Kürbisgulasch

Streift man durch die Märkte, ich meine damit die unpersönlichen Hypergemischtwarenhandlungen, so liefern sich um diese Zeit Lebkuchenberge mit Kürbisplutzern harte Kämpfe. Der eine – Lebkuchen – wird als viel zu früh gelandeter Vogel gesehen und der andere wird in einem Übermaß angeboten (was ich jetzt schreiben wollte ist total ungebührlich, daher lasse ich es), dass es einem schon Angst und Bang wird.

Früher wurden Kürbisse den Schweinen als Futter kredenzt. Da hat man kein großes Gsturi gemacht, welche Form und welche Farbe der hatte, rein in den Trog und wegfuttern war die Devise.

Nun im Laufe der Zeit, wird der Mensch zum Schweindl Feinschmecker, weiß was wirklich gut ist und lässt sich dadurch allerlei Gerichte einfallen, weil irgendwie muss man das Klumpert doch wegbekommen, das da für Schweindlfutter eigentlich recht teuer angeboten wird. Da kursiert, das Variantenreichtum kaum zu übertreffende hundertelfte Rezept einer Kürbissuppe, das ach so kreative Geheimnis von Kürbiskartoffelpuffern und nun komm ich noch mit einem Gulaschrezept daher und ich frage mich allen Ernstes: Wohin soll das noch führen, wenn ich mich diesem Mainstream anschließe? (Halloween feiert die Ente aber nicht! So ein Spuk kommt mir nicht in den Weiher, da reite ich lieber auf einem Besen) Wie lange ist der Kürbis noch modern, oder bin ich gar schon zu spät und der Zug ist fast abgefahren? Was kommt nach? Ganz zaghaft sind es die Paradeiser, die in allen Farben und Formen auf den Markt kommen. Sie werden als alte Sorte angeboten (in meinem Bekanntenkreis haben sie vor 50 Jahren nur rote, runde Paradeiser gezogen) und wo man mich einer ungerechtfertigten Kritik straft, weil wirklich jede Wuchsform und Farbenvielfalt anders schmecken soll. Ich schmecke nur Paradeiser, wurscht ob mit länglicher Ausbuchtung, oder mit Zebrastreif. Egal in welchem Kleid, ich darf sie ob des hohen Histamingehalts sowieso nur in Maßen genießen. Welche Krankheiten lösen eigentlich Kürbisse aus?

Nichtsdestotrotz stecken wir den usprünglich aus Japan stammenden Hokkaidōkürbis in ein ungarisches Gewand und machen ihn zum Haberer (aus dem Ungarischen und heißt Freund) aller Hausfrauen und Familien, ob er das nun will oder nicht, da muss er durch. Nichts ist im Leben geschenkt und schon gar nicht ein Kürbis! (Kilopreis 1,29 Euro, darf ich ein bissl raunzen?) Also schleppen wir einen Kürbis herbei und machen daraus Gulasch!

Zutaten (1 dag = 10g)
1kg Kürbis (Hokkaido, oder was weiß ich, Hauptsache orange ist er)
5 kleine mehlige Kartoffeln
1 grüner Paprika
2 große Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
2 EL Pflanzenöl
1/4l Gemüsesuppe
2 EL süßes Paprikapulver
2 EL Tomatenmark
60 ml Weißwein, ich habe dunkles Bier verwendet
4 Stück Debreziner (vegetarisch weglassen, ist wohl klar?)
10 dag Frischkäse (Brunch mit Paprika und Peperoni)
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, Kümmel, Thymian, Majoran

Zubereitung
Den Kürbis und die Kartoffeln schälen, wobei man den Kürbis nicht schälen muss, man kann ihn auch mitsamt der Schale verarbeiten, was aber nicht so schön aussieht. Kürbis und Erdäpfel in Würfel schneiden (ca. 1 cm). Zwiebel, Knoblauch und Paprika, fein würfelig schneiden und in einem großen Topf zwei Minuten in Öl anbraten. Kürbis und die Kartoffeln zugeben, mit der Gemüsesuppe, einem Schuß Bier aufgießen und mit den Gewürzen versehen. Etwa 20 Minuten im geschlossenen Topf bei niedriger Hitze leicht kochen lassen, bis die Kartoffeln und der Kürbis weich sind.
Die Debreziner in dünne Streifen schneiden, ins Gulasch geben. Das Gulasch noch einmal aufkochen. Sauerrahm, Brunch oder Kaffeeobers vor dem Servieren unterrühren.
Und dazu passt ein Zigeunerbaron, wie der da umrührt, da kann man schon etwas dazulernen.

Damit ich rehabilitiert bin: Dieses Schweinefutter hat hervorragend geschmeckt und kommt sicherlich wieder in den Topf der Ente.

Advertisements

19 Kommentare

Eingeordnet unter küchenente

19 Antworten zu “Kürbisgulasch

  1. das ist ja mal was ganz Ausgefallenes für den Kürbis!

    Gute Sache!

  2. Das habe ich schon sehr gern – nur in letzter Zeit ist es mir zu viel orange … da kriege ich dann die Scheißerei.

    Was mich ja weit mehr interessiert? wo bekomme ich die wirklich sehr würzigen Debreziner her? oder heißen die Pusztawürstel? Sie sind deutlich kürzer als Frankfurter, dafür dicker, seeeeehr würzig und wenn man die gekochten anschneidet, dann rinnt das fette würzige Saftel nur so heraus, dass es eine Freude ist …

  3. Super Tipp, das Erdäpfelgulasch mal mit fast ohne Erdäpfel zu machen*grins* – das koch ich doch glatt nächste Woche in der Steiermark, weil Mütterchen eh noch nie orangenen Kürbis gegessen hat.

  4. Das Rezept werde ich am Sonntag ausprobieren. Kürbis, Debreziner, dunkles Bier… Genau meine Kombination!

    Nächstes Jahr lade ich dich ein um eine Tomatenverkostung zu machen. Du wirst überrascht sein wieviele verschiedener Geschmäcker Tomaten haben können. Ich verspreche es dir 😉

  5. @Bolli: Du kennst das gar nicht? Dann macht mir das eine richtig stolze Entenbrust.

    @rufus: Könnt schön sein, dass die Debreziner bei euch Pusztawürstel heißen. Aber die unsrigen sind dünn und um ein Äuzerl länger als die Frankfurter. Mit an Schoarfen, an grissenen Kren und einem Handsemmerl ein Gedicht! Gerade nachgeschaut, der Schirnhofer hat auch Debreziner.

    @Gerlinde: Genau, es ist eigentlich das Grundrezept vom Erdäpfelgulasch. Wobei ich ins Erdäpfelgulasch eine Klobasse reinschneide – Unterschied muss sein. 😉

  6. Kürbisgulasch hatte ich vorige Woche – mit Rindergulasch, statt Würstel, aber lecker war es auch, zumal eine rote Peperoni noch Dampf obendrauf machte.

    (notiert sich die neue Vokabel „Klobasse“ und geht die Bedeutung nachforschen)

  7. @Bulgariana: Auf dein Verkostungsangebot komme ich, so unverschämt bin ich, sehr gerne zurück. Wir können uns auch ins Landtmann setzen und dort deine Paradeiser verspeisen, wenn du Landflucht verspüren solltest. 😉

    @buchstäblich: Der erwähnte Brunch ist auch höllenscharf und hat dem Gulasch eingeheizt.
    Klobasse ist Burenwurst, vulgo Burenhäutl und ist, glaube ich, in deiner Region eine Bockwurst. Wobei ich nicht weiß, wie Bockwurst schmeckt. Wenn sich Karl H. hierzu melden sollte, dann können wir ihn fragen. 😉

  8. Bockwurst hat ein feines Brät, Klobasse, verriet mir die Suchmaschine, ein eher grobes. Aber egal: Klobasse klingt viel spannender als Bockwurst: So ein schönes Wort.

  9. Danke für den von Jansons angerührten Zigeunerbaron. Damit könnte ich sogar Kürbisse runterwurgeln. Unterstützt von viel Paprika und Debrezinern.

  10. @buchstäblich: Nachdem ich einmal in Berlin Zwischenstop machte, habe ich als „must“ Currywurst gekostet – man will ja mitreden können. Das nächste Mal wird es, wo ich auch immer in D landen werde, Bockwurst sein und hoffe, die schmeckt besser als die in Ketchup badende Wurst aus Berlin.

    @lamiacucina: Ich sehe, du bist auch ein wenig vom Kürbistrend überfüttert. Trotzdem ist dieses Rezept – Eigenlob stinkt gerne – eine würzige Alternative zum Einheitsgatsch.

  11. Von Kürbisgulasch habe ich auch noch nie gehört – danke für die Idee und das Rezept!

    Wir hatten uns heute beim Mittagessen mit älteren Semestern darüber unterhalten, dass Kürbis während und nach dem Krieg gegessen wurde und danach in Vergessenheit geriet (ja, Schweinefutter), so langsam kommt er ja wieder in Mode.

  12. also das sieht lecker aus, ich würde es mit Most statt dunklem Bier probieren. aber auch nur, weil wir welchen daheim haben.

  13. @Barbara: Was mich dabei stört, wenn etwas in Mode kommt, dann scheint es „fast“ nichts anderes um diese Zeit zu geben. Hierzulande gab es glaube ich während der Kriegszeit keine „Esskürbisse“, zumindest habe ich davon noch nie erzählt bekommen. Was es schon seit ewig gibt, das sind die Kürbisse zur Kernölgewinnung, die hauptsächlich in der Steiermark zu finden sind.

    @weltbeobachterin: Apfelmost? Wenn ja, süßen oder herben? Das kann ich mir auch gut vorstellen!

  14. Currywurst isst man lieber in München, beim Bergwolf, weil dort die echte Bochumer Wurst Wurst von Dönninghaus verbraten wird. Bockwurst ist desgleichen eine enorme Glückssache: Man kann da wahnsinnig Pech haben.

    Nachschlag zum Kürbisthema:
    Bischofsmützen harmonieren trefflich mit Karnickel im Schmortopf, wenn sie einige Walnüsse zum Spielen bekommen.

  15. Ich habe schon öfter Kürbisgulasch gemacht, aber Brunch ist neu für mich, das muss ich unbedingt ausprobieren! Ich habe kürzlich auf der Heimsteite von BRUNCH gestöbert und interessante Rezepte gefunden.

    Liebe Grüsse

  16. Gärmost
    den süßen trink ich lieber!

  17. @Wienermädl: Servus im Ententeich! Ja, das habe ich auch gelesen, man kann Brunch für viele Dinge einsetzen.

  18. Mmmm Erdäpfelgulasch ist meine Leibspeise und Kürbisfan bin ich auch. Ich glaub, du kombinierst hier vom Allerfeinsten.

    Wir experimentieren derzeit auch viel mit unserer Kürbisernte.

    LG Andreas

  19. @Andreas: Grüß Gott im Ententeich. Schwimmflügerl nicht vergessen!
    Da muss ich gleich schauen, was ihr mit Kürbissen experimentiert. ES gibt sogar Marmelade davon!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s