Der starke Schwächling

Es geht um den Mann, beziehungsweise wie er sich zur Zeit in der Gesellschaft sieht. So war gestern im Club 2 die Krise der Männer im Gespräch.
Bitte ladt’s mich doch einmal zu solchen Diskussionen ein.
Da schlag ich gleich einmal die Hände über den Kopf zusammen und meine; Leutl’n lebt’s einfach und denkt’s nicht so darüber nach, ob ihr Weibl oder Mandl seids. Das ist ja zum Junge kriegen, wie man sich seit einigen Jahren über alles und jeden tausendfach den Kopf zerbricht.

Die Diskussionsrunde war gestern, obwohl ich Schmidtkunz sehr als Diskussionsleiterin schätze, gar nicht gut zusammengesetzt. Sie entwickelte auch dieses typische Emanzengekeife in hoher Tonlage, wenn sie ihre Fragen so stellte, um Antworten zu bekommen, die ihr genehm gewesen wären.
Nur eine einzige Frau wohnte der Diskussion bei. Sie lebt seit Jahren in Schweden, in einem Land das „Dschender“-gendermäßig ganz weit oben steht. Das ist das Land, wo man sich auch in Möbelhäusern duzt und so sagt sie, werde schon im Kindergarten lenkend eingegriffen, wenn Sandkistentyrannen sich zu Leaderpersönlichkeiten hervortun und damit eine Mitläufergruppe um sich scharen, eine Gruppe Opfer und eine Gruppe Zuschauer. Der Anthropologe Karl Grammer entgegnete spontan, in allen Ländern wo starke Kontrollmechanismen wirken, lebt es sich viel gegenderter. Damit bin ich einmal froh, als Gender-Weh in Österreich zu leben, aber dafür über freie Entscheidungsgewalt zu verfügen (was ziehe ich heute an?). Kein Vorteil ohne Nachteil im Leben, denn Österreich liegt nach Aussage Grammers an 87. Stelle im Gender-Gap-Report von 2007, was auch nicht stimmt, denn 2008 reiht uns der Report an 29. Stelle. Diese Studien richtig oder falsch sind zwar interessant im Vergleich, bringen einem persönlich aber relativ wenig.
So wurde in der Diskussion behauptet, ein Viertel der in Partnerschaften lebenden Frauen, wären nicht erwerbstätig, was allerdings nicht stimmt, wenn man dieser Studie glauben schenken darf (siehe Seite 18). Grammer meinte, eine Studie von 120 Kulturkreisen ergab, dass der Mann überall die gleiche Stellung bezieht, egal ob er im Mobelhausland wohnt, oder im verkorksten Österreich, das mit zu traditionellen Verhaltensmustern lebt. Also brauch ma gar nimmer weiter reden?

Eine Aussage wie viel Mann/Frau Anteil ein Mann in sich trägt, die ich einmal so stehen lassen will, weil ich da immer die Analyse von Äußerlichkeiten aus dem dritten Reich im Kopf habe, ist an den Fingern zu sehen. Je nachdem wie hoch der Testosterongehalt der Mutter während der Schwangerschaft war, so entwickelt sich der Mann. Ist er weniger hoch, ist er ein sensibler, gefühlvoller Mensch, ist er hoch gewesen ist der Macho schon vorgegeben. Erkennbar wäre das – und deshalb meine vorherigen Bedenken – an der Länge des Zeigefingers. Aaaah, jetzt schaut jeder auf seine Zeigefinger, brav! Beim MannMann ist der Zeigefinger größer als der Ringfinger, beim MannFrau ist er gleich groß oder kleiner. Genauso funktioniert das umgekehrt, eine FrauFrau hat einen kleineren Zeigefinger und eine FrauMann einen größeren. Frau Schmidtkunz ist eine FrauMann und erwähnte auch, es hat sie der Schlag getroffen, als ihre Tochter nach einer genderneutralen Erziehung im Kindergarten mit Puppen gespielt hat. Da sag ich einfach nur Ätsch und lache, denn nicht alles passiert so, wie man es sich wünscht. Ich selbst bin links eine FrauFrau und rechts ein Zwitter, weil gleich großer Zeige- und Ringfinger.

Nur kurz hat man sich in Statistiken verlaufen und kam dann wieder auf den Status quo zurück. Ein Teilnehmer war Manfred Twrzinik, der Männerseminare abhält. Er ist Informatiker (wieso schaut die HP so hässlich aus?), Erwachsenen(aus)bildner und Persönlichkeitstrainer. Darf ich sagen, was ich mir denke? Was es zur Zeit an Menschen gibt, die in der Erwachsenenausbildung, Vermögensverwaltung und Coaching tätig sind, das geht über keine Kuhhaut mehr. Ich spreche auch dem größten Teil deren Kompetenz ab. Nicht selten finden wir Personen in Vermögensberatungsfunktion wieder, die kurz davor mit ihrem Unternehmen in Konkurs gegangen sind. Damit will ich ihnen nicht absprechen, dass sie es vielleicht könnten, aber diese Fülle an Pseudocoachs macht mich schon nachdenklich. Und so macht Twrzinik in Sachen Mann. Ob ich wohl ein Trottel bin, weil ich es bis jetzt noch nicht zum Coach gebracht habe? (Wenn mir einmal fad ist, dann besuche ich ein Seminar zur Coachausbildung.) Seine Aussagen haben mich nicht überzeugt, genau so wenig wie seine Studien, wo er vierzig Frauen befragt haben will, was sie in der gemischtgeschlechtlichen Arbeitswelt stört. Angeblich ganz hinten rangiert die nicht gleiche Bezahlung bei gleichem Arbeitsauftrag. Ich verlinke seine HP nicht, aber Seminare mit den Titeln: Das Schweigen der Männer, Lustvoll Mann sein, Was Frauen glücklich macht, König, Krieger, Magier und Liebhaber sprechen Bände. Schon gewaltig, womit man Geld verdienen kann und vorallem, dass Leute solche Seminare besuchen ist doch bemerkenswert. Aussagen, man soll seinen Söhnen nicht sagen, ein Indianer kennt keinen Schmerz und man soll das mit Indianerin versuchen, sind schon wenig originell und ausgelutscht. Neue Ideen hatte er keine.

Ein Vorzeigemann war noch da, der auch der Minderheit der männlichen Karenzgeldempfänger zuzuschreiben ist. Er ist Gründer eines Männerspielplatzes, wo gebaggert, zerstört und geschrottet werden kann. Kunden sind vornehmlich Männer, die dieses Package zumeist von ihren Frauen geschenkt bekommen (typischer Fall von hat-schon-alles). Auch Firmenevents werden dort abgehalten – kein Wunder warum wir uns in einer Wirtschaftsrezession befinden. Wobei er anmerkte, da der Bagger nur mit zwei Finger zu steuern ist, wären Frauen in dem Fall viel geschickter als Männer im Umgang mit diesem Fahrzeug. Bitte jetzt nicht schmunzeln, das sind empirische Forschungsergebnisse dieses Herrn und entsprechen keinem gendergerechten Blickwinkel.

Grundtenor der Diskussion war – und das wundert mich sehr – der Mann fühlt sich in der Arbeitswelt einem unheimlichen Konkurrenzdenken ausgesetzt. Das entspricht nicht meiner Beobachtung, denn ich meine, Frauen haben ein ebengleiches Konkurrenzverhalten, sobald sie in einer höheren Etage sitzen. Wenn sie überhaupt einmal diese luftigen Höhen erreichen können. Für meine Begriffe bilden Männer sogar Seilschaften um sich untereinander zu fördern und hochzuhieven.

Die Diskussion war diesmal nicht so wirklich stark, trotzdem oder gerade deshalb weil so viele Männer darin gesessen sind … ?

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9 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

9 Antworten zu “Der starke Schwächling

  1. Wenn Dinge erst einmal nicht mehr selbstverständlich funktionieren – kiekt man die überhaupt erst einmal „richtig“ an, verbalisiert sie usw. Das trifft halt auch auf, igitt, „Geschlechterrollen“ usw. zu.

    Und der heißt wirklich „Schmidtkunz“? Krass!

    (… sorry… kchch…)

    Ich möchte darüber gar nicht mehr reden. Kchch.

  2. gDino: Schmidtkunz heißt Renata … 🙂
    Natürlich ist es wichtig darüber zu reden. Man kann es aber auch zerreden. 😉

  3. Herr(frau?)licher Beitrag! Da hab ich ja richtig was verpasst und weiß nun nicht wohin mit meinen MannMann-Händen. Krumm sind die Finger außerdem…

  4. die Schmidtkunz ist mir auch eine der liebsten Diskussionsleiterinnen. die kann das wirklich. Den Club hab ich nicht gesehen.

  5. Solange Männer nicht Kinder austragen können, kann von einer Gleichstellung keine Rede sein… aber wozu auch? Welcher Ideologie muß man eigentlich anhängen, um die Gleichmacherei zu befürworten? Warum die Menschheit zu einem Einheitsbrei verwursten?
    Frauen sind keine anderen Männer, und Männer keine andren Frauen – auch wenn Kindergärtnerinnen immer veruschen, Jungs zu lieben Mädchen zu erziehen…
    Warum nur dürfen die Menschen nicht so sein, wie es die Natur ihnen mitgegeben hat? Warum versuchen immer einige, die andren nach ihrem Bild zu formen?
    Da sollen sie sich lieber um wirkliche Gleichberechtigung kümmern als um Gleichmacherei. Und diese „Frauenförderung“ abschaffen, die im Zweifel die einzige Frau im Heer von hundert männlichen Bewerbern vorzeiht, nur weil sie eine Frau ist. Das ist nämlich diskriminierend!

  6. Pingback: Bernd, der Stutenflüsterer « Entegutallesgut

  7. @Petra: Interessant wäre, ob die Theorie mit den Fingern tatsächlich stimmt.

    @weltbeobachterin: Sie ist ausgesprochen eloquent. Aber, und das ist ein kleiner Minuspunkt, sie entwickelt eine leicht hysterische Art, wenn es um Frauenthemen geht.

    @Wolfram: Ich habe mir ein wenig Zeit gelassen für deinen Kommentar. Vielleicht hattest du schon Möglichkeit das weibliche Gegenstück zu meinem Blogbeitrag (siehe Trackback) zu lesen.
    Hier, in diesem Artikel ging es ja um den Mann, der sich zu sehr männlich fühlt und einem Druck ausgesetzt ist.
    Ich bin deinen Grundtenor zu diesem Thema betreffend ganz bei dir. Verhalten wir uns ganz natürlich als Mann und Frau, spielt auch jeder mit seinen Reizen, die uns ja allesamt auch ausmachen und zeigen doch, wie sehr wir uns auch behaupten können, dann wäre alles ganz normal. Diesen Leistungsdruck macht man sich ja selbst. Nicht, weil er von anderen Männer auferlegt wurde, sondern weil man unbedingt immer der Beste sein muss, sich am meisten leisten muss. Wer beruflichen Erfolg hat, der muss ihn auch nach außen durch Reichtum zeigen. Und wer seinen Erfolg im Beruf massiv forciert, kommt aus dieser Spirale nicht mehr heraus. Er muss immer weiter, immer angestrengter, bis er vielleicht mit 40 einen Schlaganfall hat und dann überlegt, was ist mir wichtiger?
    Die Frauen wiederum wollen auch nicht mehr die powerfrauen sein, sondern weich, anschmiegsam und kuschelig sein. Ihr harter Kampf gegen den Mann machte sie hart, ohne Zweifel. Teilweise haben sie reüssiert und sind dennoch nicht glücklich.

  8. Na ja – ich hatte aus dem hiesigen Eintrag herausgelesen, daß die m.E. natürlich gegebenen Geschlechtsunterschiede, nicht nur beim Zuhören und Einparken *g*, aus (wiederum m.E.) mehr oder weniger ideologischen Gründen heruntergeredet werden, auf Prägung geschoben werden. Der Druck auf die Mannheit ist meiner Beobachtung nach weithin der, sich „sozialverträglicher“, freundlicher, agressionsärmer, kommunikativer etc. zu verhalten – mithin: zu verweiblichen.
    Die Spirale des ImmerMehr gibts an allen Fronten, ob nun Karrierist (oder -in) oder Supermutter – die Superväter haben’s noch sauschwer, bei den Frauen anerkannt zu werden, und von den Supermännern werden sie eh verlacht… arme Männer. Sie endet bei Männern konstruktionsbedingt meist im Herzinfarkt (der Hirninfarkt ist etwas seltener), bei Frauen konstruktionsbedingt eher in Depressionen.
    Mein Plaidoyer geht dahin, daß man doch bitte die Verschiedenheit nicht als Drohung, sondern als Chance ergreifen solle. Wenn meine Frau wär wie ich, würden wir uns beide tödlich langweilen, in jeder Hinsicht! 😉

    So, und jetzt geh ich gleich mal den neuen Eintrag lesen.

  9. Pingback: Das Club-2-Blog

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