Der Trend zum Zweitbuch

Nun gibt es Blogs, die haben sogenannte „Lesewitschääätts“. Ob sie nun wirklich so heißen, weiß ich nicht. Aber man suggeriert auf jeden Fall mittels Buchbildchen dem werten Blogbesucher belesen zu sein. Darüber, wie über den Ankauf eines zweiten Buches habe ich schon lange nachgedacht. Man möcht ja nicht zwingend deppert dastehen. Gibt es eigentlich auch Bücherbuttons, die man sich auf’s Revers heften kann? Haaaaa, die Marketingidee für gescheites Sein!

Womöglich glauben die Leute, ich lese gar nichts, weil ich so gar nie bis selten darüber schreibe, was ich lese und davon halte. Nun, ich bin eine überaus kritische Haut und daher tauge ich nicht für Rezensionen. Außerdem gefallen mir manchmal empfohlene Bücher gar nicht. Nachtzug nach Lissabon war so ein Wälzer, wo ich froh war, den durchgekaut zu haben. Das Buch war aber geborgt und so habe ich es zurückgeben können. Welch Freude!
Die vor dem Sommerurlaub empfohlenen Bücher, habe ich noch nicht angeschafft, weil ich die Liste nie dabei habe, wenn ich in der Buchhandlung stehe. Jetzt bin ich aber organisiert und habe mir so ein modernes Notizbücherl mit einem Hosengummi gekauft – mit lauter weißen Seiten!!!! -, wo ich letztens Teile einer Speisekarte darin vermerkte und auch die Buchempfehlungen notieren werde. Ich bin schon wieder so langatmig …


Heute hatte ich auf jemanden länger zu warten und so vertrieb ich mir die Zeit in der Buchhandlung. Ein kleiner, feiner Tisch in der Größe eines Nachtkästchens (besser als nichts), bot österreichische Literatur an. Und da ich absoluter Glattauer-Fan bin, schnappte ich mir sofort sein Buch Rainer Maria sucht sein Paradies. Nicht nur, weil da so viele Bilder drinnen sind und so wenig zu lesen ist (ich lese gerne auch ohne Lesestoffwitschätt), sondern weil mir die Geschichte auf Anhieb gefiel. Dass das Buch mit einem Zitat von Rilke beginnt, dürfte kein Zufall sein.
Die von allen gehasste Nacktschnecke (oder hält die irgendwer als Haustier) wird hier zum charmanten Hauptakteur, der sich in ein Garnelenweibchen verliebt. Nein, mehr verrate ich nicht, denn das Buch ist wirklich Pflichtlektüre. In jedem Satz steckt so viel Wortwitz, dass ich vieles vorwegnehmen würde. Nur so viel: Wenn die Ente einmal lauthals in einer großen Buchhandlung lacht, dann ist das Buch lustig und genial!

(habe ich eh Glattauer geschrieben, irgendwie verunstalte ich den Namen immer zu Glatterauer. Schaut auch schön aus, oder?) Rainer Maria zweng möglicher copyright-Veretzung (man traut sich ja nicht einmal mehr ähnlich wie sein Nachbar zu husten) der sehr gut gemachten Illustration Johanna Roithers nachempfunden.

Ein zweites Buch ging auch mit: Kollateralschaden – zartes Orange, das gut zwischen zwei dunkelblauen Buchrücken passen würde. Ich glaube irgendwie, ich könnte mich in diesem Buch wiederfinden.

Noch etwas: Einen Bildband durchgeblättert und dabei eine Aufnahme des Künstlers Horst P. Horst gefunden. Wahnsinnsbilder!

(Pfau, vier Tags on this post – crazy!)

15 Kommentare

Eingeordnet unter Ent(e)deckt, ente on tour

15 Antworten zu “Der Trend zum Zweitbuch

  1. Aha! Hast du also freundlicherweise gewartet, bis ich mein „Lesewitschääätt“ entferne um das hier zu schreiben, hm? Sehr nett 8)

    Also ich hatte den, um zu zeigen wie oberflächlich ich bin *g* Denn darauf fand man nur „Frauenbücher“. Zu zeigen was man gerade liest, gehört doch auch ein wenig zum Blogtrend des Entblößen, nicht.Man erzählt was man kocht, wo man war, was man liest, wie lange das Baby geschlafen hat, was man beim Einkaufen erlebt hat.

    So und jetzt die wichtige Frage – bin ich zu blöd oder ist diese wundervolle Schneckenzeichnung von dir?

  2. tatortkrimi

    Der Nachtzug steht auf meiner Liste der überschätzten Bücher ziemlich weit oben (in Wirklichkeit habe ich so eine Liste gar nicht … bevor Du mich nach den anderen Titeln fragst und mir peinlicherweise nur Thomas Mann und Goethe einfallen, gebe ich es lieber zu; aber wenn …). Lesewidget habe ich nicht in meinem Design, kannst Du mir ein Beispiel sagen?

    Gefällt mir gut, daß Du nicht nur die Politiker nach dem Muster ihrer Krawatten und die Bücher nach der Farbe ihres Umschlags auswählst, sondern das auch noch öffentlich zugibst! :>>

    Ich weiß, ein Buch ist kein Sack Kartoffeln, aber unwillkürlich reagiere ich trotzdem so: Nur 74 Seiten für 19,90, da schrecke ich doch ein wenig zurück, da muß die Liebe schon groß sein, besonders bei einem Debüt-Kauf – welches Buch würdest Du einem Glattauer-Anfänger empfehlen?
    Kollateralschaden klingt interessant, ich bin gespannt, was Du darüber berichtest.

  3. ich persönlich finde ja, dass die allermeisten hochgelobten bücher sich dann im echten leben ziemlich langweilig lesen. die schwer umstrittenen dagegen machen meistens spass. ich hab übrigens kein lesäwitschääätt, aber ich glaube, ich brauch auch keins. ein stimmungswitschääätt würd mir sehr viel mehr vergnügen machen 🙂

  4. @Bulgariana: Dein Witschäääättt ist mir gar nicht aufgefallen!
    Gut, das ist nicht nur im Blogleben so. Sehr häufig wird man gefragt, was man liest und welche Musik man hört, ob man das T-Shirt links und rechts am Saum fasst und dann über den Kopf zieht und dann noch andere wichtige Dinge, um jemanden einen gewissen Hut aufzusetzen.
    Jaaaaa, Rainer Maria entstammt aus meiner Feder. Die Originalzeichnungen sind aber viel herziger, das muss ich in aller Bescheidenheit sagen. :-)))

    @tatortkrimi: Die erste Kaufentscheidung bei einem Buch fällt sicherlich über den Einband. Zumindest wenn man vor einem Berg Bücher steht und die Augen wandern lässt. Dann liest man den Titel, der aber in der heutigen Zeit kaum mehr Aufmerksamkeit erregen kann. Ein stilisierter nackter Frauenkörper ist da schon wesentlich besser, oder ein Bluttropfen für einen Krimi. Der Preis natürlich auch, wobei ganz ehrlich, wenn du dir dein Brot mit Bücher schreiben verdienen müsstest, dann denkst du dir „Verdammt noch einmal, kauft euch das Buch um den Preis, oder lasst es einfach bleiben. Ich muss meine Familie genau so versorgen, wie der Leser.“ Dass das meiste Geld der Verlag einsteckt ist mir schon klar, aber das ist auch bei der Tomate aus dem Supermarkt so, wo der Zwischenhandel kräftig mitschneidet.
    Welches Buch ich dir von ihm empfehlen würde? Dieses eine – es ist ein schöner Seelenwärmer und dann sein vorangegangenes „Gut gegen Nordwind“. Das wollte ich mir eigentlich kaufen, bin aber über die Neuerscheinungen gestolpert und habe es dann vergessen zu suchen. Du warst aber sicher schon auf seiner HP, wie ich dich kenne und hast dir die Liste seiner Bücher angesehen. Da wären auch welche für das Genre, das dir eher liegt. Nicht richtige Krimis, aber aus dem Millieu.
    Ich merke mir, über Kollerateralschaden zu berichten. Vielleicht im Zuge einer eigenen Einkaufstour im Supermarkt. Deswegen hat mich das Buch auch so angesprochen.
    Nur kurz zum Nachtzug. Das Buch hat mir gefallen, weil es philosophische Ansätze hatte, daher habe ich mir recht viel davon versprochen. Die Geschichte hat für mich keinen durchgehenden roten Faden. Teilweise wirkt es, als hätte der Autor während dem Schreiben sehr lange Pausen eingelegt, weil wenn er mit einer neuen Sequenz beginnt, dann wirkte es, als wüsste er nicht mehr, wo er aufgehört hat. Ich habe mich im Lesefluss unwohl gefühlt, irgendwie gehetzt. Also nicht die Ruhe, die man sonst empfindet, wenn man liest. Das Hineinsinken in eine Geschichte. Ich habe mir aber einzelne Stellen markiert und am Schluss nochmals gelesen, also es ist nicht so, dass mir das Buch nicht gefallen hat, nur als Einheit habe ich es nicht gesehen.

    @tyndra: Das stimmt allerdings. Buchempfehlungen über irgendwelche hochgelobten Artikeln in Zeitschriften sind sehr oft ein Rohrkrepierer.
    Stimmungswitschääät ist gut, hast du eine Idee? Ich würde gerne gemäß meiner Stimmung ein Tier sein. Liegt wohl auf der Hand, oder? :-))

  5. tatortkrimi

    Danke, der Nordwind ist bestellt. Und eine kleine Berichtigung: „Rainer Maria … “ hat 48 Seiten, dafür kostet es aber auch nur 12,90 und nicht 19,90, wie ich irrtümlich schrieb. Du hast natürlich Recht mit den Preisen, Schriftsteller zu sein ist ein hartes Brot, wenn man nicht gerade Bestsellermassenware produziert – wenn ich könnte, würde ich nur Hardcover kaufen, aber mein Budget für neue Bücher ist zwangsweise so knapp, daß ich in letzter Zeit immer mehr auf Second-Hand-Bücher zurückgreife, wovon der Schriftsteller leider gar nichts mehr hat. Ein Dilemma, aber was soll man machen?

  6. @tatortkrimi: Wir sind gute Steuerzahler und dürfen 10% auf Bücher blechen. Daher sind Bücher in Österreich teurer. 13,30 kostet Rainer Maria bei uns und die Autoren werden davon nicht fetter. 😦
    Ich borge mir Bücher gerne aus.

  7. @tatortkrimi: Schau dich doch einmal um, wo bei dir Bücher kreuzen. http://www.bookcrossers.de

  8. @Ente, ich wäre sehr gespannt auf noch mehr Zeichnungen von dir 🙂

  9. @Bulgariana: Bitt di gar schön, das ist ja so was von mir dilletantisch gestrichelt. Ich zeichne nur im Notfall! :-))

  10. Ein zweites Buch ging auch mit … wie soll ich das nun bloß verstehen? 😉

    Und bitte kein Zweitbuch … dann komm ich mir mit meinem Buch so unter….. vor.

  11. @rufus: Über den Kassentisch, so kannst du es verstehen.

  12. tatortkrimi

    Interessante Seite, die bookcrossers. Meistens möchte ich die Bücher behalten (haben haben haben), die ich gelesen habe, und die ich nicht mochte, gebe ich nur auf Anforderung weiter, schau hier: http://tauschticket.de

  13. @tatortkrimi: Das geht mir ähnlich, deswegen habe ich ja gesagt, der Nachtzug war Gott sei Dank nur ausgeborgt. Ich wäre nämlich sonst im Dilemma gewesen, einen Platz für ein Buch zu finden, das ich nicht möchte. Das ist so, wie wenn ich einen Eindringling bei mir zu Hause habe (ein bissl paranoid).
    Die Tauschseite finde ich aber auch sehr gut. Wie funktioniert das? Du suchst dir ein Buch aus und gibst dafür einen Ladenhüter her? Ich sehe gerade man tauscht gar nicht, sondern man verkauft. Ein wenig verwirrend.

  14. Pingback: Apokalypse im Supermarkt « Entegutallesgut

  15. Pingback: Alle sieben Wellen « Entegutallesgut

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