sich im niederösterreichischen Amstetten zugetragen hat toppt wohl noch den Fall Kampusch und da dachte man schon, es kann wohl nichts schlimmeres mehr passieren.
Und doch war es möglich: Ein Vater vergeht sich an seiner 11-jJährigen Tochter, sperrt sie mit 18 Jahren in ein Verlies in den Keller. Die Tochter gebärt insgesamt sieben Kinder, wovon ein Zwilling recht bald nach der Geburt stirbt. Drei Kinder sind behördlich nicht registriert und lebten im Keller des Gebäudes. Die drei anderen wurden als fingierte Kindesweglegung am Stiegenabsatz abgelegt, von den Großeltern aufgezogen und besuchten auch die Schule.
Das ist die Dramatik des Falles, der im Moment Österreich und sicherlich bald die Welt beschäftigen wird.
Fassungslos schreibe ich diese Fakten nieder, noch fassungsloser habe ich Fragen im Kopf, für die ich keine Lösung habe.

Ein Vater vergeht sich an seinem Kind. Seine Frau wird das irgendwann einmal bemerken und schweigt.

Das 11-jährige Kind, noch Schülerin und im normalen Leben, lässt die sexuellen Perversitäten eines erwachsenen Mannes über sich ergehen. Ihr Verhalten muss sich einfach seitdem verändert haben.

Die nun dann schon 18-jährige Tochter wird, vermutlich weil sie das ganze einfach nicht mehr geschehen lassen will, in einem Verlies im Keller gehalten. Ihr Mutter, die Ehefrau des Mannes erlebt das alles mit und schweigt, unterstützt vielleicht noch ihren Mann in seinem Vorhaben, damit er von ihr selbst ablässt. Oder nimmt beide gefangen in seinen sexuellen Perversionen. Die jungen Mädchen der Tochter, die im Keller leben, die ein offenes Leben führen, wurden sie verschont, weil die Frau bat von ihnen abzulassen, oder hatten sie das gleiche Schicksal zu ertragen?

Warum schweigen wir Frauen, um Männer ihre Fantasien ausleben zu lassen? Warum schicken wir damit unsere Kinder und Kindeskinder ins Verderben, nur damit dieser Mann für ein paar Stunden, Tagen ablässt?

Warum schweigen?
Warum haben wir Angst etwas zu sagen, aufzudecken und vielleicht damit etwas ins Rollen zu bringen.
Warum haben wir kein Gefühl mehr für richtig und falsch?

6 Kommentare

Eingeordnet unter befindlichkeiten, Die Welt

6 Antworten zu “Nicht schweigen

  1. vielleicht weil wir Angst haben in etwas unangenehmes zu geraten.
    weil wir egoistischer geworden sind
    keine Ahnung.

  2. die Welt ist längst aus den Fugen geraten und die bisherigen Wertvorstellungen damit. Ich begreife das auch nicht.

  3. @weltbeobachterin: Natürlich meidet man Kalamitäten, aber hier geht es doch um das Wohlergehen von Menschen. Vermutlich verstehe ich das deshalb so schwer, weil ich mich schon öfter durch eine sehr dezidierte Aussage und ein unbarmherziges Auftreten und Aufdecken auszeichnete.

    @lamiacucina: Inzest hat es schon immer gegeben und das nicht einmal vor gar nicht allzulanger Zeit, besonders in kleinen abgeschiedenen ländlichen Gebieten. Ich will jetzt gar nicht aufrollen, was uns die griechischen Götter alles gezeigt haben. Aber unsere Zeit, unser Wissen, das wir uns aneignen könn(t)en, das müsste unser Leben doch viel leichter und intelligenter machen. Und die Moral, die Seele, die Liebe? Wo ist sie? Bei diesem Beispiel sehe ich mich selbst plötzlich als hochmoralischen Menschen, dabei denke ich von mir immer, ich werde einmal in der Hölle schmoren – und das nicht zu knapp. Aber so gesehen, komme ich doch noch in den Himmel.

  4. ach Lilly, auch ich hab mich ja mit so mancher Aussage ins Bredouille gebracht. aber ich steh dazu. Lieber zu oft eingemischt als mal zuwenig. ABer wie es so schön heißt die Dosis macht das Gift.

  5. Ich frage mich auch wie es dazu kommen kann, dass Menschen schweigen. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass niemand etwas gewusst haben will. Gerade als Mutter merke ich die allerfeinsten Nuancen bei meinem Kind. Und frage und frage und frage. Auch wenn sie 100 Mal die Augen verdreht, weil ich wissen will wieso sie traurig aus der Schule kommt. Ich will lieber eine lästige Mama sein, als eine die so tut als hätte sie nichts gemerkt.

  6. Genau so sehe ich es auch. Man merkt, ist man aufmerksam, Veränderungen an einem Menschen. Kinder können sich vielleicht schlecht artikulieren, haben auch Angst vor Konsequenzen, aber doch stetes Bemühen und Fragen führt sicherlich zum Ziel. Zumindest insofern, dass ich noch aufmerksamer bin und genau beobachte, was passiert wann und wo.

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