Tagebuch und Teddybär

Bei Bulgariana gelesen und auf die Idee (potzblitzauch, was bin ich gescheit) gekommen, über meine Tagebücher zu schreiben.

So viel: Ich hatte zwei Tagebücher. Das erste, weil man als Mädchen damals einfach Tagebuch geschrieben hat und ich es entweder zum Geburtstag, oder zu Ostern bekommen habe. Das weiß ich nicht so genau, denn alle paar Jahre habe ich nämlich am Ostersonntag Geburtstag.
Das zweite Tagebuch habe ich mir glaube ich selbst gekauft, weil ich im ersten so hässlich geschrieben habe (wie spießig).

Auf jeden Fall kann ich mich wie heute erinnern, ich saß vor dem depperten Büchl und hab einmal den noch viel depperten Schlüssel gesucht, weil man Tagebücher doch absperrt. Da aber fast alle Schlüssel von diversen Kasetten, Sparbüchsen und anderen Schlössern alle den gleichen Schlüssel besaßen, fand ich dann irgendeinen Schlüssel der endlich sperrte. Das kam mir damals gar nicht suspekt vor, sondern ich merke gerade, wie sehr man als Kind getäuscht wurde, in der Meinung man hat den einzigen Schlüssel für sein Geheimnis.
Der Leser erkennt gleich: Ich trug den Schlüssel nie an meinem Herzen und außerdem habe ich nicht jeden Tag hineingeschrieben, sondern nachgeschrieben und so getan, als würde ich jeden Tag hineinschreiben. *tilt*

Gut, das Tagebuch war offen und ich begann zu überlegen, mit welchem Stift ich schreiben sollte, weil man ja in ein Tagebuch schön schreibt (wie spießig). War diese Entscheidung getroffen, saß ich einmal vor dem weißen Papier und dachte mir, was schreibt man nur spannendes in ein Tagebuch, damit es sich auch lohnt, es abzuschließen.

Es gab nichts spannendes. Die Lehrer waren jeden Tag deppert (gestern erst sagte ein Freund zu mir, mir scheint du bist ein Lehrerhasser. I wo sagte ich, ich mag sie nur nicht.) und mit Freundinnen war ich ab und an wegen nichts und niemanden im Clinch. Ich war von 13 Schuljahren, 9 Jahre in reinen Mädchenschulen, das war als wäre ich im Kloster aufgewachsen. Null los gewesen!

Eine Sache beschäftigte mich im Tagebuch sehr und zwar, dass alle Freundinnen um mich schon die Periode bekamen und ich noch nicht. Ich kann mich erinnern, das bereitete mir ziemliche Sorgen und nun habe ich die Sorge, dass ich diese Sache der Mutter Natur endlich losbekommen will und deshalb blogge ich das jetzt hier. Ok, das war es auch schon. Als ich meinen ersten Freund hatte, war keine Zeit mehr zum Tagebuchschreiben, vermutlich haben da dann die anderen damit begonnen, ich weiß es nicht. Somit finde ich Tagebücher mehr als blöd und lästig, sie stehlen einem, wie bloggen die Zeit.

Mit 18 oder so, bekam ich einen Rappel und trennte mich von Kindheitserinnerungen. Ich verschenkte meinen Kinderwagen, mein heißgeliebtes Schlummerle (um das tut es mir leid), meine Bücher, wie Bärli Hupf, die Omama im Apfelbaum, die Stanisläuse etc (ich könnte heulen) und auch von meinen Tagebüchern. Zwei nicht vollgeschriebene Bücher hatte ich in der Hand und stand vorm Kolloniakübel. Da stand ich, der Kübel offen und ich weiß noch genau, ich hielt die Bücher über dem offenen Kübel und dachte ganz intensiv nach, ob mir das einmal leid tun würde, wenn ich die Tagebücher jetzt wegwerfe. Und so haderte ich mit mir und ließ sie doch hineinfallen. Leid tut es mir nur über die oben erwähnten Dinge, die ich wirklich vermisse.

Das ist übrigens Guitschi, mein einziges Relikt aus der Kinderzeit.

Er sieht etwas ramponiert aus, ist aber auch so alt wie ich. Komplett glatzig, so wie bald alle Männer meines Alters aussehen werden und halbnackt.
Die hellblaue Wollhose hat meine Mutter gehäkelt. Guitschi hätte einen kompletten Ausgehanzug in dieser schicken Farbe bekommen sollen, aber zu mehr reichte es nicht. Das zweite Hosenbein hat übrigens eine Freundin meiner Mutter gehäkelt, weil ich über Monate darauf warten musste.
Das Fell verlor Guitschi unter anderem auch, weil ich nur so einschlief, indem ich das Ohr meines Bären an meine Lippen legte. Und als das eine Ohr kein Fell mehr hatte, war es das andere und so wurde der Bär rundherum glatzert.
Ja, so ist das mit mir. 😉

Was haben eigentlich Buben in der Zeit gemacht, oder machen es noch immer, wenn Mädchen ihre Zeit mit Tagebuchschreiben verplempern?

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9 Kommentare

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9 Antworten zu “Tagebuch und Teddybär

  1. Ach ist das eine schöne Geschichte!
    Ich hatte auch einen Teddy. Der ist immer noch in Sofia und begleitet jetzt meine Tochter, wenn sie dort zu Besuch ist 🙂
    Den habe ich von Väterchen Frost bekommen, obwohl ich mir eine Puppe mit Kleider zum Wechseln gewünscht habe (das gab es damals in Bulgarien überhaupt nicht) Und ich war ziemlich sauer – auf Väterchen Frost und auf den Teddy. Dann bekam ich ein schlechtes Gewissen und seitdem war der Teddy lange Jahre mein treuer Begleiter 🙂

  2. Mit etwa 8 Jahren habe ich in einem Rappelanfall meinen Teddybär zerlegt. Inhalt: Sägemehl. Die später reuevoll angelegte Teddybärensammlung habe ich in meinem 45 Altersjahr vor einem Umzug der Mülltonne übergeben (Leiderleider, war vermutlich ein Anfall von Altersrappel). Seither werden nur noch Findelkinder aufgenommen. Unglaublich, was die Kinder aus den Kinderwagen schmeissen und verlieren. Das halbe Kanapee ist schon wieder voll. Nochwas: Tagebuch hab ich nie geschrieben.

  3. @Bulgariana: Danke! 🙂
    Gab es gar keine Puppen in Bulgarien? Das kann ich mir gar nicht vorstellen in welchem Luxus wir Kinder da gelebt haben.
    Und ich kann mich erinnern, einmal eine Gehpuppe zu Weihnachten geschenkt bekommen zu haben. Die kam meines Wissens aus der damaligen Tschechoslowakei, hatschte mehr, als sie ging. Die Frisur bestand aus kurzen Locken mit einer riesigen Masche, die gar nicht notwendig war, weil die Locken stocksteif waren und sie trug ein Kleid mit tausend kratzenden Spitzen (nichts für die Kuschelente). Ich weiß jetzt nicht, wer mir diese Hässlichkeit geschenkt hatte. Natürlich das Christkind, aber da sich meine Mutter auch so abfällig über diese Puppe äußerte, hatte sie die Puppe sicherlich nicht „bestellt“.

    @lamiacucina: Den Bären zerlegt, da muss ich gleich eine Träne drücken. Mein Guitschi war übrigens ein Brummbär. Man musste ihn laaaaangsam hin und herbewegen, damit er brummte. Jetzt ist der stumm. Vielleicht wolltest du auch wissen, was im Bauch so brummt?
    Häää, du läufst hinter Kinderwagen her und sammelst den abgeworfenen Ballast auf? Spannend, das ist so ähnlich wie das so moderne Geocaching.
    Tagebuch habe ich bei zwei Segeltörns geschrieben und einmal bei einem Canadaaufenthalt, als wir mit Freunden im Wohnmobil unterwegs waren. Das war/ist recht lustig. Ich hatte mich immer wieder zurückgezogen und alle Pannen und Späße aufgeschrieben und dann am Abend nach ein paar Bier vorgelesen und Ergänzungen gemacht, die die anderen noch notiert haben wollten.

  4. ich laufe nicht hinter Kinderwagen her, ich lese einfach auf, was ich finde, zuweilen verschmutzt, verfroren. Das wird dann zu Hause zuerst in warmem Wasser gewaschen.
    Ferientagebücher sind eine hübsche Idee. Zur Pensionierung hab ich ein Tagebuch erhalten, in welchem man denselben Wochentag im 5-Jahresüberblick eintragen konnte. Aber ich hab die Eintragungen nach ein paar Tagen wieder aufgegeben. Keine Disziplin.

  5. @lamiacucina: Was für eine nette Idee, tageweise im Jahresrückblick seine Stimmung niederzuschreiben. Das gefällt mir.
    So etwas gibt es bei wordpress auch als Plugin, was man vor einem Jahr geschrieben hat. Da ich aber nicht weiß, wie man Plugins installiert und ich hier noch kein Jahr bin, warte ich noch auf Eingebung. 😉

    Vielleicht sollte man sich in dieser Tagebuchform darauf beschränken, mindestens einen Satz zu schreiben, der eine gewisse Stimmungslage spiegelt.
    Von keiner Disziplin kann bei dir wohl keine Rede sein, denn du bist der, der regelmäßig jeden Tag bloggt. Dir fehlt vielleicht der Biss für das „andere“ Tagebuch.

  6. Es gab schon Puppen in Bulgarien, aber solche mit Gewand zum Wechseln.
    Und wenn man nicht aufgepasst hat und sie etwas zu viel frisiert hat war der Oberkopf weg und man hat in das innere des Kopfes schauen können… Äußerst gruselig. Ich denke heute noch daran.

  7. Aber NICHT solche mit Gewand, meinte ich 🙄

  8. @Bulgariana: Das kann ich mir vorstellen, wie gruselig das war. Komm, lass uns über dein Trauma sprechen. 😉

  9. Ich finde, Tagebuch schreiben ist nicht nur was für Mädchen. Ich schreib ja auch Tagebuch. :o)

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