Monatsarchiv: Januar 2009

Krautfleckerl

Österreichische Hausmannskost und ein Arme Leut Essen.
Auf die Idee kam ich, seitdem ich bei Klostersuppe mit Haube Mitautorin bin. Eigentlich sein sollte, weil ich die Einladung für einen falschen Blog bekommen habe. Auf jeden Fall finde ich die Idee gut, nach Rezepten zu schauen, die sich mit wenig Geld herstellen lassen. Gestern erst bei kreuz und quer gesehen und gehört, wie viele wirklich arme Menschen es gibt, auch jene, die als „Working Poor“ bezeichnet werden. Also Menschen, die trotz Arbeit zu wenig zum Überleben haben. Es sind in Österreich 400.000 Menschen, die davon betroffen sind.

krautfleckerl-019Beginnen wir mit dem Begriff Fleckerl und der Nudelsorte an sich, weil Fleckerl gibt es meines Wissens nicht in Deutschland.
Ein Fleck kann auch ein Batzerl sein, also wenn man sich anbatzt oder auch anpatzt hat, das heißt, man hat einen Fleck am Hemd.
Ein Fleck“erl“ kann aber auch ein kleines Stück sein, wie ein Stück Stoff, oder ein Platz. „Gibt’s da noch ein Fleckerl, wo ich mich hinsetzen kann?“
Und dann eine Teigware, die man zu Schinken- oder wie nachfolgend zu Krautfleckerl verarbeiten kann. Das Foto widme ich in aller Herzlichkeit dem Schweizer Küchenfreund, weil er es liebt, Teigwaren selbst zu machen. Und damit er weiß, wie weit er Fleckerl falten muss, nicht zu viel und nicht zu wenig, sei ihm diese Abbildung ans Herz gelegt. 😉

Krautfleckerl
1 Krauthappel (ca. 3/4 kg)
1 Sackerl Fleckerl
2 Zwiebeln
2 EL Butterschmalz
1 Handvoll Kristallzucker
ca. 1/8 l Rindssuppe
Salz, Pfeffer, 3 Knoblauchzehen

Das Kraut fein hobeln und beiseite stellen. Den Zwiebel in feine Ringe schneiden. In einer Pfanne das Butterschmalz zergehen lassen, mit dem Zucker karamellisieren lassen (Vorsicht, dabei bleiben, denn der Zucker kann ruckzuck verbrennen. Ebenso ist bei Ceranfeldern Vorsicht geboten. Zu heißer, flüssiger Zucker zerstört das Kochfeld). Sobald der Zucker mittelbraun karamellisiert ist, von der Platte ziehen, mit Suppe aufgießen (vorsicht, zischt und dampft) und wieder zurück auf den Herd stellen. Nach und nach das gehobelte Weißkraut zugeben und kräftig durchrösten. Durch den karamellisierten Zucker, bekommt das Kraut eine braune Farbe. Kräftig salzen (! das Kraut darf nur eine feine Note an Süße haben und muss sehr kräftig gewürzt sein), pfeffern (soll schön scharf sein, für Kinder muss man sich ein wenig zurücknehmen und später nachpfeffern) und mit gehackter Knoblauchzehe etwa 20 Minuten durchrösten, abschmecken.

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In der Zwischenzeit die Fleckerl in reichlich Salzwasser kochen. Ganz wichtig, sie müssen wie Spaghetti einen Biss haben. Meine Flecker kochten etwa 6 Minuten. Abseihen in den Topf zurückgeben, abschmalzen (Butterschmalz zugeben und kurz durchrösten, das nennt man bei uns abschmalzen) und dann mit dem Kraut vermengen.

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Ganz wichtig!
Die Krautfleckerl dürfen keinesfalls süß schmecken. In meiner Kindheit wurde dieses Gericht fast so süß wie eine Nachspeise gekocht, daher konnte man mich damit jagen. So wie ich es zubereite, ist es ein sehr pikantes Gericht. Dazu gibt es dann ein Glas Bier, oder einen kräftigen Chardonnay, wobei ich Bier passender finde.

Tipp: Lisl Wagner-Bacher bereitet eine Variante der Krautfleckerl so zu: Das Kraut wird in quadratische Fleckerl geschnitten und auch kurz karamellisiert durchgeröstet. In der Zwischenzeit Kartoffel ganz fein hobeln, in Fleckerl schneiden und seperat in Butterschmalz braten (das geht sehr schnell, wenn die Erdäpfelfleckerl dünn sind). Kraut zugeben, abschmecken!

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Na Sie Dodl, i foar Rodl

Fällt mir gerade Georg Danzer ein – Gott hab ihn selig – wenn ich an Siezen und Duzen denke.

[…]Presst si aner mitn Schlittn
mitn durch die Leit
olle regn si furchtbar auf
nur eine Dame schreit:
„Heans si san mir scheint net gscheit?“[…]
So a Dodl mit da Rodl auf da Pistn
spü do jo kan Terroristen
weu wir nemman di
und sperrn di ein am Heisl
dann bist bestenfalls a Geisl[…]
Weana Bazi
sei net wahnsinnig und raz mi
aber lieber Herr das kann ja keiner wissen
sogt da Franz jetzt ganz beflissen
So a Dodl mit da Rodl owa Bitte
nehmts eam auf in unsrer mitte[…]

Textauszüge

Über das Thema, wann ich jemanden Duze oder Sieze, beschäftigte ich mich auch voriges, wie letztes Wochenende. Witziger Weise, wie Zufälle so spielen, hat auch mein Haus- und Hofinternetpfarrer dieses Thema aufgegriffen und von allen Seiten beleuchtet.

Die Wiener sind ja unter den Österreichern ein recht „steifes“ Volk. Wir sind nicht so locker und jovial wie unsere lieben Landsleute aus den Bundesländern. Die treffen sich, egal wo und wie, sobald sie wissen, der andere kommt nicht aus Wien, dann Duzen sie sich gleich. Nein, nein, der Wiener braucht recht lange, bis er so weit ist. Also ich nicht. Da ich außerdem bereits in einem Alter bin, wo ich das Du-Wort anbieten darf, nütze ich diese lässige Art gerne aus. Manchmal, wenn es den Anschein hat, ob man gleich alt ist, dann verplapper ich mich einmal unabsichtlich und mein Gegenüber kann schwer umhin, mich weiterhin zu Siezen.

Da war ich also in einem Seminar. Darüber könnte ich noch extra berichten, wie diverse eckige, wie runde Wölkchen auf allerlei fahrenden, nichtleuchtenden, selbstklebenden Tafeln in jeder Ecke des Raumes deponiert werden. Ich bäre mich jedes Mal total ab, wenn da Kommunikatinsstrategien erster Klasse angewandt werden und unsereins ein steifes Gnack bekommt, um einmal in die linke hintere Ecke zur hellgelben Sprachwolke, dann wieder auf die leuchtende Wand in der rechten hinteren Ecke, oder geradeaus auf die Vortragende schauen, die gerade ein eckiges rosa Taferl in der Hand hält. Ständig ist man in einem Orientierungsdilemma, wo man schauen soll. Also mich macht das fertig, Kommunikationsexperte hin oder her, ich will diese Herumrennerei mit bunten Wolken und Zettelchen in einem Raum der Ruhe NICHT! Ich kann mir das gerade merken was ich höre, besonders, wenn ich ein Skriptum vor mir liegen habe. 😉

Nun gut. Bevor wir unsere Wunschwölkchen ausfülllen durften, mussten wir Selbstklebeetiketten gemäß Muster unserer Vortragenden ausfüllen. Da steht ein Vorname, sagen wir einmal „Susanne“ drauf, während sie uns munter darauflos siezt. Da bin ich „Sie Ente“, er „Sie Johannes“ und sie „Sie Christiane“. Noch dazu, man denke sich dazu jetzt einen lauten Tusch, die Dame kommt aus dem Bundesland. Nix steife Wienerin, sondern lockere sagen wir einmal Kärntnerin.

Untereinander sind wir nach den ersten 15 Minuten alle per Du. Obwohl wir in einem Altersbereich von plus minus 25 Jahren liegen. Also da gab es richtige Krokodile (wie ich) und kleine Heuhupfer wie die anderen. Egal, wir hatten ein Ziel, möglichst viel an Wissenswertem aufzusaugen und wenn wir miteinander kommunizieren, unsere Denkkabine auf Trab bringen, dann duzt es sich einfach leichter. Nach 26 Stunden waren wir ein fest zusammengeschweißtes Team, haben uns die Bäuche vor Lachen gehalten und konnten auch ernsthaft arbeiten. Die Vortragende war nicht minder lustig und locker, aber sie konnte mit ihrem „Sie“ nicht in unsere Runde eindringen, obwohl sie auch ein junger Hupfer war.

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Verschrottet was geht

– das kurbelt die Wirtschaft an.

Zumindest ist das die langläufige Meinung in Hinsicht der Automobilindustrie. Begleitet wird diese Idee mit der Dramatik durch Meldungen von Kurzarbeit und Kündigungen in diesem Industriezweig.

Eine vom Staat ausgelobte Verschrottungsprämie, die in Österreich noch zur Diskussion steht und bei 2.500 Euro liegen wird, soll diesem Trend entgegen wirken. Zögerlich ist man noch mit der Durchsetzung dieses Wirtschaftsförderungsprogrammes, da man sich nicht wirklich sicher ist, ob diese Maßnahme auch so greift wie man möchte.

Bekannt ist, das wird aber nicht wirklich publiziert, dass der Automobilmarkt seit einigen Jahren als gesättigt gilt. Es ist so gut wie kein Zuwachs an Gesamtzulassungen zu verzeichnen und der Anstieg der Neuzulassungen bewegt sich in einem Bereich, der fast vernachlässigbar ist. Somit sage ich einmal ganz bösartig, der PKW Industrie und allen damit verbundenen Zulieferern kommt die Wirtschaftskrise ganz gelegen. Gelegen insofern, wenn die Politik ein Stützungspaket nur für diesen einen Industriezweig schnürt. Dass aber alle Unternehmer, die bisher über gute Umsätze und auch -zuwächse berichteten, Absatzeinbußen durch die prekäre Wirtschaftslage verzeichnen, das wird verschwiegen oder nur hinter vorgehaltener Hand bestätigt. Also lasst uns alle Wirtschaftszweige gleich fördern: die Branntweiner, die Matratzenproduzenten und die Zahnbürstelbinder.

Als Nachschlag zu diesem Unterstützungsprogramm wurde erwähnt, die Fahrzeuge müssen tatsächlich verschrottet werden, was einerseits gut ist und andererseits wiederum schade, denn man könnte sie sehr gut in den Osten verscheppern. Was da an abgetackelten Totalschadenkraxn auf der Ostautobahn quer durch unsere Lande transportiert werden, ist schon sagenhaft. Also lag das anfangs für mich fast auf der Hand, ich steck das Geld ein und verklopf mein Auto nach Rumänien. Fest steht aber, wer money kassiert, dessen Auto kommt in die Presse.

Nun wer sagt aber, dass jeder, der ein zu verschrottendes Fahrzeug in seinem Besitz hat, auch über finanziellen Mittel verfügt, sich ein nigelnagelneues Auto zu kaufen? Wann ist ein Auto reif zur Verschrottung? Der Staat Österreich wäre sicherlich froh, wenn mein 9 Jahre alter Wagen der Verschrottung zugeführt wird, Hauptsache ich kaufe mir ein neues. Mein Hupfer rostet aber nicht, wirft auch keine dunkelblauen Wolken aus dem Auspuff und ist noch sehr gut unterwegs. Ich will, muss und kann mir somit kein neues Auto kaufen, weil ich auch gar nicht über die finanziellen Mittel zurzeit verfüge.

Auch die Argumentation, dass Deutsche zwar deutsche Autos fahren, aber Österreicher sich eher Reiskutschen kaufen ist nicht vom Tisch zu weisen. Es gibt keine österreichische Automarke, sondern wir kaufen ein zusammengebautes Sammelsurium an Einzelteilen aus aller Herren Länder, das zu einem geringen Prozentsatz auch aus Österreich stammt. Wir stützen allerdings mit unserer Verschrottungsprämie und dem daraus entstandenen Umsatzzuwachs auch unsere Nachbarländer und kommen dafür vielleicht in den Himmel, weil wir so gut und brav sind, aber der Reibach für’s eigene Land hält sich in Grenzen.

zahnburste-005Im gestrigen Eco wurde freilich mit einem Augenzwinkern die interessante These aufgestellt, man solle doch lieber in neue Matratzen investieren. Ein österreichischer Matratzenhersteller berichtete über den möglichen Umsatzzuwachs, der seinem Unternehmen zugute käme, würden die Österreicher eine Matratzenprämie bekommen. Was auch nicht von der Hand zu weisen ist, er hält nicht nur Arbeitsplätze, sondern könnte sogar 200 neue Arbeitsplätze schaffen! Und da beginnt man zu denken, denn das Geld wäre sicherlich für rein österreichische Unternehmen besser angelegt. Noch dazu weil in der eigenen Matratze die Milben wuseln und diese Bettunterlage alle 10 Jahre gewechselt werden sollte, weil die Materialmüdigkeit auch auf’s Kreuz geht. Ich muss mir das alles noch durch den Kopf gehen lassen, habe aber heute in verschwenderischem Wahnsinn meine Zahnbürste gewechselt, denn die hat auch schon mehr als müde ausgesehen. Und mein Auto lasse ich stehen, weil ich so einen guten Parkplatz habe und außerdem die Öffis auch gesponsert gehören!

Update: Keine 3 Stunden und dieser Bericht ist zum Teil schon wieder obsolet. Laut ORF Nachrichtendienst wird sich unsere Prämie auf 1500 Euro belaufen, gilt für Autos, die 13 und mehr Jahre am Buckel haben und das erst ab 1. April 09. Na bis dahin, kann man das Gesetz auch leicht rückwirkend machen, falls sich herausstellt, es war ein Blödsinn (siehe Abschaffung der Studiengebühren, Nichtraucherschutz in Lokalen).

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Bernd, der Stutenflüsterer

Oder wie man in zwei Stunden richtig fraulich wird!

Bernd ist ein Universalgenie und er macht Seminare! Seminare, die kein Mensch braucht, man damit aber seinen Unterhalt finanzieren kann.

Wir erinnern uns an meine überlange Abhandlung über den starken Schwächling. Wo ich darüber berichtete, dass Männer nicht mehr das starke Geschlecht darstellen wollen. Als Gegengleichgewicht stellt Bernd Schrubka sein Frauenseminar auf, damit stark gewordene Frauen wieder schwach werden. 40 Jahre sexuelle Befreiung, weibliche Entfaltung macht er in nur zwei Stunden rückgängig. Besucht wird dieser Abend von Frauen, die wieder mehr Weiblichkeit zurückbekommen möchten. Sie fühlen sich hart und vermännlicht, wollen ihre sanften Züge wieder finden und zurückerlangen. Deswegen finden sie sich bei Bernd ein. Einem Mann, der für meine Begriffe wenig Ausstrahlung hat und dem auch das gewisse Etwas fehlt. Vielleicht wird man aber als Frau bescheiden, wenn man das Weibliche in sich sucht.
Bernd S. ist Schauspieler, er ist individuell einsetzbar, wie er uns in seiner Homepage wissen lässt. Bei spiegel-tv, immerhin in der 1000. Sendung wird darüber berichtet, er hat bei Pferden gelernt, wie man mit Frauen umgeht. Da galoppiere ich einmal vor Freude ein Runde, wiehere vor Lachen und tippe mir mit dem Huf auf die Stirn. Gezeigt wird, wie er ein Pferd zieht, eine Stute, zugegebener Maßen brutal an einem Strick hinter sich her. Das Pferd stellt den Kopf auf und macht den Eindruck, das ist ihm nicht genehm und geht unwillig hinterher. Vielleicht ist das aber auch eine natürliche Reaktion, wenn man fest am Maul mit einem Strick zieht? Er kommentiert es damit, das Pferd wäre bockig, weil man mit Zwang etwas erreichen will.

Hält man allerdings den Strick locker und spricht auf das (dumme) Pferd ein, dann trabt es bereitwillig seinem Flüsterer nach. Und so geht es mit Frauen auch, meint er, denn das habe er von den Pferden gelernt.

Der Stutenflüsterer versucht in einem zwei Stundenkursus Frauen wieder das frau sein beizubringen. Man sitzt mit Gleichgesinnten in einem Kreis, gegenüber der selbsternannte Tausendsassa und stellt sich vor. Da ist ein Opfer, das Bilanzbuchhalterin ist und sich als zu hart sieht, weil sie immer mit Zahlen umgeht. Dort eine Frau, die sich zu wenig weiblich fühlt. Frauen zwischen ein Meter vierzig und ein Meter neunzig, ich schätze Alter ab vierzig wollen mehr Weiblichkeit. Bernd lässt die Sessel zur Seite räumen, schwingt sich rittlings (das kommt vom Pferdeflüstern) auf einem verbliebenen Stuhl und bittet die Damen an ihm vorbeizuflanieren und kokettierende Blicke zu senden. Er fühlt sich sichtlich wohl in dieser Rolle, wenn ca 8-10 Frauen an ihm vorbeistaksen und laszive Blicke senden. Mit kurzen Sätzen wie: „Sehr gut, Blick, gut Monika. Schon viel besser Susanne, weiter so.“ oder ähnlich kommentiert er den Augenkontakt und es macht den Eindruck, er überlegt bereits, mit welcher Dame er eine Nachbesprechung unter vier Augen ansetzen will.
Nachdem das nonverbale Flirten abgeschlossen wurde, holen sich die lernwilligen Damen die Sonne vom Himmel. Denn so meint er, man muss das männliche Besitzergreifende einmal gelebt haben, um dann wieder ganz frau sein zu können. So heben sie die Arme hoch und reißen ein Loch in die Luft, indem sie die Hände greifend zu Fäusten formen und zu sich reißen. „Haaa, hoooo, aaaah“ sollte diese Aktion begleiten und hat einen Touch animalisches aber wenig männliches für mich.

Die Frauen fühlen sich nach dem Kurs allesamt gut und beurteilen sich plötzlich als weiblich. Ich sehe keinen Unterschied, aber ich bin auch eine Stute und mir fehlt vielleicht der Weitblick dazu. Der Kurs ist mit 45 Euro für zwei Stunden durchaus leistbar, besonders dann wenn er Erfolg verspricht. Alles in allem ein sehr gutes Schauspielerlebnis!

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Find ich grad gut!

Obwohl ich nicht so der Liedlposter bin.

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Keine Grabesstille

Um dem Klischee gerecht zu werden und in anderer Hinsicht ein wenig den Schnee zu genießen, spazierte ich gestern auf meinem „Lieblingsfriedhof“, was wirklich ein wenig irre klingt, wenn das wer Außenstehender hört. Aber aus der Überlegung heraus, ein wenig den Gedanken nachzuhängen und dabei alleine zu sein, muss man solche Orte aufsuchen.
Still ist es leider nicht in St. Marx, weil irre Stadtplaner direkt daneben die stärkst befahrenste Straße Europas gebaut haben. Da wummern vornehmlich LKWs über die Südosttangente und sind der einzige Störfaktor bei diesem Spaziergang.
Ein paar Fotos gemacht, dabei gemerkt, mein Akku ist nicht mehr der beste, weil die Leistung bei der Kälte rapide abfällt. Zuerst wollte ich die Fotos im Bildbearbeitungsprogramm auf schwarz/weiß nachbearbeiten, aber irgendwie wirken sie mit dem geringen Originalfarbanteil besser und haben doch mehr Tiefenwirkung.
Freilich sollte ich die Fotos extern hochladen, damit sie nicht so komprimiert werden müssen – aber das ist alles zu umständlich, zu kompliziert, außerdem verlieren sich die Bilder ohnehin im gesamten Webangebot. Für ein Stimmungsbild genügt es, so mein ich.

Übrigens sperrt der Friedhof St. Marx um 16 Uhr seine Pforten. Pünktlich fünf Minuten vor vier fuhr ein Wagen der Stadtgartenverwaltung durch den Park, um eine Kontrollfahrt zu machen, bevor die Gittertore versperrt wurden. Ich war aber komplett alleine unterwegs. Vor meiner Zeit, so erkannte ich das an den Spuren, waren zwei Spaziergänger unterwegs, die abseits wie ich auf den Wegen unterwegs waren und jemand mit einem Kinderwagen, der das Mozartdenkmal umkreiste. Somit waren es mit mir höchstens viereinhalb Leute die gestern die Parkanlage besuchten – was für ein Gefühl …

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Der starke Schwächling

Es geht um den Mann, beziehungsweise wie er sich zur Zeit in der Gesellschaft sieht. So war gestern im Club 2 die Krise der Männer im Gespräch.
Bitte ladt’s mich doch einmal zu solchen Diskussionen ein.
Da schlag ich gleich einmal die Hände über den Kopf zusammen und meine; Leutl’n lebt’s einfach und denkt’s nicht so darüber nach, ob ihr Weibl oder Mandl seids. Das ist ja zum Junge kriegen, wie man sich seit einigen Jahren über alles und jeden tausendfach den Kopf zerbricht.

Die Diskussionsrunde war gestern, obwohl ich Schmidtkunz sehr als Diskussionsleiterin schätze, gar nicht gut zusammengesetzt. Sie entwickelte auch dieses typische Emanzengekeife in hoher Tonlage, wenn sie ihre Fragen so stellte, um Antworten zu bekommen, die ihr genehm gewesen wären.
Nur eine einzige Frau wohnte der Diskussion bei. Sie lebt seit Jahren in Schweden, in einem Land das „Dschender“-gendermäßig ganz weit oben steht. Das ist das Land, wo man sich auch in Möbelhäusern duzt und so sagt sie, werde schon im Kindergarten lenkend eingegriffen, wenn Sandkistentyrannen sich zu Leaderpersönlichkeiten hervortun und damit eine Mitläufergruppe um sich scharen, eine Gruppe Opfer und eine Gruppe Zuschauer. Der Anthropologe Karl Grammer entgegnete spontan, in allen Ländern wo starke Kontrollmechanismen wirken, lebt es sich viel gegenderter. Damit bin ich einmal froh, als Gender-Weh in Österreich zu leben, aber dafür über freie Entscheidungsgewalt zu verfügen (was ziehe ich heute an?). Kein Vorteil ohne Nachteil im Leben, denn Österreich liegt nach Aussage Grammers an 87. Stelle im Gender-Gap-Report von 2007, was auch nicht stimmt, denn 2008 reiht uns der Report an 29. Stelle. Diese Studien richtig oder falsch sind zwar interessant im Vergleich, bringen einem persönlich aber relativ wenig.
So wurde in der Diskussion behauptet, ein Viertel der in Partnerschaften lebenden Frauen, wären nicht erwerbstätig, was allerdings nicht stimmt, wenn man dieser Studie glauben schenken darf (siehe Seite 18). Grammer meinte, eine Studie von 120 Kulturkreisen ergab, dass der Mann überall die gleiche Stellung bezieht, egal ob er im Mobelhausland wohnt, oder im verkorksten Österreich, das mit zu traditionellen Verhaltensmustern lebt. Also brauch ma gar nimmer weiter reden?

Eine Aussage wie viel Mann/Frau Anteil ein Mann in sich trägt, die ich einmal so stehen lassen will, weil ich da immer die Analyse von Äußerlichkeiten aus dem dritten Reich im Kopf habe, ist an den Fingern zu sehen. Je nachdem wie hoch der Testosterongehalt der Mutter während der Schwangerschaft war, so entwickelt sich der Mann. Ist er weniger hoch, ist er ein sensibler, gefühlvoller Mensch, ist er hoch gewesen ist der Macho schon vorgegeben. Erkennbar wäre das – und deshalb meine vorherigen Bedenken – an der Länge des Zeigefingers. Aaaah, jetzt schaut jeder auf seine Zeigefinger, brav! Beim MannMann ist der Zeigefinger größer als der Ringfinger, beim MannFrau ist er gleich groß oder kleiner. Genauso funktioniert das umgekehrt, eine FrauFrau hat einen kleineren Zeigefinger und eine FrauMann einen größeren. Frau Schmidtkunz ist eine FrauMann und erwähnte auch, es hat sie der Schlag getroffen, als ihre Tochter nach einer genderneutralen Erziehung im Kindergarten mit Puppen gespielt hat. Da sag ich einfach nur Ätsch und lache, denn nicht alles passiert so, wie man es sich wünscht. Ich selbst bin links eine FrauFrau und rechts ein Zwitter, weil gleich großer Zeige- und Ringfinger.

Nur kurz hat man sich in Statistiken verlaufen und kam dann wieder auf den Status quo zurück. Ein Teilnehmer war Manfred Twrzinik, der Männerseminare abhält. Er ist Informatiker (wieso schaut die HP so hässlich aus?), Erwachsenen(aus)bildner und Persönlichkeitstrainer. Darf ich sagen, was ich mir denke? Was es zur Zeit an Menschen gibt, die in der Erwachsenenausbildung, Vermögensverwaltung und Coaching tätig sind, das geht über keine Kuhhaut mehr. Ich spreche auch dem größten Teil deren Kompetenz ab. Nicht selten finden wir Personen in Vermögensberatungsfunktion wieder, die kurz davor mit ihrem Unternehmen in Konkurs gegangen sind. Damit will ich ihnen nicht absprechen, dass sie es vielleicht könnten, aber diese Fülle an Pseudocoachs macht mich schon nachdenklich. Und so macht Twrzinik in Sachen Mann. Ob ich wohl ein Trottel bin, weil ich es bis jetzt noch nicht zum Coach gebracht habe? (Wenn mir einmal fad ist, dann besuche ich ein Seminar zur Coachausbildung.) Seine Aussagen haben mich nicht überzeugt, genau so wenig wie seine Studien, wo er vierzig Frauen befragt haben will, was sie in der gemischtgeschlechtlichen Arbeitswelt stört. Angeblich ganz hinten rangiert die nicht gleiche Bezahlung bei gleichem Arbeitsauftrag. Ich verlinke seine HP nicht, aber Seminare mit den Titeln: Das Schweigen der Männer, Lustvoll Mann sein, Was Frauen glücklich macht, König, Krieger, Magier und Liebhaber sprechen Bände. Schon gewaltig, womit man Geld verdienen kann und vorallem, dass Leute solche Seminare besuchen ist doch bemerkenswert. Aussagen, man soll seinen Söhnen nicht sagen, ein Indianer kennt keinen Schmerz und man soll das mit Indianerin versuchen, sind schon wenig originell und ausgelutscht. Neue Ideen hatte er keine.

Ein Vorzeigemann war noch da, der auch der Minderheit der männlichen Karenzgeldempfänger zuzuschreiben ist. Er ist Gründer eines Männerspielplatzes, wo gebaggert, zerstört und geschrottet werden kann. Kunden sind vornehmlich Männer, die dieses Package zumeist von ihren Frauen geschenkt bekommen (typischer Fall von hat-schon-alles). Auch Firmenevents werden dort abgehalten – kein Wunder warum wir uns in einer Wirtschaftsrezession befinden. Wobei er anmerkte, da der Bagger nur mit zwei Finger zu steuern ist, wären Frauen in dem Fall viel geschickter als Männer im Umgang mit diesem Fahrzeug. Bitte jetzt nicht schmunzeln, das sind empirische Forschungsergebnisse dieses Herrn und entsprechen keinem gendergerechten Blickwinkel.

Grundtenor der Diskussion war – und das wundert mich sehr – der Mann fühlt sich in der Arbeitswelt einem unheimlichen Konkurrenzdenken ausgesetzt. Das entspricht nicht meiner Beobachtung, denn ich meine, Frauen haben ein ebengleiches Konkurrenzverhalten, sobald sie in einer höheren Etage sitzen. Wenn sie überhaupt einmal diese luftigen Höhen erreichen können. Für meine Begriffe bilden Männer sogar Seilschaften um sich untereinander zu fördern und hochzuhieven.

Die Diskussion war diesmal nicht so wirklich stark, trotzdem oder gerade deshalb weil so viele Männer darin gesessen sind … ?

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