Schweinsbratl vom fliegenden Schwein

Zufälliger Weise kamen zwei Dinge zusammen. Ein Freund, der aus dem Ausland zurückkehrte und eine Veröffentlichung einer vertonten Erzählung meines Blogfreundes Wilhelm Ruprecht Frieling, wo wir von fliegenden Schweinen hören und ich in der Zwischenzeit meines in die Pfanne werfe. Bitte hascht nach dem fliegenden Schwein, um „Schweine im Weltall“ zu hören.

schwein
Klick auf das Schwein, um von Fliegenden zu hören.

Jetzt ist die Leser- und Hörerschaft freilich ordentlich strapaziert, wenn man im Ohr Schweine aus dem Weltall hat und zudem lesen soll. Denn dem österreichischen Nationalheiligtum Schweinsbraten (nicht -e-braten) wurde sogar literarisch ein Denkmal gesetzt, das sich fast liest, als wäre man bei kulinaria katastrophalia unterwegs und dabei ist es österr. Literatur, im Versmaß des Hexameters verfasst!

Brutzelnd, brätelnd und braun vom prasselnden Brande des Bratherds, /Prangte die prächtige Schnitte, verbrämt mit der breitesten Borte /Schwellenden Rückenfetts von der helleren Farbe des Bernsteins. / Riesig ragt die Rippe, umrillt von der weißen Manschette, / Über den Rand des Ovals, indessen das knusprig gebratne / Fleisch, das unter der Kruste die zarteste Faserung aufwies, /Herrlich vom kümmel- und knoblauchgesättigen Safte umspült war.
Anton Wildgans

Schweinsbraten
mit Kartoffelknödeln, Grammelstrudel und Krautsalat mit Speck

Ablauf: Am Vortag Schweinsbraten und Knochen würzen
ca. 5 Stunden bevor das Essen fertig ist, das Kraut einsalzen
Braten ins Rohr schieben
Beilagen zubereiten

2 kg Schopfbraten ausgelöst, Knochen mitnehmen, da sie für den Saaaaft sooooo wiiiiichtig!
5 nußgroß Butterschmalz
2 Zwiebel mit Schale, geviertelt
1 Knoblauchhappel in Scheiben geschnitten
Suppe zum Aufgießen
Salz, Pfeffer, Kümmel gemahlen und im Ganzen
1/2l Suppe zum Untergießen und Übergießen

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Am besten den Schopfbraten am Vorabend kräftig würzen. Nicht zu sparsam, denn das Fleisch ist ja dick und soll durch und durch nach etwas schmecken. Rechtzeitig vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen, damit das Fleischstück Raumtemperatur annehmen kann. Beim Einkauf sollte man darauf achten, durchzogenes Fleisch zu nehmen. Durch die längere Bratzeit brät sich das Fett so gut wie aus und außerdem hat man keine Schuhsohle am Teller.
In einer Bratpfanne das Butterschmalz zerlassen und die Knochen und Zwiebelviertel kräftig anbraten, dann das Fleisch auf die Knochen legen, mit Knoblauchscheiben belegen. Mit ca. 1/4 l Suppe untergießen. Den Rest der Suppe nach und nach zugießen und den Schweinsbraten damit übergießen.
Ins vorgeheizte Rohr schieben und bei 160°C eine dreiviertel Stunde braten, dann eine weitere Stunde bei 100°C weiterbraten und schließlich bei 70°C weiterschmurgeln lassen. Wer will, kann einen Bratenthermometer verwenden, denn die Kerntemperatur sollte ca. 55°C betragen. Der Vorteil der Niedergarmethode liegt daran, dass das Fleisch auch nach längerer Bratzeit wunderbar saftig und weich bleibt. Und beim Schweinsbraten ist einfach die lange schmurgelnde Bratzeit ganz wichtig, damit er auch gut schmeckt.
Ganz wichtig: Vor dem Aufschneiden sollte das Fleisch in Alufolie gewickelt etwa 10-15 Minuten rasten. Dann verteilt sich der Saft im Fleisch und rinnt nicht gleich heraus. Während der Rastzeit, den Saft mit Wasser aufkochen und die Bratenrückstände vom Pfannenboden lösen. Ich lasse den Saft gerne natur, man kann ihn aber gerne mit einem Stückchen (tiefgefrorener, weil emulgiert besser) Butter montieren.

Kartoffelknödel (Rezept nach Liesl Wagner-Bacher) 1 dag = 10g
1 kg heiße, geschälte und gepresste runde (mehlige) Erdäpfel
20 dag Erdäpfelmehl (eventuell eine Spur mehr, damit sich schöne runde Knödel formen lassen)
6 Dotter
10 dag flüssige Butter
2 EL Grieß
Salz, Pfeffer, Muskatnuss gerieben

Alle Zutaten zusammenmischen, zu Knödel formen und in leicht siedendes Wasser plumpsen lassen. Darin ca. 10-12 Minuten ziehen lassen.

Grammelerdäpfelstrudel

1 Pkg Strudelteig (für 2 Strudel)
1 kg Erdäpfel, gekocht, geschält, grob zerdrückt
Petersil gehackt
1 Zwiebel gehackt
20 dag Grammeln gehackt
2 Knoblauchzehen gehackt
Salz, Pfeffer, Butter zerlassen

Grammeln in der Pfanne anrösten, Zwiebel dazugeben, eventuell ein wenig Öl zum Anrösten zugeben. Zu den zerdrückten Kartoffeln geben, sowie die gehackten Knoblauchzehen, Salz und Pfeffer, gut vermischen. Den Strudelteig auf ein feuchtes Tuch auslegen, mit Butter bestreichen, die Fülle auf das untere Drittel geben, links und rechts die Längsseiten einschlagen und straff einrollen. Mit Butter bestreichen, auf ein gefettetes Blech legen und bei ca. 180°C braun backen – dauert ca. 15-20 Minuten

kraut2Krautsalat mit Speckwürfel

1 Krautkopf
25 dag Bauchspeck würfelig geschnitten
Essig, Wasser, Salz, Pfeffer, Kümmel, Öl

Ein Krauthappel fein nudelig (in der Küchenmaschine) schneiden, einsalzen und beschweren. Das Kraut sollte mindestens 2 Stunden eingesalzen marinieren, damit es schön mürb wird – besser wäre es , wenn es länger durchziehen kann.
Die Speckwürfel in einer Pfanne ausbraten und knusprig werden lassen.
In einem Topf die Marinade zusammenmischen und aufkochen lassen, allerdings kein Salz zufügen, weil das bereits mit dem Kraut mariniert. Die heiße Marinade über den Krautsalat gießen und mit Speckwürfel toppen.

Und wie war Rupis Geschichte?

schweininger3 und prost klick auf’s Bild bist beim Weingut.

25 Kommentare

Eingeordnet unter Ent(e)deckt, küchenente

25 Antworten zu “Schweinsbratl vom fliegenden Schwein

  1. gibts das Rezept auch als Hörrezept ? Bin begeistert. Nigl, Schwein, Flug und Happerl drehen sich mir im Kopfe.

  2. @lamiacucina: Das wäre freilich eine gute Idee. Da ich aber noch klassisch mit Stromkabel und schwerem Gerät am Netz hänge (ich kann mich für diese flachen PC-Kuverts nicht erwärmen, die man nötigenfalls auch unter der Tür durchschieben kann), kann ich keine entsprechende Aufnahme machen. Außerdem flucht die Ente teilweise wirres Zeugs beim Köcheln, oder singt falsch, dass die Milch dabei sauer wird. 🙂
    Ja, Happerl ist so ähnlich wie Erbsli – jedem Tierchen sein Plaisierchen, herzlich quakt die AdvEnte danke!

  3. ich fliege sofort nach Österreich!!!!!!!!!!!!!! Himmlisch!

  4. @Bolli: 😀 Mit einem himmlisch fliegenden Schwein? 😀 Du bist immer willkommen!

  5. Dass Sie so einfach solche Schweinereien hier im Blog abbilden. Wo ich doch gar nicht kann. Duerfen und wollen aber schon. Nur muesste ich den Schweinsbraten am Stueck herbringen, wahrscheinlich auch noch selbstlaufend.

  6. i wer[d] narrisch, die beste schweinsbratenillustration ever seen..

  7. @Dr.P.: Ein laufender Schweinsbraten? Dann bitte economy um einen Nasenrammel nach Malorca fliegen, dort stecken sie rosig in den Sitzreihen. (Das Wochenrätsel: Kann nicht, darf aber, braucht es am Stück, beweglich – sitzt er auf der Saualpe?)

    @Lreporter: Bist du auf Wasser und Brot gesetzt? Gab es nicht letzte Woche Cordon blöd bei dir? 😉

  8. ja, für den sohn. gestern gabs wildschwein vom nachbarn. so einen schweinsbraten aber wie du ihn hier auftischt, hab ich selten gsehn, meine herrn..

  9. sag mal, wohnst du nicht irgendwo in meiner nähe?…
    wir machen den schweinsbraten auf gut oberösterreichisch zwar ein bissl anders, aber da wäre ich durchaus kompromissbereit. vor allem, wenn’s nigl wein (welchen? mein lieblingswein von ihm ist der gv senftenberger piri, den riesling privat mag ich aber auch sehr…) und erdäpfelknödel dazu gibt. ausserdem finde ich super, dass du am ersten dezember nicht mit irgendwelchem kekskram auffährst, sondern mit was ordentlichem. respekt!

  10. Die Geschichte vom Ruppi muss warten – zuerst muss ich meinen Sabber unter Kontrolle bringen….

  11. @Lreporter: Wildschein gab es auch. Das Rezept war ganz gut, nur das Fleisch war nicht der Heuler. Jetzt habe ich meine Konnäktschn zu erjagtem Fleisch neu geflochten. Schaun wir einmal, dann koche ich das auch öffentlich.

    @katha: Vom Nigl war das ein „Kiesling“ – herrlich! Schweinsbraten auf oberösterreichisch – das will ich wissen, wo da der Unterschied liegt. Wir kochen oberösterreichisch! 😀 Ich brauch eigentlich nur Knödel mit Saft und Krautsalat.
    Die Kekserei deshalb nicht, weil ich -öhem- verhindert war. Irgendwie habe ich noch keine Inspiration. Aber am Samstag bin ich zu einem Punschabend eingeladen und ich versprach bereits eine Schachtel Keks. Daher muss ich wohl. Außerdem fehlt mir die Akribie für schöne Kekse, die ich auch fotografieren kann. Da brauchts ständig viel Weichzeichner dafür. 🙂

    @Gerlinde: Ich lege sie dir sehr ans Herz, weil sie sehr amüsant ist. Wer schon einmal in einem Urlaubsbomber gesessen ist, fühlt sich bei der Szenerie plötzlich dahinversetzt.

  12. ok, traunviertlerisch. aber das wär’s ja bei euch auch, wenn ich nicht irre… jedenfalls: karree (war’s bei uns immer) mit kümmel und salz auch am vorabend einreiben und mit nix (nix, kein wasser, keine suppe, kein schmalz, kein zwüfö) zustellen. nur dann kommt nämälich die ideale bratlfettn dabei heraus… ich muss bald mal wieder einen machen. hab grad unbändigen gusta drauf bekommen.

  13. also unser Bratlrezept weicht davon ab. – Oberösterreichisch. Das Schweinsbratl ist typisch Oberösterreichisch. Der Wirtschaftsminister wird schon wissen, wieso er gern Bratl ist. Immerhin ist sein Schwager Wirt.
    und ad dein Rezept? Wo bleibt den da der Kümmel?
    aber der Grammelstrudel klingt interessant.

  14. @katha: Ich dachte immer das Karree staubt ein bissl bei den Ohren raus. So ganz ohne „Unter“wasser trau ich mich nicht. Außerdem werden die besten Bratln beim Bäckn gemacht, weil die ein bissl Feuchtigkeit in den Ofen schießen können, daher hab ich mir eben gedacht ….
    Innviertlerisch also mit Karree – langes oder kurzes?
    Bratlfettn ist … njamm!

    @weltbeobachterin: Jetzt muss ich mich schon mit DREI Oberösterreicherin hier im Blog herumschlagen. 😀 Ich werde bald die Austria Konnäktschn in Bundesländer unterteilen.
    Der Kümmel steht oben beim Salz und pickt sichtbar beim dritten Bild von links, oder links neben den Links. Also ein Schweinsbraten ohne Kümmel ist wie ein Fisch ohne Fahrrad, das geht nicht!
    Die BESTEN Wirten haben eine ANGESCHLOSSENE Fleischhauerei. Da kann man ungschaut in jedes Kaff essen gehen und wird dort das beste „Golasch“ serviert bekommen.

  15. Eine wundervolle Verknüpfung! Schweinsbraten im Weltall …

  16. Schweinsbraten? ich muss sofort los zu dir fahren. Die sieht ja ganz toll aus. Ob es irgendwann Geruchs-Blogs geben wird?

    Übrigens, strebst du ein Ministeramt an? 😉

  17. @Rupi: Manchmal denke ich mir bei kompimierten Aufläufen gerne aus, welche Person welches Nahrungsmittel vertreten könnte. Da ist Frau Lauch, dort ist Herr Ochs und Herr Hase mit Frau Huhn im Gespräch, während Erbschen nur zuhört, etc. etc.

    @rufus: Du weißt, Quereinsteiger gehen nicht gerne in die Politik. Aber unser neuer Vizekanzler zeichnet sich dadurch aus, opulente Buffets vor Sitzungen kredenzen zu lassen. Was unheimlich gescheit ist, das macht zufrieden und träge ….

  18. zwölferfrage: ich glaube, meine oma hat immer das lange genommen. und ich schau die seltenen male, die ich ein bratl mach (viel zu selten, offenbar), dass ich überhaupt a) ein biofreilandschwein, b) ein karree im ganzen, c) ausgelöst, d. h. ohne knochen, aber mit dem gesamten fett bekomme. ob kurz oder lang, ist mir dann schon fast wurscht. wobei, das lange dürfte nach adam riese das weniger trockene sein. und stimmt: es staubt ein bisserl, je nach fleischqualität aber fast gar nicht. für mich war und ist der saftige schopf dafür suspekt 😉 und jetzt hätt‘ ich gern ein bratlfettnbrot (florianer…) zum frühstück.

  19. @entegutallesgut: aber sind die nicht eh alle träge?

  20. spätestens am heiligen abend ändern sich die geschmäcker.

  21. @Herold: Klar, da wollen wir Karpfen!

  22. graphodino

    Boah! Mahlzeit! Zum Glück hatte ich vor der Spazifikation durch die Bloghäuschen ein gar artig Süpplein in meinen Gierschlund praktiziert…

    Ich nehme doch stark an, dass Schweinsbratl vom fliegenden Schwein vornehmlich in Flugzeugen, Luftschiffen und Mondraketen serviert wird – sowie dortselbst auch verzehrt…

  23. @gDino: Schon Schnitzel im Flugzeug gegessen, aber noch nie Schweinsbraten. Vermutlich dann aber in Mond- und Marsraketen. Immerhin macht Mars mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel.

  24. Pingback: Die Merkel und Ich « Entegutallesgut

  25. Pingback: Grammelknödel « Entegutallesgut

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