Putzfee, oder was ist Luxus

Ich gebe selten Artikel wieder, die man wo anders ohnehin lesen kann.
Aber der kleine Absatz im dieswöchigen profil hat mich aufhorchen lassen und den muss ich nochmals geistig verarbeiten.

Mehr als 2 Mio österr. Haushalte geben für Putzhilfen 3,2 Mrd Euro aus. Dies wurde vom Marktforschungsinstitut Kreutzer, Fischer & Partner errechnet.

Diese Information ist insofern interessant, weil es laut Statistik Austria 3,537 Mio Haushalte gibt. Das bedeutet mehr als die Hälfte österr. Haushalte leisten sich den Luxus eine Bedienerin (wie wir das in Wien sagen) um einen Stundenlohn (schwarz) von 10 Euro zu beschäftigen. Die mit 8 Euro Stundenlohn schmieren nur herum und putzen nicht sauber, habe ich mir sagen lassen.
Und dann diskutieren wir um Umverteilung, was Luxus ist, ob Wachteleier, Stopfleber mit 5 oder 10% besteuert werden, wenn man sich zu gut ist, den Besen selbst zu schwingen und dafür immer Geld in der Tasche hat? Wie arm sind nun österr. Haushalte wirklich?

Ganz interessant dazu die Überlegung einer Partei, die Ausgaben für Haushaltshilfen nach finnischem Muster steuerlich absetzbar zu machen, um damit mehr offizielle Jobs zu schaffen. Man ist sich der Schattenwirtschaft durchaus bewusst, greift das Thema aber nur ungern an, vermutlich weil man in Politikerhaushalten auch putzen lässt.

Ganz nebenbei gibt es im profil auch einen Artikel über Wahlplakate zu lesen, die die Sujets von einem NLP Experten analysieren lassen und der Hauptaufhänger und -artikel der jetzigen Ausgabe behandelt das faule Geschäft der Lebenshilfe-Ratgeber. Auch irgendwie ein bisschen kraus, einerseits einen Guru herbeizuholen, der die Wirkung der Wahlplakate bewertet und als Hauptaufhänger, diese Typen kritisiert. Aber wenigstens setzt sich jemand mit diesem boomenden und überaus windigen Markt endlich offiziell auseinander. Man kritisiert auch die Kurse im schweren WIFI Buch, die ich letztens ansprach „Handauflegen, Feng Shui, Aura Soma, etc. Ich liege jedes Mal vor Lachen flach, wenn ich mich an die Telefonate einer Freundin erinnere, die eine andere wiederum gefragt hat, ob sie ihr Reiki per SMS um so und so viel Uhr schicken könne. Sie dürfte aber (leider) meine kreisrunden Augen gesehen haben (sie ist übrigens praktizierende Medizinerin) und hat dann nicht mehr in meiner Gegenwart mit ihrer Reikifreundin telefoniert. Schade, das war ähnlich amüsant, wie der tägliche Witz in der Kronenzeitung.

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9 Kommentare

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9 Antworten zu “Putzfee, oder was ist Luxus

  1. Ausgerechnet ein NLPler? Ich hau‘ ins Essen, wie der Westfale sagt, wenn er nicht weiß, ob er sich vor Lachen wegschmeißen oder in Tränen ertrinken soll.

  2. weißt du was? ich habe mir exakt dieselben gedanken gemacht. zu genau diesen themen. eine putzhilfe zum beispiel würde ich mir nicht leisten und ich wundere mich auch sehr darüber, wie leute, die eh immer jammern, dass sie vorne und hinten sparen müssen, plötzlich über „ihre putzfrau“ reden. tststs …
    wachteleier kosten übrigens etwa 20 cent, ich weiß gar nicht, wer so etwas als luxus empfindet. wohl nur ein politiker, der eine liste erstellen muss, der vom echten leben aber keine ahnung hat.

    diese nlp-analyse der wahlplakate fand ich auch höchst eigenartig. warum werden die nicht auf eine, sag ich mal „ganz normale“ art analysiert, warum muss das auf basis von nlp passieren? verstand ich auch nicht.

    und die lebenshilfe-sache seh ich zweigeteilt. wer´s möchte, soll´s haben. andererseits geben viele bei solchen dingen den hausverstand an der garderobe ab, was ich auch blöd finde. generell lese ich im profil aber, wenn es zu diesem themen kommt, immer unnötig harte kritik, und man neigt dort dazu, generell allem das funktionieren abzusprechen, was keine wissenschaftliche disziplin ist. und diese einstellung wiederum teile ich auch nicht. [wie lange mussten psychologInnen darum kämpfen, als wissenschaft anerkannt zu werden?]

  3. @buchstäblich: Anscheinend sind die anderen alle ausgebucht gewesen. Frag mich nicht … 😉

    @tyndra: Da gäbe es noch einige Dinge, die sich Menschen leisten, die an der „Armut“ vorbeischrammen. Wobei ich ausdrücklich sagen möchte, es gibt Menschen, die wirklich arm sind. Sich im Winter überlegen müssen, wie lange sie die Heizung aufdrehen können, um den Raum ein wenig warm zu bekommen und sich die Heizkosten noch leisten können. Diese Menschen haben aber -kein Handy -keinen Flachbildschirm -keinen mp3 Player -kein Zweitauto -keinen Hightec Pc …. und was mir sonst noch einfallen würde. Ich vergönne jedem seinen Luxus, aber wer finanziell wegen so einer Ausgabe über dei Stränge schlägt, soll bitte nicht jammern, wie teuer die Lebensmittel geworden sind. Es geht uns im Großen und Ganzen allen recht gut, das bedeutet aber nicht, dass wir uns jeden Luxus im Vorbeigehen leisten können. Wenn ich denke, ich habe mir meinen ersten Staubsauger auf Ratenzahlung gekauft. Auch blöd, meine Freunde haben das Auto mit Raten bezahlt, da habe ich so lange gewartet, bis ich das Geld beisammen hatte und habe es dann bar bezahlt.
    NLP – Wahlplakate – Vielleicht ist ihnen nichts besseres eingefallen?
    Lebenshilfe – Ich lehne das grundsätzlich ab, weil Menschen zu diesen Dingen greifen, die ohnehin im Selbstzweifel sind und damit komplett in der Hand dieser Gurus sind. Es ist nicht der Hausverstand der fehlt, einfach nur die Lizenz zum Leben – sag ich mal, um mich da kurz zu halten.

  4. tatortkrimi

    Manchmal sehe ich im TV beim Zappen Teile von diesen beliebten Schuldnerberatungs-Doku-Schows (eine vollständige Sendung kann ich kaum ertragen) und bin relativ fassungslos, was die Leute, die da mit 100000 Euro in der Kreide stehen, sich so alles leisten: Zwei Autos, ein Motorrad fürs Wochenende, falls man nicht gerade in New York verweilt, mehrere Handys, Flatscreen in jedem Zimmer der 6-Zimmer-Wohnung etc. – ein Hohn für all die, die wirklich jeden Cent zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben für Dinge, die absolut notwendig sind.
    Schade, der Wahlplakate-Artikel ist nicht online.

  5. @tatortkrimi: Nein, der ist nicht online. Kann ich dir scannen und schicken, wenn es dich interessiert. Wären nur zwei Seiten.

  6. ich habe just gestern ein Buch im Ausverkauf gesehen, mi tdem Titel: Wie man mit Putzfrauen richtig umgeht… sollte man doch glatt kaufen, weil es soooooooooooooo billig ist in den Zeiten der Teuerung.
    Ehrlich, ich wünsch mir auch eine Perle, die die Putzarbeit für mich erledigt, aber ich hab nicht das Geld dazu und so bin ich meine eigene Putzfrau – weil ich will ja nicht verdreckt wohnen.

  7. @weltbeobachterin: So megalustig ist es nicht, mit dem Staubsauger durch die Wohnung zu ziehen. Wie man mit Putzis richtig umgeht? Und darüber ein Buch! Ich greif mir am Kopf. 😀

  8. tatortkrimi

    Gern, wenn’s keine Mühe macht: mail@mail.xy

  9. @tatortkrimi: Ist in Arbeit und die Brieftaube schubbse ich in 5-10 Minuten aus dem Käfig. (mailadresse habe ich verändert – man weiß ja nie.)

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