Zweiter Turm für den Stephansdom

Wer den Titel liest, meint es handle sich um einen Aprilscherz im August und Recht hat er, denn ich fühlte mich genau so. Im zweiten Moment erinnere ich mich an das Lied „Sie habn a Haus baut, sie habn uns a Haus herbaut.“

Nur diese Idee, den Nordturm aufzustocken ist tatsächlich spruchreif und so geheim, dass darüber der ORF berichtete. Der Wiener Stephansdom ist seit jeher nur mit einem Turm in unserem grafischen, touristischen (Mannerschnitten-)Gedächtnis verankert und dieser eine zeigt, so wie Dompfarrer Anton Faber meint, wie ein Zeigefinger direkt in den Himmel, wo wir (geläuterte) Sünder alle hinkommen.

Wer sich nicht so sehr mit der Geschichte und den Wiener Sagen des Doms beschäftigt hat, dem fehlt der zweite Turm wohl gar nicht, oder hat sich einer jemals darüber Gedanken gemacht? Vielmehr ist es so, dass der Nordturm nie fertig gestellt wurde. Wirtschaftliche Krisen um 1500, die drohende Gefahr der Türken und auch das Geschwätz der Wiener Bürger, der Dombaumeister Puchsbaum hätte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, ließen den Bau nicht weiterkommen und man hörte einfach bei 68 Meter auf.

Nun hat sich ein ganz weltlicher Teufel Gönner gefunden, der im Verborgenen bleiben will und das Geld für die Aufstockung des Nordturmes spendieren möchte. Im Architekturzentrum am Schillerplatz läuft ein Wettbewerb unter den Studenten und es entstehen ganz witzige Vorschläge. So gibt es unter anderem den Vorschlag, den Turm gemäß der Wiener Sage (siehe oben Link Puchsbaum) in Richtung Erdmitte wachsen lassen. Diese Idee ist natürlich mein Favorit!

Andere wollen wieder eine 1:1 Kopie des Südturmes dort entstehen sehen. Der launige Berliner Architekt Kühn meint, Wien als Tor zum Osten sollte als Gegenpol zum Christentum ein ebenso großes Minarett aufstellen. Das finde ich ja recht alternativ lustig (in fremden Ländern, kann man solche Ideen wohl gerne plazieren) und wäre sicher ein super Wahlkampfthema. Die Bezirksvorsteherin des ersten Wiener Bezirkes, Frau Dr. Stenzl ruft laut, echauffiert und empört: „Nur über meine Leiche“ – hehehe …. – „Das ist doch eine reine Selbstverwirklichung der Architekten – der Stephansdom bleibt als Wiener Wahrzeichen, wie er ist, sonst wird die ganze City zur Protestzone gemacht“. Hört, hört …
Tatsächlich haben wir uns alle an die Asymmetrie gewöhnt und darauf aufmerksam gemacht, bemerkt man tatsächlich, dass kaum ein Dom dieser Größe nur einen Turm aufweist. Vielleicht sind zwei Türme auch typisch für die gotische Bauweise, das weiß ich jetzt ehrlich gesagt nicht. Übrigens wer es nicht gewusst hat, der Südturm ist ein Trum (Wienerisch für großes Stück und kein Schreibfehler) mit 137 m und war nach seiner Fertigstellung 1433 über lange Zeit hinweg das höchste Gebäude der Welt. Der Nordturm ist 68m hoch, früher mit einer (schiefen) Kirchturmspitze, dann mit einer Kuppel versehen und tatsächlich unauffällig klein. Klein aber fein beherbergt er die Pummerin, die große Glocke, die das Neue Jahr in der Silvesternacht einläutet.

Angeregt durch den Bericht, stolperte ich bei meinem letzten Citybesuch gen Dom und wollte den Turm besteigen. Den Südturm kann man über Stiegen erklimmen. Es müssen so an die 370 sein, genau weiß ich das nicht, dazu fehlte mir die Luft, um mir das zu merken. Den weniger hohen Nordturm erreicht man mittels Aufzug, dort war ich schon ewig nicht mehr. Von meinem luftigen Ausflug in die Türmerstube des Südturms habe ich ein paar Bilder mitgebracht und entscheidet selbst, welche Turmvariante für euch interessant wäre.

Viele Links in dem Beitrag, klickt die eigentlich auch wer an? 😉

8 Kommentare

Eingeordnet unter ente on tour, stadtgeschichten

8 Antworten zu “Zweiter Turm für den Stephansdom

  1. Danke für die schöne Galerie.

    Das mit dem Zeigefinger sieht der ehemalige Bischof aus St. Pölten vermutlich anders, denn nur er hat die Wahrheit. Für ihn könnte man aber ein Minarett …

  2. Karl H.

    Nachdem Du Dir soviel Mühe mit unserem Steffl gegeben hast, habe ich selbstverständlich alle Links angeklickt. Danke dafür! Übrigens- es sind 343 Stufen im Südturm.
    Viele Grüße nach Wien!

  3. @rufus: Gerne 😉
    Was – wie – wer, Faber war Bischof von St. Pölten? Ich stehe gerade voll auf der Kutte und weiß nicht was du meinst.

    @Karl H: Danke, dann kann ich heute gut schlafen. Ehrlich gesagt, ich klicke auch nicht immer alle Links an. Man glaubt immer zu wissen, was sich dahinter verbirgt, obwohl es manchmal doch etwas ganz anderes ist.
    343 Stufen? Na dann bin ich ja noch gut drauf. Das Runtergehen war schlimmer, da haben mir die Knie bis zur Oper noch geschnackelt. 😉

  4. Der Südturm ist der höchste Kirchturm Österreichs
    der Turm des Neuen Dom in Linz musste deswegen sogar gekürzt werden. den der Dom ist auch größer als der Steffl. Habe ich schon in der Schule gelernt.

  5. alles angeklickt, hat immerhin einen Kiosk da oben mit Devotionalien und hoffentlich Getränken nach Deiner sportlichen Leistung. Also ich stimme für ein Drehrestaurant mit Lift.

  6. @weltbeobachterin: den dritthöchsten hat die Herz-Jesu-Kirche in Graz und auf den muss ich ziemlich häufig …

    @entegutallesgut: wie erklär‘ ich’s? – hmmmm. Mir hat man erzählt, das Rückgrat der ging vor einigen Jahren von Rom nach St. Pölten. In Rom war der Kopf und in St. Pölten …….. oder war’s umgekehrt? 😉

  7. @Rufus: bist leicht Messner?
    und hast eh nicht Höhenangst

  8. @weltbeobachterin: Linz, da war ich nur einmal – der Liebe wegen Schule gestagelt, in den Zug gesetzt und hingefahren. Da hatte ich keine Augen für Kirchtürme. Ich habe bei wiki gelesen, die Linzer waren ja ganz schlau, so brachten sie an den verkürzten Turm ein Kreuz und überragen trotzdem den Südturm.

    @lamiacucina: Danke für die Klicks in den kirchlichen Untegrund. Ich kann gar nicht sagen, ob es Getränke gab, denn immerhin müssen diese und der Mist auch über die Stufen buckelkraxn rauf- und runtergetragen werden. Drehrestaurant ist ja ganz etwas besonderes, da können wir den Gästen im Do&Co in die Suppe spucken. 😀

    @rufus: So ähnlich habe ich deine Erklärung erwartet – alles klar. 😉

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