Na Sie Dodl, i foar Rodl

Fällt mir gerade Georg Danzer ein – Gott hab ihn selig – wenn ich an Siezen und Duzen denke.

[…]Presst si aner mitn Schlittn
mitn durch die Leit
olle regn si furchtbar auf
nur eine Dame schreit:
„Heans si san mir scheint net gscheit?“[…]
So a Dodl mit da Rodl auf da Pistn
spü do jo kan Terroristen
weu wir nemman di
und sperrn di ein am Heisl
dann bist bestenfalls a Geisl[…]
Weana Bazi
sei net wahnsinnig und raz mi
aber lieber Herr das kann ja keiner wissen
sogt da Franz jetzt ganz beflissen
So a Dodl mit da Rodl owa Bitte
nehmts eam auf in unsrer mitte[…]

Textauszüge

Über das Thema, wann ich jemanden Duze oder Sieze, beschäftigte ich mich auch voriges, wie letztes Wochenende. Witziger Weise, wie Zufälle so spielen, hat auch mein Haus- und Hofinternetpfarrer dieses Thema aufgegriffen und von allen Seiten beleuchtet.

Die Wiener sind ja unter den Österreichern ein recht „steifes“ Volk. Wir sind nicht so locker und jovial wie unsere lieben Landsleute aus den Bundesländern. Die treffen sich, egal wo und wie, sobald sie wissen, der andere kommt nicht aus Wien, dann Duzen sie sich gleich. Nein, nein, der Wiener braucht recht lange, bis er so weit ist. Also ich nicht. Da ich außerdem bereits in einem Alter bin, wo ich das Du-Wort anbieten darf, nütze ich diese lässige Art gerne aus. Manchmal, wenn es den Anschein hat, ob man gleich alt ist, dann verplapper ich mich einmal unabsichtlich und mein Gegenüber kann schwer umhin, mich weiterhin zu Siezen.

Da war ich also in einem Seminar. Darüber könnte ich noch extra berichten, wie diverse eckige, wie runde Wölkchen auf allerlei fahrenden, nichtleuchtenden, selbstklebenden Tafeln in jeder Ecke des Raumes deponiert werden. Ich bäre mich jedes Mal total ab, wenn da Kommunikatinsstrategien erster Klasse angewandt werden und unsereins ein steifes Gnack bekommt, um einmal in die linke hintere Ecke zur hellgelben Sprachwolke, dann wieder auf die leuchtende Wand in der rechten hinteren Ecke, oder geradeaus auf die Vortragende schauen, die gerade ein eckiges rosa Taferl in der Hand hält. Ständig ist man in einem Orientierungsdilemma, wo man schauen soll. Also mich macht das fertig, Kommunikationsexperte hin oder her, ich will diese Herumrennerei mit bunten Wolken und Zettelchen in einem Raum der Ruhe NICHT! Ich kann mir das gerade merken was ich höre, besonders, wenn ich ein Skriptum vor mir liegen habe. 😉

Nun gut. Bevor wir unsere Wunschwölkchen ausfülllen durften, mussten wir Selbstklebeetiketten gemäß Muster unserer Vortragenden ausfüllen. Da steht ein Vorname, sagen wir einmal „Susanne“ drauf, während sie uns munter darauflos siezt. Da bin ich „Sie Ente“, er „Sie Johannes“ und sie „Sie Christiane“. Noch dazu, man denke sich dazu jetzt einen lauten Tusch, die Dame kommt aus dem Bundesland. Nix steife Wienerin, sondern lockere sagen wir einmal Kärntnerin.

Untereinander sind wir nach den ersten 15 Minuten alle per Du. Obwohl wir in einem Altersbereich von plus minus 25 Jahren liegen. Also da gab es richtige Krokodile (wie ich) und kleine Heuhupfer wie die anderen. Egal, wir hatten ein Ziel, möglichst viel an Wissenswertem aufzusaugen und wenn wir miteinander kommunizieren, unsere Denkkabine auf Trab bringen, dann duzt es sich einfach leichter. Nach 26 Stunden waren wir ein fest zusammengeschweißtes Team, haben uns die Bäuche vor Lachen gehalten und konnten auch ernsthaft arbeiten. Die Vortragende war nicht minder lustig und locker, aber sie konnte mit ihrem „Sie“ nicht in unsere Runde eindringen, obwohl sie auch ein junger Hupfer war.

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14 Kommentare

Eingeordnet unter befindlichkeiten, ente on tour

14 Antworten zu “Na Sie Dodl, i foar Rodl

  1. Von Geburt bin ich auch so eine steife Wienerin, der nicht leicht ein „Du“ über die Lippen kam. Seit ich aber einige Monate im Jahr auf dem Lande lebe hat sich das geändert. Ich muß mich jetzt zusammenreißen, Fremde in geselliger Runde mit „Sie“ anzusprechen. Diese „Du“ Einstellung hat sich auch eingebürgert, seit ich imm Internet unterwegs bin.

  2. LoBo

    Gut, dass Du mich an dieses Thema erinnerst. Ich muss jetzt einmal meinem Chef das Du-Wort anbieten, da ich ja der Meinung bin, dass es dem Untergebenen obliegt, das vertraulich Du zu offerieren, alles andere könnte mit Nötigung verbunden sein.

  3. @wienermaedel: Gut, wir sind aber auch eine Generation, wo uns das ewig lang eingetrichtert wurde, ja nicht ins „Du“ zu verfallen. Ich habe auch noch zu Freunden meiner Eltern „Tante Herta“ und „Onkel Rudi“ sagen müssen.
    PS: Aus akutem Zeitmangel war ich noch nicht auf deiner Seite. Sei mir nicht barsch, aber es geht leider momentan wirklich nicht. Denn wenn ich etwas mache, dann mache ich es ordentlich und nicht als husch-pfusch. 😉

  4. @LoBo: Vergiss ihm aber dabei nicht eine kräftige in den Buckel zu hauen, damit er weiß, ihr seid Freunde. 😉

  5. Ach bitte, machen Sie doch einen eigenen Beitrag über die Wölkchen und Taferln …

  6. ob DU oder SIE, bundesland oder hauptstadt, diese fragen haben aus der sicht des ZEN überhaupt keine bedeutung – weil es gedanken sind, die dich von dir und dem eigentlichen weg bringen..

  7. Beate

    HausundHofinternetpfarrer, ich schmeiss mich weg! 😀

  8. @rufus: Na und was ist, wenn die Gute das liest? Nur weil ich mich kritisch mit so einer Einlullerei eines Vortrages auseinandersetze, heißt das nicht, dass andere Menschen darauf nicht anspringen. Ein verstorbener Politiker und auch sein „ideologischer“ Nachfolger agieren auch mit solchen Taferln. Vermutlich habe ich deswegen auch so eine Abneigung dagegen.
    Vielleicht finde ich einmal einen Weg über Wortwölkchen-Aufhänger zu schreiben. Ich werde mir beim nächsten Kursus darüber Notizen machen, welche Gedankenblitze ich habe….

    @Lreporter: Ich kann zu einem „Sie“-Menschen auch eine Nähe aufbringen, die ich vielleicht bei einem „Du“-Menschen gar nicht empfinde. Ich hab mit Zen leider gar nichts am Hut. Eines ist mir nur aufgefallen, dass unsere gemeinsame Freundin, die ja jetzt Dschungelkönigin ist, vor laufender Kamera sagte: Laut Zen, Buddhismus, etc. soll man keine Erwartungen in Dinge setzen, um nicht entäuscht zu werden. Jetzt denke ich mir, ohne die einzelnen Geisteshaltungen im Detail zu kennen, lebe ich nach diesem Grundprinzip. Ich hätte vermutlich das Problem, würde ich mich damit mehr beschäftigen, dann hätte ich diesbezüglich Verhaltensblockaden.

    @Beate: 😀 Schmeiß dich nur nicht zu weit weg.

  9. lilly – gut ist es, das ego zu durchschauen – tut man das nicht, überlädt man sich mit kategorien und urteilen, lebt im widerstand, im stempelmuster seiner herkunft [ursprungsszenario] und hält dies für das leben..
    dass unsere gemeinsame freundin dschungelkönigin werden würde, war uns doch von anfang an klar, wa?!

  10. @Lreporter: In gewisser Weise war es klar, wenn man die kommerziellen Richtlinien eines Senders außen vor lässt, dann ja. Andererseits ist sie eine nonkonforme Vertreterin des „Golden Age“, also eigentlich eine Randgruppe mit ständig publiziertem Interesse der Wirtschaft. Ich halte diese Abstimmungen sowieso als komplett getürkt, egal ob es um das Tanzbein, die beste Stimme oder ums Kakerlakenfresser geht.
    Die Gundis wäre übrigens auch ein Kandidat für mich gewesen, nur ist sie mit ihrem ständigen Bedürfnis, Männer anzuspringen, mir ein wenig auf die Nerven gegangen. Also Küschelbedürfnis hin oder her, man kann auch Frauen drücken, wenn einem danach ist.

    Ego durchschauen, na ich weiß nicht, ob man sich jemals durchschauen kann. Wenn man aber in der Lage ist, es vor sich aufzubreiten und in Teilbereichen zu betrachten, dann ist das schon sehr hilfreich – aber mehr für sich selbst, als für die anderen. 😉

  11. die gundis fand ich auch gut [klang die in meinen ohren österreichisch?] – das ego besteht natürlich aus vielen facetten, auch aus hilfreichen 😉

  12. @Lreporter: Nein, die war keine Österreicherin. Also ich habe mir ja nicht jede Folge angesehen, aber das was ich hörte, war zwar ein nicht ausgeprägter deutscher Sprachschatz, aber sicher nicht österreichisch. Außerdem sind mir diese Leute bis auf die Mausi komplett fremd. Ich glaube noch nie jemanden bis jetzt im Fernsehen oder Kino gesehen zu haben. So traurig es ist, aber das sind leider abgetackelte Künstler, die noch einmal einen Boom erleben wollen. Und Lorielle will halt eine eigene Show und hat deswegen Würmer gegessen, damit man sie wahrnimmt. Stell dir vor, was aus uns werden würde, wenn wir im Dschungel über einer Latrine sitzen würden. Nicht auszudenken, man könnte sich vor lauter Berühmtheit gar nicht mehr selbst leiden. 😀

  13. kein Problem, ich weiß warum und es hat Zeit!
    Danke.

  14. verschrei’s nicht, vielleicht sitzen wir in einigen jahren -von kameras umgeben- um ein feuer in klein-bloggersdorf und lästern um die wette. gegen dich möcht‘ ich aber nicht antreten müssen, da hätt‘ i ka chance..

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