Meine Herren, tun wir doch nicht streiten

Kaum eine TV-Konfrontation habe ich verpasst und so musste auch gestern die Diskussion der beiden Wer-wird-Streitkanzler geschaut werden. Die Thurnher ist aber auch der Heuler mit ihren Sprüchen: „Tun wir darüber reden.“

Wie immer werde ich mich politisch nicht im Detail auslassen, das passt hier nicht so her und im Laufe der Zeit, weiß ohnehin jeder, was ich wie gesagt haben will. Wenn jemand daraus ein Wahlverhalten erkennen sollte, dann bitte um Nachricht, welche Partei ich wählen soll. Es ist ja interessant, mir waren die Unentschlossenen, die ein paar Tage vor der Wahl nicht wissen wen sie wählen sollen, bis jetzt derartig suspekt. Ich konnte nicht verstehen, warum man nicht weiß, welche Partei man wählen soll. Jetzt stehe ich auch da und frage mich, ist es die Tatsache, weil man sich intensiver vor dem Wahlkampf mit den Politprogrammen befasst, oder das Alter, weil man sich einfach nicht mehr mit dem Geschenk eines Kugelschreiber einlullen lassen möchte? Allerweil ich hätte einen bekommen. Ich glaube, ich bin der einzige Bürger, der ohne einem Wahlgeschenk zur Wahl geht und da bin ich schon mächtig angfressen, denn immerhin wird der Wahlkampf auch mit meinen Steuergeldern finanziert. Ist ja nicht so, dass die Mädln und Burschen der politischen Parteien sich das selbst derspart haben, was sie gerade beim Fenster rauswerfen. Brieferln hab ich en masse bekommen und zwar mit Sponsering Post, da wo der Brief nur 17 cent anstatt 55 kostet.

Weiter zum Hauptteil, der Diskussion: Die Herren in den anderen Konfrontationen immer lässig gewesen, waren gestern mehr als angespannt. Der Faymann hat nervös unterm Tisch mit den Füßen geschert, als wollt er davonrennen. Der Molterer hat wieder einmal seinen Zuseherlacher falsch eingesetzt. Schau ich dorthin, ist die Kamera da, schau ich da, ist sie dort – hasch mich, ich bin der Willi.
Aber auch der Molterer war nervös, als er von T. hingewiesen wurde, das Mikro kratzt an der Krawatte, hatte er sich überschwänglich bedankt, als wäre sein Hosentürl offen gewesen.

Thurnhers Einstiegsfrage liegt der angeblich empirisch erhobene Tatsache zu Grunde, dass eine Woche vor der Wahl nur mehr Sympathiewerte zählen, aber keine Fakten. Da lachten noch beide gefällig in die Kamera und dann ging es hitzig her. „Werden Sie in diesem Gespräch emotional werden?“. fragt die Moderatorin, worauf Faymann antwortet: „Man soll so bleiben, wie man immer ist.“ Na gratuliere …

Zeitweise dachte ich, der eine packt den anderen am Krawattl (ha, Stichwort! Faymann mir scheint hatte einen schwarzen Binder, der Molterer „laaaawäääändööööl“ oder „fliiiiiiedaaaaa“, in der Modesprache auch als „lilac“ bezeichnet. Passt das jetzt daher, wenn ich berichte, erfahren zu haben, dass diese Farbe das Libido einschränken soll? sry – nur ein kleiner Einwurf, weil ich mich die letzten beiden Wochen intensiv mit Farben befasste.) Aber beim Krawattl reißen, da muss der Molterer beim Faymann aufpassen, der hatte zentimeterdick Schminke im Gesicht. Wenn man ihn anrempelt, dann bröckelt das ab, wie eine bucklerte selbstverputzte Hausfassade.

Die Bildungspolitik blieb bei dieser Diskussion gänzlich unerwähnt, das stinkt mir schon wieder. Dafür eine peinliche Situation, wenn die ÖVP nicht weiß, wie man Standartd schreibt und dann noch in die Linse zeigt.

Was mir zu Faymann auch immer wieder auffällt, er spricht wie der Kasperl „Krawuuuuzzzzzikapuuuutzi“, Herr „Ffffizzzzzekanzla“.

Die Frauenfrage in der Politik geht mir auch schon mächtig am Wecker. Thurnher mit ihren komischen Einwürfen „die Frau sehen Sie als Mutter“, no na, schon einmal einen schwangeren Mann gesehen? Die Diskussion über Frauen dieser beiden Parteien ist ehrlich gesagt für die Würschte. Molterer hat brav die Zahl seiner Funktionäre halbiert und die Hälfte pseudomäßig mit Frauen besetzt, der Faymann mit seinen Kindergartengeschichten, die man schon nicht mehr hören kann.

Wer hat bei der Diskussion gewonnen, wer konnte seine Ideen rüberbringen? Keiner, was aber Molterer schon gut anbringen konnte, wie groß der Schuldenrucksack ist und weiterhin anwachsen wird. Der Faymann will mit dem Willi nicht spielen, aber mit dem anderen Rest der ÖVP schon. Da hat er es ihm aber zum Schluss noch einmal schön reingesagt.

Wir merken uns, wo vermutlich in der heutigen Parlamentssitzung die MwSt-Senkung, die laut Haider EU-widrig ist, beschlossen wird, was 1 Liter Milch kostet, 1/4 kg Butter, 1 kg Kartoffeln, 1kg Mischbrot (ergänze ich später, ich weiß es nicht auswendig – wäre übrigens ein sinnvolles Blog-Stöckchen). Außerdem Molterers Aussage muss man sich merken, dass die Mehrkosten für diese Senkung 1,3 Mrd Euro betragenwerden. „Aber das stiiiiiiimt doch niiiiicht (Kasperlton!), ihre Zahlen sind ja schon wieder falsch“, sagte der Faymann, denn es wären nur 700 Mio – nooo, da werden wir dann schauen, wer der beiden Herren recht hat.

Das LIF hat gestern übrigens einen klaren Schnitt gemacht und den umstrittenen Parteivorsitzenden Zach seines Amtes enthoben. Offiziell sprach man davon, er hat selbst den Hut genommen.

P.S: Die anschließende Analyse war übrigens fad und nicht erwähnenswert. Nur, dass mich die Sopherl an eine Freundin von mir erinnert. Nicht vom Inhalt, aber von der Mimik her.

Advertisements

12 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

12 Antworten zu “Meine Herren, tun wir doch nicht streiten

  1. hasch mich, ich bin der willi ;))))))

    das mit dem kasperl ist mir beim faymann noch nie aufgefallen. erst jetzt, wo du´s schreibst wird mir bewusst: das ist tatsächlich exakt dieselbe aussprache und betonung. in zukunft werde ich wohl sehr viel spass mit herrn faymann haben! ich war wohl von molterers herumfuchtelei dermaßen abgelenkt, dass mir die wesentlichen dinge entgangen sind [wie auch die krawatten. und dazu sag ich: der herr molterer braucht eh keine libido mehr, der hat doch schon kinder, oder?]

    ich habe die preise auch nicht im kopf, zumal ich die sachen nicht immer im selben laden kaufe, oder heutzutage muss man ja sagen: bei derselben kette. aber ich werde heute aufmerksamer meine luxuriösen einkäufe erledigen.

    und werbegeschenk hab ich bis heute auch keins erhalten. aber ich hab eh schon genug kugelschreiber …

  2. Schwarz und violett: Das sind die Farben, die sexuelle Bedürftigkeit signalisieren.

    Nicht umsonst sage ich immer: Ich trage kein Schwarz, ich habe noch Sex!

  3. @tyndra: Interessant, wie der Kameramann, zwei drei Mal die Einstellung nur auf seine Hände nahm. Kam mir vor, wie betende oder verkündende Hände. 😀
    Haaaa, „der hat schon kinder“ ist ein guter Sager!
    Was die Kasperlstimme anbelangt, dachte ich mir, als T. fragte, es würde einer von den beiden arbeitslos werden und was er dann machen würde, der Faymann kriegt sofort einen guten Job bei der Urania Puppenbühne.
    Ich habe heute einen Einkauf erledigt, den ich wirklich in ein Blogstöckchen morgen packen werde. Würde mich freuen, wenn du mitmachst. Lies morgen mehr ….

    @buchstäblich: Das heißt die ganzen kreativen Werbeheinis signalisieren mit der Nichtfarbe, sie haben keinen mehr? 😉

  4. früher muss alles besser gewesen sein, als nicht das Volk, sondern der guate Kaiser Franzl den Ministerpräsidenten bestellen durfte. Hat er doch, hoffe ich.

  5. @lamiacucina: Bei dir bin ich immer vorsichtig, wenn es um eine besondere Epoche geht, weil du dich manchmal im Jahrhundert verirrst. 😉 Ministerpräsident, ich hab keine Ahnung wie die hießen, es waren damals nur fürstliche und gräfliche Herren Vertreten. Dank deiner, habe ich wieder einen schönen Fund gemacht, die Stenografischen Mitschriften des letzten Sitzungsprotokolls des Reichsrates im Parlament. Leider haben die Monarchisten zu wenig Unterstützungserklärungen bekommen, sonst wären sie auch bei der Wahl vertreten. 😀 Das wäre erst spaßig gewesen.

    Übrigens zu deiner Frage, der Kaiser hat den Parlamentarismus zeit seines Lebens immer abgelehnt und wurde mehr oder weniger freiwillig dazu gezungen, diesen einzuführen. Überhaupt war ihm das Wahlrecht ein Gräuel. Dafür konnte er im Reichsrat beschlossene Gesetze einfach ein- und absetzen, ohne Einfluss des Reichsrates. Der Kaiser hat das Parlament übrigens nur zwei Mal betreten, wie ich gerade lese, einmal beim Richtfest und dann bei der Einweihung. Sonst hielt er seine Thronreden immer in der Hofburg. 😉 Noch sehr witzig zum Reichsrat: Jeder Abgeordnete durfte in seiner Muttersprache reden und es gab aber keine Übersetzer. Alles nachzulesen hier.

  6. omg! schwarz und violett gehören zu meinen lieblingsfarben. ich glaub, ich muss mal ein ernsthaftes gespräch mit meinem mann führen 😀

  7. Ach jetzt weiß ich was Tyndras Link bedeutet hat! Man! Ich habe überhaupt nicht auf das Taferl geschaut, sondern nur angestrengt hingehört 🙂

    Ente, ob du es glaubst oder nicht – das mit dem Kasperl sagte ich gestern meinem Mann. Es ist irgendwie auch noch die Mundpartie die zum Gesamtbild beiträgt, nicht? Und dann die Stimme dazu 😆

  8. Dass das Hosentürl offen war, kommt schon noch auf youtube, keine Sorge. Oder ist das gar niemandem sonst aufgefallen?

  9. @tyndra: Wenn du dann ein rotes Kleid trägst, ist das zwar eine rabiate Farbmischung, aber es gleicht sich dann wieder aus. 😀

    @Bulgariana: Er ist der Kasperl! Primär von der Stimme her, aber das dauerfreundliche Gesicht macht ihn schon auch ein bisschen zur Handpuppe.

    @rufus: Da schau ich nicht hin, das kann mir gar nicht auffallen. 😉

  10. also für mich waren die Krawatten dunkel und hellblau. Vielleicht wie nahe sie der FPÖ stehen.
    ja, ich kann den Faymann nicht mögen.

  11. @weltbeobachterin: War denn Faymanns Anzug blau? Ich werde demnächt nochmals schauen, oder heute genauer! 🙂

  12. Danke für die Geschichtsstunde, hätt ich selber in „Das österreichische Jahrhundert“ von H. Andics nachblättern können, bei 650 Seiten geht mir das zu lange 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s