Naturwissenschaft und Mathe sind wir schlecht

Glaube nur einer Statistik, wenn du sie selbst gefälscht hast.
Glauben wir der Statistik, dann sind wir in Mathematik und Naturwissenschaft schlechter geworden.
Nun ist die Frage, wenn wir nicht wissen, wann, wie und wo befragt wurde, ob die Werte vergleichbar sind.
Oder ist es nicht generell schlimm, wie wenig unsere Kinder in der Schule lernen, wo doch jeder sagt, was es für ein Wahnsinn sei, was die Kinder heutzutage lernen – spricht eine, die in der Baumschule war. So komme ich mir nämlich vor, wenn ich Gesprächen dieser Art zuhöre.

Kennt eigentlich irgendjemand ein Volksschulkind, das bei der Studie TIMSS mitgemacht hat?
Es ist grundsätzlich schwierig zu wissen, wie die Auswahl der Schulen und damit Schülern getroffen wurde, um damit Migrantenkinder ins Spiel zu bringen. Einen guten aussagekräftigen Mix gibt es kaum an irgendeiner österr. Schule, oder doch?
Außerdem wurden wirklich alle Kinder mit 10 Jahren befragt? In Österreich beginnen wir mit 6 Jahren in die Schule zu gehen und ein 4.Klässler ist demnach teilweise erst 9 Jahre alt. Diese Studie wurde aber an 10-Jährigen durchgeführt, da sind unsere schon in einer weiterbildenden Schule.

Hat irgendjemand ein Testkind an der Hand, das diesen Test machen könnte? Und man muss natürlich ehrlich sein, wenn es das Kind nicht so ganz checkt. Denn dabei ist weniger Wissen gefragt, sondern gute Kombinationsgabe und das Umsetzen von erlernten Wissensbereichen. Eigentlich das, was später einmal zählt.

Und wenn ich mir dann überlege, was mir so den lieben langen Tag auffällt, wo mir Ungeduld zugeschrieben wird, wenn es jemand gerade nicht checkt was ich will.
Ob das nun in der Gemüseabteilung des Supermarktes ist, wenn ich nach einer Obst“steige“ frage. „Wos manan’S?“. Ein flacher Karton für Obst, oder Paradeiser, es muss ja nicht jeder das Wort „Steige“ kennen, aber bei mir werden sie es irgendwann einmal lernen – stur wie ich bin.
Beim Kühlregal frage ich nach einem Mürbteig, ob der schon ausverkauft ist. „Was bitte?“ M-ü-r-b-t-e-i-g sage ich langsam. „Kenn ich nicht, was ist das.“ Wenn sie in einem Schuhgeschäft steht, dann verstehe ich die Frage, aber so eigentlich nicht. „Pizzateig, Plunderteig, Bätterteig in Rolle, alles fertig.“ „Ah, ist ausverkauft.“ Ok, hätte ich mir sparen können.
Geh ich zur Kasse, meine Rechnung macht 4 Euro 47 aus, ich lege 4 Euro 52 hin, bekomm ich als Antwort zu viel Geld. Herrschaft, was ist da eigentlich los, wieso setzen sie solche Leute an die Kasse und nicht – entschuldigung – zum Kinetenschaufeln oder Gurkenernten?

Und das soll niemand bemerkt haben? Und jetzt stopfen wir dann alle, die „halt ein bissl langsamer mit dem Lernen sind“ in die Gesamtschule, weil das dann besser werden soll und wir unsere Kinder einheitlicher fördern können. Wobei fördern bitte? Zu Leistung, zu Wissen, zu lernen Lernen?
Tolle Idee, wir verringern die Klassenzahlen! Ich bin in der Volksschule mit 32 anderen Klassenkollegen zusammengesessen.
Was dürfen denn eigentlich noch Lehrer, wenn sie unterrichten? Tests müssen angesagt werden, zu unserer Zeit mussten wir jeden Tag vorbereitet sein. Kein Test wurde angesagt, sondern einfach gemacht. Hausübungen haben wir noch von einen Tag auf den anderen bekommen und auch übers Wochenende. Und dann hab ich eben einen Fetzen gefangen, wenn ich nichts gemacht habe. Meine Mutter hat davon nichts gewusst, wenn ich zwischen 4 und 5 gestanden bin. Jetzt muss man die Eltern informieren. Wenn die Schüler über 18 Jahre alt sind, dann muss sich der Elternteil – man höre gut zu – eine Bestätigung vom eigenen Kind holen, dass man mit der Lehrkraft alles besprechen darf. Wenn man das nicht hat, dann erfährt man auch nur die Hälfte, aber zahlen darf man das Ganze. Wer einen Fünfer im Zeugnis hat, darf mit Lehrerbeschluss in die nächste Klasse aufsteigen. Zu meiner Zeit hat man noch im Sommer gelernt, eine Nachprüfung gemacht, weil einfach das Versäumte nachgeholt werden muss. Keiner hat es lässig gefunden, im Sommer zu lernen, aber wer unter’m Jahr deppert ist, muss halt im Sommer büßen, oder darf einfach nochmal eine Ehrenrunde als Sitzenbleiber machen. Die Note zeigt doch eine Wissenslücke und ist doch keine Schikane des Bildungssystems. Aber wir wollen alle eine sehr liberale Schule, wo man sich nicht sonderlich viel anstrengen muss, mit Bausteinen Grammatik lernt (ich liebe das Waldorfsystem) und dann die Hochschulreife bekommt. Das passt dann wieder zur Studie, die aussagt, wir haben zu wenig Hochschulabgänger. Was wollen wir eigentlich wirklich?

(Jetzt hab ich mich ein bisschen ausgekotzt, dabei mag ich gar keine Lehrer. Ich erkenne sie 10 Meter gegen den Wind mit Augenbinde.)

10 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

10 Antworten zu “Naturwissenschaft und Mathe sind wir schlecht

  1. Zur Frage, wann, wie, wo getestet wurde: Grundschulmonitoring in Österreich. Btw, die Studie wurde nicht an 10-Jährigen durchgeführt, sondern an SchülerInnen der 4. Schulstufe.

  2. Stell dir mal vor, ich bin, bevor ich nach der Vierten aufs Gymnasium gekommen bin, am Dorf noch in eine 3klassige Volksschule gegangen. Die erste und zweite Klasse wurde von einer Lehrerin gemeinsam unterrichtet, ebenso die dritte und vierte. Die Oberstufe, also alle 10 bis 14jährigen, hat der Direktor in einer!! Klasse unterrichtet und du magst es glauben oder nicht, im Schreiben, Lesen und Rechnen waren die Volksschulabgänger bestimmt besser als es manch ein Hauptschüler heute ist.
    Und damit da keine Missverständnisse aufkommen – wir waren pro Klassenzimmer etwa 50 Kinder und in der ersten Klasse auf dem Gymnasium waren wir 36. Zur Matura waren wir noch 18 Stück, das war eben so, da hat keiner einen Trara über den Abgang von 50% gemacht – die Spreu wurde vom Weizen getrennt, hieß es lapidar. Wir waren „Fahrschüler“, um 6:30 sind wir bereits im Schulbus gesessen und kurz vor 15 Uhr waren wir wieder daheim, Samstag war ganz normaler Unterricht und Hausaufgaben gab es massenhaft von einem Tag auf den anderen und erst recht von Samstag auf Montag, denn da hatte man ja Zeit. Weniger Zeit hatten wir um Dummheiten zu machen und trotzdem hab ich nicht das Gefühl, etwas versäumt zu haben – ich bin recht gerne zur Schule gegangen 🙂

  3. da hat mans als autodidakt leicht, kümmert sich nicht weiter um das bildungssystem und lernt nur das, wozu/worauf man lust hat. meine beiden buben handhaben das ähnlich, der eine geht auf die waldorfschule, darf sich zeit lassen, lebt/e ein wenig in einer traumwelt, er wacht allmählich auf, gedeiht wunderbar, macht aikido, spielt fussball und gitarre, ein kleiner bodhisattva. der andere ist eine art hochbegabter, lebt mit seiner mutter in england, spricht neben englisch fließend spanisch [da lebte er und seine mutter vor drei jahren] und hat ein gedächtnis wie eine festplatte.

    als gelernter hauptschüler amüsiere ich mich manchmal bei elternabenden, im zirkel der akademiker, wenn die bildungsthemen ausgepackt werden, vernünftiges und verstandgeleitetes höre ich selten, jeder argumentiert halt immer aus seiner ganz speziellen perspektive [gen-pool].
    was soll man tun? am besten das kind gemäß seiner anlage unterstützen, es gedeihen lassen, ein gutes vorbild sein, ihm viel vermitteln, mit dem mund und dem herzen..

  4. na, mich versuchen die Verkäuferinnen beizubringen, wie das heißt.

    Ich: Ein Laugenkipferl bitt.
    V: Das heißt Laugencroissant
    Ich: Ein Erdäpfelweckerl bitte
    V: Sie wollen ein Kartoffelciabatta
    I: Na, ein Erdäpfelweckerl

    und in Sachen Bildung sind wir auf einer Welle.

  5. @Gerlinde: Du drückst auch das, was ich meine: Wir hatten damals einen Arbeitsdruck, aber nicht den psychischen Stress, den Schüler jetzt ausgeliefert sind. Sie müssen wesentlich weniger an Haus-ÜBUNGEN machen, dafür ihr Kurzzeitgedächtnis für Tests trainieren.
    Dabei sind die HÜs so wichtig, weil sie eben Training und Übung darstellen. Wissen bleibt nicht, wenn man es vor einem Test, einer Schularbeit bunkert, sondern nur, wenn man sich über längere Zeit mehr oder weniger intensiv damit befasst.
    Ich kann mich außerdem nicht in irgendeiner Weise daran erinnern, ein Aufmerksamkeitsdefizit gehabt zu haben, weil wir so viele Schüler waren. Vielleicht war das auch der Grund, dass wir uns doch einiges selbst erarbeiten mussten. Ich muss dazu sagen, ein gültiges Schulkonzept habe ich auch nicht. Ind ie Schule bin ich nicht sonderlich gerne gegangen, weil ich diesen Gehorsam der dort herrschte nicht sonderlich schätzte, aber deswegen bin ich psychisch nicht daran zerbrochen.

    @Lreporter: Das lernen, worauf man Lust hat, funktioniert aber nur dann, wenn Ehrgeiz vorhanden ist. Und der ist bei Jugendlichen gerade während der Adoleszenz nicht sonderlich üppig vorhanden. Ich war in der Schule auch Minimalist und habe nur das gelernt, was nötig war. Klimazonen, Gesteinsschichten, Erdaufbau der Steiermark, der Thermenlinie oder in Afrika haben mich nicht wirklich brennend interessiert, aber wie ich schon oberhalb sagte, ich bin daran nicht zerbrochen und auch meine Klassenkollegen nicht.
    Ich bin ja in einer Weise gespalten: Einerseits sollte man Kindern Zeit lassen (Hände weg von diesem Zwang der Frühförderung, nicht alle Kinder brauchen das in dem Alter, sie wollen lieber spielen und träumen) und in zweiter Hinsicht aber ihren Ehrgeiz und Interesse anfachen. Das ist eine der schwersten Übungen für uns Menschen.
    Dein zweiter Sohn, ist das was man im englischsprachigen als „gifted“ bezeichnet. Diese Menschen saugen Wissen auf wie einen Schwamm, der unheimlich schnell trocknet und ständig nach „Futter“ schreit. Können auf ihre Art auch sehr anstrengend sein, weil sie sich mit normalen Menschen langweilen. Sie wollen immer Anspruch in ihrem Tun und Handeln und hinterfragen sehr oft die Sinnhaftigkeit etwas zu tun, das auf den ersten Eindruck Nichtstun ist.

    @weltbeobachterin: Überkandidelt, oder?
    Fundiertes Basiswissen, auf das Schüler selbstständig aufbauen können.

  6. @Hedonistin: Danke, genau danach habe ich gestern gesucht. 😉
    Was das Alter anbelangt, so wurde das in der Presse in der Form publiziert.

  7. @lilly – ja, in der adoleszenz dürsten die jungen nach vorbildern, von einer alten tschäßn lässt man sich eh nichts erzählen, oder von einem auf jugendlich getrimmten studienrat mit vernunftsappellen. es bedarf einer außerschulischen [von mir aus auch innerschulischen] begleitung ganzheitlicher richtung. lebenskünstler, tänzer, schauspieler, dichter und maler, randgestalten mit außergewöhnlichen biografien und fähigkeiten sollten die heranwachsenden in lebenskunde unterrichten [und natürlich ein honorar erhalten], sie coachen [siehe den wunderbaren film RHYTHM IS IT] – um jene die von sich aus ihren weg gehen, muss man sich eh nicht sorgen..

  8. ludi

    es ist wichtig sich auszukotzen
    liebe entegutallesgut
    von zeit zu zeit jedenfalls
    denn stell dir vor
    diese ganze kotze da
    bleibt immer in dir drin!
    was das dann
    irgendwann
    mal für einen
    kotzvulkanausbruch
    zur folge hätte …

    zum thema schule und lehrer/innen
    und schüler/innen und klassenteiler
    und gesamtschule und grundschule
    und timms und wie heisst die
    andere studie gleich wieder?
    ja, pisa, pissa, am pissasten
    möchte ich mich
    im hier und jetzt
    nicht weiter äussern
    denn:
    da müsste ICH
    mich dann seitenweise
    DArüber auskotzen
    und dabei will ich deine
    schöne site nicht mit sowas
    behelligen.

    trotz auskotzen von dir
    fand ich diesen artikel
    sehr gut und interessant!

    ausgesprochene
    belobigung!
    note eins
    setzen
    und allmählich
    wieder zur
    ruhe kommen …

    der ludi war hier
    zum ersten mal

  9. @ludi: Na manchmal interessiert es die Leute nicht, aber das merkt man dann ohnehin wie viele sich dazu äußern. 😉

  10. @Lreporter: Sehr gute Ideen! Bei den Gauklern, Komödianten, Schaustellern möchte ich gerne dabei sein, als Zuschauerin und Mitwirkende.
    …jene die ihren Weg von sich aus gehen – überschätze nicht, wie wenige das sind. Auch sie brauchen die Begleitung von Lebenskünstlern um ihr Kreativpotential explodieren zu lassen.

    @ludi: Wir müssen uns von der öffentlichen Meinung trennen und möglichst viel Erfahrungswerte sammeln, um das tatsächliche Bild zu sehen. Dann suchen wir uns die exzellenten Wegbegleiter für Jugendliche heraus und schauen uns ab, wie sie es schaffen, die Teenies zu motivieren.

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