Handbuch für Schweizreisende

Dass Deutsch nicht gleich Deutsch ist, wissen wir bereits. So sprechen wir mit einem Bewohner aus unserem Nachbarland ein und die selbe Sprache und verstehen uns doch nicht. Gut, da fragt man nach und bekommt es schnell erklärt.

Doch andere Länder andere Sitten.
Was ich am Wochenende gelernt habe, wie man sich in der Schweiz richtig verhält und ich die Schweizer teilweise verkannt habe.

Der Schweizer fährt mit der Bahn. Unglaublich wie voll die Züge sind, wie gut die Bahnverbindungen sind und ebenso das Bahnfahren selbst für Fremde recht einfach ist. Ganz ehrlich, ich möchte keinen Ausländer mit der ÖBB irgendwohin schicken.

  1. Bahnfahren ist auch teuer. Ich war als offizieller Sponsor der Schweizer Bahn unterwegs. So gab ich in den Tagen Freitag bis Montag in etwa so viel aus, wie ich mit diesem Betrag sicherlich gut und gerne 2 Mal Wien-Zürich-Wien fliegen hätte können.
  2. Bahn ist nicht gleich Bahn. Das bedeutet, wenn man in einem kleinen Kaff nur einen einzigen Bahnsteig sieht, der die Nummer 11/12 trägt, dass es nicht unbedingt noch 10 andere Bahnsteige geben muss. Es gibt schon ein paar, aber eben nicht so viele und das interessante daran ist, sie befinden sich versteckt hinter einem anderen Gebäude, fein säuberlich durch die Hauptstraße getrennt. Weil die anderen Gleise gehören der SOB und die anderen der Appenzeller Lokalbahn. Deswegen habe ich einen Zug versäumt, weil ich wie verrückt und in Eile Bahnsteig 3 gesucht hatte und fast schon am Abstellgleis gestanden bin.
  3. Die Schweizer Bahn ist fast grundsätzlich pünktlich, nur wenn einem ganze 4 Minuten zum Umsteigen bleiben, dann hat sie gerne Verspätung. In diesem Falle liegen die Bahnsteige auch ein ordentliches Stück auseinander.
  4. Wer in der Bahn einen Platz sucht, oder auch nicht suchen muss, weil recht viele Plätze frei sind, sollte trotzdem fragen, ob der Platz frei wäre. Das gehört sich so. Allerdings wurde mir gesagt, man überlegt bereits in der Schweiz darüber eine Volksabstimmung zu machen, ob man noch fragen soll, wo es eigentlich ganz klar ersichtlich ist, da sitzt keiner. Man ist sich diesbezüglich uneins.
  5. Wenn man den Sitzplatz in der Bahn verlässt, dann verabschiedet man sich.
  6. Punkt 4-5 gilt nur für ländliche Bereiche, ab Aarau Richtung stadteinwärts, setzt man sich einfach hin, egal ob frei oder besetzt. Wer trotzdem fragt, wird blöd angesehen und belächelt, als wäre man minderbemittelt. Man setzt sich einfach, nötigenfalls auch auf die abgestellte Tasche, die der Schweizer gerne neben sich deponiert, um Abstand zu halten. Der Schweizer kuschelt nicht gerne mit Fremden.
  7. Als ich auf die Frage, wohin ich unterwegs wäre, nach „Appenzell“ antwortete, bekam ich nur zwei kreisrunde Augen zu sehen und dann die Antwort „aha, nach Appenzell fahre sie.“ Warum, erfuhr ich erst, nachdem ich erfragt habe, was an Appenzell so schlimm ist. Appenzell ist einfach schlimm. Da fährt man nur hin, wenn man unbedingt muss.
  8. Am Weg dahin – also nach Appenzell, in Gossau ausgestiegen. Interessanter Weise sagen sie im Zug „Gosau“ an, so wie unser Tiroler Gosau, obwohl man das Schweizerische mit zwei „ss“ schreibt. Man steigt aus, es riecht nach Kuh.
  9. Man steigt in Appenzell aus – es riecht nach Kuh.
  10. Man öffnet eine Wohnungstür um das Haus zu verlassen, es riecht nach Kuh. Ganz Appenzell riecht angeblich immer nach Kuh und zwar so stark, dass benachbarte Kantone den Geruch kantonübergreifend mitbekommen.
  11. Wer sich eine Bahnkarte beim Schalter kaufen möchte muss beachten, es gibt einen Schlangeneingang und einen -ausgang. Wer wie ich ewig beim Ausgang steht und erst spät checkt rechts daneben stehen viele Schweizer, nicht weil ihnen langweilig ist, sondern weil sie wie ich eine Bahnkarte kaufen wollen, muss sich neu anstellen. Dazu habe ich innerhalb der verbotenen Zone den kürzesten Weg genommen, bin an den wartenden Schweizern vorbei, um mich hinten anzustellen. Ich habe keinen Schweizer berührt und bin ihm auch nicht mit dem Trolley über die Zehen gefahren. Trotzdem erntete ich eigenartige Blicke. Entschuldigte mich, am Ausgang gewartet zu haben. „Ja,“ sagte eine Dame „sie sind aber innen herumgegangen.“ Ich hatte schon gefrühstückt, sonst hätte ich ihr den Kopf abgebissen, stattdessen dumm gelacht. Grund mehr für einen Witz (siehe 14).
  12. Einen Schweizer begrüßt man mit dem Vornamen. Man sagt zum Beispiel „Guten Tag, Urs“ und verabschiedet sich auch wieder mit „Ade Urs“. Die Schweizer mögen vielleicht langsam sein, verfügen aber über ein überaus gutes Namensgedächtnis, denn ab 10 Personen wird das schon ein wenig schwierig. Außerdem hat man als Nichtschweizer den Wahnsinnsstress, sich alle Namen merken zu müssen. Die Schweizer können das aber. Was täte meine langjährige Freundin, die sich gerade noch meinen Namen merkt, aber sonst immer leise fragt, wie denn der Mensch gegenüber von ihr heißt, mit dem sie sich schon seit mehr als einer Stunde unterhält.
  13. Jeder den Kreisverkehr verlassende Schweizer blinkt – es ist unglaublich aber wahr! Die Schweizer sind sehr korrekt.
  14. Die Schweizer erzählen Österreicherwitze und haben die Pointe von unseren Burgenländerwitzen gestohlen. Das ist ein wenig langweilig und nicht kreativ.
  15. Man freut sich verhalten über die in der Schweiz stattfindende Europameisterschaft. Das mitveranstaltende Land Österreich wird freundlich belächelt, aber nicht ernst genommen.
  16. Die Schweizer haben eigenarte Fußballschuhe und wollen damit ihre Gegner täuschen.

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15 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt, ente on tour

15 Antworten zu “Handbuch für Schweizreisende

  1. Habe gut gelacht!

    Stimmt alles!!!!

  2. @Bolli: Hilfe, du wirst doch nicht eine gebürtige Schweizerin sein. 😀

  3. Ein toller Reisebericht! :mrgreen:

  4. Wenn du in „Gosau“ warst dann bist du nur einen Kuhwurf weit von mir enfernt gewesen. Na gut, vielleicht auch zwei. Glücklicherweise bist du nicht in der Schweiz Auto gefahren, denn solltest du etwas zu schnell sein und wirst erwischt dann bekommt man die geballte (finanzielle) Macht der Behörden zu spüren. Sie nehmens „fast“ persönlich. Ich selber halte mich als Grenzgänger immer gerne bei unseren Nachbarn auf. S’isch ganz gmüatlich. 😉

  5. Pingback: Europa der Regionen « rufus still thinks about his title …

  6. toll, aber in Tirol gibt es ein Gosau, ich kenne nur das oberösterreichische Gosau. (Dachsteingebiet)!
    Die Schweizer sind schon eigenartig, aber bei denen fahren sogar die Bundesräte = Minister mit der Bahn (und das nicht nur, wenn hinterher die Dienstwagen tuckern oder Kameras dabei sind…)

  7. @Ulrike: War das jetzt so schlimm?

    @Bulgariana: Nächstes Bloggertreffen in der Schweiz. Da haben wir nicht nur viel zu reden, sondern auch eine Menge zu lachen. Sie sind witzig, die Schweizer.

    @Dandu: Das habe ich kurz überlegt, mir einen Leihwagen zu nehmen. Ich nehme aber an, sie hätten mich als hoffnungslosen Fall kurzerhand arrestiert. Ich werde über Google maps zwei Kühe in deine Richtung werfen und schauen, wo du dann bist. 😉

    @rufus: Welcome to the duckclub. Er trackt nur back und traut sich nichts sagen. Dann pinge ich hin und schaue, welche übereinstimmenden Ideen wir haben.

    @weltbeobachterin: Du musst mich immer aufblatteln. Ok, Oberösterreich – ich dachte, ich war dort Schi fahren, dabei war ich wandern. Jetzt weiß ich es wieder.

  8. naja, Berge gibt es hier und dort… es sei dir verziehen!
    und Urs ist ein verdammt komischer Name…

  9. @weltbeobachterin: Ich mag mich vielleicht bei Bergen irren, aber bei Namen nicht (stand in gutem Training). Es gibt tatsächlich den Namen Urs. Frauen rufen sie auch mit dem Namen Regula – kein Theater.

  10. Quack 😉 – und welche übereinstimmenden Ideen haben wir denn?

  11. Oder in Wien? Schweiz ist mir doch eine Spur zu weit, ich bin eine alte Frau und kein Eilzug (woher stammt bloß dieser Spruch!?, ich versuche mich den ganzen Tag zu erinnern)

  12. @rufus: Daham is daham. Passt diese Übereinstimmung für dich?

    @Bulgariana: Wien ist sicherlich näher. 🙂 Sag mir, wenn du in der Stadt bist. Den Spruch kenne ich nur so: „Eine alte Frau ist kein D-Zug.“ Wobei ich gerade nachdenke, wieso „D“-Zug und was ist ein D-Zug, außer schnell noch?

  13. Na klar doch, gespannt, ob du noch welche findest …

  14. Pingback: Schweiz, die Zweite « Entegutallesgut

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