Eine Mütze für Afrika

Ja, das klingt ironisch, ist aber nicht auf meinem Mist gewachsen.

Auf einem deutschen Bloggerportal, wo ich früher zugegen war, herrscht zur Zeit Mützenfieber. Witzige Idee dachte ich mir, wenn sie oberflächlich betrachtet wird. Das macht die Ente aber nie, weil sie noch immer den Forscherinstinkt in sich sitzen hat.
Ein Blog ruft also zum Mützenstricken für Babies auf und verweist auf eine Aktion von „Save the children“. Erst kürzlich wurde hier in Erinnerung gebracht, dass alle 5 Sekunden ein Kind an Hunger stirbt. Daher sind grundsätzlich alle Spendenaktionen in dieser Hinsicht zu begrüßen. Auch, wenn ein Teil des gespendeten Geldes in Organisation und dergleichen aufgeht. Nun ruft man aber zum Mützenstricken auf. Man solle eine Babyhaube stricken, einen vorgefertigten Brief downloaden und alles gemeinsam nach Berlin schicken. Gut, denk ich mir. Wieso Berlin, wenn bei uns die Bergbauernkinder frieren. Aber vielleicht gehen die Mützen auch ins tiefste Russland, oder werden verkauft und der Erlös fließt der Spendenaktion zu. Nein, weit gefehlt, die Mützen werden nach Afrika, Lateinamerika und Asien verschickt. Mhhmmm, denk ich mir, ich habe noch nie ein hungerndes afrikanisches Kind mit einer Mütze gesehen. Tja, meinen die Befürworter vermutlich, weil sie keine Mützen haben. Man argumentiert, ein hungerndes Kind kann seine Körpertemperatur nicht halten und kann daher auch an einem Infekt sterben. Alles schon richtig, aber wurde uns nicht immer beigebracht, eine Sache von der Verursachung zu betrachten. Und, braucht man wirklich in einem Gebiet das jetzt  zwischen 19 und 40 Grad Tagestemperatur hat, eine Mütze, nur weil man nichts zu essen hat?
Wenn ich mir überlege: 1 Knäuel Wolle – ca. 4 Euro, 1 Nadelspiel – ca. 2,50 sind zusammen 6,50 – wie lange kann man davon ein Kind in einem Entwicklungsland ernähren? Wäre das nicht sinnvoller, als 50.000 Mützen zu stricken, das ist nämlich das Ziel dieses Vereins. Dafür gibt es einen mütz-o-meter, der zurzeit bei 1000 steht. Amerika hat im Vorjahr 280.000 Mützen gestrickt und dann denk ich mir nur mehr: Gnade der Wollmütze!

Wer übrigens nicht stricken kann, soll es mit häkeln, klöppeln oder mit der Strickliesl probieren. Kann sich bitte jemand eine Mütze aus einer Stricklieslwurscht vorstellen? Die Mützen erinnern mich ein wenig an die Peanutbutter, die damals im Irak Krieg von den Amerikanern aus den Flugzeugen geworfen wurde.
Im Frühsommer wird dann eine symbolische Mütze der Kanzlerin übergeben und ich frage mich, wofür ist die Frau eigentlich noch zuständig.

Richtig, die Vorweihnachtszeit ist jene Zeit, wo man gerne sein soziales Gewissen befriedigen möchte.

14 Kommentare

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14 Antworten zu “Eine Mütze für Afrika

  1. klingt nach der geschäftsidee ehemaliger kommunikatiosstudentInnen, soll vermutlich die neue intelligenz symbolisieren [mütze gibt schutz]. warum sollte eine mütze [auf dem blechdach] nicht genausoviel wiegen wie ein tropfen auf einem heißen stein?

  2. @Lreporter: Ich habe auch schon nachgedacht und komme auf keinen grünen Zweig. In einigen Teilen Afrikas, haben sie zurzeit nicht einmal ein Blechdach über dem Kopf.

  3. @lilly – [offtopic] kannst du mir ein anagramm aus lokalreporter zaubern?

  4. Geh, spenden wir doch lieber fürs Gut Aiderbichl die brauchen das notwendig. Ich freu mich schon auf die Licht-ins-Dunkel-Gala

  5. Das mit dem sozialem Gewissen stimmt: ich spende meinem PC demnächst 4 GB RAM…

    Im Ernst: wie soll Ottilie Normalverbraucherin denn überprüfen, wo das wirklich landet, was da gespendet wird?

    Ich habe paar Mal bei einer Verladeaktion mitgemacht, bei der man eben nicht verladen wurde: ein riesiger Truck (der Sattelaufleger war mindestens 20 Meter lang) wurde dermaßen voll geknallt mit Spielzeug, Klamotten und Möbeln, dass wir die letzten Kisten rein quetschen mussten, um das Teil zu zu kriegen, und die Sachen kamen an, weil da Leute mit fuhren; das war für ein Kinderheim auf dem Balkan…

    Das fand‘ ich gut, das würde ich gern öfter machen, aber wo? Hähä!

    Sorry! Häff fann!

  6. @Lreporter: Wieso magst denn das haben? Willst mich analysieren damit? Lalorkopreter – gefällt dir das?

    @weltbeobachterin: Heute saß eine Frau am Boden bei den Einkaufswageln und hat die „bunte zeitung“ verkauft. Da habe ich auch kurz überlegt, ob sie es braucht.

    @gDino: Immer nur geträumt von so etwas und es nicht weiter als bis zur Caritas gebracht. Ich bin trotzdem der Meinung, einer afrikanischen Mutter eine gestrickte Mütze in die Hand zu drücken ist schlichtweg eine Frechheit.

  7. @Lreporter: bin zwar nicht gefragt, trotzdem, wie wärs mit „kloarer Prolet“

  8. @lilly – hab dich eh längst analysiert < lalorkopreter gefällt mir ned schlecht.
    @lamiacucina – klingt witzig, is aber kein anagramm. polarrakete hätt mir besser gefallen, passt aber auch nicht 🙂

  9. @lamaiacucina & Lreporter: Ihr könnt das so gut, da kann ich mich aus dem Anagrammgeschehen zurückziehen. 😀
    „gefällt mir nicht schlecht“ – ist auf Österreichisch ein mittgelgroßer Schaß. :-DD Man sieht, du hast es nicht verlernt. Versteht man das eigentlich in Germanien, wie es wirklich gemeint ist?

  10. manche germanen können gar nicht glauben, dass ein lokalreporter aus einem lokal-reportiert..

  11. rapport auch, ja. zapp-rapport, so nannte ich damals meinen kleine telemax-blog..

  12. tja, jetzt ist die Zeit wieder für den Bauchstalinismus. Habe ich vorgestern im Ö1 gehört dieses Wort. Emotionen.

  13. @weltbeobachterin: Boah, das ist aber ein hartes Wort!

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