Tagesarchiv: Januar 23, 2009

Verschrottet was geht

– das kurbelt die Wirtschaft an.

Zumindest ist das die langläufige Meinung in Hinsicht der Automobilindustrie. Begleitet wird diese Idee mit der Dramatik durch Meldungen von Kurzarbeit und Kündigungen in diesem Industriezweig.

Eine vom Staat ausgelobte Verschrottungsprämie, die in Österreich noch zur Diskussion steht und bei 2.500 Euro liegen wird, soll diesem Trend entgegen wirken. Zögerlich ist man noch mit der Durchsetzung dieses Wirtschaftsförderungsprogrammes, da man sich nicht wirklich sicher ist, ob diese Maßnahme auch so greift wie man möchte.

Bekannt ist, das wird aber nicht wirklich publiziert, dass der Automobilmarkt seit einigen Jahren als gesättigt gilt. Es ist so gut wie kein Zuwachs an Gesamtzulassungen zu verzeichnen und der Anstieg der Neuzulassungen bewegt sich in einem Bereich, der fast vernachlässigbar ist. Somit sage ich einmal ganz bösartig, der PKW Industrie und allen damit verbundenen Zulieferern kommt die Wirtschaftskrise ganz gelegen. Gelegen insofern, wenn die Politik ein Stützungspaket nur für diesen einen Industriezweig schnürt. Dass aber alle Unternehmer, die bisher über gute Umsätze und auch -zuwächse berichteten, Absatzeinbußen durch die prekäre Wirtschaftslage verzeichnen, das wird verschwiegen oder nur hinter vorgehaltener Hand bestätigt. Also lasst uns alle Wirtschaftszweige gleich fördern: die Branntweiner, die Matratzenproduzenten und die Zahnbürstelbinder.

Als Nachschlag zu diesem Unterstützungsprogramm wurde erwähnt, die Fahrzeuge müssen tatsächlich verschrottet werden, was einerseits gut ist und andererseits wiederum schade, denn man könnte sie sehr gut in den Osten verscheppern. Was da an abgetackelten Totalschadenkraxn auf der Ostautobahn quer durch unsere Lande transportiert werden, ist schon sagenhaft. Also lag das anfangs für mich fast auf der Hand, ich steck das Geld ein und verklopf mein Auto nach Rumänien. Fest steht aber, wer money kassiert, dessen Auto kommt in die Presse.

Nun wer sagt aber, dass jeder, der ein zu verschrottendes Fahrzeug in seinem Besitz hat, auch über finanziellen Mittel verfügt, sich ein nigelnagelneues Auto zu kaufen? Wann ist ein Auto reif zur Verschrottung? Der Staat Österreich wäre sicherlich froh, wenn mein 9 Jahre alter Wagen der Verschrottung zugeführt wird, Hauptsache ich kaufe mir ein neues. Mein Hupfer rostet aber nicht, wirft auch keine dunkelblauen Wolken aus dem Auspuff und ist noch sehr gut unterwegs. Ich will, muss und kann mir somit kein neues Auto kaufen, weil ich auch gar nicht über die finanziellen Mittel zurzeit verfüge.

Auch die Argumentation, dass Deutsche zwar deutsche Autos fahren, aber Österreicher sich eher Reiskutschen kaufen ist nicht vom Tisch zu weisen. Es gibt keine österreichische Automarke, sondern wir kaufen ein zusammengebautes Sammelsurium an Einzelteilen aus aller Herren Länder, das zu einem geringen Prozentsatz auch aus Österreich stammt. Wir stützen allerdings mit unserer Verschrottungsprämie und dem daraus entstandenen Umsatzzuwachs auch unsere Nachbarländer und kommen dafür vielleicht in den Himmel, weil wir so gut und brav sind, aber der Reibach für’s eigene Land hält sich in Grenzen.

zahnburste-005Im gestrigen Eco wurde freilich mit einem Augenzwinkern die interessante These aufgestellt, man solle doch lieber in neue Matratzen investieren. Ein österreichischer Matratzenhersteller berichtete über den möglichen Umsatzzuwachs, der seinem Unternehmen zugute käme, würden die Österreicher eine Matratzenprämie bekommen. Was auch nicht von der Hand zu weisen ist, er hält nicht nur Arbeitsplätze, sondern könnte sogar 200 neue Arbeitsplätze schaffen! Und da beginnt man zu denken, denn das Geld wäre sicherlich für rein österreichische Unternehmen besser angelegt. Noch dazu weil in der eigenen Matratze die Milben wuseln und diese Bettunterlage alle 10 Jahre gewechselt werden sollte, weil die Materialmüdigkeit auch auf’s Kreuz geht. Ich muss mir das alles noch durch den Kopf gehen lassen, habe aber heute in verschwenderischem Wahnsinn meine Zahnbürste gewechselt, denn die hat auch schon mehr als müde ausgesehen. Und mein Auto lasse ich stehen, weil ich so einen guten Parkplatz habe und außerdem die Öffis auch gesponsert gehören!

Update: Keine 3 Stunden und dieser Bericht ist zum Teil schon wieder obsolet. Laut ORF Nachrichtendienst wird sich unsere Prämie auf 1500 Euro belaufen, gilt für Autos, die 13 und mehr Jahre am Buckel haben und das erst ab 1. April 09. Na bis dahin, kann man das Gesetz auch leicht rückwirkend machen, falls sich herausstellt, es war ein Blödsinn (siehe Abschaffung der Studiengebühren, Nichtraucherschutz in Lokalen).

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