Tagesarchiv: Mai 20, 2008

Every generation has its way

Das Wetter ist grauslich, denn seit Sonntag regnet es wie aus Schaffeln – von wegen in die Sonne. Sonntag soll es angeblich 33 Grad bekommen, was ich nicht verifiziert habe, mir aber zugetragen wurde.

Schon früh aus dem Haus, ging ich nach meinem Termin einkaufen. Und zwar in meine nette B-Filiale gleich einen Steinwurf weiter. Hier regiert steirische Herzlichkeit, die mittels Bellerei von einem Regal zum anderen erfolgt. Es herrscht hier eine ausgesprochen schöne Stimmung, die Filiale ist klein und fein und verglichen an der Größe anderer Hypermärkte würde man heute dazu Greißlerei sagen.
Ein Schwätzchen mit dem Filialleiter, weil ich mich für eine Freundin um einen Ferialjob ihres Sohnes erkundigen wollte. Alles abgecheckt, 16 Jahre müssen sie sein, 1-2 Monate können sie dort arbeiten, 38 Stunden und die Bezahlung ist auch nicht schlecht, denn die liegt bei 700 Euro. Verglichen zum Anfangsgehalt einer Masseurin, Flußpflegerin, die eine abgeschlossene Lehre besitzen muss und nur 849 Euro pro Monat verdient, ist dieser Job Luxus, auch wenn man nur Dosen schupft. Ob sich denn der junge Mann die Filiale aussuchen könne, frage ich ganz naiv. Ganz typisch A., die Angestellten rufen sich nur mit dem Vornamen, daher weiß ich auch nur seinen, neigt seinen Kopf etwas schief und lächelt mich an. Ok, ich hab’s verstanden, eigentlich sucht sich der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter aus. Er sagt aber trotzdem diplomatisch, “des kummt drauf o”. Ok, alles geklärt, ich schnappe meine Einkäufe und renne beinahe Herrn S. über den Haufen. Mein Liebling aus der Straße, obwohl er mich einmal herbe entäuschte. Er hatte im Nebenhaus, erzählte ich das nicht schon, ein Gemüsegeschäft und mir einmal eingetrocknete Maroni angedreht, das hat mich recht geärgert. Vergessen nicht, aber verziehen, tratschen wir gerne ein wenig und scherzen vor allem. Mit Herrn S. lässt es sich trefflich herzhaft lachen, ich schwebe danach immer 10 cm über dem Boden. Man sollte jeden Morgen so einen Menschen treffen!

Auf die Frage, wie es ihm denn ginge, kam seine Standardantwort “wie die anderen wollen” und lacht dabei herzlich. Mai wäre es und er ist noch gar nicht in seinem Sommerhaus, bemerke ich. Frau S. hat ziemlich arge Venenprobleme, inoperabel und ist mehr als schlecht zu Fuß. So macht Herr S. alle Besorgungen und im Haus am Lande ist alles ebenerdig, versuchen die beiden so früh wie möglich die Stadt zu verlassen, weil es “für die Frau” bequemer ist, wie Herr S. immer sagte. Er ergänzt dann “Wissen’S eh.” Ja, ich weiß, oder ich kann es mir vorstellen.

Wie wir so plaudern kramt er in beiden Taschen nach einer Münze für den Einkaufswagen. Ein Knopf, ein Cent, 5 Cent “no, wos is des heit”, ärgert er sich, weil er keine passende Münze findet. “Haben wir gestern alles am Kopf g’haut, Herr S.?” Und hole eine 50 cent Münze aus der Geldbörse. Ich weiß nämlich, Herr S. geht gerne ab und zu zum Wirten um ein Glas Wein zu heben. “No, wos soll i do jetzt?”, fragt er ein wenig ratlos. “Nehmen und in zwei Wochen geben sie mir 2 Euro, die Zinsen sind sehr angestiegen”, lachen wir beide, drücke die Münze in den Spalt, der Wagen springt heraus und fährt dem S. fast in den Bauch. “Na, ins Spitoi muass i. An, zwa Wochen, durchchecken. Die Blase, wissen’S.” Blase klingt nicht gut, denk ich mir, lass es mir aber nicht anmerken. “Herr S., ich denk an Sie, wird schon alles gut gehen. Und dass Sie keine Blödheit machen, sie sind mir noch Geld schuldig.” “A deswegen denkn’S an mi.” “Erraten,” wir lachen beide, winken uns zu und unsere Wege trennen sich.

Erst letzte Woche habe ich den Patezettel am Geschäft meines Uhrmachers vorgefunden. Er war der, der das alte nicht sehr hübsche, aber in Ehren gehaltene Erbstück einer Pendeluhr direkt zu Hause abholte, reinigte, ggf reparierte und wieder nach Hause brachte. Ein Geschäftsmann vom alten Schlag, für den der Kunde König ist. 65 ist er geworden, also kein Alter, vor zwei Monaten habe ich ihn noch braun gebrannt, wie das blühende Leben gesehen.

Man muss einfach jeden Tag leben, als wäre es der letzte!
Joe Cocker hat heute Geburtstag, 64 ist er. N’oubliez jamais!

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Antipasti

Eigentlich nicht wirklich ein Rezept, sondern nur eine Idee, was man zu gegrilltem Fleisch schnabulieren kann. Ich liebe diese Vorspeise, die man aber auch als Beilage servieren kann.

Zutaten:
2 Zuchini, in 0,5 cm dicke Längsscheiben geschnitten
2 rote, 2 gelbe Paprika
einige Knoblauchzehen
Gemüsezwiebel in 0,5 cm dicke Ringe geschnitten
Olivenöl
Salz, Pfeffer, dunkler Balsamico
Rosmarinzweige

Die roten und gelben Paprika vierteln und mit der Hautseite nach oben liegend auf Backblech legen, in den Backofen schieben und bei 200°C Grillfunktion (oder Oberhitze) ca. 10 Minuten bräunen lassen. Die Haut bekommt dunkle Flecken. Aus dem Herd nehmen und mit einem Geschirrtuch bedecken, da bleiben sie jetzt ein paar Minuten, um anschließend die Haut abzuziehen. Man kann die Paprika auch in ein Plastiksackerl geben und ruhen lassen. Wer das nicht macht, plagt sich damit, die Haut runterzubekommen.
Die Paprikastücke in eine Schüssel einschichten.

Nun die in Scheiben geschnittenen Zucchini in Olivenöl von beiden Seiten anbraten. Ebenfalls in die Schüssel schichten.

Dann werden noch der weiße Gemüsezwiebel und die Knoblauchzehen angebraten und ebenfalls eingeschichtet.

Die Marinade wird aus dunklem Balsamico, reichlich Olivenöl, ein wenig Senf (dann wird die Marinade so schön sämig), Salz und frisch gemahlenen Pfeffer bereitet. Alles in einem Schraubverschlussglas kräftig schütteln und dann über das Gemüse schütten. Oben auf noch ein paar frische Rosmarinzweige legen. Das Gemüse sollte zumindest über Nacht marinieren. Kann man natürlich auch zwei bis drei Tage vorher zubereiten und im Kühlschrank lagern. Dann aber rechtzeitig herausnehmen, damit das Gericht Zimmertemperatur erreicht.

Eigentlich gehören dazu auch gebratene Melanzanischeiben. Waren aber keine schönen im Angebot und dann saugt dieses Gemüse beim Braten immer so viel Öl auf, das liegt tonnenschwer im Magen, das mag ich nicht so.
Die Melanzani quer in halbzentimeter dicke Scheiben schneiden, salzen, in ein Sieb legen und ca. eine halbe Stunde ziehen lassen. Es nimmt dem Gemüse die Bitterstoffe. Die Scheiben mit einem Küchenpapier trockentupfen und im heißen Öl von beiden Seiten anbraten und ebenfalls zum Gemüse schichten.

Genießen!

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