Verschrottet was geht

– das kurbelt die Wirtschaft an.

Zumindest ist das die langläufige Meinung in Hinsicht der Automobilindustrie. Begleitet wird diese Idee mit der Dramatik durch Meldungen von Kurzarbeit und Kündigungen in diesem Industriezweig.

Eine vom Staat ausgelobte Verschrottungsprämie, die in Österreich noch zur Diskussion steht und bei 2.500 Euro liegen wird, soll diesem Trend entgegen wirken. Zögerlich ist man noch mit der Durchsetzung dieses Wirtschaftsförderungsprogrammes, da man sich nicht wirklich sicher ist, ob diese Maßnahme auch so greift wie man möchte.

Bekannt ist, das wird aber nicht wirklich publiziert, dass der Automobilmarkt seit einigen Jahren als gesättigt gilt. Es ist so gut wie kein Zuwachs an Gesamtzulassungen zu verzeichnen und der Anstieg der Neuzulassungen bewegt sich in einem Bereich, der fast vernachlässigbar ist. Somit sage ich einmal ganz bösartig, der PKW Industrie und allen damit verbundenen Zulieferern kommt die Wirtschaftskrise ganz gelegen. Gelegen insofern, wenn die Politik ein Stützungspaket nur für diesen einen Industriezweig schnürt. Dass aber alle Unternehmer, die bisher über gute Umsätze und auch -zuwächse berichteten, Absatzeinbußen durch die prekäre Wirtschaftslage verzeichnen, das wird verschwiegen oder nur hinter vorgehaltener Hand bestätigt. Also lasst uns alle Wirtschaftszweige gleich fördern: die Branntweiner, die Matratzenproduzenten und die Zahnbürstelbinder.

Als Nachschlag zu diesem Unterstützungsprogramm wurde erwähnt, die Fahrzeuge müssen tatsächlich verschrottet werden, was einerseits gut ist und andererseits wiederum schade, denn man könnte sie sehr gut in den Osten verscheppern. Was da an abgetackelten Totalschadenkraxn auf der Ostautobahn quer durch unsere Lande transportiert werden, ist schon sagenhaft. Also lag das anfangs für mich fast auf der Hand, ich steck das Geld ein und verklopf mein Auto nach Rumänien. Fest steht aber, wer money kassiert, dessen Auto kommt in die Presse.

Nun wer sagt aber, dass jeder, der ein zu verschrottendes Fahrzeug in seinem Besitz hat, auch über finanziellen Mittel verfügt, sich ein nigelnagelneues Auto zu kaufen? Wann ist ein Auto reif zur Verschrottung? Der Staat Österreich wäre sicherlich froh, wenn mein 9 Jahre alter Wagen der Verschrottung zugeführt wird, Hauptsache ich kaufe mir ein neues. Mein Hupfer rostet aber nicht, wirft auch keine dunkelblauen Wolken aus dem Auspuff und ist noch sehr gut unterwegs. Ich will, muss und kann mir somit kein neues Auto kaufen, weil ich auch gar nicht über die finanziellen Mittel zurzeit verfüge.

Auch die Argumentation, dass Deutsche zwar deutsche Autos fahren, aber Österreicher sich eher Reiskutschen kaufen ist nicht vom Tisch zu weisen. Es gibt keine österreichische Automarke, sondern wir kaufen ein zusammengebautes Sammelsurium an Einzelteilen aus aller Herren Länder, das zu einem geringen Prozentsatz auch aus Österreich stammt. Wir stützen allerdings mit unserer Verschrottungsprämie und dem daraus entstandenen Umsatzzuwachs auch unsere Nachbarländer und kommen dafür vielleicht in den Himmel, weil wir so gut und brav sind, aber der Reibach für’s eigene Land hält sich in Grenzen.

zahnburste-005Im gestrigen Eco wurde freilich mit einem Augenzwinkern die interessante These aufgestellt, man solle doch lieber in neue Matratzen investieren. Ein österreichischer Matratzenhersteller berichtete über den möglichen Umsatzzuwachs, der seinem Unternehmen zugute käme, würden die Österreicher eine Matratzenprämie bekommen. Was auch nicht von der Hand zu weisen ist, er hält nicht nur Arbeitsplätze, sondern könnte sogar 200 neue Arbeitsplätze schaffen! Und da beginnt man zu denken, denn das Geld wäre sicherlich für rein österreichische Unternehmen besser angelegt. Noch dazu weil in der eigenen Matratze die Milben wuseln und diese Bettunterlage alle 10 Jahre gewechselt werden sollte, weil die Materialmüdigkeit auch auf’s Kreuz geht. Ich muss mir das alles noch durch den Kopf gehen lassen, habe aber heute in verschwenderischem Wahnsinn meine Zahnbürste gewechselt, denn die hat auch schon mehr als müde ausgesehen. Und mein Auto lasse ich stehen, weil ich so einen guten Parkplatz habe und außerdem die Öffis auch gesponsert gehören!

Update: Keine 3 Stunden und dieser Bericht ist zum Teil schon wieder obsolet. Laut ORF Nachrichtendienst wird sich unsere Prämie auf 1500 Euro belaufen, gilt für Autos, die 13 und mehr Jahre am Buckel haben und das erst ab 1. April 09. Na bis dahin, kann man das Gesetz auch leicht rückwirkend machen, falls sich herausstellt, es war ein Blödsinn (siehe Abschaffung der Studiengebühren, Nichtraucherschutz in Lokalen).

21 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

21 Antworten zu “Verschrottet was geht

  1. meinen schönen alten volvo will auch keiner haben und für läppische zweifünf verschrotten? darauf hab ich keinen bock. also fahr‘ ich ihn halt, bis i stirb. was dich aber auch für themen umtreiben, meine herrn..

  2. Nach ein bisschen warten und es bleibt Nichts mehr davon übrig – quasi eingerostet. 😉

  3. hatte noch nie so ein rostnichtanfälliges auto wie den, also rosten tut er nicht, nirgends..

  4. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die Autoindustrie darauf kommt, einfach die Bremsen etwas unwirksamer auszulegen. Dann kracht es oefter und der Bedarf ist wieder geweckt. Alternativ kann man das durch Zusammenarbeit mit der Reifenindustrie erreichen, die einfach rutschigere Gummimischungen verwendet und – PARDAUZ – ist beiden geholfen.

    Oesterreich hat keine eigene Autoindustrie? Was ist denn mit Steyr-Puch?

    Und nein, fuer laeppische 2500 Euro (oder 1500 in Austria) wuerde ich mein Autochen nicht einstampfen lassen. Fuer das Geld kriege ich kein neues. Wobei wahrscheinlich diese Praemie sowieso schon auf den Neuwagenpreis draufgeschlagen wurde. (Und dann vermehrwertsteuert)

  5. @Lreporter: Ein Volvo gilt auch als Panzer. Du musst deutsche Autos fahren, wenn du ein guter Deutscher bist!

    @rufus: Rostet? Was?

    @DrPeeee: Steyr-Puch? In welcher Zeit leben wir denn gerade? http://de.wikipedia.org/wiki/Steyr-Daimler-Puch_AG
    Magna Steyr produziert nur Einzelklumpert, keine fahrtüchtigen österreichischen Gurken. http://de.wikipedia.org/wiki/Magna_Steyr
    Wehe, du klickst meine tollen Links nicht an! 😉

  6. was ich noch nicht rausbekommen habe, kriegt man die PRämie nur, wenn man ein nagelneues kauft? Wenn ja, ist das sinnlos, die meisten die so alte kisten fahren können sich kein komplett neues leisten.

  7. Na, die Prämie wird bald einrosten – einen Teil sollen übrigens die Autohändler zahlen und die Regierung klopft sich auf die schlappe Schulter.

  8. @weltbeobachterin: Ja, gebunden ist die Prämie an den Neukauf eines Autos, sogar wenn du dir einen Ferrari kaufst. 😉

    @rufus: Schaun wir einmal. Bis April rinnt noch viel Wasser die Donau runter.

  9. Dies sind so die Momente, in denen ich mich freue, Plattfußgänger zu sein…

  10. last not least würde durch das erhöhte wohlbefinden der pärchen im bett auch die geburtenrate steigen.

  11. @gDino: Na hoffentlich hat die Schuhindustrie keine Umsatzeinbrüche. Dann musst du deine Adiletten noch einstampfen lassen, um dir Flip Flöppchen kaufen zu dürfen.

    @herold: Hat er sich im Königspalast ver(w)irrt?

  12. lilly – ich führ gern einen touareg..

  13. Mein Auto mußte ich letztes Jahr schon einstampfen lassen und hab nix dafür gekriegt, weil ich für einen Neuwagen kein Kleingeld hab.
    Und so geht das doch eh: die Autos, für die die Prämie gilt, sind in dritter Hand und werden nicht gegen Neuwagen, sondern gegen Gebrauchte eingetauscht, wenns denn nötig ist. Außer vielleicht der Rentnerbenz, früher wär das mal ein Opel Rekord gewesen, aber der gehört ins Museum und nicht in die Presse. Eine Höchstgrenze fürs Alter wäre übrigens auch angemessen, bei einer gräßlichen Schrottaktion einer norddeutschen Zeitung wurde ein VW aus den Fünfzigern eingestampft, weil da jemand nur noch $$$$€€€€ sah und nicht mehr historisches Fahrzeug. *grummel*
    Den alten VOlvo würd ich schon haben mögen, wenn ich ihn zahlen könnt… aber die Finanzministerin gibt das Geld nicht frei; sie meint, der vorhandene Kombi hätte zu wenig Platz und müßte sicher demnächst mal einem Großraumfahrzeug weichen. Ich sag dazu nur: dann einen Peugeot Expert!

  14. @Lreporter: Zum Phaeton hätte ich dir nicht geraten … 😉

    @Wolfram: So viel Auto … und die fahren alle auf vier Rädern?

  15. @lilly – selbst verschwörungstheoretiker können einen phaeton von einem touareg unterscheiden 🙂

  16. Es gibt auch Dreirädrige, etwa von Piaggio… 😀
    Ansonsten: ja, vier Räder.

  17. @Lreporter & Wolfram: Vier Reifen, welche Farbe, ein voller Tank – das zählt für mich.

  18. Geht nich‘! Guckst Du hier

  19. Jene, deren Auto demnächst ohnehin verschrottet werden sollte, werden sich die Prämie abholen. Bezahlt durch Steuerzahler. Mehrumsatz für die Autoindustrie = 0. Mein Gott, was Politikern alles einfällt, nur um wiedergewählt zu werden.

  20. @gDino: Du gehst ja schon fast neben den Schuhen …. Hilfe!

    @lamiacucina: In den Köpfen der Politikern steht, man bekommt die Prämie nur, wenn man sich ein neues Auto kauft. Wollen wir schnell wetten, welche Fehler im Gesetz gemacht werden und es irgendwelche Schlupfwinkel gibt.

  21. @17: Die Farbe ist mir ziemlich egal, solang sie nicht pink ist… wichtiger ist mir die Größe des Kofferraums und die Anhängelast. Und weil der Tank nicht immer voll ist, auch der Verbrauch… (mit meinem ersten Auto hatte ich ca. 400km Reichweite, bei einem nominellen Tankvolumen von 40 Litern. Die folgenden hatten ca 50 Liter Tankvolumen, je nach Modell kam ich damit 400 (L300) bis 650 (Lancer 1..5i) Kilometer weit. Der 309 hatte 55 Liter, auf der Autobahn führte das sehr weit, im Stadtverkehr eher nicht… der rote KOmbi brachte mich mit 50 Litern 600 Kilometer, der jetzige mit ca 65 Litern getanktem Volumen – das genaue Tankvolumen kenne ich nicht – über 1000 Kilometer.)

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