Spenden

Über das Spendenverhalten der Österreicher, den Staat und die Absetzbarkeit von Spenden wurde gestern im Club 2 diskutiert.
Es war eine anregende Diskussion. Da ich immer ein Wort über die Diskussionsleitung fallen lasse, sag ich’s gleich – die war unter’m Hund. Die gute Dame hat gemeint, sie würde durch Lautstärke die Diskussion leiten, aber nicht durch gezieltes Hinführen zu angedachten Themenblöcken. Leider war sie den Besuchern des Clubs gar nicht gewachsen und so überließ sie die Moderation den Diskutanten. Zu Gast waren Vertreter von amnesty inernational, Ärzte ohne Grenzen, Hilfe Direkt – eine private Spendeninitiative für Burkina Faso, S.Bergmann „Vater“ der Aktion Licht ins Dunkel, die mit gestrigen Tag startete, eine Ökonomin, sowie das Österr. Institut für Spendenwesen, das nach strenger Prüfung Spendengütesiegel vergibt.

Alle waren sie für die steuerliche Absetzbarkeit von Spendengeldern, die in Österreich noch immer nicht möglich ist. Mit Finnland bilden wir das Schlusslicht am Spendenhimmel. Luise Gubitzer, Ökonomin, war als einzige dagegen und auch das war einleuchtend. Viele, insbesondere Frauen arbeiten ehrenamtlich in Hilfsorganisationen und werden für ihren persönlichen Einsatz steuerlich nicht begünstigt. Ist immer interessant solche, durchaus berechtigten Argumente anzuführen, denn das hätte ich gar nicht bedacht. Grundtenor war ja, ein höheres Spendenaufkommen zu erhalten, mit dem Hintergedanken für die Spender, das persönliche Steueraufkommen etwas zu minimieren. Da hatte die Moderatorin Frau Corinna Milborn auch einen ordentlichen Patzer hingelegt. So stellte sie mit ihrer lauten Schreistimme ein Steuermodell auf: Wenn jemand 100.000 Euro verdienen würde und 10.000 Euro spendet, dann bekommt er 5.000 Euro vom Staat zurück. Ächz, und das bei einer erwachsenen Frau – ich recherchiere gerade, sie ist Politredakteurin beim Format und Chefredakteurin bei einer Menschenrechtszeitschrift. Hoffentlich hat sie einen guten Steuerberater, denk ich mir nur, sonst verkalkuliert sie sich noch am Ende.
Das Thema, wie sinnvoll humanitäre Spenden sind, wurde eigentlich nur am Rande gestreift, so meine ich. Man diskutierte natürlich auch über die Verpflichtung des Staates, der sich gerne in Anbetracht der NGO’s aus seiner Verpflichtung zurückzieht.
Irgendjemand, ich weiß jetzt nicht mehr genau wer, stellte das vorweihnachtliche Wohlfühlrezept in den Raum: Nächstenliebe + Spenden = Glücksgefühl – das sitzt einmal und sinkt tief ein. Kritisch betrachtet wurde auch die Veranstaltung sogenannter Charity-Galas, die zwar der Sache dienlich sind, aber einen schillernden Eventcharakter haben. Dem gegenübergestellt, die Flyer der Spendenorganisationen, die ausgemergelte, verhungerte Körper zeigen, ist schon hart.

Gute geistige Anregung. Jetzt geht die Ente kurz in sich und überlegt, was sie machen wird. Irgendwie fühle ich mich in dieser Beziehung noch leer.

Ergänzung – Super Idee: nur geschenkt

15 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

15 Antworten zu “Spenden

  1. spenden ist ein bisschen wie das konvertieren westlicher eitelkeit zum buddhismus.
    geldspenden fließen meist in die hände der moralisten, spenden vor der eigenen tür dagegen sind eine gute sache. spende täglich eine minute dem gedanken des verbundenseins mit allen seelen des planeten :-))

  2. hier kann man’s absetzen, in D. wohl auch….

    Na ja, ob’s nun aus steuerlichen oder ehrlichen Gründen, oder welchen auch immer, Hauptsache, das Geld kommt dort an, wo es gebraucht wird, aber das ist ja leider dann noch ein andres Thema….

  3. @Lreporter: Grundsätzlich ist deine Idee schön und wir sollten uns dessen immer bewusst sein, wie wichtig auch gute Gedanken sind!
    Andererseits es geht uns doch allen so verdammt gut, warum sollen wir dann nicht einen winzigen Beitrag leisten? Übrigens ergänze ich einen Link, den ich letztens bei Gerlinde gefunden habe.

    @Bolli: Dafür ist eben dieses Spendengütesiegel. Das Institut prüft jede Ausgabe des Vereins und setzt auch ein Limit, wie viel netto an Spendengelder übrig bleibt. Amnesty Österreich kann 85% der gespendeten Gelder einsetzen, Ärzte ohne Grenzen 80%, usw.
    Und ich bin bei dir, man soll geben, wenn man möchte, egal aus welchen Vorteilen oder Gründen. Man kann auch „still“ spenden, ich schreibe zum Beispiel nie meine Adresse auf den Erlagschein.

  4. @lilly – ja. besonders für amnesty!

  5. In D gibt es leider auch immer wieder ModeratorInnen, die ihren Gästen hoffnungslos unterlegen sind. Vermutlich gilt eine angenehme äussere Erscheinung als entscheidendes Kriterium für die Besetzung.

  6. Das klingt jetzt womöglich wieder total an den Haaren herbei gezogen, aber mir ist sofort eingefallen, dass Deutschland (angeblich) die Nummer 1 beim Spenden ist (so was steht ja „komischer Weise“ nicht in den Printmedien mit den eigens verfertigten Großbuchstaben); ja, Kunststück: da steckt es Millionen in den Knochen, wie es ist, hungernd durch brennende Trümmer zu klettern…

    So was Überspanntes? – Ich weiß ja nich’…

    Und wenn ich das mit der „Lautstärkereglerin“ als Modera-Törin lese, dann denke ich (ich pflege gelegentlich zu denken, kchch), es wäre doch gut, dass ich keinen Fernseher habe… Manchmal denke ich nämlich, es wäre nicht gut, weil ich was verpasse…

    Das Wort zum Sonntag präsentierte Ihnen (Planvorsprung: Ossi)

    Der graphomanische Dinosaurier

  7. @Rupi: Dabei wäre es so spannend, Vergleiche zu stellen und neue Dinge zu erfahren. Man kann als Diskussionsleiter schön in Wespennester stechen.

    @GraphoD: Ich kenne keine Statistiken und will da keinen als gut oder schlecht darstellen. Ich überlege mir gerade, warum man spendet. Ob es der Grund ist, weil man selbst durch brennende Trümmer geklettert ist, oder vielleicht, weil die Werbefolder oft sehr drastisch bildhaft das Elend darstellen.
    Der Initiator der privaten Hilfe für Burkina Faso hatte erzählt, sie haben früher mit Foldern geworben, wo vorne am Bild eine zufriedene Mutter mit Kind am Arm, das Wunschziel der Organisation für dieses Gebiet darstellen soll. Er hatte feststellen müssen, alleine die Änderung des Bildes – wehklagende Mutter, dünnes, ausgemergeltes Kind, hatte das Spendenaufkommen regelrecht in die Höhe schnellen lassen. Daher bin ich mir nicht sicher, ob wir Spenden, weil es uns auch einmal schlecht gegangen ist. Noch dazu die Generation ist ja bereits im Aussterben begriffen. Ich habe das falsch gedeutet, stimmts?
    Gezielte Auswahl und Zugriff beim TV-Programm in ähnlicher Weise, wenn man sich etwas zum Essen aussucht. Da greift man auch zum Besten, was zur Verfügung steht, oder?

  8. Das Steuermodell, das die Moderatorin aufstellte, ist haarsträubend… aber: es gibt Möglichkeiten, das so oder so zu gestalten.
    In Deutschland wird, wenn man „absetzbar“ spendet, die Spendensumme vom zu versteuernden Einkommen abgerechnet. Soll heißen, wenn einer 100’000 zu versteuern hat, hat aber 10’000 gespendet, dann versteuert er nur noch 90’000. Bei einem Steuersatz von 50% kriegt er tatsächlich dann 5’000 vom Staat finanziert. Bei niedrigeren Steuersätzen aber deutlich weniger – so daß, je mehr einer verdient, um so weniger vom eigenen Geld in die Spende fließt.
    In Frankreich gehts anders: hier werden Spenden zu einem je nach Spendenzweck verschiedenen Satz von der SteuerSCHULD abgezogen. Für Kirchen und Religionsgemeinschaften beträgt dieser Satz 66,67%. Soll heißen: wenn einer 300 Euro an meine Kirche spendet, wird seine Steuerschuld um 200 Euro gemindert. Egal, ob er 40’000 oder 100’000 oder 2’000’000 Euro versteuert.
    Für mich ist das schon wichtig, weil mein Gehalt allein aus Spenden finanziert wird!

  9. Das wäre aber neu, dass Werbung tatsächlich (und auch noch so) wirken würde; womöglich sehe ich aber alles zu pessimistisch und resigniert und „projiziere“ wieder… Egal!

    Okay, da gibt es ’n Film (…“mit einem grandios gegen das Klischee besetztem Jack Nicholson in der Hauptrolle…“, würde ein Filmkritiker jetzt schreiben), „About Schmidt“, aber ob das wirklich so läuft…

    Egal. – Ich hätte das Problem, dass ich nicht auswählen könnte; ich ertappe mich ja, wie gesagt, schon im Internet dauernd dabei, dass ich auf so Links klicke und mich dann hinterher frage, was ich da gerade wieder veranstaltet habe…

    Ein schönes Wochenende wünscht

    Der Dino

  10. @Wolfram: Und weißt du was mir an der Schweiz gefällt, da kann man seine „Kirchensteuer“ solchen Organisationen zukommen lassen, wenn man will – das heißt frei entscheiden.

    @gDino: About Schmidt – warum habe ich mir diesen Film damals nicht angesehen, obwohl ich wollte? Werde demnächst die Videothek aufsuchen. Vielleicht sogar heute, montags ist immer blödes, langweiliges Serienfernsehen.
    Wieso überlegst du so lange. Definiere einen Betrag, überlege wohin (außerlandes oder in nähester Umgebung) und damit hat es sich. Was für Links denn?

  11. In Deutschland kann man ebenfalls wählen, wem die KiSt. zugutekommt – indem man nämlich Mitglied ist oder nicht. :> Alles andere geht auf Spendenbasis; da muß man zwar einen Überweisungsträger ausfüllen, aber das ist schließlich nicht schwer, zumal beim Onlinebanking.

    In Frankreich gibt es überhaupt keine Kirchensteuer, da geht alles auf freiwilliger Basis. Ist auch in Ordnung… bloß die Schweizer kriegen es nicht hin, in den Kantonen, wo das Prinzip auch eingeführt wurde: die spenden einfach nicht!

  12. @Wolfram: Das hast du mir schon einmal erzählt mit F und der Kirchensteuer. Ich kann mich jetzt erinnern.
    Ich habe keine Ahnung, wie viel in Ö gespendet wird. Nur viele Leute treten wegen der Kirchensteuer aus der Kirche aus, unter fadenscheinigen Vorwänden, ihnen ist die Kirche zu wenig liberal ….

  13. Ach ja, die zu wenig liberale Kirche… *lächel* das ist in Deutschland Millionen Menschen aufgefallen, als der Solidarzuschlag kam.
    Irgendwie find ich das französische System ehrlich; da gibt jeder immer nur, soviel er will. Natürlich hat das seine Schattenseiten, wir haben vermutlich dieses Jahr ein Defizit von 10% des Jahresbudgets zu verkraften, aber… dafür hatten wir ja auch große Ausgaben.

  14. @Wolfram: Vielleicht hast du mir das schon einmal gesagt, trotzdem muss ich dich nochmals fragen: Wie sieht das mit der Erhaltung der Kirchen aus? Große Renovierungen die in die Millionen gehen, muss dafür die Kirche ganz und gar alleine aufkommen, oder gibt es Zuschüsse vom Staat?

  15. *seufz* Ja, das ist ein Thema. Allerdings eins mit Haaren…
    es gibt, 1., einige Gesetze über Gottesdienstbauten, die vor 1905 (vor dem Gesetz über Trennung von Staat und Kirche) gebaut wurden. Hier ist der Staat gehalten, Unterstützung zu gewähren.
    2. gab es damals die Vorschrift, die Religionsgemeinschaften müßten örtliche „Kultvereine“ gründen, die dann die Gebäude überschrieben bekommen. Die römische Kirche hat das mit ihrer Organisation nicht vereinbaren können, die Kultvereine existieren auf Diözesanebene, aber nicht lokal – und Eigner der Kirchen sind weiter die Kommunalgemeinden.
    3. gibt es für die Unterhaltung von Baudenkmälern nicht nur Vorschriften, sondern auch mehr oder minder großzügige Subventionen. Die Kathedrale von Chalons-en-Champagne, die seit Jahren renoviert wird, kann ohne Hilfe des Staates nicht fertiggestellt werden, die kath. Kirche hätte dazu gar kein Geld.
    4. Gerade in evangelischen Gemeinden stellt sich aber auch immer wieder die Frage „Kirchbau behalten oder verkaufen?“, und in manchen Gebieten kommen auf eine noch bediente Gottesdienststätte vier oder fünf aufgegebene. Diese Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind aber meist nicht spektakulär für die Ortsgeschichte oder als Baudenkmal, und so wird eine Erhaltung nur schwach durch den Staat subventioniert…

    Ich weiß nicht, wie es in Österreich ist; deutsche Kirchgemeinden sind trotz KiSt. selten in der Lage, große Restaurierungsarbeiten zu „stemmen“.

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