Lernen für’s Leben

Der Titel ist blöd, aber mir ist nichts Besseres eingefallen, weil sonst wäre er ja nicht so blöd.

Unsere Universitäten, unsere Ausbildung, PISA – noch immer schief und deswegen stetiger Diskussionspunkt und auch da kommen wir, wie bei vielen Dingen im Moment auf keinen grünen Zweig.
Manchmal frage ich mich, was wir überhaupt noch können und dabei bin ich mit Leib und Seel gerne Österreicherin.

Die neu herausgegebene Studie „University System Ranking“ vom Lisbon Council besagt, dass nur 20% der Österreicher mit einem Studium abschließen und das wäre, verglichen mit anderen Ländern nicht so viel. In Österreich zu studieren wäre viel zu elitär, wobei dies nicht von den Studiengebühren abhinge, sondern einfach nur von der Anzahl der Studierenden bezogen auf die Bevölkerung des Landes. Jaaaa wir fischen wieder die Lappen mit 40% aus dem Ärmel (ich meine damit aber keine Putztücher sondern die Finnen, so heißen die seit Qualtinger bei uns), die Dänen und die Polen. Wobei letztere, so sagt die Studie, keine sonderlichen Studienqualitäten aufweisen.

Die 20ige Studienquote wäre schlecht, allerdings liegen wir an der guten 5. Stelle, was die Beschäftigung von Studienabgängern anbelangt.

Jetzt frage ich mich, was ist besser?

Quelle

Ich will die Universitäten nicht verdammen und auch nicht die Studienabgänger, aber wirklich lernen werden wir nur im Leben. Und dafür ist ein hervorragendes Beispiel „Living Books“. Dass man sich in Geschichten guter Bücher richtig hineinleben kann, ist uns bewusst, dass es aber auch lebende Bücher gibt doch eher nicht. Living Books vermittelt Gespräche zu Menschen, die vielleicht in einer Randgruppe leben. Mit einem Behinderten sprechen, einem Schwulen, einer Muslimin mit Kopftuch, viele Warum und Aber, über die wir sehr oft nur mutmaßen, aber nie persönlich angesprochen haben. Integration pur!

    !Aufgepasst! Living Books macht am 28. und 29.11. in Linz Station.

Was würde ich fragen? Spontan: Ich würde einen Schwarzen gerne fragen, ob er generell ein Problem damit hat, als N-ege-r bezeichnet zu werden, oder ob ihm das die anderen einreden, dass das ein böses Wort ist. Gerade im europäischen Sprachraum hat diese Bezeichnung (für mich) keinen negativen Touch. Eine Puffmutter würde ich gerne fragen, wie sie auf die Idee kam, ein Puff aufzumachen, wie viele Kunden sie täglich zu Besuch hat und aus welchen Bevölkerungsschichten diese kommen.

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24 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

24 Antworten zu “Lernen für’s Leben

  1. Macht nichts – ich hatte auch einmal so einen blöden Titel („Non vitae sed scholae discimus“ oder so), hat aber trotzdem wer gelesen 😉

  2. @rufus: Letzte Woche waren sie in Graz, aber da hast du ja gefeiert.

  3. Werde nächstes Mal aufpassen, wann ich meine Feiern ansetze …

  4. kenn zwar diesen Verein nicht, kann Dir aber sagen, dass ich alle MBA, St. Gallen und andre Absolventen bei einem Trainee-Ausschreibungsprogramm eines sehr bekannten, grossen Verlagshause in HH geschlagen hatte…McKinsey fand meinen Lebenslauf „interessanter’……

  5. @Bolli: Das ist immer gut, von so etwas zu hören, ich gratuliere dir! Vermutlich bist du eine Frau der Tat und nicht der großen Worte. Denn ich glaube auch mit einer Studienabsolventenschwemme würde das Land auch nicht schneller gerettet werden.
    Je mehr man sich mit der Studie befasst – ich habe ein wenig quergelesen – desto mehr ist es fraglich, ob sie wirklich eine klare Aussage bieten kann. Schon alleine, weil die Voraussetzungen in den Ländern teilweise andere sind. Von Polen haben wir gehört, die Studienausbildung ist gar nicht so toll, von Amerika wissen wir, es gibt Unis und es gibt Unis (die wirklich guten kosten eine ordentliche Stange Geld), von Deutschland wissen wir, es gibt einen Numerus clausus, von Österreich wissen wir, dass Fachhochschulen eigentlich erst seit ca. 5 Jahren modern geworden sind und wir demgemäß noch gar nicht so viele Absolventen haben können, usw. usf.

    Ich vermisse ja Menschen, die noch Handwerke erlernen – Klavierbauer ist übrigens ein aussterbendes Gewerbe, falls jemand eine Lehrstelle für seinen Sohn (oder Tochter) suchen sollte und da zufällig hineinliest. Da werden Lehrlinge gesucht und es ist ein Gewerbe mit Zukunft.

  6. also ich denke auch, dass das nicht sooooo repräsentativ sind. und ich habe schon öfters gehört, dass Firmen Lieber Lehrlinge nehmen, als Studenten, weil diese praktischer anpacken. Ich bin selber Studentin gewesen, und ich frage mich wieso wir für jede Arbeit gleich ein Studium brauchen. und die Welt lebt nicht allein von Studenten. Ich sehe es deswegen nicht ein, wieso Studieren gratis sein sollte. Von Lehrlingen weiß ich, dass sie das teilweise alles selber zahlen müssen. Wieso nicht Studenten die oft später ein Vielfaches verdienen.

  7. Ich find‘ den Titel nich‘ blöd; Du hättest ja auch schreiben können „Lernen, lernen, nochmals lernen (Lenin)“…

    Ja. Hä-ähm. – Sorry!

    In die „Living books“ habe ich schon so paar Mal rein gekiekt, und ich finde das Klasse: diese Art „Informationsfluss“ könnte (wird wahrscheinlich auch) mehr „konfliktdämpfend“ sein als so 2345 Massnahmen von so Politikern…

  8. @weltbeobachterin: Unternehmen wollen generell die eierlegende Wollmilchsau: Sie soll jung und dynamisch sein, keine Kinder kriegen, billig sein, eine Batzen Ausbildung haben und über mindestens 100 Jahre Praxis verfügen.
    Zu Studiengebühren gehe ich komplett konform mit dir. Nicht nur, dass Lehrlinge sehr oft zu Hause etwas abgeben müssen, sobald sie etwas verdienen, sind die paar Netsch für ein halbes Studienjahr wirklich ein Klacks. Wollen wir nicht vergessen ein Monat Ganztagskindergarten kostet 230 Euro und dann regt man sich wegen einem halben Jahr studieren um 363 Euro auf. (Dass das ja nicht tyndra liest, die ist gleich auf 180 was Studiengebühren anbelangt. 🙂 )

    @gDino: Leider tingelt Living Books sehr spärlich durch die Lande. Ich würde das gerne viel konzentrierter im Lande sehen! Außerdem müsste man über jedes Zusammentreffen einen Blog führen und … und … und …

  9. Ich springe mal nur auf den Ganztageskindergarten: 230 Euro? Ein Schnaeppchen! Hier, im Ausland, zahle ich im Moment im Monat 615 Euro fuer den Kindergarten, plus 70 Euro fuer das Mittagessen. Und der Kindergarten geht nur von 7.20 Uhr bis 14 Uhr im Moment. Man braucht also noch eine Betreuung bis abends, wenn ich um 7 dann zu Hause bin.

    Meine Studiengebuehren, die Semestergebuehren waren das, habe ich mir durch Arbeit zusammengespart. Habe ja auch noch meine Wohnung, da Spaetstudierender, finanzieren muessen und kein Bafoeg beantragt. Ich muss sagen: es funktionierte. Man muss allerdings die entsprechende Einstellung („Ich muss das auch alleine schaffen koennen“) dazu haben.

  10. @Dr.P: Ich glaube, sich durch ein Studium durchzugfretten, das man selbst finanzieren muss, ist überhaupt die beste Schule. Studenten, die auch eine Ahnung vom Leben außerhalb der geschützten Werkstätte Heim und Uni haben, sind hoch gefragt!
    615 Euro Kindergarten? Das sind ja fast unleistbare amerikanische Verhältnisse. Ich muss gestehen, ich weiß jetzt nicht aus welchem Ausland du dich meldest.

  11. Oh, ich habe mal mein anderes Blog verlinkt. Das mit den Lebensbeitraegen. (Faellt mir ein, ganz altes gibt es unter htttp://pathologe.blogg.de)

  12. Manchmal kommen die hohen Akademikerzahlen auch zustande, indem man für Berufe ein Studium verlangt, die woanders Lehrberufe sind – in Frankreich etwa Krankenschwestern und Hebammen. Nicht mehr lange, und UnterderBrückewohnen geht nur noch mit einem Master-Abschluß…

  13. @Wolfram: Danke für die Info, das wusste ich zum Beispiel nicht. Krankenschwestern werden hierzulande 3 Jahre ausgebildet und erhalten dann ein Diplom. Bei Hebammen muss es ähnlich sein, weiß ich aber nicht so genau.
    Aber für Eltern ist es auch unheimlich wichtig, die Kinder was „anständiges“ Lernen zu lassen. Teilweise verrichten wiederum Akademiker Arbeiten, wo ich mich wirklich frage „dafür braucht man also ein Studium?“. Und die sind wiederum frustriert, weil sie einen Klacks verdienen und dafür 4-5 Jahre auf der Uni geschuftet haben.

  14. sorry, es sollte korrekterweise heißen:
    Hebammen bekommen ein Diplom, dass weiß ich, weil ich paar Hebammen kenne.

    wieder mal schneller gedacht, als geschrieben.

  15. @weltbeobachterin: Dann habe ich deinen alten Kommentar gelöscht, hätte aber auch verstanden, was du damit meinst.

  16. Statt vieler Worte zum Überlegen, ob Bezeichnungen wie „Neger“ wirklich harmlos sind:

    http://www.isd-bund.org/files/presse/Der_Bastard.pdf

  17. @kul.kat.: Das ist ein sehr interessanter Artikel, danke dafür. Ich wundere mich nur darüber, warum andere abfällige Bezeichnungen für Landeszugehörigkeiten, nicht verboten werden.

  18. Ganz einfach: weil man nicht alles verbieten kann.
    Weniger einfach: weil Eingriffe qua lege in die Sprache äußerst heikel sind und den Urheber des Eingriffs unweigerlich in die Nähe totalitärer Regime rücken. So pikant das ist: der Gedanke des „Un-Worts“, auch wenn es nicht so bezeichnet wurde, stammt meiner Einschätzung nach aus der Nazi-Zeit und -Ideologie. „Mr derfe nimmi Buschuur saawe, mer miehn jetz Gutenn Morgenn saawe. Awr des isch oi vrboode, wil mr jetz d’Hand nuffriisst un brialt, Heil Hitler. No saaw’i: ben i ’ne Toubib?“
    Wir dürfen nicht mehr „Buschuur“ (elsässisch „bonjour“) sagen, wir müssen jetzt „guten Morgen“ sagen. Aber das ist auch verboten, jetzt reißt man die Hand hoch und brüllt „Heil Hitler“. Ja, sag ich: bin ich denn Arzt?
    Der im Kommentar n° 16 verlinkte Artikel hat allerdings, wie die meisten Einlässe zum Thema, einen gravierenden Nachteil: er gesteht nicht zu, daß die Sprache Wandlungen unterworfen ist. Dagegen würde die Autorin sich sehr dagegen wehren, von ihrem Ehegemahl als „Weib“ bezeichnet zu werden, vermute ich – dabei hat dieses Wort noch zu Zeiten der Kolonialisierung einen durchaus ehrbaren Sinn gehabt…
    Im zitierten Artikel wird ein ZEIT-Aufsatz kritisiert wegen u.a. des Begriffs „Bastard“. Sicher, im angloamerikanischen Slang ist das ein Schimpfwort. Aber im Französischen, woher das Wort stammt, bezeichnet es – übrigens als Adjektiv – eine Mischung, die Merkmale beider Ursprungsingredienzien aufweist, ohne aber dabei einen eigenen Charakter zu entwickeln: un style bâtard. Das trifft aber auf den „Sohn eines Griechen und einer Moçambiquanerin“ oder was er immer war, voll und ganz zu.
    So manches Mal legt der Hörer – und der unwohlmeinende Journalist per se – dem Redner Gedanken in den Mund, die der gar nicht meint. Darüber sollte auch nachgedacht werden, bevor jedes dritte Wort nur nach seinem Mißbrauch bewertet wird. Abusus non tollit usum.

  19. @Wolfram: :))
    Ob es nicht auch ständig das Bedürfnis der Bevölkerung ist, für alles und jeden Regeln aufstellen zu wollen? Man verbietet Worte und kann diese aber mit anderen sehr gut umschreiben und dabei trotzdem ärger verletzend sein. Wo liegt da der Unterschied?
    Wir haben erst kürzlich davon gesprochen, das „politisch korrekte“ Wort wäre ja Afroamerikaner. Ganz richtig der Einwurf, was passiert, wenn der Dunkelhäutige in Österreich geboren ist? Ist es dann ein Afroösterreicher?
    Ich erinnere mich an eine amüsante Begegnung, eines Streitgesprächs vor einer Supermarktkasse. Ein Schwarzer (darf man das sagen?) hatte nur eine Dose Bier zu bezahlen und ich ließ ihn vor. Daraufhin hörte man von hinten große Schimpferei. Auch ein Ausländer, der dem Ausländer vorwarf, sich vorzudrängen. Dabei fielen die Wörter Neger und Tschusch, man hat sich also gegenseitig mit den Unwörtern beschimpft und das war eigentlich total witzig, wie man damit umgegangen ist. Zu guter Letzt, war derjenige den ich vorgelassen hatte, so aufgebracht, sich vorzuwerfen, wie viele Kinder sie auf die Welt bringen, dass die Bierdose so unglücklich runtergefallen ist – ich, wie die Jungfrau zum Kind voll mit Bier war und der gute Mann dann unverrichteter Dinge abgezogen ist.

  20. @19:
    Sicher ist es das Bedürfnis der Masse. Wir stellen eine Regel auf, und am besten noch ein paar Kameras dazu, die die Einhaltung der Regel überwachen, und uns gehts gut.
    Funktioniert aber nicht. Und deshalb gibts dann immer noch mehr Regeln und noch mehr Regeln und noch mehr Regeln…
    Gehen wir ein paar Jahre zurück: da hieß es, „Nigger“ ist böse und „Neger“ (in Amerika: Negro) ist erlaubt. Weshalb man bis heute „Negro Spirituals“ hört… Dann hieß es, „Neger“ ist beleidigend, du mußt „Schwarzer“ sagen. Dann hieß es, „Schwarzer“ wäre beleidigend, und man kam zu dem irrsinnigen „Afroamerikaner“, der erstens seine geistige Herkunft nicht verleugnen kann (nämlich das Land, wo Sechsjährige wegen Notzucht eingesperrt werden – soviel zu Vernunft in jenem Land) und zweitens zumindest in unseren Breiten ziemlich unsinnig ist. Erinnerst du dich, ich sagte damals: ich werde es mit meinem dunkelhäutigen Freund besprechen. Er meinte, er hätte andere Sorgen…
    Und letztendlich führt das Verteufeln von Wörtern nicht weiter. Ob Neger, Schwarzer, Afrikaner, Südösterreicher – egal was noch kommt, es wird immer jemanden geben, der das Wort mit bösem Unterton gebraucht, und dann ist es verbrannt? Wenn wir das anfangen, sind wir in spätestens zehn Jahren sprachlos!
    Über eines müssen wir uns im Klaren sein: jeder Begriff, den wir in unserer Sprache benutzen, kann nur ein Abbild der Realität sein. Er definiert, anders gesagt: begrenzt das, was er beschreiben soll, und schränkt es dadurch ein. Wie ein Foto der abgebildeten Realität die dritte Dimension nimmt.
    Die Frage ist, aber sie kann nicht allgemeingültig beantwortet werden, nicht einmal für ein einzelnes Wort: was nimmt die Beschreibung dem Beschriebenen, und was läßt sie ihm? Welche gedanklichen Hintergründe bleiben mir verborgen, wenn jemand von einem „Afrikaner“ spricht?
    Wir können es nicht wissen. Und das Verbieten von immer neuen Wörtern wird die gedanklichen Hintergründe nicht verschwinden lassen – ebensowenig wird es verhindern, daß sie sich Ausdruck verschaffen. Das einzige, was es bringt, ist: es macht uns sprachlos.

  21. @Wolfram: Tosender Applaus! Magst du darüber nicht einmal einen Zeitungsartikel schreiben. Deine Worte entkrampfen so angenehm!

  22. Schreiben könnt ich gern. Aber würde das veröffentlicht? Es geht doch gegen den Mainstream – und ich würde weder im Neuen Deutschland noch im Stürmer schreiben wollen… (huch, ich hab ein Pfui-Wort gesagt! Oder ist der Stürmer jetzt geläutert, ich hab neulich was von „Mittelstürmer, leicht links“ gelesen?)
    Außerdem müßte ich damit rechnen, daß mir dann die Scheiben eingeworfen werden. Ich habe meine leidigen Erfahrungen mit Einäugigen vom Schlage Antifa… 😦

  23. @Wolfram: Das ist dabei leider die Problematik, sich irgendwelche nicht denkenden Narren einzutreten!

  24. Pingback: Naturwissenschaft und Mathe sind wir schlecht « Entegutallesgut

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