Das erste Mal

Mein Gott, das war schon lange her. Aber es war spannend, auch wie ich das erste Mal gewählt habe.
Ehrlich gestanden habe ich keine Ahnung, wie sehr ich mich vorher dafür interessiert habe, welche Partei ich wähle. Ich hatte eine anerzogene politische Meinung meines Elternhauses, aus der ich immer wieder aus Protest ausbrach. Ging zu Volksabstimmungen und hörte mir zu Hause an, ich unterstütze die kommunistischen Wurschteln.

Nun haben wir in Österreich eine Vorreiterrolle, was das Wahlalter anbelangt. So können bei dieser Nationalratswahl schon 16-Jährige ihre Stimme abgeben. Meine Meinung dazu schwankt. Einerseits finde ich es gut, weil ich denke, Jugendliche in diesem Alter sollen die Chance bekommen, mitzubestimmen. Nur wollen sie es? Wollen es eigentlich auch alle Erwachsene? Nehmen sie ihr Wahlrecht überhaupt wahr (*) und informieren sie sich ausführlich über die Wahlprogramme der einzelnen Parteien? Sind engagierte Jungwähler besser informiert als Erwachsene, ja, informieren sich Erwachsene eigentlich noch aktiv, warum sie welche Partei wählen? Müsste man von der Logik her nicht automatisch Wechselwähler sein? Ist mein Zeichen, das ich mit einer abgegebenen Stimme setze gewichtiger, als eine Protestnichtwahlwechselstimme?

Nun spricht man Jugendlichen gerne ein Desinteresse zu, das ich aber nicht so sehe. Engagierte Menschen interessieren sich für etwas, egal welchen Alters. Was macht die Allgemeinheit, um das Interesse bei den Jugendlichen zu wecken? Bis auf die kleinen Plakatflächen „das erste Mal“ suche ich nach Slogans, die die Erstwähler ansprechen sollen.

Wäre ich jetzt 16 Jahre alt, wieso sollte ich irgendeine Partei wählen? Sind denn die Jugendlichen und Erstwähler überhaupt Thema des Wahlkampfes? Hat irgendjemand, der sich mit dem österr. Nationalratswahlkrampf befasst überlegt, inwieweit Jugendliche von den möglichen Gesetzesbestimmungen direkt betroffen sind?
– Hacklerregelung
– 13. Familienbeihilfe
– Erhöhung des Pflegegeldes
oder
Gratistausch von Ölkesseln, Müttergehalt, Gratis Kindergarten, PapiMonat, Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittel, die Stärkung Tiroler Kleinbetriebe, …

Gerade die Abschaffung der Studiengebühren wäre für die jungen Menschen interessant, sie sind zwar Wahlkampfthema, es wird darüber aber drei Tage vor der Wahl im Nationalrat abgestimmt. Also was bleibt über?

(*) Die Wahlbeteiligung der ersten Nationalratswahl lag 1945 bei 93% und nimmt seither stetig ab, lag 2006 bei 78% (Quelle).

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11 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

11 Antworten zu “Das erste Mal

  1. Bekommt man es nicht gleich, will man es umso mehr. Wenn es dann da ist, will man es eigentlich gar nicht mehr so richtig … *Beine-zusammen-zwick-und-hin-und-her-wackel* kann ich mein altes Sprücherl wieder habe? 😉

  2. @rufus: So ist es im Leben und vermutlich nicht nur, wenn es um die Qual der Wahl geht.
    Altes Sprücherl? Willst mich häkeln? 😉

  3. du hast recht, für junge Leute wie mich bieten sie gar nix. Ehrlich gesagt, ich halte die Studiengebühren eh gerechtfertigt, weil man wenn man ärmer ist und wenn man bissl Hirn und Ausdauer!!! hat sie eh wieder bekommt, und wenn man zu bequem und zu dumm ist der gehört da eh bissl bestraft und die Generaldirektorensprösslinge dürfen ruhig zahlen. Ist das Auto halt nicht sooo dermaßen aufgemotzt.
    vor 2 Jahren habe ich das erste Mal den NR-Wahl gewählt. Da habe ich von den Kleinparteien gar nix bekommen, von unserm Bürgermeister eine Vorinformation was man beim wählen alles beachten soll und wieso es wichtig ist- zwar mit Parteilogo, sonst eigentlich neutral. und von der SPÖ einen Gutschein, für eine Karibikreise – sehr passend nach der Bawag-Krise… von den anderen nix.
    Das allererste Mal war die LT-Wahl von OÖ.
    Bei mir gabs Diskussionen mit meinen Eltern, aber die haben mir meinen freien Willen gelassen. Nur in einem nicht: „Du kannst alles Wählen nur nicht die FPÖ!“ Aber das wäre mir nicht einmal im Traum eingefallen.
    Also was die mir heuer versprechen, ist dass ich für das was sie versprechen mal kräftig zahlen darf. Weil die Pensionisten sind wirklich eine Großmacht. Khol bezeichnet sie ja bereits als 5. Sozialpartner.
    Ich fand die Pensionsautomatik richtig. Weil sonst zahl ich in Zukunft drauf.

  4. @weltbeobachterin: Danke für deine Meinung, denn daran ist ersichtlich, dass durchwegs alle Parteien, junge Menschen, Familien etc. verbal in ihre politischen Ausführungen einbinden, aber eigentlich überhaupt keinen Zugang für die tatsächlichen Bedürfnisse haben.
    Einen Gutschein für die Karibikreise hast du bekommen? Das finde ich aber ausgesprochen originell. Schade, dass du damals noch nicht gebloggt hast, darüber hätten einige sehr gelacht. Wie schauen denn heuer eigentlich die Wahlgeschenke aus?
    Was die Studiengebühren anbelangt, gibt es auch eine Studie, dass deswegen auf den Unis kein Rückgang zu verzeichnen war. Es ist aber ein Thema, das im Wahlkampf gut zieht.

  5. Naja, nach einem Neuen habe ich mich dann doch nicht fragen getraut … das jetzige sieht für mich etwas alltäglich aus, was wir ja nicht sind – du zumindest nicht. *blinzel-blinzel*

  6. also ich hab noch nix abgesahnt. nicht einmal einen mickrigen Kugelschreiber. und die Strasse ist auch nicht so mit Plakaten zugepflastert.
    da fällt mir ein Witz ein:
    wieso lächelt Werner Faymann auf den Plakaten mit geschlossenem Mund?
    damit man die Krone nicht sieht!

  7. @rufus: Mhhhm, alt oder neu jetzt, aber nicht alltäglich und nicht kompliziert. Hast du Sand in den Augen?

    @weltbeobachterin: Das mit den Kugelschreibern und den Feuerzeugen ist ohnehin so eine Sache, weil ich nehme sie von JEDER Partei, weil Werbegeschenke nicht mehr so üppig von Firmen ausfallen und da muss man nehmen was man kriegt. Ich habe zum Beispiel noch immer einen Wagerljeton samt Halterung auf Schlüsselanhänger von der SPÖ im Auto liegen, weil das einfach praktisch ist. Die Ein-und Zweieuromünzen, die ich sonst in Reserve für ein Einkaufswagerl im Auto habe, fladern sie mir immer, wenn das Auto beim Service ist, den Jeton nicht. 😉

  8. ich habe mal in salzburg auf der schranne einen fpö-kochlöffel bekommen (offenbar nicht schnell genug gewehrt dagegen). da ich aber glaube, dass sich das energetisch auf die speisen auswirken könnte, habe ich ihn nie verwendet und gleich wieder entsorgt. der kochlöffel konnte nix dafür… von den grünen habe ich am samstag am karmelitermarkt (märkte sind ideal für wahlwerbegeschenke, scheint’s) nur einen luftballon aufs fahrrad geschnürt bekommen. und als eine alte dame (gefärbt in der wolle) fragte, ob ich nicht auch noch einen roten dazu wolle und ich ablehnte, konnte sie das gar nicht verstehen.

  9. Eigentlich ist es doch unwichtig, ob das Wahlrecht in Anspruch genommen wird. Bei Älteren wird ja auch nicht so ein Geschrei darum gemacht, dass sie wählen dürfen/können oder eben nicht wollen. Die beste Regelung wäre es, wenn bspw. unter 18-Jährige einfach nur bei Interesse an der Wahlteilnahme ins Wahlregister aufgenommen würden. So beteiligen sich zumindest die „aufgeklärten“ Teile der verkommenen Jugend 😉 Was jetzt aber den Umstand, dass die Parteien sich in der Regel mitnichten um die Jugendinteressen zu kümmern pflegen auch nicht beseitigt.
    Zu den Studiengebühren noch. In der BRD zumindest ist der Anteil von Kindern aus Arbeiterfamilien deshalb rückläufig. Die Aussicht, das Studium finanziell nicht bewerkstelligen zu können schreckt ab und zementiert mal wieder die Bildungszugänge. Bildung soll dann offensichtlich doch nicht jedeR DahergelaufeneR in Anspruch nehmen dürfen.

  10. @katha: Jaaaaa, Märkte sind tatsächlich ideal für solche Begegnungen. Daher habe ich geplant, demnächst auf den Victor Adler Markt zu fahren. Mir gefällt diese Mischkulanz dort so gut, das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen, sowohl gedanklicher, als auch von der Herkunft her. Schaun wir einmal, ob das etwas wird. 😉

    @kulinaria katastrophalia: Ein herzliches Servus aus dem Teich an dich. Die Badetücher sind gegen ein geringes Entgeld unterm Sonnenschirm zu haben.
    Deine Idee, die Aufnahme ins Wahlregister mittels politischem Interesse zu beantragen, ist eine sehr gute und sollte vielleicht auf die mündigen (alten) Bürger ausgedehnt werden. Vielleicht wäre dann das Wahlergebnis klarer und würde uns endlich aus dieser Koalitionsmisere, wo ohnehin nichts passiert, herausbringen.
    Zu den Studiengebühren kann ich nur wiedergeben, was ich gehört habe, denn ich habe dazu leider keine Statistik gelesen. Es gibt in Österreich keinen erkennbaren Rückgang am Studieninteresse, die Unis sind knallvoll. In den Studienrichtungen, wo das Hauptinteresse liegt (Wirtschaft, Medizin, Recht,..) gibt es nicht einmal für jeden Studierenden einen Sitzplatz! Vielleicht ist es bei uns einfacher ein Stipendium bei gutem Studienerfolg zu erhalten? Ich kann es nicht sagen, mir fehlen dazu Details. Ich kann mir aber vorstellen, dass auch die Daten über die Rückläufe nicht ehrlich sind, denn in erster Linie fallen sicherlich einmal die „Scheininskribierten“ weg, die sich bei entsprechender Gebühr überlegen, ob der „Reibach“ (Vergünstigungen) als Student bezeichnet zu werden, noch in Relation zur bezahlten Gebühr steht.
    Eine Überlegung wäre sicherlich: Keine Studiengebühren und dafür einen Numerus clausus einzuführen, wie es teilweise auch bei den skandinavischen Vorzeigeländern gehandhabt wird.

  11. Dann alt *das-Sandmännchen-aus-den Augen-vertreibt*

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