Milchrahmauflauf

Kann das Gericht jemand für mich auf italienisch übersetzen? 🙂
Spaß beiseite, ich koche gerne österr. Küche und schäme mich dafür nicht. Diese Gerichte müssen keinen französischen oder italienischen Namen tragen, damit sie Anerkennung finden, weil die Österreichische Küche sowieso die beste ist.
Die Trends in der Küche sind ja immer recht spaßig zu beobachten. Wo es früher die Französische Küche war, rührt heutzutage wer „in“ ist nur in Italienisch den Kochlöffel. Bodenständige Speisen bekommen plötzlich einen Hauch von Papagalli und italienischem Feuer und schon wird in einem ehrfurchtsvollen „Oh“ und „Aaah“ der Hut gezogen.
Es gab ja einmal Zeiten, da war alles modern, was „an“ serviert wurde. Kein Fleisch wurde „mit“ Saft und Gemüse serviert, aber dafür an feinem (man vergesse nicht die Adjektive, sonst mag es keiner) Kalbsjus und buntem (weil Grün ist zu gesund) Gemüsebouquet. Enttäuschend dann, wenn der Saft ein paar Tropferln ist und das Bouquet aus einem Broccoliröschen (den keiner mag), drei Karottenstückchen und einem Kartöffelchen, das sich wie Robinson Crusoe rettend ins Trockene gebracht hat, besteht.
Was habe ich zu bieten? Ausländische Muselmannennachspeis, österreichisch eingebürgert, wie es schon immer bei uns üblich war, da brauchen wir keine neuzeitliche Fusionsküche, obwohl man das hartnäckig auch anbietet.

1715 tauchte der Strudel im deutschsprachigen Raum das erste Mal im Frauenzimmer-Lexicon auf. Der Ursprung, da können wir noch so viel Französisch und Italienisch reden, stammt allerdings aus dem orientalischen Gebiet (Hilfe Türkei!), wo die dünnen Strudelblätter mit Nüssen, ein wenig viel Honig gefüllt und schlussendlich mit Rosenwasser parfumiert wurden.
(Wer Zeit hat, sollte unbedingt dem Link zum Frauenzimmer-Lexicon folgen, z.B. Auffgelauffenen Zimmet-Koch, Zucker-Herzgen. Ein Mittagessen mit dreißigerlei Speisen – wie groß da die Tische gewesen sein müssen. Toll, dass es solche Bücher fotografiert im Netz gibt! Dank an die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel)

Der Milchrahmauflauf ist eine recht praktisch abgewandelte Variante des Milchrahmstrudels für Gäste, da man die Portionen gleich parat hat.

Ohne großem Trara backen die Aufläufe im Ofen vor sich hin und warten auf nahtlose Bräune.

Milchrahmauflauf: (1 dag = 10 g)
10 dag Brioche (Kipferl, süßes Kartoffelbrot, Striezel, etc.)
Milch zum Beträufeln
5 dag weiche Butter
4 dag Staubzucker
1 TL Vanillezucker
Zitronenschale
3 Eier
5 dag Topfen
1/16 l Sauerrahm
2 dag Kristallzucker
1 Pkg. fertiger Strudelteig (ersatzweise Filoteig)

Vanillesauce
25 dag Schlagobers
4 Dotter
4 dag Kristallzucker
Vanilleschote (wer es ganz exquisit will, nimmt die Tahiti Vanille)

Brioche in Würfel schneiden und mit Milch beträufeln. Butter, Staubzucker mit Vanillezucker und geriebener Zitronenschale schaumig rühren, den Topfen, Sauerrahm zugeben und erst zum Schluss die Dotter und Briochewürfel einrühren. Eiklar mit einer Prise Salz schlagen und nach und nach Kristallzucker einrieseln lassen, bis ein schmieriger Schnee entsteht.
Kleine Souffléeförmchen ausbuttern und beiseite stellen.

Den Strudelteig auf einem feuchten Tuch ausbreiten (sonst trocknet er so schnell ein und wird dann brüchig) und Kreise mit ca. 17 cm Durchmesser auschneiden (Quadrate tun es auch und man wirft nicht so viel vom Strudelteig weg), in die Förmchen legen, den Rand heraushängen lassen und dann mit der Masse füllen. Den Strudelteig zurückschlagen und die Masse damit zudecken. Die Förmchen können bis zu einem Tag so vorbereitet im Kühlschrank auf deren Einsatz warten!
Bei 165° C ca. 15-20 Minuten backen.
Dann die Vanillesauce bereiten. Die Eier trennen und Dotter in eine Rührschüssel geben. In der Zwischenzeit das Schlagobers mit dem ausgekratzten Vanillemark und der Schote erhitzen. Knapp bevor es kocht vom Herd nehmen und zum Dotter unter Rühren gießen, auf keinen Fall umgekehrt, da sonst der Dotter sehr leicht gerinnen kann, bis zur Rose (*) abziehen. Dann wieder zurück in den Topf schütten, langsam erhitzen und sofort auf Eis kalt schlagen. Wer die Sauce schon wesentlich früher macht, soll darauf eine Klarsichtfolie legen, das verhindert die Bildung einer Haut.

Am Teller einen Spiegel mit Vanillesauce machen und darauf den Milchrahmauflauf setzen. Mit ein paar italienischen Worten gefällig servieren.


Mahlzeit!

(*)Zur Rose abziehen: Die Masse cremig bei ca. 82° C , aber nicht zu dick stocken lassen. Einen Löffel in die Sauce tauchen, drehen und dann auf den Löffelrücken blasen. Wenn dann links und rechts Wellen (Rosenblätter) entstehen, ist die Konsistenz perfekt.

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18 Kommentare

Eingeordnet unter küchenente

18 Antworten zu “Milchrahmauflauf

  1. mmmmh! [und: ich bin die, die broccoli mag. ich weiß nicht, ob´s außer mir noch jemand zweiten gibt? *g*]

  2. @tyndra: Ich mag eigentlich Broccoli auch, nur muss er (die Deutschen sagen glaube ich „die“) mit Biss gekocht sein.

  3. mir ist es egal, ob’s öster., frz. oder ital. ist, Hauptsache, es schmeckt und Deine Sachen hier sehen super lecker aus!

  4. @Bolli: Danke, das war auch nur spaßig gemeint. Manchmal teile ich so kleine freundschaftliche Seitenhiebe aus, nur um zu sehen, ob die Leute noch am Leben sind. 😀 Nix für ungut!

  5. Ich liebe Broccoli und Karfiol in allen Variationen – allerdings auch nur mit Biss. Und der Milirahmstrudel auf nobel scheint auch eine Sünde wert zu sein. Am Sonntag vielleicht?

  6. Karl H.

    Liebe Frau Ente! Auch ich bin noch am Leben und liebe auch Broccoli. Das Rezept vom Milchrahmauflauf habe ich ausgedruckt und werde es meiner Frau vorlegen.
    Viele Grüße, vom immer noch Bloglosen Karl H.

  7. Anatra, mi piace molto l’idea di riproporre i piatti della tradizione austriaca. Mi piace meglio come la politica austriaca.

  8. Wenn es jetzt nicht schon so spät wäre, würde ich gleich ans Werk gehen. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Besuch werden wir auch haben.

  9. Das klingt ja extrem verlockend! Der Milchrahmstrudel genauso wie perfekt gegarter Broccoli. Was ist dag? Kann ich sonst nämlich nicht nachkochen und das klingt viel zu verlockend!

  10. Ich mag Brokkoli und deswegen hat mir sFrauli heute eine doppelte Ration verpasst.

  11. Pingback: Forellenfilets im Kräutersalat « lamiacucina

  12. @Gerlinde: Das gute alte Sonntagsessen. Um 12 Uhr dampfend heiße Erdäpfelknödel, Schweinsbraten und Krautsalat, oder einfach nur ein Schnitzerl mit an Erdäpflinger. Ja, da passt der Milirahmstrudel gut dazu! Nur zu!

    @Karl H.: Lieber Blogloser! Es ist ja jammerschade, wenn er sich nicht dazu überwinden kann, seinen zweiten Fuß in den Cyberspace zu stellen. Wobei ich ja vermute, Karl H. ist ganz absichtlich ein wenig anonym unterwegs. Vielleicht hat er sogar einen Blog, will ihn uns aber nicht zeigen? Wie auch immer, du bist mir als Broccoli-Lover in dieser Form auch sehr willkommen und freue mich über deinen Besuch!

    @lamiacucina: Mir fällt jetzt nur „molto potente“ ein – das ist eine Sequenz aus Fendrichs Lied „Strada del Sole“ (kannst du bei youtube nachgooglen) – das ist so eine Assoziation, die mir grundlos eingeschossen ist.
    Freut mich, wenn du die österr. Kochtradition liebst und die Politiker kochen auch heißer als sie ihre Suppe essen – don’t worry!
    Und wie übersetzen wir jetzt diese Nachspeis ins klingende Italienisch?

    @Titi Laflora: Buongiorno Titi! Freut mich, dich hier im Ententeich zu haben. Sonnenschutz brauchen wir jetzt keinen mehr, Schwimmflossen gibt es in allen Farben beim Badewaschl gratis! Keep surfing Ente! 🙂

    @rike: Servus rike! Das wird gleich ergänzt, weil ich es doch manchmal vergesse dazuzuschreiben. 10 g sind 1 dag (Dekagramm – Griechisch für Zehnerpotenz und in Österreich noch immer als Maßeinheit üblich). Freut mich, wenn du dich darin versuchen solltest. Lass es mich wissen, wie es gemundet hat.

    @rufus: Jeder mag da Broccoli und wenn ich ihn koche, mag ihn keiner. Was sagt uns das?

    Wieso pingt lamiacucina mit Forelle an mich? Ist das nicht ein Tier für fließendes Gewässer?

  13. gratin di latte e crema. Das gibts aber wirklich nicht in Italien. Und Deiner ist noch im Strudel gebacken was mich in der Übersetzung (nicht beim Essen) gänzlich überfordert.

  14. Die türkischen Strudel- und Mehlspeisengerichte sind in Österreich während der letzten paar hundert Jahre perfektioniert worden. Ich liebe sie!

    Auch Broccoli übrigens, bei uns in D heißt der aber schon „der“, zumindest bei mir. 😉

    Das Rezept ist notiert, sieht wirklich super aus! „Österreichischer Milchrahmauflauf auf einem Bett aus hausgemachter Tahiti-Vanillesauce an Brombeeren“ – oder was sind das für Beeren vorne?

  15. @lamiacucina: Danke für dein Hirnschmalz – klingt nicht schlecht. Strudel gibt es in Südtirol und da heißt der Teig, wenn ich mich nicht falsch erinnere, Pasta di Strudel. 🙂

    @Barbara: Brombeeren sind die Wächter vorne. Schön poetisch zusammengefasst. Da passt fast noch ein Häubchen Schlagobers, um den Auflauf warm zu halten.

  16. Ohne umschreibungsweise vorgenommene Betitelung kann ein Essen einfach nicht schmecken 😀

  17. @kul.katastrophalia: Ich erkenne, wir verstehen uns! 🙂

  18. Pingback: Brunch « Entegutallesgut

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