Mythos

Bei all den vielen, vielen Blogeinträgen rund um J.H. habe ich gestern abschließend den Club2 Mythos H., Sein und Schein gesehen. Noch wer? Wollen wir darüber reden? 😀

Gerade frage ich mich, ich sollte mir vermutlich mehr Antworten geben, als ständig bei mir nachzufragen, ob ich überhaupt jemanden als Mythos sehe. Und da denk ich und denk ich und find keinen. Ist das schlimm? Na ja, einfach g’strickt halt.

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11 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

11 Antworten zu “Mythos

  1. Habe den Club zwar nicht gesehen, aber mitreden ist immer drin … *geht-zum-Kühlschrank-und-holt-sich-den-Schilchersturm-und-zur-Mikrowelle-wegen-der-Kastanien*

  2. zürimädel

    habe club2 ebenfalls nicht gesehen, jedoch kann ich über die befindlichkeit aus der schweiz berichten, sozusagen, und wenn das denn überhaupt repräsentativ ist…

    in einem zürcher blatt (sonntagszeitung von letztem sonntag) stellte man schlicht die frage, wie ein „besoffener raser“ zu einem mythos werden kann… bei jedem anderen hätte man ungläubig den kopf geschüttelt, bei J.H. gehen xtausend an die abdankung…

    das kann nur der fall sein, wenn man tatsächlich zu einem mythos mutiert…

  3. bin um dreiviertel eins schlafen gegangen (nicht ohne vorher „record“ zu drücken) – wie lange hat’s denn dann noch gedauert? die fronten waren ja, äh, verhärtet. lieb, wie alle menasse in schutz nahmen…

  4. habs nicht gesehen, muss ja arbeiten und nun bald aufstehen.

  5. @rufus: Die Ente holt sich ein Henkelglasl und setzt sich dazu. Nur, dass die Mikrowelle nicht in die Luft geht, wenn da dir Maroni herumschiassn.

    @katha: Ich glaube, du hast das Ende um’s Haar verpasst. E.Menasse war ein bisschen sehr echauffiert. Ich habe Rauscher das erste Mal in einer Diskussion erlebt und er hat mich wenig überzeugt. Sehr gut, fand ich Frank von der SZ, der argumentiert immer sehr pointiert und kennt die Szene besser, wie so mancher Österreicher.
    Kam es zu einem Schluss? Nein, eigentlich nicht. Böhmdorfer und Schmidt haben sich ständig Dinge an den Kopf geworfen, die mussten anscheinend unbedingt noch einen Strauß ausfechten, das hat aber zur Diskussion wenig beigetragen. Meischberger mit seinen falschen Beisserln hat auch nichts im Gedächtnis bleibendes gesagt. Die Zähne haben mich so irritiert – sein Zahnarzt gehört standesrechtlich erschossen, wie der aussieht. Die Gössinger hat als angeblich ärgste Gegenspielerin so vorsichtig formuliert, als ob sie sich nicht im Klaren ist, ob Haider vielleicht doch noch einmal aufersteht.
    Und sonst? Schneyder hätte mitdiskutieren müssen, dann wäre mehr Zunder in der Diskussion gewesen.

    @weltbeobachterin: Du musst früh raus, oder? Hast aber nichts versäumt. Also zum Mythos wird er nicht mehr und nicht weniger nach dieser Diskussion. Jetzt ist der schon 12 Tage tot und sie haben ihn noch immer nicht verbrannt. Will Haiders Frau ihn mumifizieren lassen?

  6. @zürimädel: Freu mich über deinen Besuch!
    Natürlich sind Kommentare von außen wichtig, denn nur so wird die Misere in einer gewissen Weise begreifbar. Würde die ausländ. Presse nicht über den Rechtsruck in Ö. schreiben, würde bei uns weniger nachgedacht.
    Kurz vorausschicken möchte ich, dass seit gestern (erst??) viele Soziologen (Österreicher??) wissen, das Land ist seit der Wahl keinem Rechtsruck ausgesetzt. Viel mehr weiß man nun sicher (?), die Stimmen von FPÖ und BZÖ waren Prosteststimmen, die die Unzufriedenheit der letzten Regierung darstellen sollen. Gut, das war auch meine Annahme, ich frage mich noch immer, warum die Proteststimmen nicht andere Parteien erhielten, sondern gerade jene, die so populistisch agieren.

    Nun zu Haider. Er wird für meine Begriffe nur ein Mythos für Kärnten sein und bleiben. Dort war er omnipräsent. Wer sich den Tagesplan seines letzten Tages ansieht, der kann sich ausdenken, wie seine Arbeitswoche aussah – nämlich ebenso. Unermüdlich war er unterwegs. Man sagte ihm nach: Wenn wo bei einem Bauern die einzige Kuh stirbt, dann ist er dort und hilft, da wissen die anderen Parteien nicht einmal noch, dass die Kuh krank war. Wenn es Unwetter gab und das Land schüttete finanzielle Hilfe aus, dann ließ er das Geld nicht überweisen, sondern teilte es persönlich aus. Daraus entstand eine unheimliche Nähe zu den Kärntnern (obwohl er ja selbst aus Oberösterreich, Bad Goisern stammt) und konnte das auch den Menschen vermitteln. Im letzten Wahlkampf fielen sehr oft seine Worte „Bei uns in Kärnten“ und wurde sehr kritisiert, weil er quasi einen Landeswahlkampf aufzog. H. wurde als Vaterfigur angesehen und so sieht man auch über seine Eskapaden hinweg. Es war ja nicht nur sein schnelles Fahren, sondern auch seine ideologische Denke, die man in Kärnten nicht hörte. Was man aufsog wie einen Schwamm, war der Heimatgedanke und den gab H. den Kärntnern. Ganz deutlich gemacht durch seinen Wahlerfolg: 39,41% in Kärnten, bundesweit „nur“ 10,7%.
    Ein Mythos wird er auch bei der Presse sein. Wenn es nichts über die Politik zu berichten gab, es sich nichts abspielte, dann war sicherlich Haider zur Stelle und provozierte und die Presse nahm es „dankbar“ auf. Es gab wieder Stoff für ein paar Ausgaben, ohne anstrengend nach politischen Themen suchen zu müssen. Wer jetzt die Reaktionen der Journalisten verfolgt und zwar über die Grenzen hinaus, liest heraus: Es gab keinen Tag, wo Haider kein Gesprächsthema war.
    Politisch gesehen wird Haider kein Mythos werden, er hat selbst in Kärnten wenig Weltenbewegendes geschaffen. Aber vom menschlichen her, wird er für die Kärntner ein Mythos sein. Irgendwo habe ich das schon in einem Kommentar geschrieben: Er war ein Politiker zum Angreifen und das brachte ihm die Nähe und „Liebe“ der Kärntner.

  7. tatortkrimi

    Danke für die Analyse, echt interessant.
    Den Meischberger kenne ich nicht, auch seine Funktion nicht, aber den muß ich mir unbedingt anehen. :))

  8. @tatortkrimi: Ein paar Bilder in Größe einer Briefmarke gibt es bei google.

  9. zürimädel

    @ entegutalles gut:

    liebe gute ente,

    danke für deine ausführlichen erklärungen. die kommen so natürlich nicht bis in die schweiz vor. da wird auf populärer ebene debatiert. alles andere wird ja dann schnell mal kompliziert und wiederum missverständlich. gerade letzthin kam ein langer artikel in der „weltwoche“, ein eher rechts gerichtetes papier in der schweiz. darin wurde der herr h. aber meines erachtens und um deinem hintergrundbericht wissend sehr menschlich auch dargestellt. vielleicht auch wohlwissend, dass wir menschen solche geschichten wie du sie beschreibst, aufsaugen, auf einen erlöser hoffen und sicher, er war ein begeisterer. er kann seine sprache zu seinen gunsten nutzen. im grundsatz kann und will ich es aber damit belassen, weil ich nur als aussenstehende person jeweils davon kenntnis nahm.

    herzliche grüsse aus einer verschneiten weissen schweiz,

  10. @zürimädel: In der Schweiz schneit es und hier packen wir die Badehosen aus. Dann muss ich ja zum Schi fahren dieses Jahr in die Schweiz düsen. 😉
    Trotzdem ist es wichtig, dass sich andere Länder kräftig zu Wort melden und das damit einen Selbstheileffekt in unserem Lande auslöst. Man ist sichtlich darüber entsetzt, wie wir im Ausland als Land der Rechten gesehen werden und daher ist es wichtig, wenn darüber berichtet wird. Vielleicht auch, wenn Faktoren wie Menschlichkeit nicht betrachtet werden. Die rechten Sager könnten Schläfer mobilisieren – das wäre furchtbar.

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