Weihnachtsente!

Heute gibt es Karpfen! Ätsch!
Warum Engel für mich so wichtig sind, obwohl ich mit Esoterik gar nichts am Hut habe?
Engel waren in meiner Kindheit zu Weihnachten die guten Helfer. Sie haben den Christbaum aufgeputzt, während ich versucht habe ein Englein durch’s Schlüsselloch zu erblicken. Ich war damals mucksmäuschen still und stand da vor der Tür. Ganz sicher habe ich nicht geatmet und doch hat es jemand bemerkt und während ich durch das Schlüsselloch gelugt habe, etwas davorgehängt. Das verstehe ich bis heute nicht, warum man mich bemerkt hat.
Wenn der Christbaum dann fertig war, so hat es mir meine Mutter erzählt, dann fliegen die Englein nochmals los und kommen dann gemeinsam mit dem Christkind, um die Geschenke zu bringen. Deswegen musste am Heiligen Abend vor der Bescherung, mehrmals das Fenster aufgemacht werden. Und wenn ich dann den kühlen Luftzug gespürt habe, der durch die Türritze pfiff, dann war ich aufgeregt wie nie.
Nachmittags durfte ich fernsehen. Bei Krambambuli habe ich mich weinend auf die Bescherung, den Christbaum und die Geschenke gefreut. Ab vier Uhr haben sie im Rundfunk (und noch immer) zu jeder vollen Stunde „Stille Nacht“ gespielt. Den Text habe ich gelernt, weil wir jedes Mal gemeinsam vor dem Baum gesungen haben. So falsch, wie es kaum eine Familie zusammenbringt, aber dafür mit Freude!
Und während wir gesungen haben, blickte ich schon um den Baum herum und überlegte mir, welche Packerl für mich bestimmt sein könnten. Zur Bescherung hat es geklingelt und dann war die Spannung am größten. Gezischt haben die Sternspucker, die Kerzen ein warmes Licht abgegeben und ganz dunkel war es im restlichen Zimmer.
Einmal hat ein Sternspritzer einen weißen Bären in Brand gesetzt. Den wollte mein Onkel aus dem Fenster werfen. Meine Mutter hat ihn noch rechtzeitig dazu überredet, ihm in der Abwasch ein Brausebad zu versetzen. Der Bär war hinüber. Auch ein Blödsinn einen weißen Bären zu schenken, der so schnell grau und schmutzig wird. Aber weiße Bären wirken elegant.
Ein anderes Mal habe ich eine Gehpuppe bekommen. Meine ist nie gegangen. Puppen wollte ich sowieso nicht. Außer mein Schlummerle, das habe ich geliebt.
Dann war da noch ein Kasperltheater und einmal ein Kaufmannsladen, der beim Baum stand. Beide Geschenke zu verschiedenen Weihnachten und außerdem so groß, dass man sie nicht einpacken konnte. Das war eine Freude, während ich gesungen habe.
Nach der Bescherung, gab es Essen.
Immer gleich: Fischbeuschelsuppe, Rindssuppe mit Einlage für die Nichtfischbeuschelesser;
Gebackener Karpfen, Sauce tartare, Erdäpfelsalat mit Vogerl gemischt (früher war Vogerlsalat und Schlagobers vor dem Weihnachtsfest immer ausverkauft – man musste das bestellen.), für die Nichtkarpfenesser: Gebackenen Kabeljau, der ist saftig.
Als Nachspeise Kekse, die früher nicht im Advent gegessen wurden, sondern wirklich erst am Weihnachtstag. Nur nach all dem fetten Essen, war jeder froh, wenn er noch „baff“ sagen konnte, deshalb gab es für die Erwachsenen Schnaps, um den Stein im Magen zu zertrümmern. Mir war das egal, denn ich saß am Boden, spielte und war so etwas von selig und zufrieden und machte mich über den Christbaumbehang her. Das war in Staniol eingewickelte Schokolade, in Form von einer Säge (wie sinnig), einer Gitarre, Auto. Sehr begehrt waren Zuckertropfen in einem Netzsäckchen. Die waren innen gefüllt und die platzten, wenn man sie ganz fest mit der Zunge gegen den Gaumen drückte. Die harte Zuckerschale zerschnitt manchmal den Mundraum.

Bis zu meinem fünften Lebensjahr hat meine Omi mit uns gefeiert. Die sechsten Weihnachten war sie im Spital und starb am Silvesterabend. Dann kamen wieder die Engeln und haben meiner Omi den Weg in den Himmel gezeigt, ihr einen schönen Platz zugewiesen, damit sie von dort oben auf uns herunterschauen kann und gegebenenfalls einen Schutzengel zu uns herunterschickt.
Deswegen mag ich Engel gerne.

Frohe Weihnachten euch allen da draußen!
Vergesst nicht die Fenster zu öffnen, wegen dem Flugverkehr.

wente

Advertisements

18 Kommentare

Eingeordnet unter befindlichkeiten

18 Antworten zu “Weihnachtsente!

  1. margu

    Schön wie Du es beschrieben hast. Hat mich gleich wieder in meine Kindheit versetzt.
    Dir und allen anderen auch ein frohes Weihnachtsfest 🙂

  2. sehr schön, vielleicht schreib ich auch mal über meine Weihnachten.
    wünsch dir gesegnete Weihnachten.
    bei dir ging es ja traditionell zu. Wie bei unserm Kanzler, wie ich aus der Presse erfahren durfte. da gibts auch Karpfen und Kabeljau.

  3. Vom Fisch halte ich mich fern – zu den Keksen bin ich wieder da.

  4. @margu: Ja, meine Familie hat mir Weihnachten immer sehr schön und feierlich gestaltet, daher ist es mir auch noch so verinnerlicht. Frohe Weihnachten auch an dich!

    @weltbeobachterin: Ja, sehr traditionell ging es zu und ich führe dies genau so weiter. Kurz vor dem Fest überlege ich etwas zu ändern, weil das langweilig werden könnte und dann mache ich es doch wieder so wie immer und jedes Mal ist es auf eine Art anders und besonders. Ein gesegnetes Fest dir und deiner Familie!

    @rufus: Dich schätze ich auf Fondue ein, entweder zu Weihnachten oder zu Silvester. 😉 Kekse halte ich ein paar für dich bereit. Durch welches Fenster fliegst du?

  5. Fondue ist – heute und vielleicht 31. Ich fliege durch das Fenster, durch das ich geworfen werde …

  6. Karl H.

    Ein recht frohes Weihnachtsfest wünscht Dir der bloglose Wiener in Deutschland.
    Ich hoffe, Du hast mir den Kommentar bei Gerlines „Sekt und Co“ nicht übel genommen!

  7. Auch Dir ein frohes Festchen. Die Fenster sind offen aber der Verkehr scheint zu lahmen… 😉

  8. Man kann die Stimmung, die aus der Geschichte hervorgeht förmlich spüren. Sehr schön! Schöne Feiertage wünsche ich dir…

  9. langsam wird es kalt im Zimmer. Die Fenster schon seit Stunden geöffnet. Jetzt mach ich zu, wünsche Dir einen schönen Weihnachtstag und koche selber was 🙂

  10. herold bevorzugt ebenfalls engel, aber in form von schwing-kompressoren. 😉

  11. verena39

    süße Geschichte, ente, danke schön, dass du dir die zeit dafür genommen hast!

  12. @Karl H. Nein, hab ich dir nicht übel genommen. Soll ich jetzt nachdenken, wieso? 😉

    @Dandu: Du darfst die Engel nicht schrecken. 🙂

    @Bulgariana: Ja, daran denke ich immer wieder gerne und außerdem bin ich eine alte Traditionsente. :)Ich wünsche dir auch schöne Feiertage!

    @lamiacucina: Moment, wenn du dir nichts wünschst, was soll man dir dann einfliegen? Essen haben wir immer selbst machen müssen, da liegst du einem Irrtum auf. 😀

    @herold: Google sei Dank, kann ich etwas mit der Antwort anfangen! Cool!

  13. Hm, womöglich hat es ja etwas Gutes zu bedeuten, dass Du meine Kommentare manchmal (oder gar häufig) nicht verstehst, und ich Deine Postings nicht oder nicht alles an ihnen oder wie auch immer…

    Den Song fand ich schon immer cool, kannte aber den Interpreten nicht – aber warum „Ätsch!“? Und was hat das mit Karpfen zu tun?

    Aber es gibt bösartige Missverständnisse und gutartige – diese eben angedeutet erwähnten aber sind, deucht mich, gutartig: wird schon hin kommen! Wird schon stimmen! Das Weib als solches ist insgesamt rätselhaft, allerdings auch eindeutig reizvoll!

    Oder so ähnlich…

    Ich habe nachts immer Fenster offen: nun weiß ich einmal mehr, warum!!!

    Greetings nach über die Alpen!

    Der alte Graphodino

  14. frohe weinachten, liebe ente!

  15. richensa

    Sehr schön geschrieben…
    Bei uns war das Christkind immer alleine unterwegs, ganz schön viel zu tun hatte es ja. Ob man das heute unter „Kinderarbeit“ subsumieren würde??

  16. du hast mich heuer bei Alle Jahre wieder draus gebracht. Du mit deiner Säge am Christbaum. Da heißt es ja´: Kehrt mit seinem Segen. Da hab ich an dich gedacht.
    ja, ich mag da auch das traditionelle. daheim haben wir etwas abgeändert. Seit paar Jahren gehen wir räuchern.
    Ich bin relativ bald draufgekommen, dass das Christkind keine Geschenke bringt.

  17. @gDino: Also ich, weil Ente, sag Ätsch zu Karpfen. Isdochlogischoderwat?
    Waaaatch out Dino, an angel is cleared for landing.

    @Lreporter: Auch ein frohes Festl ins Lokäu (wie es Danzer immer sang beim Havelka)

    @richensa: Echt? Wir waren schon immer eine Teamplayerfamily. 😀

    @weltbeobachterin: Du hast wieder einmal den Vogel -äääh Ente- mit diesem Kommentar abgeschossen! von jetzt an immer Se/ägen am Baum! :-))

  18. @lilly – genua. i hoab so sehnsucht noach mier sööbbaa..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s