Bummsfidel, Markt und Sonnenschein

Heute war bei mir Markttag. Ich schlenderte am Rückweg nach Hause über den Markt, der nicht sonderlich groß ist, aber doch das notwendigste anbietet.

Die Gemüsehändler sind nur mehr Türken, die in der Früh die Ware vom Großgrünmarkt holen, den Stand aufbauen und ihn abends wieder abbauen. Kein Österreicher tut sich das mehr an. Dann gibt es noch zwei Blumenstände, einer davon ist der Stand eines fixen Geschäftes in der gleichen Gasse. Dann noch eine überaus gut sortierte Käsebar, untergebracht in einem kleinen Anhänger oder Wohnwagen, also diese fahrenden Marktwagen, keine Ahnung wie sie heißen. Nur vom Käse habe ich diesmal nichts mitgenommen. Was ich bemerkte, dass sie dort die Zotterschokoladen um 1,40 billiger verkaufen, als beim Meinl am Graben (Halsabschneider der Mohr).
So kaufte ich bunt gemischt bei allen Ständen ein wenig ein.
Meine wöchentlichen Schnittblumen sind diesmal Pfingstrosen. Ich liebe diese Blumen und man zahlt dafür ein Wahnsinnsgeld. Da hätte ich vermutlich eher auf die Wochenenderweiterung des Bauernmarktes warten sollen.
Um die Apfellandschaft ist es im Moment auch arm bestellt. Es gibt Gala Äpfel mit allen erdenklichen Namen und sie schmecken alle gleich, wie seinerzeit die Golden Delicious, die Gott sei Dank kaum mehr angeboten werden (so wird in 5 Jahren der Gala auch weg vom Fenster sein). Österreichs Apfelsortenlandschaft ist so reichhaltig, wieso wir die Einheitsapfelsorte ständig kaufen müssen, ist mir ein Rästel.

Ein Stand hatte Cox Orange, geschnappt, gekauft, sind sie für den Obstkorb bestimmt. Früher konnte man übrigens bei den Gärten des Stifts Klosterneuburg (bei Langenzersdorf, Seeschlacht) steigenweise wohlschmeckende Äpfel kaufen. Leider wurde die Apfelplantage verpachtet und man kann selbst im Klosterladen des Stifts keine mehr kaufen. Dafür Apfelsaft, aber den will ich nicht, wenn ich in die Frucht reinbeißen will.
Dann noch ein Stöckerl mit Petersil, das später noch in ein neues Töpfchen gesetzt wird, auf das es wachse und fleißig mehr Blätter bildet, als ich verkochen kann.
Der andere GEmüsestand, da herrschte eine Ruhe und Langsamkeit, denn man bemerkte mich die erste Zeit gar nicht. Welche Wohltat, so konnte ich mich in Ruhe umsehen. Dann endlich, drehte sich der beleibte Standler in meine Richtung. Wie man von so viel Obst so einen Bauch bekommen kann? Muss wohl vom Essen sein, denn Alkohol dürfen Türken glaube ich keinen trinken.
In der Hand hielt er eine perfekt gereifte grüne Avocado und holte mit dem Messer ein Stückchen heraus, das er mir bereitwillig zum Kosten anbot. Zu klein wäre es gewesen, meinte der Gemüsestandler, obwohl ich mein Lob ob des Reifezustands ausgiebigst losließ. Also noch ein Stückchen der nussigen Frucht und dann auf meine Ware gezeigt. Kleine, runde Zucchini, eine kleine schlanke Melanzani und dann, nachdem ich ihm sagte, was ich kochen wolle, noch drei Fleischtomaten. Bei einer war er nicht zufrieden, schnitt einen Teil weg und gab sie mir gratis dazu, ebenso wie den mittelscharfen Pfefferoni.
Er solle alles in das Sackerl reingeben. Musterte es und sagte: „Nix gutes Sackl, zu dünn, reißt, bessere sind grüne.“ Mir egal, denn nun hatte ich ein blaues, ein gelbes und schlussendlich auch ein grünes Sackerl in der Hand. Abschluss war dann der türkische Supermarkt meines Vertrauens, der sich kürzlich vis-à-vis meiner Behausung ansiedelte. Nun wurde er getestet, ob ich da Lammfaschiertes bekommen kann. Keine Ahnung, warum die wenigsten türkischen Supermärkte faschiertes Lammfleisch anbieten. Er überlegte kurz, nahm einen Lammschlögel, banlte ihn aus und ließ ihn durch die Faschiermaschine. Durch die Gänge marschiert ging noch ein Sackl Kreuzkümmel mit, eine Packung dreieckige Yufka, zwei Packungen Schafskäs und ein Grillkäse, der so ähnlich wie Haloumi schmecken muss. An der Kassa wollte ich wissen, ob ich denn das türkische Bier „Efes“ bekommen könne. Als hätte ich der türkischen Kassierin einen unsittlichen Antrag gemacht, hat sie laut „nein“ gesagt. Und wo ich es kaufen könne? Das weiß sie nicht. Komisch, Efes ist eine riesige Brauerei in der Türkei, keiner darf es trinken und trotzdem geht die Brauerei nicht zu Grund.

Traritrara hier habe ich die Einkäufe ausgebreitet, komme ich zum Schluss, am Markt einkaufen ist alles andere als billig.
Dafür habe ich ein winziges Lokal entdeckt, das bei meinem letzten Besuch noch nicht offen hatte. Es heißt Auszeit und bietet Frühstück an. Vielleicht gönne ich mir nächstens eines in der Sonne und im Marktgeschehen.

12 Kommentare

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12 Antworten zu “Bummsfidel, Markt und Sonnenschein

  1. Hier hat jeder „Türke“, der etwas auf sich hält, Lammgehacktes im Angebot…, ab 3 kg gibt’s Rabatt 🙂

  2. Da hast du ja fast jedes Produkt auf dem Foto schön beschrieben wie du es auf deinem Markttrip bekommen hast. Das türkische Bier ist auch bei uns kaum zu sehen. Muss wohl an der starken regionalen Konkurrenz wie Fohrenburg oder Mohrenbräu liegen. Ich kenne jetzt einige Türken die fast täglich Bier trinken. Kann also nicht weit her sein mit dem Alkoholverbot.
    Mit Schweinefleisch sind die Türken schon besser im Umgang wie wir denn sie wissen wie minderwertig die Qualität ist. Würde es keinen Schweinehalsbraten geben, ich könnte komplett auf die Sau verzichten.

  3. Danke für den lesenswerten Marktbericht. Märkte finde ich faszinierend und attraktiv.

  4. Auch wenn es ein bisserl teurer ist, geh ich gerne auf den Markt, weil mir als Single die abgepackte Ware im Supermarkt oft zu viel ist. Bei den Standln bekomme ich auch eine oder zwei Paradeiser, eine halbe Sellerieknolle, eine viertelte Krenwurzel oder ein daumengroßes Stückerl vom frischen Ingwer, der Nuran plättet die Rindschnitzel mit einem „Plätteisen“ genau auf die Stärke, die ich möchte und das Fleisch ist butterzart. Faschiertes lass ich mir sowieso immer frisch runterdrehen nachdem ich mir die Fleischstücke vorher ausgesucht habe. Auch die kernlosen Weintrauben, die ich so mag, gibt es nur bei einem „meiner“ Türken, sind auch nicht grad billig, aber ich muss sie ja nicht jeden Tag haben. Außerdem sind hier in Meidling auch Direktvermarkter aus Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, die erstklassige Produkte von frischen Leberknödel bis hin zum Hausmacherkäse haben.

  5. @Ulrike: Wir sind da irgendwie eigen, so wie es aussieht. Manche Produkte gibt es bei uns nicht, dabei bin ich nicht im Hinterwald zu Hause. Oder doch?
    3 kg sind aber doch ein wenig viel. Ich habe 1 kg genommen und die Hälfte eingefroren. 😉

    @Dandu: Schweinehalsbraten? Das kenne ich nicht. Du koch das einmal, das interessiert mich. Kenne nur Hendlhals und das ist eine ewige Spuckerei wegen der kleinen Knocherln.
    In türkischen Lokalen gibt es Efes, nur in den Supermärkten nicht, auch keinen Rhaki. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, wie und warum nicht. Da muss ich einmal einen aufgeschlossenen Türken, von denen es Gott sei Dank recht viele gibt, fragen. Die Frau an der Kassa hatte gestern reagiert, als hätte ich den Teufel an die Wand gemalt.

    @lamiacucina: Märkte gibt es Wien noch recht viele. Wenn du dir Zeit genommen hast und das Video gesehen hast, weißt du ja, welches Publikum dort verweilt. Ältere Kundinnen, so wie ich eine bin. 😉
    Der Naschmarkt hat mittlerweile unter den Touristen Kultstatus erlangt. Dort pilgert man hin, als wäre man danach von allen Sünden reingewaschen. Die Folge: Es etablieren sich immer mehr „Fressstände“ und drängen die Standler zurück.
    Richtig spannend sind aber die Märkte ´an der Periphärie. Der Floridsdorfer Markt, oder der Viktor Adler Markt, um nur zwei zu nennen. Da ist Wien zu Hause! Hier gibts zwar sicherlich in den nächsten 10 Jahren keinen Mönchsbart, aber dafür typisch Wiener Kultur. (Hui, das ist wieder lang geworden. Danke für dein Interesse.)

    @Gerlinde: Das ist wirklich ein nicht zu übersehender Vorteil, dass man Gemüse auch in Kleinmengen kaufen kann. So wird zum Beispiel das Suppengrün oft frisch zusammengestellt und wenn ich eine Karotte mehr haben möchte, dann kann ich sie haben. Allerdings ist man am Markt auch nicht vor Betrug gefeit. Gerne wird auch „unwissenden“ Käufern verdorbene Ware verkauft. Die Verkäufer genießen es aber, wenn man kritisch die Ware beäugt und ihr Angebot lobt und zu schätzen weiß. Das mag ich so, denn wir können froh sein, dass es noch Märkte in Wien gibt. Vom Meidlinger Markt hast du ja schon so oft geschrieben, da muss ich auch einmal hin.

  6. der Stellenwert der Märkte ist hier von Region zu Region recht unterschiedlich. Hier in Basel gibts fast nur noch Händler, der Markt ist nur am Samstag gut belegt, die Ware stammt von wenigen Grosshändlern und ist an einigen Ständen identisch. In andern Städten Solothurn, Freiburg i.B. hat es ein dichtes Netz von Produzenten aus dem Hinterland, die ihre Ware direkt verkaufen wollen. Da herrscht Konkurrenz und das Angebot wird vielfältiger.

  7. LillY: Mit Schweinehals meint Dandu sicher den Schopfbraten – und den kennst du ganz bestimmt auch. In Deutschland nennt man das Teil Schweinenacken 🙂

  8. Uuuups, zu früh abgedrückt 🙂
    Ich finde, grad am Markt kann man nicht betrogen werden, weil man sich die Ware ja selber aussucht und wenn einer zu deppert ist, eine faule Paradeis nicht von einer guten unterscheiden zu können, dann ist er wohl selber schuld. Über verdorbene Ware bei abgepacktem Gemüse vom Supermarkt ärgere ich mich fast immer, denn das bemerkt man erst zuhause, wenn man die Packung öffnet.
    Wenn du nach Meidling kommst, lass es mich wissen – wenn du magst 🙂

  9. Efes gibt es auch hier nicht in den türkischen Supermärkte (hier = NÖ & Burgenland) Ich glaube um Alkohol verkaufen zu können, braucht man gewisse Genehmigungen. Ich liebe es auf dem Markt einzukaufen! Aber nur in Wien.

  10. @Gerlinde: Schopfbraten ist natürlich ein Begriff. Jetzt weiß ich es, Danke!
    Den Treff am Meidlinger Markt möchte ich sehr gern ins Auge fassen. Vielleicht probieren wir auch einen der Schanigärten und die dazugehörigen Sitzmöbel. Ich melde mich dazu bei dir direkt per email und wir deigazen uns einen Termin aus. 😉

    @Bulgariana: Die Genehmigung kann aber nur vom gottöbersten Kirchenhäuptling kommen, denn wir dürfen ja (nicht wie in USA) überall Alkohol verkaufen. Sollte ich einmal etwas genaueres wissen, dann werde ich darüber berichten.
    Wieso magst du niederösterreichische Märkte nicht?

  11. dein Bericht macht richtig Lust wieder mal am Naschmarkt zu gehen.

  12. @weltbeobachterin: Der Geheimtipp Naschmarkt ist momentan überrannt von Touristen. Es ist ein Geschiebe und Begrapsche und nicht relaxing. Bist du ein Morgenmensch? Ich leider nicht. Dann geh früh los!
    Eissalon Schwedenplatz nicht vergessen!

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