Wo ich gestern, waren sie heute und umgekehrt

Gestern dachte ich mir, ich gehe auf Wahlkampf. Also nicht, dass ich für eine Partei kämpfen würde, aber ich wollte mit vollen Taschen heimkehren. Ich wollte Kugelschreiber, Feuerzeuge, Zuckerln, einen neuen Wagenjeton, Gummibärli, oder von St.rache einen Kanon gesungen hören. So marschierte ich auf einen Markt. Wie wir bereits wissen, stellen die Frauen die größte Wählerschicht Österreichs dar. Und was machen Frauen? Sie gehen einkaufen! Bingo! Den ganzen lieben langen Tag treiben sie sich auf Märkten herum und feilschen um Äpfel, Birnen und Wachteleier. Rechnen sich aus, wie viel 1 kg Erdäpfel um die halbierte Mehrwertsteuer kosten wird und versuchen sich diesen Preis für das nächste halbe Jahr zu memorieren. Dann nämlich, dann haut die Ente beim Faymann am Tisch und knallt ihm den Erdäpfel um die Ohren, wenn ich nur einen cent mehr bezahlen sollte.
Also was war? Nichts war!
Am Markt im 10. Hieb war nichts los. Ich kannte den Markt nicht und ging einmal durch die Reihen. Ein guter Wiener Markt bekommt dann einen Entenorden, wenn er Pferdeleberkäs anbietet. Die Giegerer, wie sie im Volksmund heißen, sind aber den Herrschaften anscheinend durchgegangen und es gab nur Döner zum Schweinefüttern *grunz*
So stiefelte die Ente zum Tichy und kaufte sich dort ein Eis. Revival – ewig schon nicht mehr dort gewesen und befunden, da war auch schon einmal mehr los. Am Rückweg war mein erstes Opfer in Sicht. Dottergelbes T-Shirt, kobaltblaue Schrift – seit ein paar Tagen weiß ich, das sind die neuen Farben des LIF, weil ich die noch immer als himmelblau im Gedächtnis hatte – das waren sie doch vor Jahren, oder? Ich breite meine Arme aus, leere meine Hosentaschen und freue mich, dass Rotkäppchen ganz auf meiner Seite geht. „Darf ich ihnen etwas geben?“, flötet die Liebe und ich setze mein Erbtantenlächeln auf. In die Hand bekam ich nur einen dünnen Flyer. Die Entäuschung war groß, kein Bleistift, kein Lineal oder Luftballon. So lese ich Flyer und sehe außer „Fair“ gar nichts. Alles ist bei H. Schmidt fair und ich frage mich, was und wer in der Politik unfair ist, bwz. wer überhaupt fair, wo doch alles gelogen ist.
Währendessen, ich sah es abends in den Spätnachrichten, lustwandelte Molterer mit lächelnd starrem Blick über den Brunnenmarkt. Verflixter Dreck, da wollte ich heute hin und ich trau mich wetten, dafür ist er heute auf meinem gestrigen Markt. Versäumt habe ich nichts, denn er spricht primär mit Ausländern, ob die Wahlslogans auf den Plakaten so schlecht wären, weil sie doch Deutsch lernen sollen. Dazwischen war auch eine Dame, die alle Gremien kennt von schwarz bis rot, blau und lila getupft. Entäuscht wäre sie von den Schwarzen, weil sie nicht mit den Bürgern reden. „Deswegen sind wir ja da“, keift der Hahn von hinten über Molterers Schulter. Also nein, so geht’s aber auch nicht.
Deswegen war ich heute nicht einkaufen. Ich boykottiere den Wahlkampf! Ich will mein Geschenk!

6 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt, ente on tour

6 Antworten zu “Wo ich gestern, waren sie heute und umgekehrt

  1. Vielen Dank für die Geschichte! Wundervoll geschrieben 😀

  2. wenn Du vor den Wahlen nichts ergattern kannst, kriegst Du nach den Wahlen bestimmt nichts dazugeschenkt. Im Gegenteil ! Kugelschreiber, Feuerzeuge, Zuckerln, einen neuen Wagenjeton, Gummibärli kaufe ich mir von meinem Ersparten. Und vorsingen tu ich mir auch selbst.

  3. Ums mit den blauen Qualpoeten zu sagen:
    Lieber Tichy-Eis, als Döner-Sch..ss. 😉

  4. ein kanon von strache *ichlachmichschlapp* – den würd ich auch gern hören! kannst du das, wenns soweit ist, aufnehmen und danach ins netz stellen? ;)))))
    [sind die alle heuer so geizig?]

  5. @Bulgriana: Die Ente macht den Kratzfuß und geht dankbar ab. 😉

    @lamiacucina: Du bist aber besonders sparsam, selbst in der Musikgestaltung. 😉

    @rufus: Dragiza hat mein Stanizl wunderbar zusammengestellt. Ist nichts runtergefallen! 🙂

    @tyndra: Wenn ich am richtigen Markt bin, wieso nicht? Ich habe keine Ahnung was sie mit den mit Steuergeldern gesponserten Wahlbudget machen, ich nehme an, die Lieferung der Wahlgeschenke aus China steckt irgendwo im Stau.

  6. Pingback: Zu Beginn ein kleines Scherzchen « Entegutallesgut

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