La dolce vita

Das Leben ist süß! – besonders im Urlaub – besonders, wenn es draußen schön ist – besonders, wenn sonst alles passt – besonders, wenn Gäste kommen – besonders, wenn es Süßes gibt.

Durch meinen Italien Urlaub, der mich zuerst über die Prosecco Weinstraße führte, weiter in die Toscana, an die römische Küste und schlussendlich nach San Daniele, bin ich wieder total italophil eingeschossen.
Es ist ja recht interessant, denn manchmal kommt man in sein geliebtes Heimatland zurück und merkt erst, wie furchtbar alles ist. Kommt man aus den Staaten zurück, dann regen mich die unfreundlichen, mürrischen Heimatgenossen unheimlich auf.
Kommt man aus Italien zurück, dann steigen mir die Grausbirnen auf, wie altvaddrisch sich die Österreicher kleiden. In Italien kannst du ins letzte Kaff gehen und es sehen mehr als 80 Prozent der Einwohner schick aus. Die haben einen Farbengeschmack, eine Leichtigkeit in der Auswahl ihrer Kleidungsstücke, da sehen die Österreicher aus, als hätten sie bei „Humana“ gerade eingekauft.
Jetzt habe ich mich wieder eingelebt und wundere mich nicht mehr, warum das Stadtbild mit den Menschen so trübe und dunkel aussieht.
Vom Urlaub bin ich nun nicht nur durch meine dort erstandene Kleidung beeinflusst, sondern auch ein wenig kulinarisch. Habe mich durch vieles durchgekostet und wieder einiges dazugelernt. Auch das haben die Italiener drauf: Kaffee! Das kleinste Tschecherl heißt dort Bar und macht noch immer hervorragenden Kaffee, da kann sich jedes Wiener Kaffeehaus mit seinem Gschloder verstecken. Alleine der Kaffee rund um Rom ist mir ein wenig zu stark geröstet, aber dafür ist die Küche um Längen besser als in der Toskana.

Meine gestrigen Gäste wurden mit italienischer Küche verwöhnt. Einen Antipasti Teller mit Bruschetta, Crostini, Prosciutto, eingelegte (steirische) Eierschwammerl und herrliches Brot (Grandioso) von der Mann.
Zum Hauptgang gab es ein pollo al forno (das einfache Rezept folgt in einem späteren Eintrag), mit Rosmarinerdäpfel und Rucola.
Als Nachtisch gab es, und das ist nun endlich der Kontext zu meiner Überschrift, dolce. Nach langer Zeit habe ich wieder zu etwas Altbewährtem und zu einem neuen Rezept gegriffen, die man beide gut vorbereiten kann.

Für die beiden Desserts verwendete ich Mascarpone (Tiramisù) und Ricotta (Budino di Ricotta).
Da diese Milchprodukte manchmal verwechselt werden, oder fälschlich durch Topfen, Rahm oder ähnliches ausgetauscht werden, will ich ganz kurz den Unterschied erläutern und damit verständlich machen, es lohnt sich doch, die „Original“zutaten zu besorgen.
Mascarpone ist ein sehr weicher und cremiger Frischkäse, mit einem Fettgehalt von 50%. Im Handel gibt es bereits Leichtversionen, die durchaus auch verwendet werden können und dem Gericht vom Geschmack her keinen Abbruch tun.

Ricotta, der sehr oft mit Topfen verwechselt wird, aber beim ersten Arbeitsgang entsteht.
Um Ricotta  zu produzieren, wird die Molke zum zweiten Mal erhitzt. Der entstandene Molkenkäse wird entweder frisch verarbeitet, oder aber 2-3 Monate gelagert, um dann als pikante Variation verarbeitet zu werden.
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Budino di Ricotta
4 EL Grieß
1/4 l Wasser
50 dag (500g) Ricotta
5 EL Staubzucker
4 Eier
1 EL Rosinen in Rum eingeweicht
(4 dag gehacktes Zitronat und Orangeat – habe ich weggelassen, weil ich das überhaupt nicht mag!)
1 Prise Zimt
abgeriebene Schale einer Zitrone und Orange (davon dann mehr, weil ich das oben nicht mag)

Das Wasser zum Kochen bringen und den Grieß einrieseln lassen. Ein paar Minuten zu einem dicken Grießkoch einkochen lassen und auf einen Teller zum Auskühlen streichen.
Ricotta mit Staubzucker, einem ganzen Ei und 3 Dotter, (Orangeat und Zitronat) eingeweichte Rosinen, Zitronen- und Orangenschale, Zimt verrühren. Dann den Schnee von 1 Eiweiß steif schlagen und abwechselnd mit dem ausgekühlten Grießkoch unterheben.
In eine gebutterte und bemehlte Form füllen und ca. 1 Stunde bei 175° C backen. Aus der Form stürzen, abkühlen lassen und mit einer Mischung aus Vanille- und Staubzucker bestreuen.

Diese Torte, die im Italienischen eigentlich „Pudding“ heißt, wird nicht sehr hoch, ist aber sehr saftig und locker. Da sie kaum süß schmeckt, kann man sie als Dessertvariation ohne weiteres zum Tiramisù servieren.

Tiramisù
Der Klassiker schlechthin. Dieses Dessert habe ich sicherlich die letzten 10 Jahre nicht mehr hergestellt. Egal wohin man kam, gab es diese Speise als Nachtisch und ich konnte es ehrlich gestanden nicht mehr sehen. Auch die Panikwelle die davon ausging, man darf keine Speisen mit ungekochten Eiern zubereiten, ging mir derartig am Wecker, dass ich diese Nachspeise schlussendlich boykottierte. Was kann das Gericht dafür, dass die anderen spinnen? Nichts! Daher heute nochmals kurz das Rezept, das sich wie so viele andere als „Original“ schimpft. Gott sei Dank sind sich darüber nicht einmal die Italiener einig, woher das „dolce“ stammt, daher erspare ich sämtliche Ausführungen. Selbst über die Beigabe des Alkohols streiten sich die Geister. Sei’s drum:

1/4 Schlagobers mit einem EL Staubzucker geschlagen
50 dag (500g) Mascarpone
4 Dotter
4 EL Zucker cremig rühren und dann Schlag unterheben
20 dag Biskotten
1 Häferl starken, kalten Espresso
Amaretto
Kakaopulver

Die Biskotten kurz in den Kaffee tauchen und in die Form schichten. Dann eine Schicht der Mascarponecreme verteilen und nochmals die Biskotten schichten. Auf die mittlere Schicht träufle ich dann ein wenig Amaretto – aber nur wenig, weil ich finde zu viel, lässt das Gericht dann zu penetrant nach Mandelaroma schmecken. Der Likör soll wirklich nur dazu dienen, das Gericht ein wenig zu parfümieren. Nochmals eine Schicht Creme, eine Schicht Biskotten und zum Schluss nochmals eine dünne Schicht Creme. Über das fertige Dessert nun dunkles Kakaopulver sieben und gute 3-4 Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen.
Ich steche aus dem fertigen Tiramisù gerne löffelweise kleine „Eier“ aus, die man dann dementsprechend am Teller mit einem anderen Dessert portionieren und auch mit Beeren kombinieren kann. Dazu finde ich passen herrlich frische Brombeeren (wer sie mag).

Geile Sache …

Buon apetito!

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9 Kommentare

Eingeordnet unter küchenente

9 Antworten zu “La dolce vita

  1. Na endlich wieder mal etwas Neues – jeden Tag Blunzengröstel war schon ein bisserl öd *grins*
    Das Tiramisu mit Schlagobers zum Mascarpone lese ich heute zum ersten Mal – wird demnächst ausprobiert, aber mit etwas Rum statt Amaretto – den mag ich nämlich überhaupt nicht, obwohl ich Mandeln liebe.
    Schön, dass du wieder da bist und es dir gut geht!

  2. @Gerlinde: Wie recht du hast. Ich hatte auch ein schlechtes Gewissen mit Blunzngröstl in den Urlaub zu fahren. Aber bis man sich sortiert, wieder in die Weltgeschichte einordnet, überlegt, wie viel man eigentlich nörgeln könnte, erholt und ausgeruht, aber nicht ins alte Fahrwasser geraten will. Alles nicht so leicht nicht. 😀

  3. Stundenlang hast Dich geplagt und ich hab’s in wenigen Augenblicken verschlungen … Grüzi zurück 😉

  4. @rufus: Das ging ruckzuck. Ein bissl ist noch da, wenn du magst. 😉

  5. Rechtzeitig ins Winterquartier zurückgekehrt: Freut mich. Kaum da und alles weggegessen, rufus hat schon abgeräumt. Das Wichtigste ist das Häferl Espresso, an dem kann man sich hochziehen.

  6. @lamiacucina: sorry, ein kleiner Einbruch in meiner Energiebilanz … beim nächsten Mal bin ich etwas dezenter.

  7. tatortkrimi

    Bei rohen Eiern werde ich zum Hypochonder, sobald ich weiß, daß eins drin ist in der Speise. Eine Salmonellenvergiftung ist kein Spaß, ein Bekannter von mir hatte gerade eine, vier Tage … ach, ich erspare uns die Einzelheiten. Wie schafftst du es, sicher zu sein, keine kontaminierten Eier zu verarbeiten? Oder hältst Du das alles für Hysterie und gehst auf Risiko?
    Mir läuft das Wasser im Munde zusammen bei den Bildern – den Kuchen werde ich auf jeden Fall mal machen, man, sieht der gut aus!
    Heißwasserverbrennungen – mir sträuben sich die Nackenhaare, davon hat man lange was (es ist beschlossen: Am Wochenende keine Experimente, sondern Gyros komplett vom Lieblingsgriechen!). Inzwischen müßte es besser sein, oder?

  8. @tatortkrimi: Ich halte es als Hysterie. Außerdem gibt es viele Gerichte, wo rohes Eigelb zur Zubereitung herangezogen wird (ad hoc fällt mir Mayonnaise und Beef tartare ein). Saucen „montiert“ man auch mit einem Eidotter, das nicht zu heiß werden darf, sonst stockt es. Weiches Ei esse ich auch, keine Ahnung, ob das Innere 70°C erreicht und damit einen möglichen Erreger abtöten würde.
    Prinzipiell entstehen Salmonellenerkrankungen, wenn man unsauber arbeitet, oder aber infizierte Lebensmittel eingekauft hat. Da bei Massentierhaltung so derartig viel Antibiotika eingesetzt wird, glaube ich nicht an eine Salmonellenerkrankung der Tiere, die außerdem einer regelmäßigen tierärztlichen Kontrolle ausgesetzt sind. Aber ich bin auch noch nicht von Bio-Eiern gestorben, wie du unschwer erkennen kannst.

    Zweiter Punkt war für mich die Aussage meines Hausarztes, als ich ihn wegen einer akuten Erkrankung aufsuchte und fragte, ob das vielleicht eine Salmonellenerkrankung sein könnte: „Mit einer Stuhlprobe muss eine Bakterienkultur angelegt werden und bis diese untersucht wird und wir mit Sicherheit feststellen können, die Erreger sind Salmonellen, sind sie schon wieder gesund. Wenn nicht hohes Fieber und akute Gefahr der Austrocknung besteht, dann muss man nicht mit Antibiotika behandeln, sondern wartet einen angemessenen Zeitraum ab, behandelt mit Medikamenten, die die Darmflora wieder aufbauen und hält strikte Diät.“
    Sei cool, denn du hast schon mehr rohe Eier gegessen, als du dachtest. 😉 Männer ….
    Zu der Verbrennung melde ich mich noch – es ist aber besser, danke der Nachfrage.

  9. tatortkrimi

    Danke für die Beruhigung. Das mit meinem Bekannten waren auch keine Salmonellen, idt mir inzwischen eingefallen, sondern verdorbene gebackene Austern. :-/

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