Aus der politischen Farbenlehre

Man nehme einen recht großen Klecks Blau und mische ihn mit einem kleineren Batzen Orange. Was daraus wird und zwar egal, wie viel Orange man verwendet – Braun.

Das gestrige Wahlergebnis hat mich erschüttert und ich spreche für all jene, die sich das nicht erklären können, wie so etwas passieren konnte. Ob das Land wirklich einem Rechtsruck ausgeliefert ist, glaube ich nicht, will ich nicht glauben. All jene, die sagen, das war in der Form vorauszusehen, die haben sich zurückgelehnt und hämisch in der Ecke gelacht, abgewartet, was passieren wird und jetzt haben wir den Scherbn auf.
Bei diesem Wahlkampf war St.rache mehr als zuvor großer Kritik ausgeliefert. Auch seiner hirnlosen Einstellung zu Fremden und Ausländern wurde jedes Mal lautstark mit Gegenargumenten entgegengesetzt. Beobachtete man, wer bei Wahlveranstaltung vor seinem Podium stand, so waren es verkalkte, dümmliche Menschen jenseits der 65.
Addiert man die Stimmen von Blau und Orange, dann kommen an die 28% zusammen. Das bedeute, jeder vierte in meinem Bekannten und Freundeskreis, hat diese Partei gewählt, was ich nicht glauben kann. Die Frage ist, bewege ich mich in einer komplett anderen Welt, oder leben diese Wähler im Untergrund? Woher nehmen diese Parteien ihre Stimmen? Zeigen sich Bürger sozialdemokratisch aufgeschlossen, haben ein liberales Gewissen, leben in einem bürgerlichen Lager und geben heimlich hinter der Wahlbretterbude ihre Proteststimme ab?
Was heißt Proteststimme? Wie tief kann man sinken, wenn man keine andere Möglichkeit findet, als so seinen Unmut kund zu tun und diesen beiden Parteien eine Stimme geben. Eine Stimme, die über mehrere Jahre hinaus Gültigkeit und in der Regierung Gewicht hat.
Wie kann man einem Haider glauben, dass er keine Kreide gefressen hat, wo er noch vor Jahren mit dem gleichen politischen Inhalt trommelte, wie sein Freund Feind HC? Wer kauft ihm seine Läuterung ab, du, du, oder du?

Warum hat der Kasperl verloren, wo er doch der Liebling aller Großmuttis war? Und hat dem Pezi tatsächlich sein Bart geschadet, so wie Van der Bellen, die beiden, die sich beharrlich nicht rasieren wollten? Leid tut es mir um Heide Schmidt, sie hat ihr Ziel sehr weit verfehlt. Es überrascht mich, aber ich bin in Wahlprognosen schon immer falsch gelegen.

Wohin gehen wir und wohin gehe ich, damit ich nicht in die gleiche Richtung gehe?

15 Kommentare

Eingeordnet unter befindlichkeiten, Die Welt

15 Antworten zu “Aus der politischen Farbenlehre

  1. diese fragen stelle ich mir auch. ich finde ebenfalls diese tatsache befremdlich, dass ich – genau wie du das schreibst – in meinem bekanntenkreis etliche rechts-wählerInnen haben muss. solche allerdings, und das ist noch einmal um einen tick schlimmer, die nicht zu ihrer gewählten partei stehen, nicht einmal zu ihrer, so es denn eine ist: protestwahl.

    mit dieser heimlichkeit gibt´ s dann natürlich auch keine diskussion und keine sachliche auseinandersetzung, was wohl wieder genau dem populismus der herren strache oder haider vorschub leistet.

    schlimm, das ganze. wenn die politik und die ausrichtung dieser herren sich tatsächlich durchsetzt, gehöre ich wohl bald der resistance an …

  2. Was hast denn zusammengezählt? Ich sehe fast 29 und das ist fast jeder Dritte 😦

    Mit den Wahlprognosen bist übrigens in guter Gesellschaft … mit den Meinungsforschern (die nicht einmal die einfache Übung dieses Mal schafften 😉 ).

  3. @tyndra: Es wäre einmal wichtig, den Menschen einen sinnvollen Tipp zu geben, wie man seinem Protest Ausdruck verleihen kann, ohne einer Partei mit einer gewissen politischen Färbung damit seine Stimme zu geben. Das ist ja so ähnlich, wie wenn man beim Schnapsen, die Adout-Dame ausspielt ohne einen 40er anzusagen.
    Die Frage ist tyndra, und ich bin froh, dass es auch andere Menschen gibt, die sich darüber Gedanken machen, ob man, gibt man eine Proteststimme ab, nicht doch mit diesem Gedankengut insgeheim liebäugelt?
    Eines ist für mich allerdings Gewiss, hätte das BZÖ nicht Haider als Frontmann gehabt, wären noch mehr Stimmen zu HC gegangen.
    Die Wähler suchen anscheinend charismatische, charmante, nicht unhübsche Lausbuben, die den großen Onkeln und Tanten das Sesselbein ansägen. So kleine Max und Moritz eben, oder böse Buben in der Schule.

  4. @rufus: Ich habe optimistisch wahlpolitisch abgerundet, rufus.

  5. ente, du lebst ebenso wie ich und die vielen grün-wähler/innen, die ich kenne, in einer anderen welt. ich glaube nicht an getarnte rechts-wähler. die, die solche parteien wählen, stehen normalerweise auch dazu, weil sie das gut und wichtig und richtig finden. ich glaube, es gibt mehr- und minderheiten und ich für meinen teil gehöre immer zu irgendwelchen minderheiten, ob mit politischen, kulturellen oder selbstverständlich auch kulinarischen ansichten. es macht mir nichts aus. aber selbstverständlich macht es mir etwas aus, wenn das, was in diesem land als „normal“ gilt, sich immer weiter von einer trotzdem noch irgendwie konsensfähigen mitte nach rechts entfernt. gestern habe ich kurz überlegt, doch noch in die politik zu gehen.

  6. Glückliches Österreich, es darf weitergewurstelt werden. Sorry.

  7. @katha: Ganz ehrlich, ich habe mir auch gerade Gedanken gemacht, man müsste sich politisch engagieren. Und zwar ohne Parteimitglied zu sein. Ich will keine politischen Fesseln tragen.
    Querdenker sind wichtig, mehr denn je! Daher behalte deine kritische Stimme in allen Belangen. Wir müssen auch außerhalb unserer Grenzen zeigen und beweisen, dass es noch ein paar gibt, die einen klaren Kopf haben.
    (Zu Grün – vdb hat, vergleicht man mit den anderen Parteien, einer der besten Wahlkämpfe hingelegt und jetzt ist er dieser Kritik ausgesetzt. Das ist nicht fair! Sein Problem ist wohl, er ist zu ehrlich für die Politik. Echt schade, ich hätte ihm diesen Erfolg von ganzem Herzen gewunschen!)

    @lamiacucina: Jetzt beginnt erst das Kasperltheater mit der Koalitionsbildung. Und es wird wieder eine große werden. Einerseits gut, weil man dem besagten Lager keine Regierungsgewalt geben will, was gut ist, schlecht, weil es nicht anders sein wird, als die Jahre zuvor.
    Bella gerant alii, tu felix Austria nube. Nam quae Mars aliis, dat tibi diva Venus.

  8. Wenn ich im Farbkasten Blau und Orange mische, kriege ich aber ein ziemlich ekliges Braun heraus!

  9. tatortkrimi

    Oh oh – „Brauner Sumpf breitet sich aus“, hieß es vor zwei Jahren in einem Spiegel-online-Titel, und da ging es noch um 15% der österreichischen Wähler, die eine fremdenfeindliche chauvinistische Politik unterstützten. Jetzt ist es fast doppelt so viel – kaum zu glauben, man reibt sich verwundert die Augen und faßt es nicht. Bleibt nur zu hoffen, daß es hauptsächlich (wenn auch idiotische) Protest- und keine Überzeugungswähler sind, und bleibt weiter nur zu hoffen, daß die beiden „großen“ Parteien realisieren, in welche Situation sie das Land gebracht haben, und entsprechen konstruktiv darauf reagieren.
    Daß ein Viertel oder Drittel Deiner Bekannten Rechts-Wähler sind, glaube ich nicht, vermutlich gehst Du den Rechten doch aus dem Weg, und so zimmert man sich seine „kleine“ Welt, in der es keine bösen Menschen gibt. Neulich z.B. war ich zu einem Geburtstag eingeladen, und einer der anderen Gäste entpuppte sich als Neo-Nazi, mit dem ich eine sinnlose und unerfreuliche Diskussion hatte. Hinterher habe ich darum gebeten, auf kein Fest mehr eingeladen zu werden, wo der auftaucht.

  10. oh, steht eine Hochzeit ins Haus ? Hoffentlich trägt die Braut eine schöne Mitgift bei.

  11. @buchstäblich: Genau, das Braun ist hässlich, das möchte man in keine Wohnung und Haus hängen.

    @tatortkrimi: Die ausländische Presse schreibt wieder so. Wobei ich ja nur das Urteil jener Ernst nehme, die hier akkreditiert sind. Sie kennen das Land, sie wissen, man bewegt sich hier nicht mehr oder weniger im braunen Sumpf, wie wo anders.
    Ja, die Protestwähler sind Idioten! Man müsste einen Leitfaden herausgeben, was und wie wähle ich, um einen Protest gegen eine Regierung zu demonstrieren. Auch das Wählen von Kleinstparteien ist leider ein Schwachsinn. Denn alle Stimmen, die Parteien erhielten, die nicht in den Nationalrat gewählt wurden, werden auf die stimmenstärksten Parteien nochmals aufgeteilt. Und wer pascht sich dabei in die Hände? Jene, die eh schon genug Stimmen haben, obwohl sie sie nicht verdient haben.
    Mir gefällt deine Zivilcourage! Durch dein Fernbleiben hast du dein Missfallen gezeigt, aber was diese Menschen brauchen, ist stetiger Gegenwind und den hast du mit deinem Fernbleiben nicht geschaffen. Hingehen, diskutieren und abwatschen – so lange, bis er es kapiert. 😉

  12. tatortkrimi

    Ich wollte damit bloß sagen, daß man sich sein Umfeld meist nicht nach statistischem „Proporz“ aussucht, sondern nach anderen Gesichtspunkten. Wenn sich in Deinem Umfeld keiner als Rechtswähler outet, heißt das nicht, daß es jeder Vierte oder Dritte heimlich doch tut. 😉
    Wieviel Sinn macht es, mit dem Papst über die Existenz Gottes zu diskutieren? Wobei das wahrscheinlich noch ein halbwegs intelligentes Gespräch wäre. Mit dem Nazi kann man nicht diskutieren: Die schiere verbohrte Dummheit, jeglichem sachlichen Argument unzugänglich (die Strafbarkeit der Holocostleugnung war für ihn ein Beweis dafür, das es den tatsächlich nicht gegeben habe etc.) – das kann ich nicht oft ertragen, schon gar nicht, wenn ich auf eine Geburtstagsfeier gehe. Der Blödheit einmal ins Gesicht geschaut, man wendet sich mit Grausen!

  13. @tatortkrimi: Da hast du wohl Recht. Aber manchmal kommt noch die Kämpferin in mir durch und dann möcht ich diesen Leuten mit der Bratpfanne eine drüberziehen. Dann denke ich mir auch vergebene Liebesmüh, aber vielleicht werden sie einmal aussterben, sind unfruchtbar, oder …. haben einfach nur die Krätze am Hintern.

  14. wie schon Busek so schön einst zu Schüssel sagte:
    „Stell dich deppert, wenn gescheiten wollens nicht!“
    mein Umfeld entspricht auch nicht diesem Wahlergebnis. Mir würde es eh besser so gefallen. einige äußerten schon bissl Sympathien für die Rechten. Eine von meiner ehemaligen Klasse ist beim RFJ gewesen. Sie war aber die einzige, die ich kenne die bei diesem Verein dabei war. Politisch haben wir unsere Meinungsdifferenzen gehabt. Eine ehemalige Studienkollegin von mir, die hat FPÖ gewählt, weil ihr Papa ihr Geld gegeben hat, damit sie wählen geht und die FPÖ wählt. Voll doof in meinen Augen. Ich habs ihr auch gesagt. Auch wenn ich dasselbe wie meine Eltern gewählt habe, habe ich es gewählt weil ich es will und nicht weil sie es wollten.
    Ich glaube, an das dass das viele Protestwähler waren. Darum bin ich ja für keine Große Koalition mehr. Will Faymann die FPÖ wirklich zur stärksten Partei machen? Ich wär für rot-grün als Minderheitsregierung mit oranger Unterstützung. (Nur so erspart man sich einen Herrn Frauenminister Stadler und eine Integrationsstaatssekretärin Winter)
    Die Leute vergessen schnell, darum ist das möglich. und viele spielen mit dem Feuer

  15. @weltbeobachterin: Deine Studienkollegin wäre aus sich herausgewachsen, wenn sie das Geld genommen hätte und ihre Stimme der Partei gegeben hätte, die sie will. Aber ganz ehrlich, so wie der Vater agierte, das entspricht total dem Parteiverhalten der FPÖ. Einer rennt vor und alle rennen nach. Nur nicht aufmucken, nur keine Kritik üben und was ganz verpönt ist, ja nicht denken, einfach nur tun, wie es der vor dir macht. Und wenn du brav bist, dann darfst du die den Korb mit den Wahlbärlis vom HC neben ihm hertragen.

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