Morgenbetrachtung

Kann Natascha Kampusch, wenn sie ihre Hilfe anbietet, die Welt verbessern, oder den Amstettner Opfern helfen?

Das war heute Thema im Ö3 Wecker, der morgens neben mir herdudelt, sei es im Bad, oder in der Küche, oder gerade jetzt.
So wurde Frau Kampusch gefragt, ob sie denn den Opfern helfen könne und welche Reaktion ihre Stellungnahme zu diesem Fall ausgelöst hat.
Ich erinnere mich an die diversen Zeitungsberichte, Leserkommentare und auch Blogeinträge (Google verweist auf 700.000 Hits beim Stichwort „Kampusch“), damals als kurz nach der Flucht überall das Mitleid kübelweise überschwappte. Natürlich, ist für uns alle die Vorstellung unvorstellbar und erschütternd, über so lange Zeit eingesperrt zu sein und so sind wir als erste Reaktion fassungslos und teilen uns in der Form mit. Dann aber, wenn diese Sache, jeden Tag, fast jede Stunde, in jedem Medium zum Thema gemacht wird, dann beginnt die Reizüberflutung einzusetzen und aus Mitleid wird ganz schnell Neid und Abkehr. So warf man damals Frau Kampusch vor, sie würde sich an Medienberichten bereichern. Dass jemand sich einfach nach so langer Zeit mitteilen möchte, auf die Idee kommt wohl keiner.

Nun hat sie ihre Hilfe zum aktuellen Fall angeboten und schon wieder wird Kritik laut. Wie kann sie, die nur acht Jahre in einem Verlies war, da überhaupt mitreden? Frau Kampusch spiele sich als Hobbypsychologin auf, sie hat keine Ahnung.
Nun, ob sie wirklich helfen kann, ist schwer zu sagen. Ich schätze aber einmal ihre Bereitschaft, sich hier einzubringen als recht selbstlos ein. Sicherlich kann man das Einbringen ihrer Erfahrung auch aus eigentherapeutischen Überlegungen sehen. Sie kann in dieser Situation zumindest in beratender Funktion teilhaben.
Cold Case Management soll nun eingeführt werden. Alle Fälle vermisster Kinder und Jugendlichen, das sind pro Jahr 150 (kann diese Zahl stimmen? Ich denke, nicht neue Fälle, sondern in Summe.), sollen periodisch wieder neu aufgerollt werden. Werden nun in Zukunft Kellerräume der Familie abgeklopft?

Lichtermeer in Amstetten – eine Stadt macht mobil. „Wir sind keine Unmenschen

Ausländische Presse – nun haben wir einen Führer noch immer nicht verarbeitet, jetzt sind wir noch ein Volk mit perversen Gedanken. Es werden typisch österreichische Verhaltensweisen gesichtet und aufgezählt, die mir bislang selbst fremd waren.

Kritiker könnten sich mit anderen Themen befassen. Zum Beispiel, dass unsere Luftlinie, die Austrian Airlines einen 60 Mio. Verlust eingefahren hat und es ziemlich ernst um dieses Unternehmen steht.

Rauchfreie Lokale
Die Koalition hat sich zu einer verwaschenen Einigung durchgerungen. Lokale mit mehreren Räumen müssen den größten Raum Nichtrauchern zur Verfügung stellen. Nun überlege ich gerade, wie viele Lokale es mit mehreren Räumen gibt. Und wann ist ein Raum ein Raum? Ist er durch eine Tür abgetrennt, dann ist das klar, aber welcher gastronomische Betrieb trennt seine Räume durch Türen? Zumeist sind Kaffeehäuser verschachtelt, man könnte sie als Räume bezeichnen, sind sie aber nicht. Also was soll diese Einigung zu einem Nichtrauchergesetz? Die ist doch bitte für die Würschte!

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5 Kommentare

Eingeordnet unter befindlichkeiten, Die Welt

5 Antworten zu “Morgenbetrachtung

  1. es ist überhaupt ein Wunder, wenn sie sich geeinigt haben die Koalítionswürschtln, auch wenn es für d`würscht ist.

    ja, erstaunlich welche Monster wir sind. Ich bin schon am Überlegen, ob ich mir ein Schild umhänge – Achtung Österreicherin wenn ich mal ins Ausland fahre… So a Schaß, das ist die kollektive Abverurteilerei, was ich so verurteile.

  2. @weltbeobachterin: Es tut mir in der Seele weh.
    Als Schülerin musste ich mir von einer britischen (jüdischen) Familie anhören, sie findet es „toll“, dass Österreicher ihre Kinder zu Juden auf Sprachausbildung schicken.
    Aus Deutschland höre ich immer, Hilter war ja ein Österreicher.
    Aus Großbritannien: So etwas kann es bei ihnen nie geben.

    Sind nun Österreicher tatsächlich perverser als alle anderen Völker? Manchmal verzweifelt man an der eigenen Verzweiflung.

  3. ohja, ich verzweifle auch an dieser Verzweiflung.
    Erwin Ringel hat ja festgestellt – Österreich ist ein Land der Neurosen. Das stimmt, aber wir sind doch nicht ein Volk der Perversen. das nehm ich nicht hin

  4. Rauchen: In unserem föderalistischen Staat werkelt man an 26 unterschiedlichen Nichtrauchergesetzgebungen. Der Volkswille hat sich zwar eindeutig für Nichtraucherlokale ausgesprochen, trotzdem glauben die Gesetzgeber, sich mit Kompromissen um einen einfachen Entscheid herumdrücken zu können: „Freiwilliges Einrichten von Nichtraucherzonen mit dem Ziel bis zum Ende des Jahrzehnts (oder wars Jahrhundert) 60% Nichtraucherplätze zu schaffen“. Unsere Länder sind sich doch sehr ähnlich.

  5. @lamiacucina: So wie es aussieht. Es ist ja vorläufig nur eine Einigung erzielt. Der Gesetztesbeschluss liegt noch in weiter Ferne. Wenn es dazwischen zu einem Regierungswechsel kommen sollte, dann rollen wir alles nochmals von vorne auf.

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