Spezialgerät für Spezialgebiet?

Achtung Spezialisierungsfalle!

food-o-grafie

food-o-grafiert finde ich ein schönes Wort und nehme es zum Anlass, wie ein Herdentier hier auch meinen Senf dazuzuhäufen.
Soll man für Essen (neudeutsch „food“ – weiches D langes U) einen eigenen Fotoapparat anschaffen? Diese Frage hat mich ein wenig aus der Bahn geworfen. Nun überdenke ich wirklich einiges, aber mir für Speisen einen eigenen Fotoapparat anzuschaffen eigentlich nicht. Kurz stellt sich die Frage bei mir, ob ich vielleicht für Kochshows im TV einen eigenen Fernseher brauche? Wird Chili erst bei Plasma oder bei LCD richtig scharf?

Ich habe freilich den Trend vernommen, wo keine Bilderln, da kein Interesse – und arbeite gerade an einem Kochbuchcomics, oder gibt es das vielleicht schon? Ich meine, es gibt ja einige in der Kochbloggerszene, die wirklich ganz tolle Bilder machen, wo mir das Wasser im Mund zusammenläuft die Augen staunend offen stehen bleiben. Ganz toll, wie das Essen in das rechte Licht gerückt werden kann. Bei lamiacucina weiß ich zum Beispiel ganz genau, welches Wetter dort gerade ist. Er hat eine Brettkonstruktion ähnlich eines Sprungbrettes für ein Schwimmbecken, auf dem er seine Teller als (meterweite) Rampe ins rechte Sonnenlicht rückt. Er berichtete nicht davon, wie viele Teller ihm schon mit einer Dreifachschraube in die Tiefe geplumpst sind, aber erzielt durchwegs gute food-o-grafische Ergebnisse. Barbara’s Kochwiese stellt auch schön jahreszeitmäßig ihre Speisen einfach in die Wiese. Scheint die Sonne auf dieses Fleckchen Erde, dann leuchtet die Speise auch schön, ist es trüb und wolkig, schaut das Gericht noch immer köstlich aus, erstrahlt allerdings nicht in dem Glanz, wie man es sich wünschen würde. Und wer zu Hause fotografiert, wie es zum Beispiel Zorra immer macht, da frage ich mich, wie viele helfende Hände hat sie? Wie macht ihr das, gleichzeitig Teig auswalken und fotografieren? Essen fertig angerichtet haben und vor dem Verspeisen retten „Nein, das muss zuerst fotografiert werden, bis du das kalt essen darfst“ – hängt da nie der Haussegen schief, denn immerhin hält doch Essen, Leib, Seel und Liebe zusammen, oder? Und ob die Kochblogger vielleicht eine eigene Kamera haben, weil man mit einem fett- und teigverkrusteten Gerät nur unschön in einem Museum punkten kann.
Wie also beleuchtet man richtig, ohne sich dabei immer einen Platz an der Sonne suchen zu müssen (gerade beim Assoziationsspiel mit Udo Jürgens „Die Sonne und du – huhuhuuuu“ gewonnen). Man könnte sich so eine Blue Whitebox machen und dort seine Nudeln hineindrappieren, einen eigenen Beleuchter engagieren, wenn die Werbeeinnahmen passen, oder einfach in der Küche Festbeleuchtung einschalten: Alles was brennen kann, brennt lichterloh!
Daher finde ich viel wichtiger, mit welchem Licht fotografiert wird, als mit welchem Gerät.
Mein Fotoapparat ist bereits 3 Jahre alt, was im digitalisierten Zeitalter einem Methusalemalter gleichzusetzen ist. Ich habe „nur“ eine Auflösung um die achtmillionenmegapixeldieichauffünfmillionenreduzierthabeumspeicherplatzzusparen, bei schneller Fotofolge muss ich ziemlich Geduld zeigen, die Makroeinstellung könnte besser sein und ich hätte damals nicht sparen sollen und mir eine Kamera mit auswechselbaren Objektiven kaufen sollen. Brauch ich nicht, dachte ich mir, will ich schon, weiß ich jetzt. (Obwohl, ich finde es gibt nichts furchtbareres und spießigeres im Leben, als mit Fototasche herumzugehen! Also, wie ließe sich dies vereinbaren?) Aber wenn ich mir ansehe, dass mein Gerät eigentlich schon mit einem Rollator durch die Blogs fährt, wäre es fast angebracht, ein neues Ding anzuschaffen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Ganz einfache Entscheidung: Wir lassen den alten Fotinger, weil ich eine treue arme Seele bin.

Mein Foto des Monats Oktober ist ein Glas Schilchersturm. Im September wäre es ein Teller mit Äpfeln (auch aus der Steiermark) gewesen. Das ist nun nicht wirklich „food“ aber „drink“, zeigt aber, dass ich mir nie im Leben einen Fotoapparat nur für Essen kaufen würde. Ganz ehrlich, die Ausgabe dafür verfress ich lieber – zum Beispiel auf der Schilcherweinstraße im Steirischen!

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8 Kommentare

Eingeordnet unter küchenente

8 Antworten zu “Spezialgerät für Spezialgebiet?

  1. Uiuiui, anfänglich wollte ich sagen, 3 Jahre – weg mit dem Schrotti … aber bei dem Foto bleibt mir nur eins – her mit dem Glas 😉

  2. @rufus: Gerne, ich habe vom Sturm jetzt einmal ein Jahr genug. 🙂

  3. Ich kriege nicht genug und werde mich daher um die „Reste“ kümmern …

  4. Also, abgesehen davon, dass ich deine Fotos durchaus tauglich finde: Wir sind so gut in bildhaften Schilderungen, wir müssen gar nicht extra fotografieren, finde ich.

  5. Für dieses Bild hättest Du einen Preis der steirischen Landwirtschaftskammer verdient. Die Sonne bringts.

  6. @buchstäblich: Ja, das glaube ich auch, dass wir mit Worten malen können. Aber manche wollen halt nicht lesen, da helfen die schönsten Worte nicht. 🙂 Aber ich kann damit leben, denn wer nicht lesen mag, der schreibt auch nicht gern und somit weiß ich gar nicht, wer hier nicht liest. :-))
    Mit den Bildern und meinem Fotoapperat bin ich doch sehr zufrieden. Als ungelernte Kraft bin ich über die Ergebnisse immer wieder glücklich!

    @lamiacucina: Einen Orden bitte, so schwer, dass ich deswegen bucklig werde. Die Sonne ist das schönste Licht, das sieht man ja immer an deinen Bildern. Irgendein bekannter Fotograf, mir ist gerade der Name entfallen, obwohl er sehr einfach war, sagte einmal: Wenn die Sonne knapp vor’m Untergehen ist, dann hat jeder Mensch ein Gesicht wie ein Fotomodell.

  7. tatortkrimi

    Nach den Fotos zu urteilen tut’s die alte aber noch ausgezeichnet – was ich immer wieder nicht nur an dieser Stelle bewundere ;). Aber neuer und besser ist natürlich schöner, kenn ich auch (ich hätte gern diese hier: http://tinyurl.com/4d83st ), auswechselbares Objekt ist ein Traum! Was andere Leute oder ich selbst für spießig halten, davon sollte man sich komplett lösen (gern gebe ich Dir noch mehr Ratschläge :)) ), für mich zählt eher, daß sie so unpraktisch sind. Ich trage die Kamera an so einer kleinen Gürteltasche, wenn ich gut drauf bin, ziehe ich schneller als Lucky Luke (der ja sogar dafür bekannt ist, schneller zu ziehen als sein eigener Schatten).

  8. @tatortkrimi: Die ist natürlich toll (rot, passend zum Handy und zur Waschmaschine :-)) ).
    Dann trägst du einen Gürtel, mit Handy, Fotoapparat, Messer und Trinkflasche? Unsereins hat dafür einen „Zeger“= Riesenhandtasche mit unendlicher Tiefe und Verstaumöglichkeit. 😉
    Du kannst mir gerne Ratschläge geben, wenn ich mich damit aber selbst spießig sehe, dann müsste ich erst in eine tiefe Meditation fallen, um mich SELBST davon lösen zu können. Ob mich andere was weiß ich wie sehen, ist mir ehrlich gesagt egal.

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