Den Spuren folgen – Feigenhof

Bei katha gab es einen Hinweis zu ihrem Artikel über den Feigenhof. Diesem dürften einige gefolgt sein, denn die idyllische Ruhe im Biofeigenhof ist zu einem geschäftigen Kampf um die Wurst Feige geworden.

Kurz vor zwölf, endlich haben wir die Straße Am Himmelreich gefunden (sie existierte in einem zugegebener Maßen sehr alten Wiener Stadtplan gar nicht). Es ist weniger eine Straße als ein Wegerl, das keinen Gegenverkehr zulässt. Am Ende des Weges befindet sich der Feigenhof. Ein kreischrotes Haus, das den Glashäusern vorgelagert liegt. Vor dem Hauseingang liegen der Jahreszeit entsprechend Kürbisse präsentiert und man hat auch gleich einen Einblick ins Schlafzimmer ( 🙂 ). Durch das Vorzimmer, vorbei an einem Heimtrainer und einer Unzahl von Schuhen gelangt man in die schöne luftige, lichtgetränkte Küche, die in einem satten Sonnengelb getränkt ist. Da rafft schon eine Kundin die letzten Feigen an sich, denn sie will am Wochenende Marmelade einkochen. Dann ruft jemand an, der die Straße nicht ausmachen kann (kein Wunder), die Chefin erklärt wie man den Weg findet und sagt gleich dazu, man möge sich beeilen, denn die Feigen sind bald aus. Panik! Ich wollte doch jemand als Mitbringsel frische, heimische Feigen mitbringen. Aber es ging sich aus, denn es wurden doch noch ein paar Schüsseln ganz frisch gebrockte Feigen gebracht. Eineinhalb Kilo von verschiedenen Sorten konnte ich mitnehmen und durfte mir auch ein paar Feigenblätter zur Deko dazunehmen.

Was nicht ganz kathas Artikel entsprach: Man darf sich die Feigen nicht selbst pflücken. Wer aber durch die Glashäuser geht (vorher fragt), kann sich eine Feige vom Baum nehmen, sonst nimmt man jene, die im perfekten Reifegrad in der zum Verkaufsraum adaptierten Küche angeboten werden. Nebst der mehr als 20 verschiedenen Feigensorten gibt es auch Paradeiser und viele Kräuter , die ich zweng der Hektik gar nicht begutachtet habe. Ich mag das einfach nicht, wenn mir schon wer im Gnack hockt, so lange ich noch in Ruhe schauen und alles auf mich wirken lassen will.

Die Ruhe muss sich im Feigenhof erst wieder finden. Ich kam mir ein bisschen gehetzt vor, als sich nach und nach die wirklich sehr große Küche mit Kunden zu füllen begann.

Zum Schweizer Küchenprofi möchte ich nur sagen: Nicht nur Enten essen Feigen mitsamt der Schale, sondern viele andere getrauen sich das mit frischen Feigen. Ich habe extra nachgefragt, damit ich nicht so gierig dastehe, weil ich Feigen mit Putz aber ohne Stingel verdrücke. Vielleicht dauert es noch, bis diese Erkenntnis in den Westen gelangt. 🙂

Feigen schmecken frisch super gut (wie vielerorts mit Prosciutto kombiniert), sind aber auch herrlich in diesem Kuchen (Jamie Oliver Rezept) verarbeitet.

Crostata di fichi – Feigenkuchen

Mürbteig:
10 dag Butter
8 dag Staubzucker
Prise Salz
20 dag Mehl
Vanillezucker
Schale einer abgeriebenen Zitrone
2 Dotter

Mandelmasse:
25 dag geschälte, geriebene Mandeln
5 dag Mehl
20 dag Butter
20 dag Zucker
2 Eier
Mark einer Vanilleschote
1 EL Grappa

Belag:
6-10 Feigen (je nach Größe der Früchte und auch der Tortenform)
2 Zweige Zitronenthymian
Schale 1 abgeriebenen Orange, 1-2 EL Kristallzucker

Den Mürbteig bereiten (Mehl mit Butter vermischen, dann Zucker, Eier, Zitronenzeste dazu. Zu einer Kugel formen, mit Frischhaltefolie einwickeln und ca. 1 Stunde kühl stellen.
Während der Teig rastet, die Mandelmasse zubereiten. Dazu alle Zutaten miteinander vermengen und im Kühlschrank mindestens eine halbe Stunde kalt stellen.
Nach der langen Stunde, den Teig ausrollen und in die Tarteform legen. Meine Form ist kleiner als die von Jamie, daher habe ich die Zutaten für die Masse verringert. Warum man den Teig mitsamt der Form für eine Stunde ins Gefrierfach legen soll, verstehe ich nicht, deswegen habe ich das auch nicht getan. Unsinnige Dinge mache ich prinzipiell nicht und rate auch nicht dazu, wenn der Teig auch ohne Gefrierschock gut wird. Sollte jemand wissen, warum man Mürbteig vor dem Backen einfrieren soll, der möge mich bitte aufklären.
Das Backrohr auf 180°C vorheizen und dann den Teig ca. 12-15 Minuten vorbacken. Ich backe ganz selten Mürbteig „blind“, das heißt mit getrockneten Erbsen, weil das so egal ist, ob der Teig bei so einer großen Tarteform ein paar Blasen wirft oder nicht – man kann für meine Begriffe alles in Sachen Perfektion ein wenig übertreiben.

Die Form aus dem Backrohr nehmen und ein wenig überkühlen lassen. Dann die Mandelmasse einfüllen, mit einem Suppenlöffel kleine Vertiefungen drücken und die nach oben zeigenden, kreuzförmig eingeschnittenen Feigen hineindrücken. Mit Kristallzucker, Thymianblätter und geriebener Orangenschale bestreuen. Zum Schluss noch ein paar gehobelte Mandeln darüberstreuen und ca. 40 Minuten backen. Der Feigenkuchen ist außen wunderbar goldgelb und innen ein wenig weich.

Ein wenig überkühlen lassen und wer mag mit einer Kugel Vanilleeis servieren. Schmeckt aber auch ohne, nur mit einem einfachen Ristretto wunderbar!

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15 Kommentare

Eingeordnet unter ente on tour, küchenente

15 Antworten zu “Den Spuren folgen – Feigenhof

  1. Ein sehr schöner Bericht (endlich mal kein reiner Lobgesang! Du wirkst heute auch leicht genervt, kann das sein? :-D), vielen Dank für das Rezept, ich habe noch Feigen da und werde es heute nachbacken.
    Vielleicht friert man Mürbeteig kurz ein, damit er nicht „brandig“ wird?

  2. @Bulgariana: Irgendwie bin ich ein bisschen auf Hochtouren und weiß eigentlich nicht warum. Genervt? Nicht mehr und nicht weniger als sonst. :-DD (Die Feigen aus dieser Produktion sind aber wirklich sehr gut und frisch, das muss ich doch lobend nochmals extra erwähnen.)
    Wird denn nicht Mürbteig nur bei der Teigproduktion brandig – bröselig? Schaun wir einmal, was die Fachleute noch sagen. 😉

  3. Natürlich isst man Feigen mit Schale: Die getrockneten Feigen, die man winters in der Obstabteilung kauft, sind ja auch nicht geschält!
    Es gibt Leute, die das nicht wissen? Tststs …

  4. Ich glaube dir, dass sie sehr gut sind! Die Seite schaut auch gut aus. Ich habe ja ein ganz besonderes Verhältnis zu Feigen und Feigenbäume überhaupt. Und ja, ich esse sie auch mit der Schale.
    Übrigens, es gibt eine ganz tolle Marmelade aus (ganze) grüne Feigen.

  5. Sehe schon, Wurst ist aus – da gehe ich wieder …

  6. @buchstäblich: Sie wurden zumindest schön geschält. Wobei, es gibt tatsächlich Früchte mit so einer bockigen Haut, da würgt man schon, bis man sie runterbekommt, oder braucht entsprechend einige Gläser Wein, um sie runterzuschwemmen. Letzteres ist auch bei Früchten mit weicher Haut nicht vom Tisch zu weisen. 😉

    @Bulgariana: Ich habe ganz vergessen zu sagen, der Feigenhof bietet auch ein Chutney mit Feigen, Ingwer und Zimt an (den Deckel des Glases sieht man noch auf dem linken Foto). Sonst kenne ich nur den Feigensenf, den ich zu Parmesanstückchen irrsinnig gerne esse (kennst du den?). Feigenmarmelade hab ich einmal in Tunesien glaube ich gegessen, die war mir zu süß – sonst nie mehr wieder. Vielleicht sollte ich probieren, selbst Marmelade einzukochen und fahre nochmals hin, um mich einzudecken. 😉 Hast du ein Rezept davon?
    Übrigens kann man Feigenbäume auch an einem geschützten Ort in unseren Breitengraden ziehen. Es gibt auch frostresitente Sorten. Vielleicht solltest du dir einen holen? Passt auch farblich gut zu den Paradeisern, deiner anderen Leidenschaft. 😉 (bin ich noch immer genervt? Reiß mich artig zusammen! :-))

    @rufus: Heute ja! Bist du denn kein Süßer?

  7. Nein, Feigensenf kenne ich nicht, klingt aber sehr gut. Parmesanstückchen auch. Muss ich unbedingt probieren! Die Feigenmarmelade von der ich gesprochen habe wird aus grüne, also noch unreife Feigen gemacht, kriegst du glaubst du welche? Süss ist sie schon, sie wird auch nicht als Brotaufstrich gegessen, sondern zu Eis gereicht oder so. Ich esse sie mit dem Löffel aus dem Glas. Schlimm.
    Ich habe mir heute beim Lesen deines Artikels wirklich überlegt, dass ich so ein Feigenbäumchen sicher durchbringen würde. Hm… Und dann kommst du nächstes Jahr zu mir Feigen holen 😀 Muss nur darauf achten, dass du mein Schlafzimmer nicht siehst. Und nein, du wirkst nicht mehr genervt 🙂 aber so leicht bissig…?

  8. Natürlich kann man Feigen aus unbedenklicher Quelle mit Schale essen. Wenn sie aber aus bedenklicher Quelle ungewaschen mit Schokolade überzogen und dem Gast vorgesetzt werden, der dann dem Rachespruch irgendeines Aztekenkönigs unterzogen wird, hört der Spass auf. Zumal ich der Gast war. 🙂

  9. Das hört sich nach einer aufregenden Geschichte an … 🙂

  10. @entegutallesgut: Heute ja. 😉

  11. @Bulgariana & lamiacucina: Ich versuche mir die aufregende Geschichte (wie immer) gerade bildlich darzustellen.

  12. spät, aber doch: schön, dass du den feigenhof besucht hast – und schade, dass es hektisch war. ich habe wegen des selbst pflückens extra nachgefragt, als ich für die rondo-reportage vor ort war, und harald thiesz hat gesagt, dass sie das wirklich erlauben und sogar gerne sehen würden, aber dass die leute das eher nicht annehmen würden – warum, wisse er auch nicht. vielleicht war einfach nichts mehr zu ernten bei eurem besuch? jamies feigenkuchen klingt gut, vor allem wegen des zitronenthymians… und es zahlt sich übrigens aus, wegen der kräuter extra im feigenhof vorbeizuschauen, da sind wahre schätze darunter.

  13. @katha: Vielleicht sind sich die beiden darüber nicht einig, ob gepflückt werden darf oder nicht, denn die Chefin hat das bei Nachfrage abgelehnt. Sie meinte schon, die Bäume wären schon abgeerntet, aber trotzdem brachte eine Mitarbeiterin ständig neue, frisch gepflückte Feigen. Egal, der Tipp war wirklich sehr gut und ich sehe gerade „The Dining Room“ hat diesen Betrieb als Inspiration in seinen Links aufgenommen.
    Alles in Allem: schöner Bericht von dir, bitte mehr Tipps dieser Art – always welcome. 😉

  14. Ich habe Feigenmarmelade von meiner spanischen Freundin bekommen. Feigensenf ist ein Gedicht zu einem sehr würzigen Käse, insb. bei Ziegengouda liebe ich das sehr. Deine Crostata klingt auch sehr verlockend! Wie soll man sich da nur entscheiden können? Danke für Deine Teilnahme am Event!

  15. @rike: Es gibt ganz feine Dinge mit Feigen, die man nur entdecken muss. Danke für deinen lieben Kommentar!

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